Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 26 (27.6.1902)
- Article
- Das goldene Buch [Nachricht]
- Date
- 1902-06-27
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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Nr. 26 >Die Welt*6 Seite 9 Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Frau Berta Isaakowna-Zeitlin in Baku 100 Rubel. Lipman Eruch^mo witsch Itzko witsch» in Jgaku 100 Rubel. Chaim Schimon, Sohn des Josef Gutmann in Baku 100 Rubel. Kune, Tochter des Israel Gut mann, in Baku J00 Rubel. Zionistenverein in Kriwoi Torez, Gouv. Ekaterinoslaw, 95 Rubel. L. S chalit in Ri ga 10 Pfund St. Dr. N. Katzen eis oh n in Li bau 10 Pfund St. Schweizer Zionistenverband 10 Pfund St. „The Bulawayo Chovevi Zion Society" in Bulawayo 25 Pfund St. Verein „Neifess Zion, Gebrüder Marmorek" in Odessa, zum Andenken an den verewigten Dr. Josef, Sohn des Alexander Marmorek, 252 Kr. (bereits im Spendenverzeichnisse der N. 23 der „Welt" ausgewiesen). Die zionistischen Sektionen „Abraham Mapu" und „ J e h u d a Hanassy" in G r a j o w a 250 Francs. Correspondenzen und Telegramme. Zur Lage der Juden in Russland. Siawjansk. Dieser im Gouvernement Charkow liegender Kürort war bis jetzt kranken Juden stets zugänglich. Heuer jedoch ist eine Verfügung getroffen worden, Juden zum Kurgebrauche in Siawjansk nicht zuzulassen. Viele kranke Familien, welche in Siawjansk Heilung suchen wollten, wurden ausgewiesen. * Riga. Auf Grund einer Verordnung der Gouvernement-Verwaltung wurde, wie die „Düna-Zeitung" meldet, den Juden das Recht genommen, in den der Küste entlang liegenden Sommerfrischen zeitweiligen Aufenthalt zu nehmen. Viele arme Juden, welche in diesen Ortschaften zur Sommerzeit Kleinhandel betrieben, wurden ebenfalls ausgewiesen. * Kawkas. Die Verwaltung der Mineralwässer im Kaukasus hat, wie der „Kawkaskij ^iniralnij Wjestnik" mitteilt, offiziell bekanntgegeben, dass Juden der Aufenthalt in den Kurorten verboten wurde. Sämmtliche Gesuche von kranken Juden um Bewilligung des Kurgebrauches wurden zurückgewiesen. Sogar die jüdischen Kaufleute erster Gilde, welche zu Handelszwecken überall in Russland wohnen dürfen, wurden verpflichtet, während ihres Aufenthaltes in den kaukasischen Kurorten die Mineralwässer nicht zu trinken. * Kiew. Auf Anordnung des Gouverneurs von Kiew wurde den Juden bekanntgegeben, dass Gesuche um Bewilligung des Sommeraufenthaltes in den waldreichen Ortschaften Bojarka, Swatoschina und Puschza-Wodiza unter Beilegung eines ärztlichen Krankheitsattestes denijGouverneur unterbreitet werde a müssen, von dessen Wohlwollen es abhängt, ob dem Gesuche stattgegeben wird oder nicht. * Tschernigow. Der in der Nähe der Stadt liegende Sommer-Aufenthaltsort Darnizy wurde heuer auf Verfügung der Behörde den Juden gesperrt. Das Charakteristische daran ist, dass dieser Ort im sogenannten jüdischen Niederlassungsgebiete liegt, wo den Juden der Aufenthalt ausnahmslos gestattet ist. Der Petersburger Senat hat oftmals in diesem Sinne entschieden, die Behörden handeln aber nach ihrem Gutdünken. * Mandschurei. Der „Wostotschny Wjestnik" meldet, dass die Frage von dem Niederlassungsrechte der Juden in der Mandschurei nunmehr endgiltig entschieden worden ist. Den Juden wurde der Aufenthalt in der Mandschurei für immer verboten. Juden, welche nach dem fernen Osten reisen, werden auf den Eisenbahn-Stationen angehalten und zur Rückreise gezwungen. * Odessa. Die Direktion der Schule für Handelsschiffahrt in Odessa hat vom russischen Finanzminister den Befehl erhalten, in die neu eröffnete mechanische Abtheilung dieser Schule Juden nur in äusserst beschränkter Zahl aufzunehmen. Odessa. Dem „Standard" wird unter dem 4. Juni aus Odessa telegraphiert: Nach einem Gouvernements-Erlass sollen alle Juden, die in den Eisenerz- und Kohlenbergwerken des Gouvernements Jekaterinos- 1 a w beschäftigt sind, im Laufe dieses Monats aus ihrem Dienstverhältnis entlassen werden. Diejenigen, welchen gesetzlich kein Domizilrecht zusteht, sollen ausserdem aus dem Gouvernement ausgewiesen werden. Einige Ausnahmen werden mit Bezug auf solche Juden gemacht, die in den Bureaux der betreffenden Bergwerksgesellschaften tätig sind, doch soll auch deren Ausweisung in Zukunft dem Gouverneur der Provinz freistehen. Jekaterinoslaw ist der grösste Bergwerksdistrikfc Russlands. Man kann wohl sagen, dass die Haltte des Bodens aus Eisenlagern und die andere Hälfte aus Kohlenlagern besteht. Durch das Edikt werden 40,000—50,000 Juden betroffen. * Petersburg* Auf Verfügung des Ministers des Innern wurde den Juden im Reiche das Recht entzogen*, den Verkauf von Staatspapieren und Lose zu betreiben. Es wurde gleichzeitig angeordnet, die bei den verschiedenen Ressorts als Agenten angestellten Juden zu entlassen. * Warschau. Dr. Lawiagin teilt in dem offiziellen „Warschawski Dnjewnik" die traurige Tatsache mit, dass unter den Juden Warschaus der Hungertyphus immer weiter um sich greift. Anfangs nur an der Peripherie der Stadt auftauchend, dringt er immer mehr nach dem Zentrum vor und fordert namentlich unter der ärmeren jüdischen Bevölkerung zahlreiche Opfer. Schon im Jahre 1900 gab es in Warschau 99 Hungertyphuskranke, darunter nicht weniger als 72 Juden. Im folgenden Jahre stieg die Zahl auf 243, davon 143 Juden. In den ersten 4 Monaten des laufenden Jahres betrug die Zahl der Erkrankten bereits 172, darunter 104 64*7 Perzent Juden. * New-York, 25. Mai. Heute hielten Bürger aller Konfessionen eine Versammlung ab, in welcher die Ausschliessung gewisser amerikanischer Bürger(!!) aus Russland besprochen wurde. Bekanntlich lässt die Regierung des Zaren selbst mit amerikanischen Pässen versehene Juden nicht über die Grenze, und so wurde kürzlich, wie ein Redner ausführte, das Betreten russischen Bodens einem hervorragenden amerikanischen Rabbiner, der seine alten Eltern besuchen wollte, verboten. Angesichts dieser Haltung der russischen Regierung hat nun kürzlich das Kongressmitglied Goldfogle mittelst einer einstimmig im Kongress angenommenen Resolution beim Staatsdepartement in Anregung gebracht, bei der russischen Regierung aufs neue in dieser Sache vorstellig zu werden. Einmal ist früher — vor acht oder zehn Jahren — schon eine solche Resolution gefasst worden, indessen hatte man damals den Fehler gemacht, auch für die in Russland wohnenden Juden, russische Untertanen, einzutreten. Der gegenwärtige Beschlussantrag hat dies vermieden, er schliesst nur amerikanische Bürger ein. Um dem Staats-