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Die Welt · 1902-06-27 · 26 (27.6.1902) · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
26 (27.6.1902)
Article
Beiträge zur Kenntnis Palästinas
Date
1902-06-27
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 26 „Die 2*s Welt*4 öene d zum Reichthum führt Es besteht nämlich in Folgendem : Das Aerar fordert den Zehnten von der Ernte ein. Mit den verschiedenen Ergänzungstaxen, wie Subu vubu (Abgabe für Moscheen und Schulen etc.), werden nun schon 12—13% vom Bruttoertrage der Ernte erhoben. Die Erhebung geschieht in natura für die Körner, in Geld nach Schätzung für die Früchte. Das Eintreiben des Zehnten geschieht auf zwei verschiedene Arten. Bald ist es der Verwaltungsrath des Districtes (Mejless Idarah), der sich damit abgibt, es wird in diesem Falle „emanet", Sicherheit, Treue (Trust) genannt. Es ist also ein von der Mejless damit betrauter Mann, der die Ernte beaufsichtigt und die reglementmässige Taxe erhebt Auf diese Weise wird der Zehnte in dem grössten Theile von Anatolien erhoben. Die eingezogene Ware wird in ein „Alambar", Magazin zusammengetragen und später an den Meistbietenden versteigert. Dieser Vorgang ist für den Bauern am wenigsten ruinierend, für die Regierung ist er aber mit grossen Spesen und Verlusten verbunden. In Syrien wird nicht „Emanet", sondern „Moukataah" prakticiert. Moukataäh heisst so viel, wie „in Accord". Der Wert der Ernte eines Dorfes oder eines Gutes ist ziemlich genau bekannt Natürlich wechselt dieser Wert gemäss den mehr oder weniger fruchtbaren Jahren. Die Aufstellung dieses Wertes hängt von der Ortsregierung ab. Da aber jeder Beamte bemüht ist, der Obrigkeit seinen besonderen Eifer zu zeigen, so ist es schon zum Princip geworden, die Leute etwas zu drücken und ihnen höhere Taxen aufzuzwingen, als sie im vergangenen Jahre zahlten, und dies ganz unabhängig vom Stande der Ernte. Nachdem, nun der Wert des Zehnten für ein Dorf oder für ein Gut auf diese Weise bestimmt wurde, wird der Zehnte meistbietend versteigert, wenn es die Bewohner des Dorfes nicht vorziehen, denselben auf eigene Rechnung abzugewinnen. Der Meistbietende erwirbt ihn, er wird Multezem, der Verpflichtete, d. h, er ist verpflichtet, die bestimmten Summen einzutreiben. Zu diesem Zwecke umgibt er sich mit Reitern und Wächtern, die verpflichtet sind, die „bajadirs'y die Tennen zu bewachen. Indem er sich die Beihilfe zunutze macht, die die Regierung ihm gewähren muss, um den Zehnten bei den sich weigernden Bauern einzutreiben, erpresst der Multezem den Bauern fast immer 15und20% ihres mageren Ertrages. Seinerseits versucht auch der Bauer, einen Theil seiner Ernte zu verheimlichen, um dem Zehnten zu entgehen. Aber es ist um ihn geschehen, falls man ihn erwischt, denn wie er selber sagt, wenn er nur so viel, wie ein „wamal" (Ameise) wegschleppen kann, hinterzogen hat, wird er beschuldigt, so viel, wie ein „gamal" (Kameel) gestohlen zu haben, und nun gibt es kein Ende, für die Abgaben, die man ihn zahlen lässt. Dieser Vorgang der Erhebung des Zehnten ist es, der den Bauern ruiniert und den Effendi bereichert. Wir marschieren noch eine Stunde in Begleitung dieser Person, die Multezem von Zei'ta, Djelameh und der umliegenden Ortschaften ist, und wird man sich wohl vorstellen, wie glücklich wir waren, nach 15-stündigem Ritt die Gastfreundschaft unseres Freundes Dr. A. M. Schalit in Nabulus zu geniessen, der sich erst kürzlich in dieser Stadt niedergelassen hat und mit der Familie eines Schneiders vorläufig die gesammte jüdische Colonie von Nabulus bildet. (Fortsetzung folgt.) Amsterdamer Brief. Amsterdam ist bekanntlich das Herz Hollands und insbesondere auch das Herz des holländischen Judentums. Das Herz ist krank. Es gab eine Zeit, da prinzipielle Fragen die Juden in Parteien teilten. Das ist vorbei. Es gibt keine Prinzipien und keine Parteien mehr. Nichts ist übrig geblieben, als eine rein persönliche Gemeinde-Politik. Nicht, was dem ganzen Judentum, ja sogar nicht, was den Interessen der Amsterdamer Judenschaft frommt, ist der Angelpunkt der Tätigkeit der Kahal-Grössen, sondern kleinliche Eifersüchteleien, spielen die Hauptrolle und die einst berühmte Juden gemeinde von Amsterdam verfällt von Tag zu Tag. Der Zionismus hat hier erweckend und erfrischend gewirkt. Die Tage des Eadaus gegen denselben sind vorüber. Die alten Rabbiner haben ihre Predigten gegen den Zionismus eingestellt und die jungen sind zumeist selbst Zionisten, wenn sie es auch vielfach noch nicht öffentlich zur Schau zu tragen wagen. Aber die Stimmung gegen den Zionismus ist eine entschieden wohlwollendere. Insbesonders unter der Jugend, den Studenten und den Sozialdemokraten finden sie viele Sympathien. Auch hat der Zionismus sich durch seine Gegenwarts- Arbeit viele Freunde gemacht hier in Amsterdam, durch Errichtung einer Toynbee-Halle im Juden viertel. Diese Gründung, welche über Initiative der Zionisten erfolgte, wird aber nicht von ihnen allein, sondern auch von orthodoxen Vereinen und auch von solchen, welche keine religiösen, sondern wirtschaftliche Tendenzen haben, unterstützt. Natürlich wird in der Toynbee-Halle neben anderen GegenständetfKanch Hebräisch gelehrt. Nun soll der Fall vorgekommen sein, dass eine jüdische Dame, die anfangs mitgearbeitet hatte, ihre spätere Teilnahme mit der Motivierung abgelehnt hat, die Sache sei ihr zu jüdisch. (!) Es gibt aber mehrere Christen, die das durchaus nicht hindert, die humane Institution in jeder Weise werktätig zu fördern. Die Toynbee-Halle hat für den Zionismus auch agitatorisch gewirkt, indem mehrere der aktiven Mitglieder durch die Anregungen, die sie dort empfangen haben, sich ehrlich zum Zionismus bekehrt haben. Wir haben noch eine Toynbee-Halle in Groningen und im Haag gegründet, welche beide — letztere unter Leitung des ObciTabbiners — sehr gut gedeihen. Den vergangenen Winter sprachen hier verschiedene auswärtige Redner, darunter Mr. de Haas aus London. Ein guter Redner kann in den von Juden bewohnten Städten, wie Utrecht, Groningen, Haarlem, viel zur Ausbreitung des Zionismus beitragen. Leider stehen uns aber bewährte Redner nicht zur Verfügung. Mit dem Redner allein ist's freilich nicht getan. Es muss dann immer noch nachgearbeitet werden. Die Hauptsache bleibt die persönliche Propaganda. Gerhard P o 1 a k. Weiteres über die Jargonliteratur. Von M. J. Bcräyczeivshi. Seit meinem Vortrage überglas Wesen und die Stellung dieses Sehriftthums*) konnte sich manches geändert haben. Der Altmeister S c h a lom J a k o b A b r a m o w i t z ist noch immer rastlos in seinem Schaffen, dabei wird sein Werk nicht vermehrt, nicht anders. Ich gestehe, es ist mir zuweilen fast unbegreiflich, wie man sein Lebenlang immer in einem Ton ausharren kann, wie man nicht aufschreit im Angesicht aller Trübsal, oder der Welt tind dem Leben nicht zujauchzt, wenn der Frühling einem ins Herz dringt. Aber darin liegt eben seine Grösse, dass er sich niemals verräth, dass man nie bei ihm wissen kann, ob er liebt oder hasst, oder sonst was; dass er die Dinge dem Winde und Wetter nicht aussetzt . . . Diese Imverrückbarkeit in seiner Dichtung, diese ewige Harmonie auch beim Zusammenbruch, beim grossen Weh macht ihn für alle Zeiten unvergleichlich. Und umsomelir wächst unsere Bewunderung für ihn, da er äusserlich vom engen Eahmen der Aufklärung *) Vgl.;,Die Welt" Nr. 14 vom 4, April 1902.

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