Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1902-06-20 · 25 (20.6.1902) · p. 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
25 (20.6.1902)
Article
Plonsk (Gouvernement Warschau) [Nachricht]
Date
1902-06-20
Page
14 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3315959-3315985--33064-3322335
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 14 4f>te X*Welt" Nr. 25 Standsmitglieder Herren W. Grün, S. Aj zik u.M. Jospe besprachen verschiedene Fragen der Bewegung. Es wurde ein neues Organisationsstatut für den Verein geschaffen. Jedes Mitglied ist verpflichtet, eine Sparbüchse für den Nationalfonds zuhause zu haben. Jeden Samstag ist Vereinsversarnmlung, wobei zionistische Reden gehalten, Gr ätz' Geschichte, die Haftorah und Pirke Aboth sowie die „Welt" vorgelesen werden. Die Zahl der Mitglieder wächst trotz der Gegnerschaft des hierortigen Chassidismus stetig. Die oben angeführten Vorstandsmitglieder arbeiten eifrig nicht nur hier, sondern auch in der Umgebung, wo sie zahlreiche Vereine ins Leben riefen. Herr A j z y k ist von Herrn Dr. Jasinowski, Mitglied des Actions-Comites, zu seinem Beirath gemacht worden. Dank der unermüdlichen Thätigkeit des Herrn Grün wurde im vergangenen Jahre ein Muster-Cheder gegründet, in welchem circa zwanzig Kinder nach der Berlitz-Methode in nationalem Sinne Unterrricht erhalten. England. Manchester. In einer sehr gut besuchten Versammlung des hiesigen Zionisten-Vereines besprach Vicepräsident Mr. L. J. Loewy' die Thätigkeit der verschiedenen Comites seit der Amalgamierung der früher bestandenen Vereine. Er constatierte, dass durch die Vereinigung und concentrierte Thätigkeit der Zionismus in Manchester an Ansehen und Ausdehnung gewonnen habe. Das literarische Comite plant einen grossen Cyklus von Vorträgen mit Debatten. Das Propaganda-Comite' veranstaltet am 15. Juli ein Massenmeeting zur Feier der Eröffaung der neuen Localitäten. Die Anwesenheit der Führer der englischen Zionisten sei zugesichert, aber es sei auch möglich, dass Dr. Herzl und Dr. Nordau eigens nach Manchester kommen werden. (Cheers.) Eine Gesellschaft zur Förderung der Kenntnis der hebräischen Sprache ist vom Vereine gegründet worden und durch einen interessanten Vortrag des Mr. J. Vasilevsky in hebräischer Sprache eröffnet worden. - Die Mittheilungen wurden beifällig aufgenommen und discutiert. Stadtrath Dreyfus führte den Vorsitz. Liverpool. Die Vierteljahrs-Versammlung der,»Liverpool Ladies Zionist Association" wurde am 8. Juni in der Zionisten-Halle abgehalten. Mrs. Zacharias präsidierte. Miss S c h n i t zl an d er hielt eine Vorlesung unter dem Titel „Warum die Frauen Zionistinnen sein müssen". Dieselbe fand den lebhaftesten Beifall der Versammlung. — Rev. S. Alfred Adler hält am 15. Juni einen Vortrag über „Die Aussichten des Colonial-Judenthums'-. Dublin (Irland). Die „Töchter Zions" haben ihr Comite folgendermassen neugebildet: PräsidentinMrs.H.E. Barron, Schatzmeisfcerin .Mrs. J. Noyk, Secretärin Mrs. M. ßerm an; Comite: Mrs. Nurvek, Mrs. Watchman, Mrs. Baker, Mrs. Berman, Mrs. King, Mrs. Ginsberg, Mrs. Greenberg, Miss E p p e 1, Miss King, Miss Eu binstein, Miss Newnoan. Sud-Afrika. Capetown. Der 3. Jahresbericht der „Dorshei Zion Association'4 zeugt von dem grossen Anwachsen der Mitglieder: G25 gegen 375 im vorigen Jahre. Die Einkünfte des Vereines betrugen im Berichtsjahre i£743, 16 sh. 772d., (über 18.000 Kronen). 200 Actien der Colonialbank wurden vom Vereine und 500 von den Mitgliedern gekauft. Heber Auftrag der ,,South African Zionist Federation" wurde am 13. October 1901 ein Share-Club begründet, um den Vertrieb der Shares zu erleichtern. Dieser Zweck wurde thatsächlich in grossem Masse erreicht, indem über 1200 Shares auf diese Weise abgesetzt wurden. Standerton, den 11. Mai 1902. Hier wurde heute eine imposante Versammlung abgehalten, an der sich alle jüdischen Einwohner unserer Stadt betheiligten. Die ersten zwei Redner, Soldaten in der englischen Armee, die nebst ihren Erfahrungen aus verschiedenen Ländern, soweit sie die zionistische Bewegung betreffen, auch Palästina besprachen, kamen zu dem Schlüsse, dass jeder Jude geistig und materiell den Zionismus unterstützen müsse. Nach der Neuwahl, bei der wir unseren Mr. Abrahams als Präsidenten wiederwählten, einen Mann, der mit Leib und Seele an der Bewegung hängt, sprach ein neues Mitglied der Vereinigung über das Nationalgefühl der Juden, wobei er ans Herz legte, dass jeder sich der Bewegung nicht nur anschliessen, sondern auch für ihre Verbreitung sorgen müsse. „Dort wo die Ceder" wurde zum Vereinsliede erwählt. Erwähnen will ich noch, da^s bei einer der letzten Versammlungen 210 Shares von unseren verhältnismässig wenigen Mitgliedern gekauft wurden. K. K. Jüdische Jugend. Ihr habt an tausend Jahre unser Volk gequält! Verbrannt habt Ihr die Männer und die Weiber Misshandelt! O! Gemordet habt Ihr ungezählt, Noch steigt vom Grab die Moderluft der Leiber, Noch zittern angstvoll uns're alten Leute Vor Eurem Hasse, Eurer feigen Meute! Wir aber, wir sind aus dem Schreckenstraum erwacht, Wir wollen wacker steh'n und Recht uns schaffen! Und was die Aeltesten von uns nicht mehr gedacht: Wir werden unser heü'ges Land aufs neu erraffen! Und neu soll eine Burg auf Zion ragen, Das freie Land ein freies Juda tragen! Ulm. L. Mann. Der alte Jude. Von N. Garine. Deutsch von Julie Goldbaum. Ein feiner, dichter Regen fällt vom Himmel herab und hüllt die Ferne in einen nassen Schleier ein. Ein heftiger Wind packt die Bäume und beugt sie, und nasse gelbliche Blätter fallen zu Boden. Der rechte Herbsttag. Ringsum schmutzige Felder, feuchte Getreidehaufen auf dem dunklen Boden. Der Regen erzählt den Besitzern aller dieser Getreidehaufen das böse Märchen von den vereitelten reichen Hoffnungen. Nichts wird zurückbleiben. — Und der alte Jude — gross, schwerfällig, schmutzig und gebückt — blickt mit traurigem Auge hinter dem Regenschirme hervor. Die Pferde ziehen leichten Schrittes das sich nach einer Seite neigende Korbwägelchen; der durchnässte Kittel des Kutschers glänzt wie Seide, und das Wasser rieselt unaufhörlich von seiner Mütze auf seinen Rücken herunter — der Kutscher aber sitzt unbeweglich wie eine Bildsäule. „Ach — ach — ach", seufzt der alte Jude und versinkt in die Nebelträume seiner Seele. Auch dort herbstelt es. Das alte, nun unnütze Leben nähert sich seinem Ende. Nichts ist ihm von diesem Leben zurückgeblieben, als das Bewusstsein, dass er die Gesetze befolgt, das Verbotene nicht gegessen und den Sabbath geheiligt habe ... Schlecht ist es gegangen, murmelte er vor sich hin, so schlecht, dass man es sich ärger nicht vorstellen kann, und trotzdem wird es noch ärger. Das Unglück geschah, als er aufhören niusste, Geld auf Zinsen zu leihen. Die Kinder drangen darauf — sie sind gelehrt, seine Kinder — ach — ach — es schickt sich nicht, sagen sie . .. Da hat er denn ein Grundstück gekauft. . . Die Sache ist bis an den Senat gegangen, es handelte sich darum, ob ein deportierter Jude das Recht habe, in dem Deportationsorte Boden zu erwerben. Der Kaufvertrag wurde vom Senat bestätigt. Wie hätte er ihn auch nicht bestätigen sollen? Ein Mensch muss ja irgendwo leben. Er hatte eine Schuld begangen und war verschickt worden. Das Herz blutete ihm um die alte Heimat - dort war die Sonne anders, die Menschen anders. Mehr als fünfundzwanzig Jahre sind seitdem vergangen, endlich hatte er es verschmerzt. Die fremde Gegend ist ihm eine neue Heimat geworden. Er hat sich dort durchgebracht, hat den Verkauf von Gütern vermittelt, Geld auf Zinsen gegeben . . . Thun die Russen denn nicht dasselbe? Der Russe ist noch ärger: Der Jude isst kein Trefes, der Russe aber schluckt alles mit sammt den Stiefeln herunter . . . Sjemien Illarionowitsch hat ein Viertel Gouvernement adeliger Güter verschluckt und hat sich dabei nicht erwürgt: zweimalhunderttausend Dessiatinen*) ) Eine Dessiatine ungefähr ein Hektar,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.