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Die Welt · 1902-06-20 · 25 (20.6.1902) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
25 (20.6.1902)
Article
Die Boeren und die Bibel
Date
1902-06-20
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „Die 2$ Weit00 Nr. .25 oftmals mehr Verstand als Kraft angewendet wurde. Der Boere kennt alle diese Erzählungen und hält sich an sie. Der Riese Goliath ist ihm. der Typus eines starken, aber tölpelhaften, ungeschlachten Menschen. „Verstand hatte er nicht mehr als ein Ochs", meint er. Hingegen ist König David der Liebling aller Boeren. Jeder Soldat des Boerenheeres vergleicht sich mit dem König David. Im allgemeinen schätzen sie die Klugheit in der Kriegführung höher, als die Tapferkeit. Sie scheuen das unnütze Blutvergiessen, und wenn sie sehen, dass der Feind ihnen gar zu überlegen ist, ziehen sie sich unbedenklich zurück. Jeder Boerensoldat führt eine Bibel mit sich, in der er in den Ruhepausen eifrig liest. Die Commandanten ertheilen ihre Befehle häufig in der Sprache der Bibel. Als Cronje sich von den Engländern umzingelt sah, schrieb er dem Präsidenten Krüger: „Lies Hiob 16, V. 11—14". Dort heisst es nämlich: „Gott hat mich übergeben dem Ungerechten und hat mich in der Gottlosen Hände lassen kommen ... Er hat mich umgeben mit seinen Schützen" u. s. w. — Als die Boeren zum erstenmal englische Krieger gefangen nahmen, fragte Präsident S t e j n bei Krüger an, was er wohl mit den Gefangenen machen solle. Krüger antwortete: „2. Buch Könige 6, V. 21." Dort heisst es: ,,Er sprach: Du sollst sie nicht schlagen. Setze ihnen Brot und Wasser vor, dass sie essen und trinken." Der Boere betrachtet die Bibel nicht nur als ein heiliges Buch, sondern als einen praktischea Wegweiser, bei dem er sich in allen Lebenslagen Raths erholt. Aus der Bibel lehrt die Boerenmutter ihre Kinder lesen, und aus der Bibel lernen auch die Boerenführer die Kunst der Kriegsführung mit einem übermächtigen Gegner wie die Engländer. Kochajme se! Ein christliches Co mite in Kolomea veranstaltete ein Gartenfest, dessen Alltäglichkeit durch den Umstand aufgehoben wurde, dass nur Christen der Eintritt gestattet war. Das wurde zwar nicht offen gesagt, sondern die Placate versprachen jedermann Zutritt, der beim Comite eine Karte löste; aber jeder wusste, worauf das abzielte. Nichtsdestoweniger zogen die edlen Polen mosaischer Confession in Menge um Karten aus, und kehrten mit einem Fusstritte heim. Ihren Grimm aber lassen die hochedlen Assimilanten an dem Judenthum aus. Oft gab es Gelegenheit zu constatieren, dass ein jüdisches Theater gezwungen war, in Kolomea die besten Kräfte von Haus zu Haus zu schicken, um Karten zu verkaufen, und wie oft hört man den einen oder den andern dieser Herren sagen: „Schon wieder mit dem Schnorren??" „Ja leider," hört man das arme Mädchen mit einem traurigen Lächeln auf dem Lippen, erwidern, „wir sind dazu gezwungen, wenn wir uns nicht der Gefahr aussetzen wollen, in dieser Stadt zu verhungern . .. .tf Ein Blick in die Zukunft. Ein gefeierter Führer der österreichischen Socialdemokraten, der Abgeordnete Daszynski, hat eine merkwürdige Gewohnheit. Er hat es auf viele Leute sehr scharf; aber nie bezeichnet er die Angegriffenen z. B. als Christen oder als Polen etc. Nur die Juden stempelt er als solche. „Der kleine Jude mit den feudalen Allüren,44 „Jüdische Wucherer", „Der Hausjude der Schlachta" u. a. m. Glaubt der Abgeordnete, dass er mit solchen Redensarten die angeblich erstrebte allgemeine Menschenliebe beim Proletariat fördert? Mit solchen Kleinigkeiten begann auch in der mächtigen liberalen Partei jener Process, der aus ihr eine mächtige antisemitische Partei schuf. Die Juden auf Kreta. Die Insel Kreta zählt nach den jüngsten statistischen Aufnahmen vom Jahre 1900 301.273 Einwohner, darunter bloss 627 Juden, gleich 0'420/0. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Büchereinlauf» Monatsbücher des „Woskhod". St, Petersburg. Mai 1902. (Russisch.) Ein Wort über Dr. Leo Pinsker. Von Rabbiner Dr. Jampolsky. Kiew 1902. (Russisch.) Jüdische Kunst Referat erstattet 'auf dem V. Zionisten- Congresse von Martin Bub er. Verlag „Ulej* in Charkow. (Russisch.) Die Entwicklung zum Socialismus. Von Prof. Emile Vandervelde. 1902. Verlag der „So Cialis tischen Monatshefte". nupnn'manb bzb epKö.Kim niapnn nninnp» izn mnn jfet iv D^nn im niö'ü unp miz ]rfr\& im m n a nwa anan \xi ktjn pfc^m piu\ jatap möbnn pwb p"pi tsk D^abi Di nrian D*:mn annö h»ä mitt ♦p"öb ycm öDpBimanB ♦ w1?» mantj ,*:wpbi ♦prwö nmaa (Die Institutionen des Judenthu.ns. Nach der in den talmudischen Quellen angegebenen geschichtlichen Reihenfolge geordnet und erläutert von Rabbiner Moses Bloch, Professor an der Lamies-Rabbinerschule in Budapest. II. TheiJ. 3. Baad. Budapest 1902. Verlag des Verfassers.) ♦rrnrv-p iwbx rcn ♦m n jota nnsrn ji»bn pf?a ♦nk—ai* ♦"HBpwn.n Diana;n*bwyy (A. Ben Jehuda : Wörterbuch des alten und modernen Hebräisch. Artikel Dis nfc- Jerusalem 1902.) 139 wa« onna« wti bxifrz ib^i nnbin *nna m« Aniöi a^in «an ,jnan ^a^ ja bai&t? in n«ö ♦ nrn nm ♦oaia bsiaw apr nxasin ♦a-onn «p*np (Die Geschichte der Beschneidung bei den Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Von Dr. Samuel Kohn, praktischem Arzt und Mohel. Krakau 1902. Verlag von J. S. Fuchs.) Die erste Nummer der vom Verlage „Tuschij ah" herausgegebenen Jargon-Zeitschriften „Jüdische Volkszeitung'; und ,Jüdische Frauenwelt" liegt uns vor. Die „Jüdische Volkszeitung" erscheint wöchentlich in Folio-Format. Redacteure sind M. S p e c t o r (für den belletristischen und Nachrichtentheil) und Dr. Ch. D. Horowitz (für den publicistischen und wissenschaftlichen Theil). Die erste Nummer enthält ausser einem ausführlichen und viel Bemerkenswertes enthaltenden Programmartikel einen instructiven Aufsatz vom Redacteur Dr. Ch. D. Horowitz über „Jüdische Handwerker", ferner eine feuilletonistischePlauderei vonSch ol em- Alechem (M. Rab binowitz), eint» hübsche Erzählung von Lippmann Lewin. eine reichhaltige zionistische, jüdische und allgemeine Chronik, eine populärwissenschaftliche Rundschau, interessante Correepondenzen u. a. m. — Die „Jüdische Frauenwelt" ist ein hübsch ausgestattetes Quart- Heft, das ebenfalls wöchentlich erscheinen soll und hauptsächlich jüdische Belletristik pflegen, daneben seinen Leserinnen allesWissenswej te auf dem Gebiete derHauswirtschaft, der Kinderpflege und -Erziehung vermitteln will. Das erste Heft lässt uns auch von dieser Zeitschrift das Beste hoffen. * Unser ßruderblait, die ,.Jüdische Volksstimme" in Brünn, bringt das ausgezeichnete Referat Egon Led^rers vom Bielitzer Parteitage über unsere Stellungnahme zü den nichtzionistischen Gruppen. Das zerfahrene, inhaltslose Wirken der Wohlthätigkeits-Institute und das kleinliche, leisetretende Treiben der jüdisch-politischen Vereine, die nur Kraft genug zum Widerstande gegen unsere Bewegung haben, finden in Lederer den Satiriker, den sie verdienen, und einen entschlossenen Widersacher. Dr. Bergmann schreibt sachlich über eine palästinensische Hypotheken-Bank. Die letzten Vorgänge im Vereine „Esra" in Berlin sind entsprechend beleuchtet * „Jünglinge" von M. Feuerstein (Leipzig, Hermann Seemann Nachfolger). Das Buch ist eine langweilige Persiflage der Wiener jüdischen Verbindungen, deren Mitglieder als Idioten, wenn nicht als etwas Schlechteres hingestellt werden. Ist denn dem Verfasser in einer derselben etwa übel mitgespielt worden? Da er einen schüchternen Versuch macht, einen Standpunkt zu entwickeln, und zwar einen jüdisch-nationalen, so fragen wir uns verwundert,

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