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Die Welt · 1902-06-20 · 25 (20.6.1902) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
25 (20.6.1902)
Article
Tedschen im Ferghanagebiete [Nachricht]
Date
1902-06-20
Page
11 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 25 ,Dte & We!t6C Seite 11 Tedschen im Ferghanagebiete. Wie die offleielle „Sakaspiiskoje Obosrenje" (Transkaspische Iiundschau) meldet, wurden die im Kreise von Tedschen seit vielen Jahren lebenden afghanischen und persischen Juden von den russischeu Behörden ausgewiesen. Sie übersiedelten theils nach Herat, theils nach Bokhara. * Baku. Wie die in Baku erscheinende halbamtliche Zeitschrift „Kaspii" meldet, hat die Leitung der Gymnasialschulen in Baku infolge Verordnung des Ministeriums des Innern die Eltern und Vormünder jüdischer Kinder, welche das Gymnasium besuchen wollen, aufgefordert, bei Einreichung der Documente der jüdischen Schüler auch ein polizeiliches Zeugnis über das Wohnreeht der betreffenden Eltern in Baku und deren „politische Zuverlässigkeit" vorzulegen. Jene jüdischen Schüler, welche ein solches Zeugnis nicht beschaffen konnten, wurden relegiert. * Moskau. Wie der Moskauer „Courier" meldet, wurde die Aufnahme von Juden in die Moskauer Universität in diesem Jahre gänzlich eingestellt. * Wilna. Der Director des Gymnasiums zu Wilna gibt bekannt, dass Gesuche um Zulassung zu den Aufnahmsprüfungen von Reflectanten mosaischer Confession nicht entgegengenommen werden, „weil für die Schüler dieses Glaubensim Gymnasium keine freien Plätze vorhanden sind". * Warschau. Unter der hiesigen Bevölkerung nimmt die antisemitische Bewegung immer grössere Ausdehnung an. Dies äussert sich unter anderem darin, dass fortwährend Vereine gegründet werden, zu weichen bloss Arier Zutritt haben und von welchen die Juden auf Grund der Statuten ausgeschlossen bleiben. Die Abneigung gegen die Juden ist im Wachsen begriffen, und auf allen Gebieten tritt die Tendenz zutage, jede Gemeinschaft mit ihnen aufzugeben. In der letzten Zeit hat sich ein „ Christlicher Frauen verein" und ein „Christlicher Handwerkerbund" gebildet, welche beide die Abwehr gegen den jüdischen Einfluss zum Zwecke haben. Es vollzieht sich allmählich eine völlige Scheidung zwischen Christen und Juden auf allen Gebieten des gesellschaftlichen und socialen Lebens. Colonie Rechoboth (Palästina). Unsere Colonie ist gegenwärtig unstreitig unter allen palästinensischen Colonien die regsamste auf dem Gebiete der nationalen Erziehung. Unsere Schule, in der ausschliesslich in hebräischer Sprache unterrichtet wird, steht auf ausserordentlich hoher Stufe, und unser neugegründeter hebräischer Kindergarten weist überaus gute Erfolge auf. In neuester Zeit sind auch Vortrags- und Leseabende für die reifere Jugend eingerichtet worden, welche zu den schönsten Erwartungen berechtigen Wien. Das Begräbnis des Herrn Jacob Herzl fand Donnerstag den 12. Juni um 3 Uhr nachmittags auf dem Döblinger Friedhofe statt. Es hatten sich nebst den Mitgliedern des Actions-Comites, des n.-ö. Landes-Comites und den Vertretern sämmtlicher Wiener zionistischen Corporationen zahlreiche Freunde der Familie und Herrn Dr. Herzl nahestehende Personen eingefunden. Die würdige Leichenfeier wurde durch den Währinger Tempelchor unter Leitung des Herrn Obercantor Guttmann eingeleitet, worauf der Sarg von Mitgliedern des Actions- und des Landes-Comites zum Grabe getragen wurde, an dem der Chor noch einen Psalm zum Vortrage brachte. Damit war die ergreifende Feier zu Ende. Petrosawodsk. (Todesfall.) Am 24. Mai verschied in Petrosawodsk im Alter von kaum 26 Jahren Fräulein Sinaide Epstein, die Begründerin des Zionisten-Vereines in Petrosawodsk und hervorragende jüdische Patriotin. Auf dem Gebiete der Verbreitung der zionistischen Idee in Petrosawodsk hatte die frühzeitig Verstorbene Hervorragendes geleistet. Sie veranstaltete Theaterabende und Versammlungen und verstand es stets, durch ihre geistvollen Reden über die Lage der Juden in Russland die Herzen der Zuhörer zu bewegen und zu erschüttern. An einem dieser Theaterabende zog sie sich eine Erkältung zu, welche eine Lungenentzündung und schliesslich den Tod zur Folge hatte. Personalnachricht. Unser Gesinnungsgenosse med. A. Sternberg aus S ofi a promovierte am 16. Juni zum Doctor der gesammten Heilkunde. Vtfelt-Übi'onik« Jüdisches Krankenhaus in Jerusalem. Im Amtsblatt gibt der Wiesbadener Regierungspräsident bekannt, dass durch königlichen Erlass vom 5. Juni „der vom Central-Comite für die Errichtung eines jüdischen Krankenhauses in Jerusalem, Inhalts der Stiftungsurkunde vom 13.Februarl902, unter dem Namen „Allgemeines jüdisches Krankenhaus Schaare Zedek zu Jerusalem" begründeten Stiftung, welche ihren Sitz in Frankfurt a. M hat, auf Grund des mit der Stiftungsurkunde verbundenen Statuts die Genehmigung ertheilt wurde". Anti-Beef-Trust-Association.Wir haben jüngst berichtet, dass im Osten von New-York unter den Jüdinnen eine förmliche kleine Revolution gegen die Koscher Fleischhauer ausgebi ochen ist, die die Fleischpreise auf eine unerschwingliche Höhe hinaufgetrieben haben. Die gerechte Empörung gegen den Koscher-Fleisch-Trust hat zur Gründung einer Anti- B eef-Tru s t-A ssoci.ation unter den Ost-Juden in New- York geführt. An der Spitze dieser Vereinigung steht Dr. David Blaustein, Inspector der Erziehungs-Allianz. Eine Conferenz, welche zwischen Delegierten der zwei feindlichen Lager vor einigen Tagen stattfand, gieng resultatslos auseinander. Unterstützt von den Trade Unions (Gewerkschaften) und von vielen Vereinen, hat die Anti- Beef-Trust-Association den Zweck, die Verwohlfeilung des koscheren Fleisches mit allen Mitteln anzustreben. Die Association verlautbart folgendes Circular: „Die Spontanität der Bewegung gegen das theure Fleisch ist der beste Beweis, dass die Beschwerden der ärmsten Classen des Ostens gegen die Koscher-Fleischhauer ernste und berechtigte sind. Der Fleischpreis ist unerschwinglich geworden. Nahezu 50.000 jüdische Familien sind dadurch gezwungen worden, auf den Fleischgenuss durch mehr als zwei Wochen zu verzichten. Das Volk fühlt, dass es nicht nur vom Beef-Trust des Landes, sondern noch mehr durch den jüdischen Beef- Trust der Stadt zu Boden gedrückt wird. Die sensationellen Berichte über begangene Verbrechen sind eine Verleumdung des guten Namens einer friedlichen, ehrlichen und fleissigen Bevölkerungsciasse der Stadt, die sich bloss gegen Ausbeutung schützen will." Die Boeren und die Bibel. Ein englischer Zeitungscorrespondent, der in Sudafrika dem nunmehr beendeten Kriege beigewohnt hat, erzählt: Die Boeren schätzen die Bibel sehr hoch. Aus dem Alten Testamente schöpfen sie ihre gesammten strategischen Kenntnisse. Jeder Boere kennt die biblischen Beschreibungen der Kriege, die die Israeliten einst mit den Philistern, Assyrern, Midjanitern und Amalekitern geführt haben, in allen Einzelheiten. Schon als Kind hat jeder Boere gehört, wie die Alten, auf dem Felde um ein Hirtenfeuer gelagert, von den alten jüdischen Kriegen erzählten. Dieselben Erzählungen hat er auch daheim gehört und wohl selber oft und oft, während er seine Schafherde hütete, darüber nachgedacht. In der Bibel gibt es Schilderungen zahlreicher Schlachten, in denen

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