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Die Welt · 1902-06-20 · 25 (20.6.1902) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
25 (20.6.1902)
Article
V. Convention der amerikanischen Föderation in Bosnien
Date
1902-06-20
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 JM©^^eW* Nr. 25 selbe von buh ari in englischer Sprache zu publicieren und ferner eine eigene Gesellschaft zu bilden, welche dieses Organ in ihr Eigenthum übernehmen solle. Die Diseussion hierüber wurde auf die Naehinittagssitzung verschoben. Nachdem das Frühstück durch die Daughters of Zion (Zionstöchter) im Siteangssaale serviert worden war, wurde um 2 Uhr die Berathung wieder aufgenommen und begann die Verhandlung über einige Statuten und Geschäftsordnmigs-Aenderimgen und sonstige Vorschläge des Vorstandes. Insbesondere handelte es sich um die Frage der Verwandlung des Amtes des Secretärs aus einem Ehrenamte in eine bezahlte Beamtens/selle, gleich mit Hinblick darauf, dass Mr. Jacob de Haas als Secretär engagiert und zugleich als Kedacteur die Leitung des „Maecabaern"übernehmen solle. Die Versammlung nahm diesen Antrag an und empfahl dem Vorstände, mit Mr. de Haas in Verhandlung zu treten. Grosse Erregung brachte in die Versammlung die nächste Frage der Tagesordnung, class die Einzelvereine verpflichtet sein sollten, von der Föderation Subcharters zu nehmen, d. h. ihre Statuten von der Föderation bestätigen zu lassen. Schliesslich wurde jedoch auch dieser Antrag mit 71 gegen 48 Stimmen angenommen und damit der erste Verhandlungstag geschlossen. Begleitet von den militärisch organisierten Vereinen, den Hussaren von Boston und den Maccabeans und unter Vorantritt einer Musikkapelle begab sich dann die Versammlung corporativ in das Bostoner Theater, wohin eine Versammlung von Bostoner Zionisten einberufen war. Mehrere 1000 Personen füllten den Saal und brachen in einen Beifallssturm aus, als die Delegierten der Convention im Saale erschienen. Rabbi S. Margolies eröffnete präeise 8 Uhr die Versammlung mit einer von Begeisterung erfüllten Eede über den Zionismus, die in der Mahnung ausklang, dass, so verschieden die Meinungen auch sein mögen, doch alle Zionisten das gleiche Ziel haben, das Wohl des Volkes, und darum möge jeder seine Meinung den kundgegebenen.Beschlüssen der Mehrheit fügen und die Einigkeit vor allem hochhalten. Der nächste liedner, Reverend Dr. Gustav Gottheil, der Vaterdes Präsidenten der Convention, der jüngst seinen 7T). Geburtstag gefeiert hatte, Hess es der jüngeren Generation verständlich erscheinen, dass er seinerzeit als der berühmteste Kanzelredner galt, Seine Worte entfesselten einen Avnhren Sturm der Begeisterung, der nicht enden wollte. Sodann hiess Sprecher (Präsident) Myers, vom Hause der Repräsentanten (Parlament) des Staates Massachusetts, die Delegierten namens dieses Staates willkommen, was die Vorsammlung freudigst berührte. Kabbi Minz und Rabbi Morais nn> N^wyork. ferner der bekannte Agitator Eeverend Josef Set'f aus New-York hielten eine Ansprache im Jargon, Herr Leon Zolotkoff aus Chicago und Miss Leah Usher ans Philadelphia sprachen englisch. Dann fand ein sehr interessant zusammengestelltes Concert statt, in welchem nationale Lieder in englischer und hebräischer Sprache sowie im Jargon abwechselnd mit Streichconcert zum Vortrage gebracht wurden. Die dem Zionimns feindlichen Blätter haben sich beeilt, aus dem Umstände, dass bei der Berathung der Beziehung der Einzel vereine zur Föderation die Geister hart aiifeinanderplatzteii und verschiedene entgegengesetzte Meinungen zum Ausdrucke kamen, etwas voreilig den hämischen Sehluss zu ziehen, dass der Zionismus seinen Höhepunkt überseh ritten habe und in Spaltungen und Parteiungen ausarten werde. Sie sind freilich bei ihren Anhängern nicht gewöhnt, dass dieselben für Judenfragen solches Interesse zeigen, dass sie sich dabei erhitzen könnten. Dass aber der Zionismus in Amerika durchaus nicht in absteigender, sondern in aufsteigender Linie sich bewegt, bewies diese Volksversammlung, deren Grossartigkeit und Enthusiasmus selbst die feindlichen Blätter constatieren mussten. Im" übrigen zeigte aber schon die Versammlung des Montag, dass die Meinungen sich beruhigt hatten, indem die Versammlung einstimmig den Antrag von Mr. Louis Lipsky annahm, welcher die Frage des Bestätigungszwanges der einzelnen Vereinsstatuten milderte, indem ein Coniite eingesetzt wurde, welches sich mit dieser Frage zu beschäftigen habe und deren Aufgabe es sein solle, die Statuten nicht nach einem Leisten zu prüfen, sondern den individuellen Charakter der einzelnen Vereine möglichst zu berücksichtigen. Die Frage des „Maccabaean* wurde wieder aufgenommen. Es wurde nach langer Debatte beschlossen, eine eigene Gesellschaft zu gründen deren, auf kleine Beträge lautende Shares in den Eeihen der Gesinnungsgenossen untergebracht werden sollen. Dann kam man zur Frage der Jüdischen Colonialbank, und wurde die Mittheilung mit grossem Beifalle zur Kenntnis genommen, dass in den Vereinigten Staaten Shares um beinahe 200 000 'Dollars abgesetzt wurden, und es wurde eine Resolution gefasst, die Agitation für die Colonialbank fortzusetzen. Nach längerer Debatte wurde auch beschlossen, die nächstjährige Convention in Chicago abzuhalten. Folgende Eesolutionen wurden ferner angenommen: 1. dass die Föderation alle Verantwortung für Aeusserungen ablehne, welche von Zionistenrednern gemacht werden, die nicht von der Föderation anerkannt sind; 2. dass ein Comite eingesetzt werde, welches sieh mit der Frage der Capitalshebung der Juden beschäftigen solle; 3. dass die Convention mit aller Macht die Frage des Verlassens des traditionellen heiligen Sabbaths verdamme. Unter Dankesvoten an den Mayor und die Aldermen (Bürgermeister und Stadträthe) von Boston für die kostenfreie Ueberlassung der städtischen Loealitäten für die Berathungen und das liebenswürdige Entgegenkommen der Stadtbehörden, endlich an das Comite <|er vereinigten zionistischen Vereine von Gross-Boston für ihre umfassenden Vorbereitungen und fürsorgliche Aufnahme der Delegierten, sowie dem Dank an den Präsidenten für seine Leitung, wurde die 5. Convention der amerikanischen Zionisten mit Hochrufen auf den Zionismus geschlossen. Früher noch wurde der Vorstand der Föderation neu gewählt, dessen Zusammensetzung nun für das nächste Jahr clie folgende ist: Präsident Prof. Eichard Gottheil, New- York; Schatzmeister William Morris, Philadelphia; Vicepräsidenten die Rev. S. W. Deinard, Minneapolis; Lewis A. Denbitz, Louisville; Dr. Gustav Gottheil, New-York; Dr. Marcus Jastrow und Eev. B. L. Lewinthal, Philadelphia; die Reverends Isidor Myers, San Francisco; Moses Klein, Philadelphia; Dr. H. Pereira Mencles, New-York; M. Rosenbaum, Philadelphia; Abraham Radin, New-York, Actions-Comite: Dr. S. Schaff er, Baltimore; Dr. Stephen S. Wise, Portland, Dr.; B. Horwich und Leon Zolotkoff, Chicago; Prof. Richard Gottheil. Executiv-Comite: B. Abel, "New-York; Dr. B. L. Gordon und G. H. Mayer, Philadelphia; I. D. Morrison und Dr. S. Mosesson, New- York; S. Margolies, Boston; Benjamin F. Levy, Elmira; Dr. F. Fox, Baltimore; William B. Chartan, Hartford; Louis Lipsky, New-York; Miss Henrietta Szold, Baltimore; Julius Rottenberg, Boston. Josef Kiss über den Zionismus. Der ungarische Dichter Josef Kiss, ein Jude, der in der modernen ungarischen Lyrik eine hervorragende Stellung einnimmt und trotzdem — welche Seltenheit in unseren Tagen!—• sein Judenthum niemals verleugnet hat, veröffentlicht in der jüngsten Nummer der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „A II e t" (Die Woche) einen überaus bemerkenswerten Artikel über den Zionismus, der von des

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