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Die Welt · 1902-06-20 · 25 (20.6.1902) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
25 (20.6.1902)
Article
Zur Lage in Rumänien
Date
1902-06-20
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 25 „Die $l .Welt? Seite 7 Häusern. 54 Handwerkerfanrilien, bestehend aus 150 Seelen, unterzeichneten ein Bettel-Manifest als „Die Verzweifelten". „In B a c a u wurden einige Handwerker, die Pässe zur Auswanderung verlangten, zur Polizei geführt und blutig geschlagen." Die jüdischen Philanthropen haben ihre Schuldigkeit gethan: Sie haben ihre Visitkarten in den gelesenen Zeitungen drucken lassen; die armen Juden können in Rumänien weiter hungern. Die fürchterlichste Stimmung herrscht in Rumänien. Die Verzweiflung stellt Verwüstungen in den Seelen unserer Brüder an. Sie müssen ihre jetzt gereizten Tyrannen besänftigen, sich ihren Capricen fügen, denn alles, alles ist sonst verloren. Kein Leben ausser Rumänien, sagt die „Alliance", die „Ica" und wie sie alle heissen mögen, die Fürsorger des Judenthums. Iq Europa trat nach den bekannten Artikeln die von der rumänischen Regierung vorausgesehene und erhoffte Ermattung ein. Man kann nicht immer von den rumänischen Jaden schreiben! Jetzt kümmert sich kein Mensch mehr um Rumänien, und jetzt kommt die Rache der gereizten Bojaren. Haben die „Klugen" nicht recht, die von den Juden nichts mehr erwarten und sich raschestens taufen lassen? Oder die verschiedenen Rabbis und Notabilitäten, die in dieser trüben Zeit nach Medaillen und Auszeichnungen fischen? Sie sind jedenfalls von Erfolg gekrönt. * Die Auswanderung dauert fort; heute haben 120 rumänische Juden Wien passiert. A. N. V. Convention der amerikanischen Föderation in Boston. Sonntag den 25. und Montag den 26. Mai fand in Boston die jährliche Generalversammlung der zur Föderation zusammengeschlossenen amerikanischen Zionsvereine statt. 166 Delegierte aus allen Thailen des grossen amerikanischen Freistaates waren gehörig beglaubigt. Um 9 Uhr morgens eröffnete Präsident Professor Ptichard Gottheil aus New-York die Versammlung in der von der Stadt Boston in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestelltem, historisch denkwürdigen Fanuil Hall. Er begrüsste die Delegierten auf das herzlichste und brachte die eingelaufenen Begrüssimgs- und Entschuldigungsschreiben nnd Depeschen zur Verlesung. Viel Beifall entfesselten insbesondere die Zuschriften des Doctor Herzl namens des Wiener Acdions-Comites, dann von Max ISTordau in Paris, von Israel Zangwill, Hall Caine und Bevercnd Dr. Gaster in London. Präsident Gottheil erstattete dann den Jahresbericht über die Thätigkeit der amerikanischen Zionisten- FbVleration. „Es ist mir eine Pflicht/' so begann er, „der zufälligen Thatsachc Erwähnimg zu thun, dass wir in dem Gebäude, in welchem wir tagen, umgeben sind von den Erinnerungen an die puritanischen Ahnen dieses1 Landes. Die Puritaner flohen einst vor Verfolgung; wir Juden fliehen schon seit 2000 Jahren., und eine grosse Zahl von uns kann noch immer den Verfolgungen nicht entrinnen. Seitdem wir zum letztenmale zusammengekommen sind,, hat der 5. Congress in Basel stattgefunden, welcher erwiesen hat, dass die zionistische Bewegung in stetem Wachsthumo begriffen ist, und dass dabei der alte Enthusiasmus sich, durchaus nicht vermindert, sondern sieh womöglich noch verstärkt hat. Als Resultat der Berathungen in Basel verdienen zwei Punkte ganz besonders hervorgehoben zu werden : Die beschlossene stramme Organisation und die Gründung des Jüdischen Kationalfonds. Sie wissen, dass die Basis unserer Organisation die Vereine sind, welche zu Föderationen, oder wie man es deutseh nennt, zu Landsmannschaften zusammengeschlossen sind. Es scheint uns allen sehr klug zu sein, dass unsere Führer dem Congresse einen gewissen Spielraum in der Gruppierung der einzelnen Vereine vorgeschlagen haben. Es ist nicht nothwendig, dass in einem Lande nur eine Föderation besteht, insbesondere dort, wo die räumliche Ausdehnung manchmal Unterteilungen von selbst erheischt; haben wir doch bei uns in Amerika aus eigener Initiative bei unserer letzten Convention eine Föderation für die mittleren Weststaaten gebildet, und nun schlagen wir Ihnen eine ähnliche Föderation für die pacifische Küste vor. Was den ISTationalfonds betrifft, so ist er gegründet worden, um ein Capital zu sammeln, das einst zum Landankauf in Syrien und Palästina dienen soll. Wir wollen unsere Ziele nicht mit dem Schwerte in der Hand erreichen, sondern hoffen auf friedlichem Wege zu denselben zu gelangen. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend in seiner Werkstatt im Schweisse seines Angesichtes arbeiten und die Erstlinge seines Verdienstes der nationalen Erhebung, der Besserung der socialen Verhältnisse künftiger Generationen weihen, ist auch ein Heroismus, und diesen Heroismus fordern wir von Ihnen. Jeder mag nach seinen Kräften und nach seinen Gefühlen zu dem Fonds beitragen, aber keiner schliesse sich aus, auch die kleinste Gabe wird mit Dankbarkeit angenommen werden, und bildet einen Stein zu dem Gebäude, das wir aufführen wollen. Bei unserer letzten Zusammenkunft war die in London gegründete Colonialbank im Werden. Seitdem ist die von uns selbst präliminierte Summe von mindestens 250 000 (£ erreicht worden, und die Bank hat ihre Geschäftsthätigkeit aufgenommen. Mit Bedauern müssen wir hier des Emstandes gedenken, dass es Stammesgenossen gegeben hat, welche sich nicht geschämt haben, dieses nationale Werk zu verleumden und in der Ocflcntlichkeit herabzusetzen. Es waren 2 oder 3 europäische Zeitungen, die die in ihrer Hand liegende Macht solcherart niissbraucht haben. Die gegen sie angestrengten Proccsse werden unzweifelhaft erweisen, dass die Jüdische Colonialbank über allen Zweifel und allen Verdächtigungen erhaben ist." Der Bericht beschäftigt sich sodann mit der rumänischen Auswanderung und schloss mit Danksagungen für den bisherigen Ehren secretär J. I). Morrison, welcher nach fünf jähriger Thätigkeit von seiner Ehrencstcllo zurückzutreten wünscht. Nachdem Präsident Gottheil seinen mit grossein T5eifalle aufgenommenen Bericht zu Ende gelesen hatte, bestieg liabbi Margolics das Podium und überreichte dem Präsidenten mit einigen liebenswürdigen Worten einen Präsident enhammer als Widmung der Eostoner Zionisten. Darauf präsentierte Secretär Mr.Morrison den Seeretariatsberieht, in welchem unter anderem Folgendes miigetheilt wird: Der Zionismus machte in den vereinigten Staaten auch im vergangenen. Jahre stete Fortschritte. 2 \ neue Vereine sind in diesem Jahre entstanden und haben sieh der Föderation, die gestzlich incorporiert worden ist, angeschlossen. Von diesen 2\: neuen Vereinen befinden sich im Staate New-York T>, in Massachusetts 2, in Pensylvanieu 2, in Virginiom und je einer in Delaware, New-Jersey, Jowa. Nebraska, Maryland, Californiene, Michigan, Connecticut, Louisiana und im Di. st riet von Columbia. Ausser den Yereienen, welche dem Orden. „Knights of Zion" angehören, umfasst die Föderation 171 Vereine. Der Bericht wurde beifällig und genehmigend zur Kenntnis genommen und dem Secretär Morrison für seine, dem Zionismus geleisteten grossen Dienste der Dank der Versammlung einstimmig votiert. Der Bericht des Publicationscomites. erstattet von Mr. Gabriel FF Mayer aus Philadelphia, beschäftigte sich mit dein Föderationsorgan „ThcMaccabaean" und empfahl,das-

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