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Die Welt · 1902-06-13 · 24 (13.6.1902) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
24 (13.6.1902)
Article
Anerkennung eines zionistischen Institutes [Nachricht]
Date
1902-06-13
Page
9 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 24 ,Dte & Welt" Seite 9 Anerkennung eines zionistischen Institutes. Dass das offene Bekenntnis des Zionismus den Juden bei ihren arischen Mitbürger keinen Sehaden bringt, sondern im Gegentheil die Achtung erhöht, beweist folgender Vorfall, der sich in G ail inge n a. Eh. im Grossherzogthum Baden in den letzten Tagen zugetragen hat. Daselbst existiert seit zehn Jahren eine jüdische Handelsschule mit Pensionat, dessen jetziger Director Herr A. Eossmann sie freimüthig als zionistische ankündigt. Das hinderte den Bürgerausschuss genannter Stadt nicht, in einer seiner letzten Sitzungen den Beschluss zu fassen, eine Anzahl von Söhnen ärmerer christlicher Bürger auf Gemeindekosten in die Anstalt zu schicken. Antisemitische Badeorte. Folgende Bade-, Cur- und Erholungsorte und Hotels in Deutschland, Osterreich und der Schweiz verbitten sich in ihren Prospccten ausdrücklich jüdischen Besuch: Borkum, Juist, Amrum, Zinnowitz,Heiligenhafen, Sellin, Lakolk auf Eöm, Craal bei Eibnitz, Bansin, Britters Strandhotel in Swinemündü, Besitzer Wilhelm Gergs und Peter Nothhafen bei Swinemünde, Insel Wilna bei Rügen, Augustusbad bei Eadeberg, Müritz, Gehlberger Mühle (bei Oberhof in Thüringen), Grosstabarz in Thüringen, Curhaus Oberweiler im Schwarzwald, Hofhaus in Schliersee, Euhpoldig in Oberbayern, Fürstenblick bei Trömbach (Thüringen), Richters Pension in Pyrmont, Ferienheim Mühlenthal bei Wernigerode, Braunlage (ßraunschweig), Logierhaus Renner in Kissingen, Ligau bei Dresden, Grendelbruch im Unterelsass, das Pensionat am Frauenkloster am Ottilienberg, Luft- und Wassercurort Einöd bei Friesach in Obersteiermark, Ettlingerweiler und Bruchhausen (Badischer Schwarzwald), St. Sohann bei Heiden in Appenzell, Gaisenstein, Inner-Bartholomä und Bandaus in Montavon (Vorarlberg), Oberaudorf und Kiefersfelden a. Inn, Gasthof zur Gräfin von Kufstein, Hinterriss (Bayern), Forsthaus, Walchsee, Langhampfen, Oberbozen, Mezzolombardo (Rest. Gröbner), Reusch b. Bozen, Cafe SchgrafTer in Bozen, Kitzbühel in Tirol, Volderbad hei Hall (Tirol), Metlisalp (Berner Oberland), Hotel Promessi sposi in Sermione am Gardasee. Nach 400 Jahren. 400 Jahre nach der Vertreibung aus Portugal (25. December 1496), gehen die Juden daran, wieder eine Synagoge in Lissabon zu errichten. Am 25. Mai (18. Ijar, Lag baomer) d. J. fand fand daselbst in Gegenwart der gesammten jüdischen Gemeinde die Grundsteinlegung für das neue Gotteshaus statt. Anwesend waren Mitglieder folgender alten portugiesischen Familien: Abesassis, Abudarham, Amzalak, Anahory, Azancot, Azulay, Benarus, Benoliel, Bensabot, Bensaude, Bensimhon, Benzaquen, Buzaglo-Cagi, Cardozo, Cohen, Dray, Levy, Ohayon, Pariente, Pinto, Ruah, Sabat, Saragga, Sequerra, Servya, Toledano, Zagury. Den Gottesdienst leitete Rabbiner Isaac J. Wolfinsohn, ein russischer Jude. Die erste Synagoge nach vierhundert Jahren. Mit welchen Gefühlen mögen die Sprösslinge der alten portugiesischen Judengeschlechter, deren Ahnen vor mehr als 400 Jahren von diesem Boden losgerissen worden waren, dem Acte der Grundsteinlegung gefolgt sein! Und wie merkwürdig, dass diese portugiesischen Juden, deren Vorfahren eine in die ganze Diaspora ruhmreich hinausstrahlende jüdische Cultur begründet und gepflegt hatten, nunmehr einen Juden russischer Herkunft zu ihrem geistigen Oberhaupt erwählen mussten. Die Hegemonie im jüdischen Geistesleben ist eben nach der Vertreibung der spanisch-portugiesischen Juden zuerst auf die deutschen Juden übergegangen und verpflanzte sich späterhin nach Polen und Russland, dessen geistig überaus regsame Judenheit diese Hegemonie gegenwärtig unbestreitbar innehat Interessant ist ferner, dass es auf der ganzen pyrenäischen Hamsel ausser der im Bau begriffenen Lissabon er Synagoge nur noch e i n jüdisches Gotteshaus gibt, und zwar in Gibraltar, das englischer Besitz ist. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Büchereinlauf. Zionistische Rundschau. (Herausgeber und Redaeteure: Ingenieur Temkin und Dr. J. Stein.) Heft I. (Russisch.) Elisabethgrad 1902. 2. Jüdische Familienbibliothek. Herausgeber: Bussel. Redacteur: M. Riwkin. Heft V. St. Petersburg 1901 (Russisch.) Der „Jewish World" bringt in seiner Nummer vom 6. Juni in einer Beilage einen sehr interessanten und klaren Artikel unter dem Titel „Die rumänische Gefahr". - Ein Appel an das englische Publicum. Salomen ihn Gabiroi. The Improvement of Moral Qualities: an E'hical Treatise of the Eleventh Century: printed from a Unique Arabic Manuscript, with a Translation and an Essay on the Place of Gabirol in the History of the Development of Jewish Ethics. By Stephen S. W i s e. Ph. Dr., New- York, Macmillian, 1902. (Salomon ibn Gabirol. Die Vervollkommnung der moralischen Eigenschaften. Eine ethische Abhandlung aus dem 11. Jahrhundert. Aus einem arabischen Manuscript- Unicum abgedruckt, übersetzt und mit einem Essay über die Stellung Gabirols in der Geschichte der jüdischen Ethik versehen von Stephen S. Wise, Ph. Dr.) Es bildet dieses Werk den ersten Band der von Prof. Rieh. J. H. Gottheil von der Columbia-Uaiversität in New-York herausgegebenen „Orientalischen Studien* und ist die Doctor-Dissertation des bekannten Predigers Stephen S. Wise. Er ist den Zionisten ein guter Bekannter, ein begeisterter Genosse. Auf dem zweiten Congresse in Basel fiel sein Charakterkopf sofort auf. Wenn er das Wort ergriff, fesselte er die ganze Versammlung durch seine Beredsamkeit. Trotz seiner Jugend gilt er in Amerika als einer der glänzendsten Redner, als ein begeisternder Prediger. Er ist gegenwärtig an der Westküste Amerikas, in Portland, Oregon, thätig. In diesem Buche zeigt Wise, dass er auch ein gründlicher Kenner der semitischen Sprachen und Philosophie ist. Die Abhandlung über die verschiedenen Manuscripte, welche sich von Gabirols Schriften erhalten haben, die Erörterung von Gabirolis ethischem System ist voller Geist und Scharfsinn und von edler Verehrung für die spanisch-jüdischen Dichter und Philosophen des Mittelalters getragen. Dass die Schrift im besten Sinne jüdisch-national ist, braucht bei Wise nicht erst erwähnt zu werden. ${<is der» J$e^e§ui)§. Voranzeigen. Wien. (Der „Erste Wiener jüdische Turnverein") unternahm Sonntag den 1. d. M. einen Vereinsausflug, an dem über 50 Turner und Turnerinnen theilnahmen. Nach dreistündigem Marsche von Liesing über Kalksburg und Laab war die Paunzen erreicht, wo man sich kräftigender Turn- und Wettspiele erfreute. Der Weitermarsch führte nach Purkersdorf an der Westbahn. Diese Vereinsausflüge werden sich künftig öfter wiederholen. Der Turnbetrieb im Vereins-Turnsaale, I, Mölkerbastei 5, bleibt während des Sommers ungeschmälert aufrecht. Montag und Donnerstag abends Herrenturnen, Mittwoch und Samstag abends Damenturnen.

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