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Die Welt · 1902-06-13 · 24 (13.6.1902) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
24 (13.6.1902)
Article
Ist das jüdische Volk degeneriert?
Date
1902-06-13
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 „Die £ Welt" Nr. 24 ihrem eigenartigen Geiste entsprechende Culturhöhe erreicht haben. Nachdem er diesen Grundsatz durch eine Reibe geschichtlicher Beispiele erläutert hat, fährt er fort: „In ähnlicher Lüge befanden sich die Juden. Umgeben von Stammen mit verwandter Sprache und zum Theile auch von verwandter Abstammung, Hessen sie doch diese an Cultur weit hinter sich zurück. Als Krieger, Ackerbauer und Kaufleute haben sie unter den verwickeltsten Regierungsformen lange Jahrhunderte des Wohlstandes und des Ruhmes durchlebt und durch ein kluges Auswanderungswesen die Schwierigkeiten der räumlich beschränkten Heimat überwunden. Und auch die Fruchtbarkeit dieser Heimat konnte nur durch die scharfsinnigen Massregeln israelitischer Landwirte künstlich hergestellt und erhalten werden. Und was für Männer lebten in diesem kümmerlichen Flecken Erde? Eben jene Juden, welche, geschickt in ihren Unternehmungen, ausgezeichnet durch Freiheitsliebe, Stärke und Intelligenz, ehe sie im ruhmvollen Kampfe ihre Unabhängigkeit verloren, der Welt ebensoviele Gelehrte wie Kaufleute schenkten." So ist der Charakter des jüdischen Cultus, der nationale Geist unseres Volkes von Ursprung her eine Bürgschaft für seine Lebensfähigkeit. Wenn nach Gobineau die geographische Lage eines Landes Hie Culturtüchtigkeit seiner Bewohner nicht beeinflusst — gut, so möge es zunächst gleichgiltig sein, unter welchen Breitegraden der Erde der Geist des Judenthums zu seiner natürlichen Entfaltung gelangt. Aber zweifellos muss es irgend ein Land besitzen, das ihm die Freiheit gewährt, die besten Kräfte seines Blutes der Menschheit dienstbar zu machen. Freilich gibt es unter unseren Stamniesgenossen Skeptiker, denen es fraglich erscheint, ob unsere Sfation auf einem eigenen Territorium Nützliches zu leisten imstande wäre. Ja, seit jeher vernahm man sogar die Stimmen solcher Juden, die diese Möglichkeit direct verneinten. So sagt z. B. Abraham Geiger in seiner Schrift: „Das Judenthum "und seine Geschichte": „Aus seinem Boden schöpft es (ein Volk) stets neue Kraft; wenn es ununterbrochen auf demselben weilt, ist seine Lebensdauer lange verbürgt; ist es aber aus diesem Boden hervorgehoben, so ist seine Kraft versiegt." Dieser Satz ist offenbar eine gewaltsame Begründung der Geigersehen Tendenz. Er glaubte nämlich von vornherein, dass „die Kraft v<?rsiegt sei" und führte nachträglich die Ursache für seinen Glauben zwangsweise vor die Schranken. — Warum sollte denn die Lebenskraft eines Volkes von seinem ununterbrochenen Aufenthalt auf einem bestimmten Boden abhängig sein? Und wenn ein Land durch Erdbeben oder Uebersehwemmung zugrunde geht, warum sollten die geretteten Menschen nicht anderswo einen freien Staat bilden können? Sind denn die Boeren Autochthonen in Südafrika? Und wahrlieh, dieses Volk hat eine Kraft an den Tag gelegt, die ihm Ehre macht. Noch eins: Es wird gewiss Leute geben, die die Entstehung des Zionismus als ein untrügliches Zeugnis nicht versiegter Kraft ansehen. Gobineaus Urtheil ist schärfer als das von Geiger, weil der französische Denker objectiv zuwerke geht. Ihm gilt das Volk als das ausschlaggebende, nicht das Land. Die Juden von heute sind in seinen Augen deutlich erkennbare Söhne der alten Bewohner Palästinas. Er findet ihren Typus sogar in den semitischen Figuren ägyptischer Gemälde wieder, die ein Alter von 3000 bis 4000 Jahren haben. Und nach seiner Meinung gleichen natürlich auch die modernen Juden einander im Wesentlichen, sowohl was das Aeussere, als was den Geist anbelangt, trotz ihrer verschiedenen Lebensgewohnheiten in allen Ländern der Welt, trotz der klimatisch so verschiedenen Gegenden ihres Aufenthaltes. Alles in allem sind die Juden eine im Sinne des Philosophen „reine", d. h. nicht degenerierte Nation, deren vortreffliche natürliche Anlagen sie zu einer kräftigen Aeusserung ihrer Individualität befähigen. Wie wäre es auch sonst möglich, dass dieses Volk in seiner Erniedrigung Während des Exils neht nur seine Eigenart bewahren, sondern sogar einen erheblichen Einfluss auf das geistige und wirtschaftliche Leben seiner Nachbarvölker ausüben konnte? Gleichwohl hat der jüdische Geist in der Tiefe der arischen Seele keine Wurzeln schlagen können, ebensowenig wie er sich trotz 'der Anpassung in- Sprache, Sitten und Gewohnheiten in seinem eigenen Wesen verändert hat. Mit dieser Erfahrung stimmt Gobineaus Behauptung überein: „Zwei Civilisationen, die aus völlig fremden Rassen hervorgegangen sind, können sich nur an der Oberfläche berühren, durchdringen einander nie, sondern schliessen sich immer aus." Der Philosoph, im dessen Abhandlung den Juden übrigens ein nur geringer Raum gewidmet ist, gelangt zu diesem Grundsatze nicht etwa, wie man glauben könnte, durch besondere Berücksichtigung der jüdischen Sehicksale, sondern durch theoretische Erwägungen allgemeiner Natur. Zu einem friedlichen Ausgleiche und zu gegenseitigem Verstandnisse beider Rassen kann es nie kommen, im günstigsten Falle zu einer oberflächlichen Kameradschaft, die zeitweise durch gemeinsam verlebte grosse historische Ereignisse erzeugt zu werden vermag. Eine wahre innerliche Vereinigung kann nur durch vollkommene Mischung entstehen, Bei der in unserem Falle das Judenthum zugrunde gehen würde. Die reinere, also edlere, lebensfähigere Rasse müsste einen unnatürlichen Selbstmord verüben. Idealisten könnten einwenden, es sei nicht nöthig, eine „Fürstenrasse" zu erhalten, dagegen für die Menschheit nützlicher, die vorher untergeordneten Wesen zu mittlerer Höhe zu erheben. Dem widersetzt sich Gobineau, indem er meint, man dürfe nicht vergessen, J3dass die auf Kosten der vormals Grossen geschaffene Mittelmässigkeit nicht stehen bleibt, sondern durch weitere Mischungen immer tiefer herabsinkt". Diese fortgesetzte Mischung führt nach ihm schliesslich zu einem Zustande, gegen den es keine Hilfe mehr gibt, zur Degeneration. Es ist allerdings bekannt, dass unter besonderen Umständen aus der Kreuzung zweier Rassen ein Produet entstehen kann, das wertvoller ist als beide Stammrassen. So stehen z. B. die Malayen weit höher, als ihre Erzeuger, Neger und Mongolen. Das sind aber Ausnahmen, die man nicht als Regel ansehen darf. In den allermeisten Fällen kommt es vielmehr zu einer Verschlechterung der Menschenai\t und zu einer verschwommenen Form comhinierter Eigenschaften. Nach Gobineaus Theorie steht ja eine Bastardnation schon bei ihrer Geburt unter dem Zeichen des Verfalles. Das lehrte ihn die Weltgeschichte, aus der er den Erfahrungssatz gezogen -hat: „Entartet ist dasjenige Volk, in dessen Adern infolge mannigfacher Mischungen und Kreuzungen nicht mehr das reine Blut seiner Väter fliesst." Ein Vorschlag an den Congress. Ich glaube, es wäre vonnutzen, die Institution lebenslänglicher Schekelzahler einzuführen. Diese Schekelzahler sollen ein lebenslängliches actives und passives Wahlrecht in der allgemeinen zionistischen Organisation haben, wenn sie einmal 10—15Rubel in den dazu eingerichteten eisernen Fonds zahlen. Dieser Fonds soll in der Jüdischen Colonialbank verwahrt und von diesem Institute mit 4% verzinst werden. Die Zinsen sollen alljährlich dem Actions-Comitö zur Verfügung gestellt werden, solange der betreffende Stifter lebt. Nach seinem Tode fällt das Capital dem Nationalfonds zu. Die Namen dieser lebenslänglichen Schekelzahler sollen in einem dazu eingeführten Buche eingetragen werden und jeder derselben soll ein Document bekommen, das ihm sein Wahlrecht für Lebenszeit bestätigt. Kowna (Russland). S. Wilk. Assimilations-Blüten. Der am 23. bis 25. Mai in -Weimar zusammengetretene Dritte Congress der freien deutsehen Studentenschaft, die angeblieh allen Studenten ohne Unterschied des Glaubens ein schützendes Obdach gewähren will, hat ganz offenkundig im Zeichen des Antisemitismus getagt. Der officielle Referent, der sich äuuserst reserviert

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