Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 23 (6.6.1902)
- Article
- München [Nachricht]
- Date
- 1902-06-06
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 »Die & Weitße Seite 11 Abend ein. Die „Renaissance" ^eg jüdischen Lebens, unter deren Zeichen das Fest stand, feierte Dr. Theodor Lessing in seiner Conference. Herr Concertsänger J. Schweitzer sang sodann zwei Arien aus „Elias", von Frl. Lammfromm am Ciavier ausgezeichnet begleitet. Frl. Elsa ßerny riess das Publicum mit dem Vortrage jüdischer Volkslieder „Das Aleph-Beth", „Ich halt' es nicht aus", „Gott ist unser Vater" zu stürmischem Beifall hin. Vorausgegangen war eine Romance hebreenne von J. M. Schumann und die hebräischen Melodien von Lewand o w s k y, die von J.Z i e gl e r (Ciavier) und A. Friediger (Violine) wirksam zu Gehör gebracht wurden. Der Abend schloss mit „Mi-Adir" von Lewandowsky und „Gefunden0, einem schönen Gedichte Theodor Zlocistis, das Herr Josef Z i e g 1 e r, der auch das Orchester dirigierte, componiert hatte. Beide Gesänge wurden von Herrn Wilhelm Ziegler vortrefflich vorgetragen. Der musikalische Theil wurde unterbrochen durch Recitationen von Frl. Grete L o r m a und Herrn Emil Lind, den gefeierten Künstlern unseres Schauspielhauses. Frl. Grete Lorma wusste das schwermüthige Gedicht „Aber die Sterne* von Frug und „Das ewige Geheimnis" von Morris R o s e n f e 1 d, die oft gestellte „Verzweiflungsvolle Frage" mit ergreifender Schönheit vorzutragen. Ihre Kunst wurde derart bejubelt, dass sie sichnoch zum Vortrage einiger Gedichte von Jakobowsky entschliessen musste. Herr Emil Lind endlich gestaltete durch seine Vortragskunst das Dehme Tsche Gedicht „Glaube, Liebe, Glaube/' die alte Geschichte von der Liebe des Ritters zu der schönen Jüdin zu einem packenden Drama. Um den Abend machte sich Herr stud. M. Sternlieb besonders verdient. Regansburg. Auch in Bayern gewinnt unsere Bewegung täglich an Boden, Ausser den bestehenden Gruppen hat in Nürnberg-Fürth, den judenreichsten Städten Bayerns, unser eifriger Gesinnungsgenosse Herr S, ß.Heinemann in letzter Zeit für unsere Sache eine Anzahl Anhänger gewonnen. Von Bedeutung und Interesse für weitere Kreise dürften die Aeusserungen sein, welche gestern der hiesige orthodoxe Rabbiner Herr Dr. Mayer in einer Unterredung unserem Vertrauen smanne Herrn Strauss gegenüber machte. Er sprach ihm seine volle Sympathie für unsere Bewegung aus und e r k 1 är t e es für den grössten Fehler.der deutschen Rabbiner, dass sie sich dem Zionismus ablehnend oder gar feindlich gegenüberstellten, Russland. Odessa. (Verein „Nefes Zion".) Da wir die Arbeiten unserer Congresse mit Aufmerksamkeit verfolgen, versetzte uns das Unglück in tiefe Betrübnis, welches gerade, während sie für das Wohl ihres Volkes auf dem IV. Zionisten-Congresse in London thätig waren, unsere treuen Genossen, die Brüder Marmorek, betroffen hat, indem ihr Vater, Dr. Josef Mar m ore k, ihnen plötzlich durch den Tod entrissen wurde. Wenn es in den Reihen der Zionisten vier Männer desselben Geschlechtes gibt, deren Herzen im Eismeere der westlichen Assimilation für ihr Volk nicht erkaltet sind, so kann dies nur ihrem Vater zu verdanken sein, der ihnen von Kindheit an die Liebe zum Volke, dem sie entstammen, und zu dessen glorreicher Vergangenheit eingeflösst haben muss. Das Andenken solcher Leuchtthürme im Meere der Assimilation muss uns unvergesslich sein und darf aus unserer Mitte nicht verschwinden. Der Verein fand es damals für angemessen, das Andenken des Verblichenen durch Abhaltung einer Gedenkfeier zu ehren. Zugleich wurde an die Söhne des Verstorbenen die Bitte gerichtet, dessen Bild unserem Vereine zu widmen. Die Familie Marmorek entsprach unserem Wunsche durch Uebersendung eines künstlerich ausgestatteten Porfcraits ihres Familienoberhauptes, des seligen Dr. Josef ben Alexander Marmorek, und der Verein „Nefes Zion" in Odessa fasste in seiner Generalversammlung am 26. Nissan 5662, im 5. Jahre des Zionismus, folgende darauf bezügliche Beschlüsse: 1. Zum ewigen Andenken an die unermüdliche Thätigkeit der Brüder Marmorek für Zion werden dem Namen „Nefes Zion" unseres Vereines die Worte: „Brüder Marmorek" hinzugefügt, und die genannten Herren sind von nun ab als Ehrenpräsidenten dieses Vereines zu betrachten. % Alljährlich am Sterbetage des Dr. Josef ben Alexander Marmorek (21. Ab) versammeln sich die Vereinsmitglieder zur Abhaltung einer Seelengedenkfeier und zur Anhörung eines Vortrages über den Zionismus. 3. An den drei Festen und am Jörn Kippur wird in der zionistischen Synagoge „Jabneh" in Odessa beim Maskir eine eigene Gedenkfeier für das Seelenheil Josefs, Sohnes des Alexander Marmorek im Namen des Vereines „Nefes Zion Brüder Marmorek" abgehaltenen werden. 4. In die Casse des Jüdischen Nationalfonds werden 100 Rubel abgeführt, um sie ins goldene Buch dieses Fondes einzutragen, als Spende des Vereines s,Nefes Zion Brüder Marmorek" zum An decken an Dr. Josef, Sohn des Alexander Marmor ek s. A. aus Wien. Sopotzkin. In der Stadt Graj ewo, Gouv. Lomza, hat sich eine Gesellschaft unter dem Namen „Orient-Mercur" constituiert, in der Absicht, Palästina-Producte zu beziehen und in Russland zu verkaufen. Gründer dieser Gesellschaft sind die Herren Benjamin K o 1 k o, Chaim IsakRawidowicz, Moses Barkowsky, Mordechai Abramsky, BeerRosen und F. M. R a w i d o wi c z. Von den 17 Paragraphen der Statuten dieser Gesellschaft führen wir hier folgende an : § 1. Ziel. Die Gesellschaft hat den Zweck, geschäftlichen Verkehr mit Palästina anzuknüpfen, Export und Import von Landesproducten und ihre Fabrication einzuleiten und zu betreiben. §2. Gründung der Gesellschaft. Die Gründer haben das Recht, mit Erlaubnis von zwei Dritteln der Mitglieder, noch weitere vier Mitglieder in die Gesellschaft aufzunehmen. Das Grund capital beträgt 6000 Rubel, 600 Rubel für jedes Mitglied. Als Eintrittsgeld hat jedes Mitglied 75 Rubel in die Gesellschaftscasse eingezahlt, während der Rest in Raten von 4 Rubeln monatlich einzuzahlen ist. Nöthigenfalls aber sind sämmtliche Mitglieder verpflichtet, das ganze Grundcapital sofort bar zu erlegen. Zum Cassier der Gesellschaft wurde HerrM. Abramsky per acclamationem gewählt. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, die arabische Sprache zu erlernen und sich mit der Geographie Palästinas bekannt zu machen. Nach Ablauf von drei Jahren soll eine Bilanz über die Thätigkeit der Gesellschaft gezogen und Beschluss gefasst werden, ob diese Thätigkeit fortzusetzen sei oder nicht. — Diejenigen Institutionen oder Zionisten, welche die Gesellschaft mit Rath unterstützen können, werden ersucht, ihre Zuschriften an Herrn B. Kolko, Grajewo, Gouv. Lomza, gelangen zu lassen. Dubno (Russland). Vor dem Bezirksgerichte der Stadt Dubno standen unlängst, wie die Zeitschrift „Wolhyn" meldet, die Führer des Zionisten Vereines „Schlom Zion* unter der Anklage, eine Zionisten-Versamrnlung ohne Erlaubnis der Behörde einberufen und abgehalten zu haben. Das Gericht sprach sämmtliche Veranstalter und Theilnehmer der Versammlung frei. England. London. Unter dem Vorsitze des Mr. Lozinsky fand am 10. Mai in der Kings Hall in London eine von der „B'nei Zion Association" veranstaltete Versammlung statt, in welcher Mr. Shier über „Die russische Arbeiterpartei und die Zionisten" referierte. Eine lebhafte Discussion folgte dem Vortrage. Bradford. Mr. N. R a s k i n aus Leeds, der wohlbekannte zionistische Redner, hielt vor den Mitgliedern der „Bradford Montefiore Society" einen Vortrag über den Zionismus als endgiltige Lösung der Judenfrage. Edinburgh. Zur Förderung des Jüdischen Nationalfonds wurde hier letzten Sonntag in der Zionist Hall eine Versammlung abgehalten. Mr. H. Michael präsidierte. Eine Subscriptionsliste wurde aufgelegt, in welcher sich die Anwesenden mit entsprechenden Beträgen einzeichneten. Ausserdem wurde beschlossen, eine Sammelstelle des Nationalfonds in Edinburgh zu errichten. — Am selben Abend fand in der genannten Zionist Hall ein von der rührigen „EdinburghJuniorZionistLiterary Society" veranstaltetes Concert statt. Der Erfolg war in jeder Beziehung gross. Ein von Mr. Sj-mon S t u n g o verfasstes und von den „Junior Zionists" aufgeführtes Dramolet fand besonderen Beifall. Glasgow. Sonntasr fand die Jahresversammlung der „B'nei Zion" statt. Der Secretär Mr. Percy Baker und der Schatzmeister Mr. Harrison erstatteten ihre Berichte, aus denen die günstigen Resultate des vergangenen Jahres zu ersehen sind. Der Secretärs-Bericht constatiert, dass das abgelaufene Jahr das erfolgreichste seit der Gründung des