Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 23 (6.6.1902)
- Article
- Graz / W.
- Date
- 1902-06-06
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 10 „Die # Welt46 Nr. 23 pflegen könne, eine unbedingte Nothwendigkeit sei, und dass in dieser Erkenntnis die zweckentsprechende Colonisation Syriens und Palästinas durch die proletarisierten, einer Heimat entbehrenden Massen der östlichen Judenschaft Europas, deren Herz sie stets nach diesem ihrem Stammlande hinziehe, zum Programm des Zionismus gemacht worden, an dessen Durchführung unermüdlich gearbeitet werde und zu diesem Behufe auf dem V. Congresse zu Basel der Beschluss der Schaffung eines jüdischen Nationalfonds gefasst worden sei, der einzig und allein zum Ankauf von Grund und Boden in Palästina und Syrien verwendet zu werden bestimmt sei. Mit einem begeisterten Appell an die Zuhörerschaft, sich an dem Liebeswerke der Beschaffung des jüdischen Nationalfonds möglichst zahlreibh zu betheiligen und bei jeder sich darbietenden Gelegenheit dieses Fonds zu gedenken, schloss Dr. Kahn seine interessanten Ausführungen. Brausender Beifall und Händeklatschen begleiteten den Redner, als er das Podium verliess. Es folgte sodann ein lebhafter Gedankenaustausch vieler sich um den Redner scharende Gäste, von denen jeder besondere Fragen an ihn zu stellen hatte, die derselbe in der ihm eigentümlichen jovialen Weise zur Befriedigung der Fragesteller beantwortet zu haben schien. Dann erbat sich Frau Sidonie Kahn das Wort. Es war dies eine neuartige Erscheinung; denn noch nie hatte man in Graz, zumal in einer öffentlichen jüdischen Versammlung, eineFrau sprechen gehört, und ist es darum begreiflich, dass alle Anwesenden, insbesondere aber die zahlreichen Frauen, dem Muthe ihrer Geschlechtsgenossin solches zu unternehmen, Bewunderung zollten. Unter lautloser Stille und gespannter Aufmerksamkeit leitete Frau Dr. Kahn ihren Vortrag mit den Worten ein, sie wolle nur als schlichte Frau an die Versammlung und insbesonders an die im Saale anwesenden Frauen, einige ihr am Herzen liegende Worte richten „über die Stellung und Aufgabe der jüdischen Frau in der zionistischen Bewegung". Sie verwies an der Hand verschiedener Beispiele auf die Notwendigkeit der Mitarbeit der Frauen an den Bestrebungen ihrer Männer, insbesondere auf die Nothwendigkeit ihrer Mitwirkung an der Arbeit der nationalen Erziehung der Jugend im Sinne und Geiste des lebendigen Judenthums, worin die Frau als die eigentliche Beherrscherin des Hauses und der Familie den durch mannigfache Berufsgeschäfte verhinderten Mann wirksam unterstützen könne. Ihr Vorredner habe der Versammlung nahegelegt, sich an der Schaffung des jüdischen Nationalfonds i-ege zu betheiligen, der dazu bestimmt sei, so vielen nothleidenden Brüdern eine unabhängige Existenz als ehrsame Landwirte auf ureigener Scholle im Lande der Väter begründen zu helfen. In diesem Bestreben könnten die jüdischen Frauen ihren Männern und Brüdern die wirksamste Mithilfe-leisten, wenn sie allerorts und bei jeder sich ihnen darbietenden Gelegenheit, bei festliehen Anlässen und sonstigen Ereignissen, sich für einen Absatz der zur Dotirung des Nationalfonds bestimmten blauen Marken bemühen würden. In der Besprechung der Art dieser Mitarbeiterschaft wurde die Rednerin immer wärmer und machten ihre vom Herzen kommenden und darum auch zum Herzen gehenden Worte auf die gesammte Zuhörerschaft einen mächtigen Eindruck, dem sich niemand zu entziehen vermochte. Der grosse Erfolg, den die Rednerin errungen, gab sich darin kund, dass die von ihr von Wien mitgebrachten mehrere Buch Nationalfondsmarken in wenigen Augenblicken vergriffen waren und noch weitere Bestellungen auf Marken gemacht wurden. Der neu gewählte Ausschuss des Zionsvereines dürfte.aber in dem schönen Erfolgeseiner kurzen Thätigkeit einen Fingerzeig und einen neuen Ansporn zum rüstigen Weiterschreiten auf der von ihm betretenen Bahn zionistischer Thätigkeit erblicken. Dr.W. Wien. (Der Einzelverein „ W i e n" des „Z i o n") veranstaltete am 24. Mai 1. J. im Restaurant Fischer, IL, Schiffamtsgasse 20, einen von zahlreichen Mitgliedern und Gästen besuchten -i^-*^ j-^-Ab^nd. Nach den einleitenden Worten des PräsidenTen Herrn M. Ehrlich referierte Herr L. Taubes über die Bedeutung des ^ö--^ y^ in der Geschichte des Judenthums. Herr R. A. Brandes hielt eine Rede, in welcher er das Schülerfest in Verbindung mit dem Zionismus brachte. Beide Redner ernteten starken Beifall, Gegen 1 Uhr schloss die Versammlung in animierter Stimmung. Bielitz. Anlässlich des IL österreichischen Zionistentages veranstalteten der zionistische Verein „Haschachar" und die jüdisch-akademische Verbindung „Emu nah" Sonntag, den 1!). Mai einen Festabend. Ueber 800 Personen waren anwesend. Nach einer kurzen Begrüssung durch Herrn M a t z n e r, erhielt, stürmisch begrüsst, das Wort zur Festrede Dr. Kur rein, Rabbiner in Teplitz. In jugendlicher Begeisterung pries der Festredner den Zionismus als wahren Fortschritt, nannte das Geschlecht glücklich, das ihn erlebt. Alle Juden, die denken, die sich nicht aufgeben, müssen sich dieser Bewegung anschliessen, die doch den Juden nur geben wolle, was der Juden ist. Jüdische Arbeit, jüdische Thätigkeit fürs jüdische Volk ist Zionismus. Während seiner Ausführungen immer wieder von Beifall unterbrochen, schloss Festredner unter stürmischem Beifall. Einem von Herrn Lubowski vorgetragenen Cello-Solo folgte ein exact aufgeführtes Schauturnen des jüdischen Turnvereines, woran sich ein mit Beifall aufgenommener Liedervortrag des Herrn Friedländer reihte. Den estenToast sprach Gesinnungsgenosse Krieger, ihm folgten Doctor Krenberger und Dr. G*ü n z i g. Mit einem Dank an Dr. K u r r e i n schloss das imposante Fest. Eine für den Nationalfonds eingeleitete Sammlung ergab K 140. (Wir behalten uns vor, die glänzende Rede des verehrten Rabb. Dr. Kurrein nachzutragen. Die Redaction.) Triest. Mittwoch den 14. Mai hielt unser werter Gesinnungsgenosse Rabbiner Dante A. L a 11 e s einen Vortrag unter dem Titel „Ghetto". Derselbe war von zionistischem Geiste erfüllt. Krakau. Der akademische Verein „Przedswit-Haschachar" veranstaltete am 25. Mai d. J. im Saale der hiesigen Lesehalle „Ezra" einen Bar-Kochba-Festabend. Programm: 1. Festrede Dr. Sjrop. 2. Musik - Quartett Friedeker, Frankel, Glücks mann und Sonnen blick. 3. Declamation G o 111 i e b. 4. Gesang Liebling. 5. Declamation Margulies. Besonders hervorzuheben ist die Festrede des Dr. Syro p, der die Lage der Juden zu jener Zeit und die Bedeutung des Bar-Kochba-Aufstandes für die jüdische Geschichte darzustellen verstand. Przemysl. (Verein „Zion"). Bei den am 28. Mai vorgenommenen Wahlen wurden gewählt: Godel, Präses, Mer meistein, Vicepräses, Karitan, Secretär, Rosenzweig, Cassier, Oester reicher, Administrator, Spitz, Bibliothekar, Schwarz, Zeitungsverweser, Kingler, Körner, Freund, Felsen, Beisitzende. Holieschau. Im jüdischen Mädchenverein „Sulamith'4 sprach am 19. Mai d. J. Herr jur. Oskar Barth aus Olmütz in vorzüglicher Weise über das Thema: „Der Zionismus, sein Inhalt und seine Geschichte." Der Vortrag fand bei dem zahlreichen Publicum den grössten, wohlverdienten Beifall. Bohorodczany. Der neue Ausschuss des hiesigen Vereins „Esrath Israel" hat sich constituiert und wurden gewählt: M. Rieger, Cultusvorstand, Präsident; H. Lör, Vicepräsident; L. Raucher, Cassier; J. Lautmann, Controlor und Schriftführer; A. Schreier, Bibliothekar und S. Hübschmann, Oekonom und drückt der Ausschuss dem Herrn S. Hübsch mann für seine aufopfernde Mühe, die er sich zur Erhaltung des Vereines gibt, auf diesem Wege den wärmsten Dank aus. Auch beschloss der Verein, die für den Nationalfonds gesammelten 31 Kronen an das Stanislauer Kreiscomite abzuführen. Bielitz. Aus Anlass des IL Parteitages der österreichischen Zionisten wurde Montag den 19. Mai eine Versammlung von den Vereinen „Haschachar" und „Emunah" abgehalten. Als Referenten fungierten jur. Leo Blum und Alf. Herszlikiewicz. Die von mehreren hundert Personen besuchte Versammlung nahm einstimmig eine von Gesinnungsgenossen Blum eingebrachte Resolution mit folgendem Inhalte an : „Die am 14. Mai im Kaiserhof-Saale in Bielitz tagende Versammlung erblickt im Zionismus die einzig mögliche und erstrebenswerte Lösung der Judenfrage und sieht mit Freude auf den II. österreichischen Zionistentag, in dem sie einen weiteren Schritt zur Lösung der JudenfrageimSinne des Zionismus erblickt." Eine Sammlung für den Nationalfonds wurde eingeleitet. Deutschland. Berlin. Es dürfte weitere Kreise der Partei interessieren, zu erfahren, dass zum Rabbiner der hiesigen B'nei-Brith^-Synagoge unser bewährter Gesinnungsgenosse Herr Rabbiner Dr. Wohlberg gewählt wurde; das Rabbinat hat durch die früheren Inhaber desselben in Berlin ein gewisses Ansehen erlangt, so dass wir Herrn Dr. Wohlberg nur zu seiner Wahl beglückwünschen können. München. (Jungjüdischer Abend.) Am 24. Mai veranstalteten jüdische Studenten im Künstlerhause einen künstlerischen Unterhaltungs-Abend. Die feierlichen Klänge desBruch'schen „Kol-Nidrei", welches für Clavier(Frl.Paula Böhm), Violine (Herr Benno Sarsky) und Violoncello (Herr Lwowitsch) arrangiert worden war, leiteten den