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Die Welt · 1902-06-06 · 23 (6.6.1902) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
23 (6.6.1902)
Article
Ein Project zur Vertheilung der Juden in England
Date
1902-06-06
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 23 JDIe # Wdt65 Seite 9 treter von Birmingham, Liverpool und Dublin wurde hierauf beschlossen, einen Bund der jüdischen GemeindenEnglandszu gründen, welcher periodische Sitzungen abhalten und alle Interessen der jüdischen Gemeinden vertreten soll. Herr Hermann Landau schlug folgende Resolution vor: Die Conferenz ist der Ansicht, dass die infolge der Ueberbevölkerung in den grossen Städten entstandenen Nachtheile nur durch die Vertheilung der Immigranten über dasganzeLand beseitigt werden könnten, und beschliesst daher, eine Organisation zu schaffen, welche die Lösung der Frage in die Hand nehmen soll." In seiner Begründung bestritt Redner die Annahme, dass alle fremden Juden arm seien. Nicht Geld, sondern Kenntnis der englischen Sprache fehlen ihnen, und dieser Mangel zwinge sie, beisammen in Whitechapel zu wohnen, wo sie im Nothfalle sich auch mit ihrem „Jüdisch-Deutsch" behelfen können. Die Resolution wurde angenommen. Desgleichen ein Antrag des Sir Samuel Montagu, welcher die Einsetzung eines Vertheilungs - Comites fordert und die Modalitäten seiner Wirksamkeit feststellt Darnach soll dasselbe L Privatpersonen, welche in Provinzialstädten Werkstätten errichten und zu den ortsüblichen Löhnen fremde Juden beschäftigen wollen, 2. jüdischen Handwerkern, welche sich im Einverständnis mit Provinzial-Gemeinden daselbst niederlassen, und 3. kleinen Gemeinden, welche Fremde aufzunehmen bereit sind, zinslose Darlehen oder Subventionen gewähren. Das Comite wird seine Arbeiten beginnen, sowie ihm die ersten 1000 Pfund Sterling zur Verfügung stehen. Ein neues jüdisches Theater in London. In Aldgate, London soll der Neubau eines Theaters ausgeführt werden, welches ausschliesslich dem Jüdischen Drama gewidmet sein soll. Das Haus soll 3000 Personen fassen und wird circa 30.000 Pfand Sterling kosten. Der Erfolg der jüngst eröffneten jüdischen Bühne in Hackney ist ein über alle Erwartungen glänzender. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. BUchereinlauf. Dr. J. Sapir: „Geschichte und Wesen des Zionismus". Verlag Schermann in Odessa. (Russisch.) Dr. J. Sapir: Der V. Zionistencongress sanimt Auszügen aus den Rechenschaftsberichten des Correspondenz- und Finanzbureaus. Odessa, 1902 (Russisch.) Berichte über den V. Zionistencongress (G. und 7. Heft). Verlag „Ulej" in Charkow, (Russisch.) Jüdische Familienbibliothek. Verlag Bussel, Redacteur M. Riwkin in Petersburg. III. und IV. Heft. (Russisch.) Monatsbücher des „Woskhod* (April 1902.) Petersburg. (Russisch.) Jahresbericht (1901) der Bibliothek des „Vereines zur gegenseitigen Unterstützung der jüdischen Handelsangestellten in Odessa '. Odessa, 1902, Selbstverlag (Russisch). Michael Feuerstein: Jünglinge. Leipzig, 1902, Verlag Hermann Seemann Nachfolger. 12°, 141 S. Zionistische Jargon-Bibliothek Nr. 1.: „Makel Noam", Jüdische Volkslieder von Wolf Zbarazer (Ehrenkranz). (djTD bpb)- Antiqua-Transscription von Dr. Sottek. Braila, 1902, 8°, 80 S. Preis 50 Centimes. * In Alexandrien (Aegypten) erscheint seit Mai d. J. unter dem Titel „Messager Sioniste" eine französische Zeitschrift, die es sich zur Aufgabe macht, den Zionismus und das Baseler Programm zu propagieren. Wir begrüssen das neue Bruderblatt aufs wärmste. fias cki* JJe^egüi)g. Voranzeigen. Wien. (Vereinigung zionistischer Hochschüler in Wien.) Donnerstag den 12. Juni 1. J. veranstaltet die »Vereinigung zionistischer Hochschüler" im Restaurant G u t h (Sefaniestrasse) einen S c h e w u o t h- Abend mit nachstehendem Programm: 1. Begrüssung durch den Obmann. 2. Festrede. 3. Gesang (Herr Cantor Oester reicher). 4. Recitationen der Herren Braudes, Freud, Rothblum, Segall. Beginn 8 Uhr abends. Regiebeitrag 30 Heller. Berichte. Oesterreich-Ungarn. Graz. Der neugewählte Ausschuss des Grazer Vereines „Zion", an dessen Spitze der Präses-Stellvertreter der Cultusgemeinde, Herr David Stern steht, entwickelt seit der kurzen Zeit seines Bestandes eine rühmenswerte Thätigkeit. Es äussert sich dieselbe^nicht bloss in der regen Veranstaltung von Vortragsabenden, sondern auch in der Mitwirkung an der Schaffung gemeinnütziger Einrichtungen innerhalb der Cultusgemeinde selbst, so beispielsweise durch die schon längst zum Bedürfnis gewordene Erweiterung der Gemeindeschule durch Hinzufügung weiterer Classen, wodurch der Religionsunterricht eine intensivere Pflege gewinnen wird, weiters durch die in Angriff genommene Erbauung eines grossen geräumigen Turnsaales, der nicht bloss für die die Schule besuchenden Knaben und Mädchen bestimmt ist, sondern auch der bereits erwachsenen Jugend eine willkommene Stätte zur Uebung und Weiterbildung im Turnen bieten soll. Es zeigt sich immer mehr und mehr, dass es ein glücklicher Gedanke gewesen, die Leitung des Vereines „Zion" in die Hände derjenigen Männer zu legen, welche zugleich im Rathe des Cultus-Ausschusses der Gemeinde Sitz und massgebende Stimme haben und so in ihrer zweifachen Stellung am besten in der Lage sind, sowohl dem rein confessioneilen Standpunkte der in dieser Tradition aufgewachsenen Väter und Mütter Rechnung zu tragen, sowie auch zugleich — was in der gegenwärtigen Zeit besonders noththut — auch dem nationalen Sinne und derauf diesem fussenden Weltanschauung der heranwachsenden jüngeren Generation zum Durchbruch zu verhelfen. Letz'en Samstag den 17. d. M. wurde unserem Vereine und damit selbstverständlich auch dem Gros der Grazer Judenschaft die Freude zutheil, den diesjährigen Cyklus der Vorträge durch solche des Herrn Dr. Leopold Kahn und der Frau Doctor Kahn aus Wien in der würdigsten Weise beschliessen zu können. Herr Dr. Kahn steht schon seit seinem ersten, vor mehr als zwei Jahren gemachten Besuche bei der Grazer Judenschaft im besten Andenken, Die plastische Darstellung dieses Redners, der seinen Stoff, wie kein zweiter, beherrscht, gepaart mit einer formvollendeten, Herz und Gemüth bewegenden Vortragsweise, ist recht geeignet, seine Zuhörer gefangen zu nehmen. Lange bevor der verehrte Gast und seine Frau Gemahlin den Saal betraten und insbesondere Frau Si.donie Kahn von der den Saal dicht füllenden Menge mit Beifall und Händeklatschen empfangen wurde, war der Saal bereits bis auf das letzte Plätzchen gefüllt gewesen. In Verhinderung des Obmannes, eröffnete dessen Stellvertreter Cultusausschuss Herr Bernhard Neumann, zugleich eines der rührigsten Mitglieder unseres Vereines, die Versammlung mit einer kurzen herzlichen Begrüssung sämmtlicher Anwesenden und insbesondere der beiden Wiener Gäste. Darauf erhielt Dr. Kahn das Wort zu seinem Vortrage. Anknüpfend an den bekannten Satz Nietzsches von der „Umwertung der Werte", nahm der Redner in Variierung desselben die U m w ertung des Judenthums durch den Zionismus zum Thema seines Vortrages. Er zog eine Parallele zwischen den culturellen Leistungen der alten und auch der modernen Culturvölker einerseits und den culturellen Leistungen des kleinen Judenvolkes schon zur Zeit seiner nationalen Selbstständigkeit, aber auch noch in den Zeiten seines Exils andererseits, er wies dann auf die Fortschritte hin, welche in der neuesten Zeil unter dem Einflüsse des Zionismus auf dem Gebiete der jüdischen Literatur und Kunst gemacht worden, und entrollte den Zuhörern ein anschauliches Bild von der culturellen Bedeutung der Arbeit der Moderne auf dem ureigeneu nationalen Boden durch die Pflege der uns von unseren Altvorderen überlieferten nationalen hebräischen Sprache und Literatur, die durch die Arbeit der junghebräischen Dichter und Schriftsteller einer neuen Blüte entgegengehe und das Selbstbewusstsein der sich nun wieder ihrer angestammten Nationalität erinnernden Judenschaft mächtig gehoben habe und dieselbe als gleichwertige Nation unter den übrigen erscheinen lassen müsse, Er wies schliesslich darauf hin, dass zum Gedeihen einer jeden Nation ihre Sesshaftmachung auf einem eigenen Grund und Boden, auf dem sie sich voll und ganz ausleben und ihre Eigenart

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