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Die Welt · 1902-05-30 · 22 (30.5.1902) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
22 (30.5.1902)
Article
In der weltverlorenen Stadt [Nachricht]
Date
1902-05-30
Page
12 (sequence 1)
Language
German
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Seite 12 Die ifr Welt06 Nr. 22 ♦ Kwn ♦pa nKö Dinn »tubd ♦ mnsan *r»pa (Naumow: in der weltverlorenen Stadt. Roman. Aus dem Russischen übersetzt von Magen. — Sitomir 1901. 16°, 86 S. Preis 40 Kop. exch Porto [Hebräisch.]) * Unser Berliner Bruderblatt, die „Israelitische Rundschau*, offizielles Organ der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland«, erscheint seitdem 9. Mai unter der Redaction unseres altbewährten, tüchtigen Gesinnungsgenossen Dr. Heinrich L o e w e. Die beiden letzten Nummern des Blattes zeichnen sich durch ihren frischen Ton und durch die Mannigfaltigkeit ihres Inhalts aus. In dem Programm-Artikel sagt die neue Redaction u. a.: „Unsere Rundschau wird in erster Linie sich bemühen ... zu der Durchführung des zionistischen Parteiprograrnmes ihr bescheidenes Theilchen beizutragen. Es wird ihr Ehrentitel sein, als zionistisches Parteiblatt bezeichnet zu werden. Aber auch über das engere Ziel der Partei hinaus haben wir Interessen, die uns ebenfalls durch unseren Zionismus nahegelegt werden. Alles Jüdisch-Nationale im weitesten Sinne des Wortes ist unser Arbeitsgebiet! Wie es für uns kein Judenthum ohne Zionismus gibt, so haben wir auch keinen Zionismus ohne Judenthum .. . Gewiss haben wir nicht die Absicht oder das Recht, irgend jemanden in seines Herzens Angelegenheiten und in seine Ueberzeugung hineinzureden, aber darum werden wir keinen Augenblick anstehen, für die Erhaltung altjüdischer Art und Sitte so einzustehen, wie es eines Nationaljuden würdig ist .. . Wir werden uns weiter bemühen . . . Kenntnis der jüdischen Geschichte, Literatur und Alterthumskunde, Wissen von jüdischem Leben und jüdischem Geschicke in der Gegenwart, Liebe zui jüdischen Sprache und Hoffnung, frohe Hoffnung auf eine bessere, im eminenten Sinne jüdische Zukunft unserer Nation unter unseren Brüdern und Schwestern zu verbreiten, Die Einheit der Gesammtjudenheit ist das hohe Ziel, nach dem der Zionismus strebt. . . Durch Einigkeit zur Freiheit, das ist unser Leitstern. Darum sind wir aber umsomehr gesonnen, innerhalb der zionistischen Partei die übrigens von keiner Seite angegriffene Einheit streng zu wahren . . . Wir haben das unbedingteste Vertrauen zu unseren Führern und werden uns nicht beirren und verlocken lassen, die Einheit der Gesammtpartei, die für uns die Einheit der Judenheit repräsentiert, muthwillig zu stören . . . * Die jüngste Nummer (5) unseres französischen. Bruderblattes „L'Echo Sioniste" vom 15. Mai zeigt uns dieses Blatt auf der gewohnten Höhe. An leitender Stelle beschäftigt sich A. Rokeach mit den Wahlen in der „Alliance israelte universelle" und bespricht die zionistische Candidatenliste. Hierauf folgt eine Uebersetzung von Max N or d aus Schrift über den Zionismus, die als Flugschrifc vom österreichischen Landes-Comite herausgegeben worden ist Hieran schliesst sich der in der Nummer 20 unseres Blattes abgedruckte Aufsatz von Dr. Alexander Marmorek „Zur Hygiene Palästinas" ferner eine Betrachtung Dr. A. R okeachs über „Negation und Parteidisciplin im Zionismus", ein Artikel über r4e französischen Kammerwahlen, die Wiedergabe eines Briefes, der sich mit der Lage der Juden in Kurdistan beschäftigt, eine reichhaltige Chronik unserer Bewegung u. s. w. * Das April-Heft der von der „Federation of American Zionists" herausgegebenen, vortrefflich redigierten Monatsschrift für jüdisches Leben und jüdische Literatur „The Maccabean" (^^n) liegt uns vor. Es übertrifft womöglich noch die früheren Hefte an Gediegenheit und Reichthum des Inhaltes. An erster Stelle schreibt George Alexander K o h u t in interessanter Weise über das Leben und die Werke des jüdischen Gelehrten Salomon Münk (1802—1867). George Rubin führt uns unseren ausgezeichneten Gesinnungsgenossen Dr. Alexander Marmorek in seinerThätigkeit für die Wissenschaft und für unsere zionistische Sache vor. Es folgt eine hübsche kleine Novelle „Der Chasan und seine Stimme" von Louis Lipsky, sodann zwei jüdische Volkslieder, ein Aufsatz über „Jüdische Kunst und Künstler", das Referat N. Sokolows auf dem V. Zioaisten-Congresse über „Jüdische Literatur und Wissenschaft" in der Uebersetzung von Miss Adele S z o 1 d, ein Artikel über „Die Popularisierung der jüdischen Literatur in Amerika", eine Darstellung der Entstehungsgeschichte und des gegenwärtigen Standes der Jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem, ein Aufsatz vonMoses Klein über den amerikanisch-hebräischen Dichter Ezekiel Lev.it mit Proben seiner Gedichte, eine allgemein jüdische und eine zionistische Chronik, eine Bücherrundschau und noch manche kleinere lesenswerte Aufsätze. Herrn Louis Lipsky, dem Chefredacteur des englischen Theiles des „Maccabaean" gebürt volle Anerkennung für seine ausgezeichnete redactionelle Thätigkeit. An den englischen Theil der Zeitschrift schliesst sich eine Abtheilung im Jargon, deren Redacteur N. Selikowitz ist. Auch diese Abtheilung ist vortrefflich redigiert und weist Aufsätze von hohem literarischen Werte auf. Hervorheben wollen wir die Studie von Rev. Josef Se ff: „Was heisst Zionismus?", das Gedicht „Die Tage und die Jahre" von Ploni, „Das Eisen" von David Pinski und die „Blicke und Gedanken* von N. Selikowitz. ${(is dei* ft*ifreg(if)& Voranzeigen. Wien. (Verein jüd. jugendlicher Arbeiter, IL, Rerabrandtstrasse 3.) Sonntag, den 1. Juni 6 Uhr abends, Vortrag des Herrn Franz Steiner. Thema: „Die historische Entwicklung des Zionismu s." Gäste (auch Damen) willkommen. Berichte. Deutschland. Zabern (Elsass). Die zionistische Vereinigung Strassburgs hat auch hier den Versuch gemacht, in Action zu treten, und der Erfolg ist als ein ebenso glänzender zu bezeichnen, wie er vor drei Wochen in Hagenau gewesen. Nahezu 40 Mitglieder der Gemeinde schlössen sich an diesem Abend der Bewegung an. Die zionistische Bewegung muss hier im Reichslande als eine Wohlthat für die Juden begrüsst werden. Die elsässischen Juden sind leider seiteiner Reihe von Jahren in einem solchen Indifferentismus befangen, sind so jeglichen Idealismus bar, dass jedes ideile Streben, welches deren Heizen in Bewegung zu setzen vermag, als eine willkommene Erwachung aus der Erstarrung angesehen werden muss. Der Referent der Zionisten war Herr Dr. Dannenberg, der mit glänzender Beredsamkeit der Versammlung Aufschluss über die Ziele und Aufgaben des Zionismus gab. An diesen Vortrag schloss sich eine Discussion am Herr Rabbiner Staripolsky betonte in seiner Auseinandersetzung, dass der gesetzestreue Jude keiner Anregung der zionistischen Bewegung bedürfe, um an Zion zu denken. Sein tägliches Gebet ist Zion; sein ganzes geistiges Leben befindet sich auf dem geheiligten Boden Zions, der ihm Halt und Stütze in den finsteren Zeiten der Diaspora geworden und Töne der tiefsten Bewegung bei ihm hervorruft, mitten im Jubel seiner Freudenfeste. Auch die Colonisation Palästinas sei keine neue Idee des Zionismus, war von jeher das unausgesetzte Streben der für Gott und seine hl. Thora begeisterten Männer gewesen. Doch vermag er seine Anerkennung dieser Bewegung nicht zu versagen, wenn er ihre Erfolge, die sie in solchen Kreisen erzielt habe, wo der Name „Jude" als Brandmal und Fluch ihres Lebens betrachtet wurde, aufmerksam verfolge. Er würde es daher gerne sehen, wenn jeder Jude Zionist wäre; denn vielleicht würde das zionistische Ideal sie für die Gotteslehre und die Gebote entflammen und begeistern. Die Zionisten mögen aber nie Theorie von Praxis trennen; denn nur im Kreise der Gotteslehre und in Ausübung der Gottesgebote und jüdischen Pflichten ist ein jüdisches Ideal denkbar, denn «man DöttföS Vit« (Mainzer „Israelit".) Russland. Russland. Die zionistische Bewegung in Russrand gewinnt immer mehr an Ausdehnung. In dem entlegenen Dorfe Kamenka im taurischen Gouvernement hat sich dieser Tage ein neuer Zionistenverein gebildet, der eine rege Thätigkeit entfaltet. Der Verein hat auch eine Lesehalle eröffnet, wo alle zionistischen Journale und alle Werke über den Zionismus aufliegen. Den Versammlungen des Vereines wohnen alle Juden des Dorfes bei. In Berdyczew hat der Polizeimeister die officielle Erlaubnis zur Abhaltung einer Zionistenversammlung ertheilt. Friedrichstadt (Gouvernement Kurland). Hier hat sich unlängst ein Zionisten-Verein gebildet, an dessen Spitze Dr. Regensburg steht. Dem Einflüsse des Vereines ist es nun zu danken, dass der bekannte Zionist Schatz mit Erlaubnis des Gouverneurs von Kurland eine zionistsche Bibliothek mit einer unentgeltlichen Lesehalle eröffnet hat. Mehr als 100 Personen sind dem Comite zur Erhaltung der

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