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Die Welt · 1902-05-30 · 22 (30.5.1902) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
22 (30.5.1902)
Article
Delegiertentag der österreichischen Zionisten in Bielitz
Date
1902-05-30
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 ,Dte j> WeltJ0 Nr. 22 bürgerlichen Organisationen. Er kritisiert die Thätigkeit der „Allianz", der „B'nei B'rith"-Logen und die galizische Hilfsaction der letzteren, die Bestrebungen jüdisch-politischer Vereine, wie des „Politischen Volks Vereines*' und der „Union". . Unsere Stellung zum „Jüdischen Volksverein" in Wien präcisiert Leder er dahin, dass wir auch den Nationalismus bekämpfen müssen, der sich über die greifbarste Gegenwart hinaus keine Gedanken macht und trotz seiner volklichen Tendenz die nothwendigste Voraussetzung für die Gesundung unseres Volkes, die rechtlich gesicherte Heimstätte, weder selbst anstrebt, noch das zionistische Streben darnach unterstützt. Am weitesten trennt uns vom Volksvereine die Thatsache, dass er in der andeutungsweisen Vertretung local-österreichischer Interessen aufgeht und die Verbindung mit unseren Brüdern ausserhalb Oesterreichs gar £icht sucht. Am Schlüsse des l^stündigen Vortrages, welchem die Delegierten und das zahlreiche Galleriepublicum mit gespannter Aufmerksamkeit folgten, erhob sich stürmischer Beifall. Ueber alle opportunistischen Bedenken hinweg, getreu dem Grundsatze, dass die Zionisten eine Partei des Kampfes und des Radicalismus bleiben müssen, wenn sie siegen und zum Ziele kommen wollen, sprachen sich die Delegierten in der Debatte fast einmüthig für die Kampfeslosung des Referenten aus. Namens der galizischen Landsmannschaft beantragt Leon Reich die Drucklegung des Referates, welche dem L.-C. empfohlen wird. Die angenommene Resolution des Del. Braff ging dahin, dass das L.-C. unter Benützung des Referates und der Thesen Lederers zur Frage der politischen Bethätigung Stellung nehmen solle. Dr. P o r d e s ist gegen jede innerpolitische Thätigkeit der Zionisten. Gemäss dem Vorschlage der Wahlcommission werden per acclamationem ins Landes-Comite gewählt als Obmann Dr. S. Krenberge r (stürmischer Beifall), als Mitglieder Cultusrath Gewitsch, Dr. Hugo Benedikt, Prof. Graubart, Nathan Gross, Max H i c k 1, Frau Sidonie Kahn. Egon Leder er, S.Mohr, Dr. J. M a r m o r e k, Alfred Weissberge r, Dr. Egon Zw e i g, als Revisoren Anton Low, J. L. Deiner, Norbert Rappaport. Als Ort des nächsten Parteitages wird über Antrag des Del. H i c k 1 nach kurzer Debatte Wien bestimmt. Der Referent über Agitation, Gesinnungsgenosse Karl Rezek (Prag) bespricht zunächst den Wert der Neugründungen von Vereinen nichtzionistischer Tendenz durch Zionisten und die nationale Erziehung. Er bedauert die Vernachlässigung des Studiums Palästinas und der hebräischen Sprache. DieagitatorischeThätigkeit der studentischen Organisationen lasse viel zu wünschen übrig, insbesondere auf dem Gebiete der nationalen Kleinarbeit, der Agitation von Mann zu Mann; diese müsse nationale Ehrenpflicht jedes einzelnen werden. In der Debate, an welcher sich die Del. Rieser, Obernik, Dr. Lehrfreund, Frau Friedmann, Gewitsch und andere betheiligten, wurde auf die Unzulänglichkeit der bisherigen Agitation und den Mangel an Rednern und Agitatoren hingewiesen. Eines der wichtigsten Referate des Parteitages : „Eine jüdisch-nationale Ackerbauschule in Palästina", fand leider infolge der vorgeschrittenen Zeit nicht die Aufmerksamkeit und Beachtung, welche es verdient hätte. Die Anträge des Ref. Cultusrathes Gewitsch, welcher für die praktische Durchführung des Belkind'schen Projectes mit dankenswerter Energie eintrat, wurden mit lebhaftem Beifalle aufgenommen. Die Del. Gross, Doctor Kornhäuser. Kolisch, Dr. Zweig unterstützten den Appell des Referenten an die Delegierten und ihre Organisationen, diese erste praktische Arbeit der Zionisten in Palästina mit allen Mitteln und aller Kraft zu fördern. Der Appell hatte den Erfolg, dass auf dem Parteitage über 100 Antheilscheine gezeichnet wurden. Ueber „Presse" referierte Dr. Krenberger. Er fasste sein Referat in die Anträge zusammen: „1. Der Parteitag beauftragt das L.-C, eine zionistische Correspondenz im Vereine mit dem böhmischen D.-C. herauszugeben. % Der Parteitag beauftragt das L.-C, ehestens eine Wochenschrift als Centraiorgan der zionistischen Partei in Oesterreich zu gründen und sich mit der „Jüdischen Volksstimme" in Brünn in Verbindung zu setzen." Resolution Dr. Syrop: Der Parteitag anerkennt mit Genugthuung die bisherigen Leistungen des Jargon-Wochenblattes „Der Jud" und wünscht, dass das Blatt die allerweiteste Verbreitung, besonders in Galizien, finde, als das Organ, das zur culturellen Hebung der östlichen Massen viel beiträgt. Resolution A. H. Reich: Der Parteitag beschliesst, es möge dem Organ der polnischen Zionisten eine materielle und moralische Unterstützung zutheil werden, und spricht dem „Achiasaf in Warschau für die Herausgabe des „Judtf Dank und Anerkennung aus. Die Thesen des Gesinnungsgenossen Hickl über Stellungnahme zu den Congressen wurden angenommen. Die galizische Landsmahnschaft stellte folgenden Antrag: Gemäss § Ha Original-Statut ernennt der Parteitag folgende drei Districts-Comitäs in Galizien: Krakau:Dr. Goldwasser, Dr. Syrop,Rieser. S tanislau: Dr. B r a u d e, Dr. Jonas, Dr. Sussman n; die Creierung des D.-C. Lemberg wird den Lemberger Delegierten überlassen. Das Resultat der Creierung ist bis Mitte Juni dem L.-C bekanntzugeben. Nach Erledigung der Tagesordnung dankt Del. Blum dem Vorsitzenden Dr. Krenberger für seine umsichtige Leitung und unermüdliche Arbeit für den Parteitag, Del. Braff der Localpresse für ihr loyales Entgegenkommen. Namens der galizischen Landsmannschaft spricht Dr. Syrop dem Bureau seinen Dank und den Wunsch aus, dass unter dem Zeichen der Einigkeit und gemeinsamen Organisationsarbeit die Zionisten Oesterreichs die. gefassten Beschlüsse zur Durchführung bringen. Hierauf schloss der Vorsitzende mit innigen Dankesworten den Parteitag. * Auf dem Parteitage und dem Festabend wurde eine Sammlung für den Nationalfonds eingeleitet, welche das schöne Resultat hatte, dass der IL österreichische Zionistentag in Bielitz in das Goldene Buch des Nationalfonds kommt. De Haas' Abschied von London. Volksversammlung. Montag den 19. Mai fand eine vom Jüdischen Arbeiterverein in Gemeinschaft mit der „Bnei Zion Association*' veranstaltete öffentliche Versammlung statt, um von dem um den Zionismus in England hochverdienten Mr. de Haas vor seiner Abreise nach Amerika Abschied zu nehmen» Der grosse Saal war zum Erdrücken voll. Den Vorsitz hatte Mr. Herbert Bentwich inne. der den Abend mit Vorlesung eines Entschuldigungsschreibens Zangwills einleitete. Dann erinnerte Mr. Bentwich au die Zeit, als Dr. H e r z 1 die erste Ansprache in London hielt. Es war das Verdienst de Haas', die Versammlung zustande gebracht zu haben. De Haas ist ein noch junger Mann, der aber seine ganze Lebenszeit der ihm wahrhaft heiligen Sache des Zionismus gewidmet hat. Später oblag de Haas die gigantische Aufgabe, den IV. Zionisten-Congress in London vorzubereiten, dann bereiste er wiederholt das ganze Englaad behufs Propagierung des Zionismus und schrieb Artikel und Flugschriften ohne Zahl. Nun verlegt er seine Thätigkeit nach Amerika. Die besten Wünsche aller englischen Zionisten, deren bester Bruder er ist, begleiten ihn über den Ocean. Mr. Josef C o w e n sagte, seitdem er Gouverneur der Jüdischen Colonialbank sei, habe er in keiner öffentlichen Versammlung gesprochen, aber nun könne er sich nicht zurückhalten, um Öffentlich das zu sagen, was er von de Haas lernte. Er habe de Haas auf dem I. Baseler Congresse kennen gelernt, da sei er von dessen Begeisterung für den Zionismus geradezu fasciniert worden. Die grossartige Ausbreitung des Zionismus in England sei vor allem der Thätigkeit Mr. de Haas' zu verdanken. Er beantragte eine Resolution, worin die Versammlung ihre Anerkennung und hohe Würdigung der unschätzbaren, von de Haas den „Bnei Zion" und der zionistischen Sache in England und im allgemeinen geleistete Dienste ausspricht, und de Haas zu seinem neuen Unternehmen im Interesse des Zionismus die wärmsten Wünsche ausdrückt. Diese Resolution wurde, nachdem Mr. Lozinsky, Präsident der „Bnei Zion", sie unterstützt hatte, unter lauten Hochrufen auf de Haas einstimmig angenommen. Mr. de Haas dankte den Versammelten für die ihn hoch ehrenden Sympathie-Kundgebungen. Er brauche auf dem neuen Wege Ermuthigung. Z a n g w i 11 erwarte in seinem Schreiben von ihm (de Haas) die Eroberung von Amerika, und nennt ihn einen Apostel. Das habe ihn niedergedrückt, denn dazu reichen seine Kräfte nicht. Aber ein Missionär sei er, und als solcher gehe er nach Amerika, um allen Brüdern die Botschaft zu bringen von dem neuen Geiste, der in Israel angebrochen ist, und sie aufzurufen, sich als Brüder zusammenzuschliessen, zum Wohle Israels.

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