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Die Welt · 1902-05-30 · 22 (30.5.1902) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
22 (30.5.1902)
Article
Aus Rumänien
Date
1902-05-30
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 22 Dte ifr Welt«6 Seite 5 im Rufe philosemiti scher Gesinnung stehenden „Universul" nachstehender charakteristischer Fall gemeldet: Der Notar der Dorfgemeinde Poiana-Curnului im Districte Vaslui hat ohne jede Veranlassung den im Dienste des Pächters des Gutes stehenden Schmied Schloim StruL dessen Eltern bereits 25 Jahre unbeanstandet in Poiana-Cornului gelebt hatten, auf Grund des Gesetzes, welches den Aufenthalt von Fremden in den Landgemeinden von der Zustimmung der Ortsbehörde abhängig ma$ht, unter Anwendung von Brachialgewalt aus der Gemeinde vertrieben. Die ganze bewegliche Habe der armen Leute wurde an die Grenze des Dorfes gebracht und unter freiem Himmel auf die Strasse geworfen, wo auch die Familie des unglücklichen Schmiedes zwei Tage und zwei Nächte im Regen ohne Obdach und ohne Nahrung lagern musste, bis sie Gelegenheit zum Weitertransport und zur Bergung ihres Eigenthums fand. Infolge des Schreckens ist die Frau Struls wahnsinnig geworden, und sie irrt nun als Verrückte in den Strassen Jassys herum, wohin ihr unglücklicher Gatte mit ihr und fünf kleinen Kindern im Alter bis zu neun Jahren gekommen ist, um Gerechtigkeit zu suchen! VI. Delegiertentag der deutschen Zionisten. (Fortsetzung.) Das von der Mannheimer Ortsgruppe zu Ehren der Delegierten veranstaltete Bankett vom Montag Abend verlief sehr stimmungsvoll. Dr. Felsenthal begrüsste die fremden Delegierten, in deren Namen Dr. Bod enheimer herzlichst dankte. Dr. Fulda-Mannheim sprach auf unsere Idee, Frl. Seligman n-Eberbach gedachte unserer Führer, Dr. Koref-Hanau toastete auf die Frauen, Gronemann- Hannover dankte den Künstlern, deren herrliche Darbietungen den Abend verschönten. Am Dienstag früh wurden die Verhandlungen des Delegiertentages fortgesetzt. Gustav Wolf f-Köln erstattete den Cassabericht, aus dem hervorgieng, dass die Finanzlage gegenüber der vorjährigen sich gebessert und die Thätigkeit des Bureaus an Umfang zugenommen hat. An Schekeln seien 1901 in Deutschland 2200 (davon in Berlin 421) eingegangen. Von Jänner-März 1901 wurden bisher 825 Schekel gezahlt. An den Cassenbericht schloss sich eine sehr lebhafte Discussion an, in der unmittelbar und mittelbar mit dem Themazusammenhängende Wünsche und Vorschläge der einzelnen Gruppen zur Sprache kamen. Es krystallisierten sich aus der Debatte folgende positive Vorschläge heraus, die in Form von Beschlüssen, resp. Resolutionen angenommen wurden : 1. Der Delegiertentag legt den Ortsgruppen eine warme Unterstützung des Belkind'schen Projectes, betreffend die Errichtung einer nationalen Ackerbauschule in Palästina, ans Herz. 2. Die Berliner Ortsgruppe hat sich mit der Kölner Centrale ins Einvernehmen zu setzen bezüglich der Errichtung eines Central-Agitationsbureaus in Berlin, dessen Competenzen von der Kölner Centrale im einzelnen zu bestimmen sind. 3. Um die nothwendige finanzielle Unterstützung der Kölner Centrale dauernd zu sichern, sollen die einzelnen Ortsgruppen nach Massgabe ihrer Grösse Garantiefondsbeiträge zeichnen; erreichen die regulären Beiträge zur Centrale nicht die erforderliche Höhe, so ist das Deficit von den Ortsgruppen im Verhältnis der Höhe ihrer Zeichnungen aufzubringen. Das Referat Dr. Moses über „Gegenwartsfragen", empfahl, aus der Fülle der Aufgaben der Hebungspolitik einige besonders wichtige herauszugreifen und da, wo es unbeschadet principieller Differenzen geschehen könne, mit anderen jüdischen Vereinigungen zusammen zu wirken. Er wies besonders auf die Nothwendigkeit hin, an den Bestrebungen theilzunehmen, die die Zuführung der Juden zu Ackerbau und Handwerk erstreben, auf die Nothwendigkeit, Turnvereine zu gründen, für die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten und vor allem durch fortgesetzte Propagierung der zionistischen Idee den Gedanken einer jüdischen Renaissance an Haupt und Gliedern in immer weitere Kreise der deutschen Judenheit zu tragen. Klee-Berlin bat, die Gründung von Vorschusscassen für Handwerker und Kleinkaufleute in den grösseren Städten möglichst bald in Angriff zu nehmen und dafür zu sorgen, dass bei der Begründung solcher Cassen Statuten gemäss ein Theil des Ueberschusses, wie in Prag, der zionistischen Bewegung zugute komme. Die Nachmittags-Sitzung brachte zunächst eine eingehende Behandlung der Pressfrage in Deutschland. Die Berliner „Israelitische Rundschau" soll, wenn irgend möglich, in etwas erweiterter Form als offizielles Parteiorgan erscheinen. Ortsgruppen und Vertrauensmänner werden dringend ersucht, sich die Gewinnung von Abonnenten angelegen sein zu lassen. Es wird ferner beschlossen, einige neue Flugblätter herauszugeben, so über „Zionismus und Patriotismus", über „Zionismus und jüdische Religion" und (Antrag Königsberg) „Ueber den Nationalfonds". Die Bearbeitung dieser Flugblätter übernehmen Dr. Friedemann, Dr. Gronemann und Dr. Goldber g-Neuenahr. Dem Central-Comite wurde die Decharge ertheilt. Es sei hervorgehoben, dass bei dieser Gelegenheit seitens des Vorsitzenden auf eine Anfrage des Stuttgarter Vertrauensmannes M. Kaufmann constatiert wurde, dass das Kölner Bureau am Sabbath und jüdischen Feiertagen geschlossen sei. Die Wahl des neuen Central-Comites, dessen Mitgliederzahl von 11 auf 15 erhöht wurde, ergab folgendes Resultat: Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer-Köln. Mitglieder: D. W o lf f s o h n-Köln, Gustav W o 1 ff-Köln, Rabbiner Dr. Rülf-Bonn. Dr. Klee-Berlin, Dr. Zloci s t i-Berlin, Rechtsanwalt Dr. H a n d t k e-Berlin, Zahnarzt Schachte 1-Breslau, Assessor Dr. Friedeman n-Wiesbaden^ Dr. Elias-Mülhausen. Dr. Kaufmann-Freiburg, Dr. Moses-Mannheim, Dr. F r a n k-Altona, Dr. Gronemann-Hannover und Dr. N o r wi tz ky-München. Aus der sich anschliessenden Discussion über das Referat Moses sind namentlich die Ausführungen von Klausner-Heidelberg hervorzuheben, die darin gipfeln, dass man bei aller Nothwendigkeit. extensive Propaganda zu betreiben, die Vertiefung der Agitation nicht ausseracht lassen dürfe und dass an die Stelle der im Zionismus hie und da befolgten Art und Weise, mit rein philanthropischen Argumenten zu agitieren, eine Agitation zu treten habe, die die nationalen Momente der zionistischen Bewegung schärfer betone. Auf eine Anfrage, betreffend die Angriffe des Mainzer „Israelit" auf Geschäftsführung und Bilanzen der „Jüdischen Colonialbank", erfolgte seitens des Vorsitzenden ein wiederholtes energisches Dementi, sowie die Mittheilung, dass die Klage bereits eingeleitet sei. Bodenheime r schloss mit einem kurzen Resume" über Gang und Erfolg der Verhandlungen. Der ihm ausgesprochene Dank für seine taktvolle, streng gerechte Geschäftsführung fand allseitig Beifall Nach einem von Dr. Klee ausgebrachten, jubelnd aufgenommenen Hoch auf die Führer wurde die Tagung, die die dringend nöthige neue Organisation, Klärung über eine grosse Reihe höchst wichtiger Fragen und wertvolle Directiven für die weitere Arbeit gebracht hat, geschlossen. Am Abend fand im Casino-Saal eine grosse, ungemein zahlreich besuchte Volksversammlung statt, in der Dr. Friedeman n über unser Programm referierte und Dr. Klee in der Discussion über die Angriffe unserer Gegner sprach. Die Versammlung bedeutete, wie zahlreiche Anmeldungen bewiesen, einen recht erfreulichen Erfolg für die Mannheimer Gruppe und bildete zugleich einen würdigen Abschluss für den harmonisch verlaufenen Mannheimer Delegiertentag. Auf das Huldigungstelegramm des Delegiertentages der deutschen Zionisten an den Kaiser ist folgende Antwort eingetroffen: ,,Delegiertentag der deutschen Zionisten, Mannheim. Urville Schloss. Seine Majestät der Kaiser und König lassen für den Huldigungsgruss danken. Auf Allerhöchsten Befehl: Der geheime Cabinetsrath v. L u c a n u s. Delegiertentag der österreichischen Zionisten in Bielitz. (Fortsetzung.) Das Referat des Gesinnungsgenossen Egon Lederer über die Stellung zu den nichtzionistischen Gruppen Oesterreichs bildete den Glanz- und Höhepunkt des Parteitages» Nachdem Redner die kritischen Leitsätze über die Stellung der Zionisten in der Judenheit überhaupt aufgestellt, geht er zur Besprechung aller jener Gruppen über, die für Bestrebungen zugunsten des eigenen Stammes überhaupt noch die Energie aufbringen, der Nothstandsvereine, der confessionell - repräsentativen und der politisch - Staats-

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