Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 21 (23.5.1902)
- Article
- Wien [Nachricht]
- Date
- 1902-05-23
- Page
- 12 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 12 Die & We8tÖG Nr. 21 Wien. („V e reinigung zionistischer Hochschülerin Wie n*0 Samstag den 24. Mai um 7,8 Uhr abends findet im Congressbureau, IX., Türkenstrasse 9, eine Vers am m 1 u n g statt. Tagesordnug: 1. Referat über den Bielitzer Parteitag, erstattet von techn. Alfred Herszlikiewicz. 2. Discussion. 3, Eventualanträge. — Collegen, erscheinet zahlreich! Gäste herzlich willkommen. Wien, Der Einzelverein „Wien" des ,.Zion" veranstaltet im Restaurant Fischer, EL, Schiffamtsgasse 20, Samstag den 24. d. M. um 8 Uhr abends einen r^-Abend. Gäste herzlichst willkommen. Berichte. Oesterreich-Ungarn. Nagy-Säros. Der hiesige „Ahavat Zion"-Verein hielt in den vergangenenen Halbfeiertagen des Pessachfestes eine starkbesuchte Sitzung, in welcher folgende Beschlüsse gefasst wurden : 1. Der Verein solle die Gemeinde ersuchen, dass dieselbe zugunsten des Vereines einen Sabbath reserviere, an dem die Thoraspenden dem Vereine zufallen mögen. % Soll der Verein ersuchen, dass die Gemeinde eine Sparbüchse für Spenden des Nationaifonds im Tempel anbringe. 3. Der Vereinsvorstand bestimme eine gewisse Frist zur Ratenabzahlung von 10 Pfund Sterling, damit der Verein ins goldene Buch des Nationalfonds eingetragen werde. 4. Der Verein soll zionistische Agitations-Broschüren vertheilen und überhaupt in Gemeinschaft mit den Nachbarvereinen eine rege propagandistische Thätigkeit entfalten. 5. Dem Vorkämpfer der ungarischen Zionisten, Herrn Dr. J. Rönai, solle ein Gratulations- und Vertrauensschreiben geschickt werden. Stryj. (Akadem. Verein „Verita s".) Bei den am 30. März vorgenommenen Wahlen für das Sommersemester 1902 wurde folgender Ansschussgewählt: jur. M. Ringel Präses, jur. J. El In er Vicepräses, jur. W. P r es s e r Schriftführer, jur. D. E c k s t e i n Bibliothekar, jur. E. Zucker Cassier; als Ersatz-Mitglieder: phil. Rosenzweig und jur. Wiesel. Bjelina (Bosnien), 13. April 1902. Am 23. März feierten wir das Purimf est mit einer Dilettanten Vorstellung und Tanzkiänzchen. Es wurde „Esther" von N. Landau, ins Serbische übertragen von J. H.Alk alay, aufgeführt. In den einzelnen Rollen fanden Beifall die Herren: Juda Kabilio, Moriz Pinto, Chajim Baruch, Josef H. A 1 k a 1 a j; ebenso die Damen: Frau Duda P a p i c als Waschti und Frl. Rachela F i n c i als Sclavin der Esther. Besonderen Beifall fand Frl. Regina Altaras, die die Esther-Rolle mit Meisterschaft gab. Es wurden auch von einem Herrn Abraham A bin on aus Dervent in Bosnien circa 36 Kronen für den Nationalfonds gesammelt. N. L. Wien, 12. Mai. (Neu es Beth Hamidrasch). Am 27. April (Chol hamoed) fand die constituierende Generalversammlung des von der hohen k. k. nied.-österr. Statthalterei bestätigten Vereines „Beth Hamidrasch Ohel Abraham", Wien, IX. Bez., Hahngasse 8, statt, und wurden folgende Herren, welche seit längerer Zeit schon zum Wohle dieses Vereines wirkten, in den Vorstand gewählt: Samuel Brunner, (Obmann), A. Labin, Eman. Singer, D. Schwarz, J. Weinstein und H. Rosenfeld. Wien. (Jüdisch-akademische Verbindung „M a c c a b a e acc.) Bei der Neuwahl des Präses, welche aus Anlass der Erkrankung des bisherigen stattgefunden hat, wurde stud. ing. Moritz S e 1 i n g e r gewählt. Wien. Am 6. Mai 1. J. fand eine Versammlung behufs Gründung eines„V ereinesjüdischerHochschüler aus den südslavischen Ländern" statt. Die Versammlung beschloss einstimmig die Gründung des Vereines unter dem Namen „Bar Giora", Vereinigung jüdischer Hochschüler aus den südslavischen Ländern. Die Statuten wurden der Statthalterei zur Genehmigung vorgelegt. In den provisorischen Ausschuss wurden gewählt: jur. David Fuhrmann, jur. Felix P o r d e s, techn. Milan Rosenberg und Jochanan Thau. Deutschland. Berlin. Im hiesigen „Verein Jüdischer Studenten" sprach Dienstag den 13. d. M. Herr Dr. Alfred N o s s i g über „Jüdische Statistik". Herr Dr. N. führte aus, dass die psychologischen Gründe einer jüdischen Statistik in den Verfolgungen und Unterdrückungen des jüdischen Stammes zu suchen seien, indem ein so gedrücktes Volk nothwendig Betrachtungen darüber anstellen müsse, ob sein Charakter wirklich gerechten Anlass zur Gehässigkeit biete. Andererseits seien die beständigen Verfolgungen auch daran schuld, dass bisher so wenig auf dem Gebiete der Statistik von den Juden gethan sei. Namentlich hätten die osteuropäischen Juden, denen eine Statistik doch den meisten Nutzen bringen würde, infolge des fortwähr enden Druckes und ihrer Zerstreuung bisher zu wenig Gelegenheit und vor allem zu wenig Sinn für ein solche« Werk gehabt. Sodann schilderte Herr Dr. Nossig den grossen Nutzen einer Statistik, indem diese alle modernen jüdischen Bewegungen in vernunftgemässe Bahnen weisen und von einer kurzsichtigen, aber auch von einer phantastischen Politik fernhalten würde. Redner gab ferner eine Uebersicht über die Leistungen auf diesem Gebiete bis zu dem Zeitpunkte, wo er selbst mit einem Büchlein „Materialien zur Statistik des jüdischen Stammes" vor die Oeffentlichkeit trat (1885). Bereits in diesem Werke hatte er eine Eintheilung vorgeschlagen, nach der statistische Aufnahmen zu erheben seien. Diese Eintheilung betrifft folgende Punkte: 1. Bevölkerung, 2. ökonomische Lage, 3. gesellschaftliches und politisches Leben, 4. ethisches und geistiges Leben, 5. das Verhältnis der jüdischen Bevölkerung unter sich, zum Staate und zur nichtjüdischen Bevölkerung. Das bearbeitete Material, das man bei den statistischen Erhebungen benützen könne, finde sich, soweit es staatliche Interessen angeht, in öffentlichen Tabellen, z. B. in Steuerlisten, oder in bereits herausgegebenen, allgemeinen statistischen Lehrbüchern, sowie in jüdischen Zeitschriften, doch erstrecke sich diesos Material nur auf wenige Gebiete und sei zum Theil von* sehr zweifelhaftem Werte. Das noch nicht bearbeitete Material finde sich in den Archiven mancher Staaten und in den Acten der einzelnen Cuitusgeraeinden, doch sei die Verarbeitung desselben sehr schwierig. In den letzten Tagen hat sich ein Comite gebildet, das eine Statistik der Juden aufstellen will und welches ein jeder nach Kräften unterstützen solle. Der Plan, nach welchem die vorläufigen Arbeiten bewerkstelligt werden sollen, ist folgender : Es soll ein Centraibureau eingerichtet werden, an welches alles aufzutreibende Material eingeschickt wird. Sollte eine Arbeit in grösserem Umfange in dem Staate einen Gegner finden oder sich als zu schwierig herausstellen, dann solle man sich damit begnügen, die Listen der Cultusgemeinden zu benutzen, was allerdings nicht überall möglich oder fruchtbar sei. Vorderhand solle man kleineres Material sammeln und aus staatlichen Publicationen, aus Monographien und Zeitschriften schöpfen. — Mit einer an dieses Thema sich knüpfenden lebhaften Discussion schloss der wissenschaftliche Theil des Abends. Berlin. Am Dienstag den 6. Mai fand die Antrittskneipe des „Vereines Jüdischer Studenten" (im B. J. C.) zusammen mit dem „V. J. St. Charlottenburg" statt. Dieselbe war von zahlreichen Gästen besucht und verlief in schönster Weise. Vbr. Moses begrüsstt* die Gäste. Vbr. Rosenkranz hielt die treffliche, eindrucksvolle Tendenzrede. Auf den B. J. C. sprach Bbr. Berlowitz („V. J. St. Charlottenburg"). Für das laufende Semester wurden auf dem Antrittscon vent zu Chargierten gewählt: MosesX» J. Cohn XX> Holz XXX? S a 1 i n g e r, Cassenwart, Perlitz, Turn- und Fechtwart. — Was die Arbeit im kommenden Semester anbetrifft, so sollen die Vbr. durch regelmässige, wöchentlich stattfindende Vorträge, Geschichtscurse, Discussionen etc. weiter zur regsten Antheilnahme an allen Fragen des jüdischen Lebens angeeifert werden; besonders soll ihnen Gelegenheit' geboten werden, sich praktisch im jüdischen Leben zu bethätigen. Auch die körperliche Ausbildung soll wie bisher durch Turnen und Fechten gepflegt werden. Zu erwähnen ist ferner die Gründung einer Zeitung des „Bundes Jüdischer Corporationen". Das Blatt, das unter dem Namen „Der Jüdische Student" erscheint, wurde bereits in der „Welt" besprochen. Russland. Riga. Der seit dem Sukkoth-Feste 1900 hier gegründete Verein unter dem Namen „Rigaer Verein zur Verbreitung jüdischer Colonialbank-Actien" arbeitet mittelst 20 Kop. wöchentlicher Abzahlung und hat bis heute folgende Resultate erzielt: Die am Anfang bestandene Mitgliederzahl ist von 23 auf 558 herangewachsen, und zwar 161 Mitglieder, die bereits ihre Actien ausbezahlt haben, 327, die ihre Zahlungen fortsetzen, 40, die nicht zahlen wollen und 30, welche infolge schlechter Verhältnisse ihre Zahlungen einstellen mussten. Cassa-Conto. Einnahmen: An Mitgliedsbeiträgen Rubel 2644.—, an Darlehen von Herrn L. Schalit Rub. 300.—, an Darlehen eiverser Personen Rub. 209.60. Zusammen Rub. 3153.60. — Ausgaben: Per gezahlt auf 172 Actien mit Namen Rub. 1642.60, per gezahlt auf 128 Inhaber-Actien Rubel 1311.—, per Provision für Tncasso Rub. 175.—, per diverse Vereinsauslagen Rub. 25.—. Zusammen Rub. 3153.60.