Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 21 (23.5.1902)
- Article
- An die jüdische Studentenschaft aus den südslavischen Ländern!
- Date
- 1902-05-23
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. n JDie # Weit66 Seite 9 Dadurch erscheint ein Centrum geschaffen, in dem die jüdischen Studenten aus den südslavischen Ländern vereint und einander nähergerückt werden sollen. Von uns aus soll das jüdische Volk in den südslavischen Landern aufgerüttelt werden. Ferner wollen wir einen praktischen Versuch machen, die leichte Scheidewand zwischen aschkenasischen und sephardischen Juden zu stürzen, was uns umso leichter sein dürfte, als wir auf ein fieudiges Entgegenkommen der sephardischen und aschkenasischen Akademiker rechnen zu dürfen glauben. Liebe Commilitonen! Wir laden Euch zum Beitritte ein, und bitten Euch, den Verein unter den Abiturienten der uns speciell interessierenden Länder bekannt zu machen. Der provisorische Ausschuss. Briefe etc. an cand. jur. Jochanan Thau, Universität Wien. * Nachträgliches zur Generalversammlung der „Allianz". In der Sonntag , den 27. April stattgefundenen General- Versammlung der „Österreichischen Isr. Allianz" kam es bekanntlich wiederholt zu stürmisch bewegten Scenen. Schon am Schlüsse der Sitzung entstand eine lebhafte Cpntroverse zwischen mehreren Vorstandsmitgliedern der „Österreichischen Isr. Allianz" und unserem Gesinnungsgenossen Herrn jur. Max Bernhardt. Herr Bernhardt, der sich durch einen bei dieser Gelegenheit gefallenen Zuruf des Vicepräsidenten der „Isr. Allianz" kais. Rath Bernhard Pollak beleidigt fühlte, sah sich veranlasst, von Herrn P o 11 a k Aufklärung zu verlangen. Herr kais. Rath Bernh. Pollak erklärte hierauf in einem an unseren Gesinnungsgenossen gerichteten Schreiben, er bedaure, den ihm nicht mehr erinnerlichen beleidigenden Ausdruck gebraucht zu haben, da es nicht in seiner Absicht lag, Herrn Bernhardt zu beleidigen. Mit dieser Erklärung wurde der Zwischenfall beigelegt. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Verein „Bnei Zion", Section „Dr. Max Nordau" in Bacau, 300 Lei. „Daughters of Zion Assotiation" in Manchester 10 Pfand Sterling. Verein „Naarei Zion" in Lugansk (Russland) 10 Pfund Sterling. Verein „Bnei Zion" in Odessa K 252.60 (bereits im Spendenverzeichnis der Nr. 20 ausgewiesen). Verein „La Lira" in Sarajevo K 242.05 (bereits im Spendenverzeichnis der Nr. 20 ausgewiesen). Verein „Agudath Bnei Zion" in Markuleschti (Russland) K 253.— (bereits im Spendenverzeichnis der Nr. 20 ausgewiesen). Delegiertentag der rumänischen Zionisten in Focsani K 240.— (bereits im Spenden Verzeichnis der Nr. 20 ausgewiesen). Verein „Chowewe Zion Jehuda" in Focsani K 244.40 (bereits im Spendenverzeichnis der Nr. 20 ausgewiesen). Dr. Theodor Herzl in Wien K 1000.— (bereits im Spenden Verzeichnis der Nr. 16 ausgewiesen). „Chowewe Zion Society", Präsident L. E1 e n o w in Chicago K 245.61 (bereits im Spenden Verzeichnis der Nr. 18 ausgewiesen). Verein „Friends of Zion" in Philadelphia K 245.61 (bereits im Spendenverzeichnis der Nr. 18 ausgewiesen). Verein „Agudath Hazionim" in Jeletz (Russland) K 253.— (bereits im Spenden Verzeichnis der Nr. 18 ausgewiesen). L. Günstling in Moskau K 240.— (bereits im Spendenverzeichnis der Nr. 18 ausgewiesen). Correspondenzen und Telegramme. Zur Einwanderungsfrage in England. Herr Alderman Sil v er, Deputierter von Stepnej, gab dieser Tage der zur Berathung der Fremdeneinwanderungs-Frage eingesetzten königlichen Commission folgendes Gutachten in dieser Angelegenheit ab: Es ist jetzt unmöglich, ein gutgehendes Geschäft inmitten des Ein Wandererviertels zu finden, welches sich im Besitze eines Engländers befindet, und die Kirchengemeinden sind im Verfall wegen der Verdrängung der einheimischen Bevölkerung durch fremde Juden. Manchmal setzten sich die einheimischen Einwohner den Einwanderern, welche ins East-End zogen, mit physischer Gewalt entgegen, und Lord Winterton weigerte sich, seine 900 Wohnhäuser an Fremde zu vermieten. Nichtsdestoweniger befindet sich in der ganzen St. William Street nur ein Engländer, und der wird von den Einwanderern als Fremder betrachtet. Mr. S i 1 v e r vermag jedoch nicht, sich den düsteren Prophezeiungen anzuschliessen, die der Commission bezüglich der zu erwartenden Ereignisse abgegeben wurden, für den Fall, dass die Fremden nicht entfernt würden. Er ist vielmehr der Ansicht, dass die Schwierigkeit der ganzen Fremdeneinwanderungs-Frage die Zusammenpferchung sei, und dass dasUebei zum grossen Theile nicht bestehen würde, wenn die fremden Colonien zerstreut statt in einem Viertel concentriert wären. Budapest. (Zur „Ailiancetf-Wahl in Ungarn.) Bisher war Ungarn für die „Alliance israelite universelle" die ideale Provinz. Der Himmel, ist hoch und das Pariser Central-Comite weit, na und schliesslich hat man doch seiner Pflicht als Jude Genüge gethan, wenn man seinen Beitrag ordnungsgemäss und in aller Stille abführt. Es ist nicht gut, die Aufmerksamkeit der „christlichen Mitbürger" darauf zu lenken, dass der „Israelitische Weltbund" auch unter den Jüdischen Ungarn" Mitglieder hat. Lomoh j a u m'r u hagojim?! So schickte man denn alljährlich die ansehnlichen Mitgliedsbeiträge an die Wiener Zahlstelle und kümmerte sich weiter um deren Verwendung, wie überhaupt um die Thätigkeit des Cenfcral-Comites nicht im geringsten. An den Wahlen nahm man nie Antheil und begnügte sieh damit, dass das Central-Comite' ein ungarisches Comite-Mitglied gewissermassen „ernannte". In der letzten Zeit hat sich diese Ehrenstelle vom seligen Bernhard Deutsch de Hatvan auf Herrn Josef Deutsch de Hatvan junior vererbt, einen hochachtbaren, wohlthätigen Mann, dem aber seine dicksten Freunde ein Gefühl der Zusammengehörigkeit mit den rumänischen oder russischen Juden nicht nachrühmen könnten. Und doch sollte man glauben, dass ein Mann, der im Central-Comite der Jüdischen Welt-Allianz Sitz und Stimme hat, ein wenig mit der Hauptmasse des jüdischen Volkes mitfühlen müsse . . . Zur Zeit des grossen rumänischen Exodus im Jahre 1900 fragte man sich vergebens nach dem Verbleib des ungarischen Alliance-Bureaus und seines genannten Präsidenten, der ständig in Hatvan domiciliert. Trotz alledem wäre Herr Josef Deutsch de Hatvan bei den im Zuge befindlichen Wahlen wieder gemüthlich „ernannt" worden, wenn wir ungarischen Zionisten nicht die ruhigen Kreise der Pariser und Budapester Herren gestört hätten. Der von unserem Candidierungs-Comite verfasste Wahlaufruf hat seine Wirkung gethan. Man wünscht an der Wahl theilzunehmen und um jeden Preis die Wahl unseres Candidaten, des Reichstagsabgeordneten Paul Sändor, zu vereiteln. Herr Paul Sändor ist nichts weniger als Zionist, aber er hat bei Gelegenheit der rumänischen Judenauswanderung sein jüdisches Herz durch thatkräftige Einleitung einer grossen Spendensammlung in überaus anerkennungswerter Weise bethätigt, und so thaben wir ihn in Ermanglungeines gleich würdigen gesinnungsgenössischen Candidaten in das Central-Comite vorgeschlagen. Eigentümlich ist nun das Verhalten der Vertreter des hiesigen officiellen Assimilations-Judenthums gegenüber diessr unserer Candidatur. Sie, die bisher die rumänische Hilfsaction des Herrn Sändor in ihrer borniert persönlichen, widerwärtig kleinlichen Art gegen die Zionisten als Trumpf ausspielten, wollen jetzt von demselben Paul Sändor nichts wissen, weil wir bösen Zionisten ihn auf den Schild erhoben haben. Das ist doch recht charakteristisch für diese Herren! Nun, es wird sich zeigen, wie lange diese innerlich morsche Assimilations-Clique sich noch halten wird. Ueber kurz und lang wird das neue, das zionistische Judenthum auch in Ungarn überallhin siegreich vordringen. „Die Wahrheit ist im Anmärsche, und nichts kann sie zurückhalten." B. J. Die Advocatenkammer in Graz hat den Beschluss gefasst, keinen jüdischen Concipienten mehr in die Anwaltsliste aufzunehmen.