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Die Welt · 1902-05-16 · 20 (16.5.1902) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
20 (16.5.1902)
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1902-05-16
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 4Die # Welt" Nr. 20 ein in stinctives Bedürfnis verspürt hätten, sich zu dem, was sie als den jüdischen Geist in der Kunst ansehen, in einen befreienden Gegensatz zu stellen. Damit hängt wohl auch die Tendenz der gesammten „Heimatskunst" zusammen und am Ende auch der ungewöhnliche Erfolg, den der prachtvolle »Hörn Uhl" des Holsteiners Fressen jüngst gefunden hat. Es erscheint jetzt; von Lohmeyer herausgegeben, eine „Deutsche Monatsschrift", und wenn wir sie nur flüchtig ansehen, erkennen wir, wie sie sich mit ihren mannigfachen Reisebriefen und dergleichen voa den anderen ästhetisierenden, schwächlichen Monatsschriften unterscheidet. Hier begegnen wir auch nicht einem jüdischen Mitarbeiter. Viele Deutsche spüren wohl den fremdartigen, mit ihrer wirklichen deutschen Welt gar nicht mehr zusammenhängenden Geist aus manchen der besten Schöpfungen der Modernen gar wohl heraus. Sie finden zum Beispiel in Schnitzlers „Frau Bertha Garlan" gar nichts von dem Leben der wirklichen deutschen Kleinstadt, wie sie sie aus Stormo oder Raabe kennen. Sie wissen auch in den Werken des Jakob Wassermann keine Beziehung zu deutscher Art und Kunst zu finden. Aber die stärkeren Talente unter den Juden werden eben durch die Ehrlichkeit' ihres künstlerischen Strebens schon selber getrieben, der heuchlerischen Verwischung nationaler Besonderheiten ein Ende zu machen. Je tiefer ihre Kunst ist und je mehr sie sie zu einer sorgfältigen, auch die kleinsten und feinsten Nuancen festhaltenden Darstellung drängt, umso tiefer müssen sie zu der jüdischen Besonderheit vordringen. Jakob Wassermann beginnt wenigstens im Umrisse die Blonden von den Schwarzen zu sondern. Georg Hirschfeld bringt in seinen ersten Milieudramen : „Zu Hause'c, den „Müttern* und „Agnes Jordan" eine künstlerisch vollendete Darstellung äusseren und inneren jüdischen Lebens. Wenn er sich letzthin im „Weg zum Licht" mit einem absonderlichen Sprunge auf deutsche Bergesmatten und in deutsche Märchenreigen flüchtete, so ist nach dem eclatanten Misserfolge dieses Versuches anzunehmen, dass er den Weg zu dem Kreise zurückfinden wird, der ihm mehr vertraut ist und in dem er wirklich Heimlichkeitender Seele offenbaren kann. Von der künstlerischen Gewissenhaftigkeit Arthur Schnitzlers ist zu erwarten, dass er der Welt in dieser Beziehung noch manche Ueberraschung bereiten wird. — Aber es genügt nicht, dass die jüdischen Dichter es verschmähen, schemenhafte Gestalten zu zeichnen und dass sie Juden als Juden charakterisieren und ihnen jüdische Namen geben. Eine grosse Wirkung tritt erst ein, wenn sie den heroischen Gehalt des jüdischen Lebens zu erkennen und herauszuheben wissen. Von dieser Art ist der grosse holländische Maler Jozef Israels. Als er sich letzhin aus Anlass der Eröffnung der Secessions-Ausstellung in Berlin aufhielt, gab der Kunstkritiker des „Berliner Tagblatt" einen „Eindruck* von ihm wieder. Er denkt „an den Mann, wie er still für sich in dem heLigen Buche liest und forscht. Er liest das grosse Werk seines Volkes in hebräisch". Jetzt hat er ein Bild gemalt in dem alles ist, was in ihm lebt. Jene wundervolle Scene, die er in sein emBucbre „ Spanien" erzählt. Wie er einen alten Thoraschreiber trifft, in einem alten Hause, einer alten Stadt, und wie die beiden Sprösslinge desselben Volkes, die eine Welt scheidet, sich in der Sprache ihrer Väter verständigen." In derselben Nummer des „Berliner Tageblatt*, in der über Israels* neueste Pläne berichtet wird, wird auch die von der „Welt" zuerst gebrachte Nachricht reproduciert, dass Emile Zola seit mehreren Wochen in Jerusalem weile, um Eindrücke für einen grossangelegten Roman zu sammeln- „In diesem dürfte auch der Zionismus — Zola sympathisiert bekanntlich mit den Bestrebungen der Zionisten — eine Rolle spielen." Diese kleine Notiz ist in doppelter Beziehung äusserst erheblich« Es ist für den Zionismus doch von unermesslicher Bedeutung, wenn einer der ersten Dichter der europäischen Literatur ihn zum Gegenstande einer Dichtung macht und ihn dadurch weithin zur Discussion stellt. Es ist aber auch schon bemerkenswert, dass die dem Zionismus nichts weniger als günstig gesinnte grosse Zeitung, das „Berliner Tageblatt", das Hauptorgan der deutschen Juden, ihn ohne feindselige Glossen erwähnt. Iu dem „ Weltspiegel", einer illustrierten Beilage dieser Zeitung vom nächsten Tage, kehrt das so lange ängstlich gemiedene Wort „Zionismus" wieder in einem kurzen, mit einem Porträt versehenen Lebensabriss des englisch-jüdischen Dichters J. Zangwill wieder. Solche scheinbar kleine Momente sind in ihrer Bedeutung durchaus nicht zu unterschätzen. In der ersten Periode des Zionismus, als er noch das Eigenthumklein er Studentenconventikel bildete, war einer der Programmpunkte: Gewinnung der öffentlichen Meinung in Europa durch Einwirkung auf die geistigen Führer der Völker. Damals war das noch eine reine Utopie; es war kein Weg noch Steg da. Jetzt ist das Ziel so ausserordentlich nahegerückt. Hier sind Erfolge der gegenwärtigen zionistischen Bewegung, die sich ihren erstaunlichen diplomatischen Erfolgen ebenbürtig anreihen, und die vielen, die wünschen, dass die „Welt" ihnen in jeder Nummer von einem neuen praktischen Erfolge melde, und wenn er ausbleibt, gegen die Taktik der Parteileitung zu murren beginnnen, könnten eigentlich mit dem ungeheuren Fortschritte in der Publicität und Notorität der zionistischen Bewegung sich vorläufig schon ein wenig beruhigen. Das Interesse der Grossen im Geiste für die zionistische Bewegung ist eine Propaganda, gegen welche alle Broschürenverbreitung, Agitationsreisen und Kreisconferenzen wohl kaum aufkommen können. Angesichts solcher grossen Ausblicke hat der Zionismus die Verpflichtung, sich auf £er vollen Höhe seiner Idee zu halten. Dem, der einen hohen Begriff von der zionistischen Bewegung in sich trägt, muss das Herz bluten, wenn er denkt, dass die ganze Bewegung in die an und für sich so überaus nothwendige und schätzens- und dankenswerte Thätigkeit der Vereine und Organisationen zurückgehen sollte. Der Zionismus ist gross als grosse Idee schlechthin. Ueber den dämmernden Strassen unseres kleinen Städtelebens steigt ein welthohes, die Ewigkeit berührendes Ideal mit noch ganz anderer ergreifender Gewalt empor. Zweierlei Juden. Roman von Max Viola. (Fortsetzung.) „Ich wollte, auch dieses wäre bereits vorüber, ohne uns neues Unglück gebracht zu haben. Doch ich darf Sie nicht länger in Anspruch nehmen, Herr "Kosenstein, Papa erwartet Sie und ich will Sie zu ihm geleiten." Sie gieng mit ihm tiefer in den Park, an einer Laube vorbei, in welcher der elegante Fischl neben einem hohen, bleichen Mädchen sass. Fischl gesticulierte mit den Händen und sprach so eifrig, dass Paul unwillkürlich einen Blick auf die Insassen der Laube werfen musste. Er enthielt sich jedoch jeder Bemerkung, er that, als ob er nichts gesehen hätte, und doch wusste er, dass das bleiche Mädchen Emrny Tulpenthal sei, die von Fischl überredet wird, den Grafen zu vergessen und seine Gattin zu werden. Auf einer Bank, die unter einer mächtigen Linde stand, trafen sie alsbald Tulpenthal, seinen Sohn Gaston und den Verwalter. Tulpenthal reichte Paul die Hechte und machte ihn mit Gaston und dem Verwalter bekannt. Nach einigen einleitenden Worten bat Gaston Paul um Entschuldigung, dass er ihn bemühe, allein er wäre iBm wirklich sehr dankbar, wenn er statt des Adjuncten als Zeuge fungieren wollte, denn dieser sei erst neunzehn Jahre alt und völlig unerfahren. Paul versicherte, dass er ihm sehr gern zu Diensten stehe und frug nach den Bedingungen des Duells. „Gezogene Pistolen", erwiderte der Verwalter, „dreimaliger'

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