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Die Welt · 1902-05-16 · 20 (16.5.1902) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
20 (16.5.1902)
Article
Bialystok
Date
1902-05-16
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 20 „Die $l Welt" Seite 13 fall und hatte ein Dankesvotum an das Comite zur Folge. Hierauf folgte die Neuwahl des letzteren und die Annahme zweckdienlicher Agitationsvorschläge. Die Herren L. Rosenthal und P ap e r i n hielten herzliche Ansprachen an die Versammlung. Es wurde noch eine Begrüssungsdepesche an Herrn Dr. H e r z 1 verlesen und dann die Versammlung unter Absingen nationaler Lieder lange nach Mitternacht geschlossen. Sie wirkte nachhaltig auf die Bevölkerung ein. Die Organisation, zur Einheit, Centralisierung und Disciplin der Zionisten gegründet, ist ein nachahmenswertes Muster mit schönen Erfolgen. BenBris. Charkow. Sonntag den 4. Mai veranstaltete der Verein „Schlume Emune Zion" eine Volksversammlung anlässUch des zweiten Jahrestages seiner Gründung. Herr Gliekrü an n gab Bericht über die Thäfcigkeit des Vereines, worauf der Obmann Herr A. Greis el in einer beifällig aufgenommenen Jargonrede über den Zionismus sprach und die Sammlung von Actien, Schekeln und für den Nationalfond anregte. Der Verein ist ein orthodoxer, der durch die Energie der Mitglieder 125neue Mitglieder erwarb, viele Actien verkaufte, Schekel sammelte und jetzt 300 Rubel durch den Centralcassier Herrn M. Deuel an die Jüdische Colonialbank schickte, um dafür Nationalfonds-Marken zu kaufen und diese dann zu verbreiten. Ausserdem hat er eine Spendenliste aufgelegt, um den Verein ins goldene Buch eintragen zu lassen. Dank schuldet der Verein Herrn N. Glanz, der sich durch unermüdliche, rastlose Arbeit für den Zionismus verdient machte. H. Lokschin. Tomaszow. Am 11. März a. c. wurde in Tomaszow ein zionistischer Verein „Ahawas Zion" gegründet Der Verein besteht aus 85 Mitgliedern, die ausser dem Schekel noch monatliche Beiträge für locale Zwecke declariert haben. Die Thätigkeit des Vereines beruht ausser der gewöhnlichen Agitation für unsere Idee im Verkauf von Actien, speciell Nationalfonds-Marken auch auf dem culturellen Gebiete, und zwar werden im Locäl des Vereines diverse Referate vorgelesen. Als Präsident wurde Herr Samuel Heinmann, als Vice-Präsidenten die Herren N. Cahan und S. Wassermann, als Schriftführer die Herren A. Dessau und J. M. H e i n m a n n, als Cassier Herr Paul N e u f e 1 d gewählt. England. Manchester. Der„BnothZio n"-Verein Manchester, hielt am 4. Mai eine Generalversammlung ab. um zu berathen, ob obengenannter Verein, der bis jetzt selbständig war, sich den anderen localen zionistischen Vereinen anschliessen soll, um einen einzigen Verein in Manchester zu bilden. Fräu Angel, die Präsidentin, erklärte in klarer und eingehender Weise, inwiefern diese Amalgamierung aller localen Vereine das Werk des Zionismus in Manchester erleichtern und fördern würde, und wieviel rathsamer es sei, einen einzigen energischen Vorstand zu haben und eine Casse, statt der vielen kleinen Vereine, wobei viel Unkosten entstehen und weniger Resultate erzielt werden können. Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Darauf folgte die Verlesung des Finanzberichtes durch Fräulein Krakowsky (Ehren-Secretärin), welcher einstimmig aeeeptiert wurde. Das Comite empfahl den Mitgliedern, den üeberschuss, den der Verein aufzuweisen hat, in folgender Weise zu verausgaben: Für den Nationalfonds 10 Pfd. St., damit der Name des „Bnoth Zion*-Vereins Manchester ins goldene Buch eingetragen werde; für das Jüdische Hospital in Tiberias, für das Israelitische Waisenhaus - Jerusalem, für den Frauen- Verein in Safed je eine Guinee (21 Shilling); den Rest aber der allgemeinen Cassa der Amalgamation zur Verfügung zu stellen. Alle diese Resolutionen wurdenmit grossem Beifall angenommen. Edinburgh. Vergangenen Sonntag hielt in der hiesigen „Zionist-Hall" Mr. Hyman Lin d ey einen Vortrag unter dem Titel; „Warum müssen wir Juden Zionisten sein?" Es war eine prächtige und ungemein zahlreich besuchte Versammlung, welche dem Vortragenden für seine sehr interessanten Ausführungen durch lebhaften Beifall dankte. Leeds. Am Samstag fand eine Versammlung der „Bnei Zion" statt, in welcher Mr. J. Razofski über „Die Arbeiter und der Zionismus" referierte. Liverpool/ Hier fand letzten Dienstag ein Concert, veranstaltet von den hiesigen Zionisten zugunsten der neuen Zionisten-Halle, statt und hatte in jeder Beziehung grossen Erfolg. Swansea. Unter der Leitung des Herrn S. S o 1 o m o n wurde am 27. März das Stück „Ahasver" aufgeführt. An der Vorstellung behelligten sich die Herren H. D. Rosenfield, S. Kronitz und Frl. D. S n i p e r. Der .Reinertrag wurde dem Nationalfonds zugeführt. Demnächst werden dieselben Personen „Bar Kochba" aulfahren. Amerika. Amerika. Folgende neue zionistische Vereine sind in letzter Zeit in Nordamerika entstanden: in B i n ghamton N.-Y.: „Ohave Zion"; in Holyoke Mass.: „Lovers of Zion"; inNew-YorkCity: „Zion Educational League"; inPlymouth Mass.: „B'nei Zion"; in B oston Mass.: „Dorshe'Zion Anshe Sfard*. Ferner publiciert das officielie Organ der amerikanischen Federation, der ausgezeichnet redigierte »Maccabean", eine Eeihe von Berichten aus den Vereinen, aus denen wir folgende herausgreifen : Bangor, Me (Maine). In unserer Stadt leben im ganzen 75 jüdische Familien. Unser zionistischer Verein zählt 65 volljährige und selbständige Mitglieder, die nach allen ihren Kräften zionistisch thätig sind und sich am Kaufe von Shares der Colonialbank und den Sammlungen für den Nationalfonds betheiligen. Sioux City, Jowa. Die zionistischen Vereine unserer Stadt sind äusserst thätig. Das von den Jungzionisten veranstaltete Purimfest fiel glänzend aus und betheiligte sich an demselben die gesammte jüdische Bevölkerung. Ansprachen hielten Mr. Louis Bar in, der Präsident des Vereines; Rabbi Simon, welcher über „die Zionisten und Purim" sprach,und schliesslich der Secretär des Vereines Mr. B. W. Prusiner, welcher eine mit grosser Begeisterung aufgenommene Resolution vorbrachte, wodurch die Versammlung ihre Zustimmung zu den zionistischen Grundsätzen kundgab. In New-York wurde ein Verein gegründet, welcher unter den Zionisten die brüderliche gegenseitige Unterstützung fördern will. Sein Name ist etwas schwerfällig. Er lautet: „Theodor Herzl-Zelt der Makkabäer". Peciillefoi). Die Juden und die deutsche Literatur. Von Robert Jaffe. Früher hatten die äusseren Verschiedenheiten, die zwischen den Juden und den Deutschen noch im behaglichen Alltagsleben vorwalteten, ihre Versöhnung in der rein literarischen, dieser Unterschiede nicht bewussten Wiederspiegelung des Alltagslebens gefunden. Im wirklichen Leben lagen die beiden „Confessionen" mit ihren kleinen Gewohnheiten und Absonderlichkeiten ziemlich weit voneinander. In der ernsthaften Literatur war von alledem nichts zu bemerken. Jetzt hingegen sind die äusserlichen Verschiedenheiten der „Confessionen" durch die wachsende Freigeisterei nahezu völlig abgeschliffen. Dafür steht gerade in der ernsten Literatur vor einer tiefer schürfenden, abstracten Prüfung eine gewaltsame und nachdrückliche Absonderung bevor. Man braucht nicht in dem gallenschwarzen Pessimismus befangen zu sein, in dem die allerersten Zionisten so gerne schwelgten. Die aus logischen Schlüssen entspringende Schwarzseherei hat doch wohl immer —man denke an die Verelendungstheorie der Socialisten — etwas Unreifes. Damals erwarteten die übrigens nur wenig künstlerisch veranlagten ersten Zionisten, dass die jüdischen Dichter und Künstler mit solcher jäher Energie, wie seinerzeit die Juden aus Spanien, aus den Bezirken der deutschen Kunst vertrieben werden würden. Das war nun natürlich thöricht. Aber jetzt steht es doch so, dass die Deutschen thatsächlich der jüdischen Invasion in ihre Kunstgefilde bewusst zu werden scheinen. Es war schon bei dem Trubel des Wilhelm Raabe-Jubiläums für den feinfühligen Betrachter etwas wie eine antisemitische Unterströmung zu verspüren. Wilhelm* Raabe ist gewiss, ein herrlicher deutscher Poet, ein überlegener Erbe des Jean Paul'schen Geistes, und in Frankreich gilt er mit Recht als der ausgesprochene Repräsentant der deutschen Blumen- und Sternenpoesie. Aber es bleibt eine wohl aufzuwerfende Frage, ob er so laut und emphatisch gefeiert worden wäre, wenn seine Bewunderer nicht zugleich

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