Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 20 (16.5.1902)
- Article
- Organisation der zionistischen Partei Oesterreichs
- Date
- 1902-05-16
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 6 »Die £ Welt?55 Nr. 20 c) sonstige Einnahmen (aus Spenden, Verschleissartikeln). Das L.-C. verfügt nach eigenem Ermessen über seine Gelder, doch ist es dem Parteitag verantwortlich. Die Cassabücher des L.-C. sind mit 1. März abzuschliessen und vor dem Parteitage nebst allen Belegen den Revisoren zur Prüfung und geeigneten Berichterstattung an den Parteitag zu übergeben. Parteitag. § 15. Alljährlich womöglich im Frühjahre und spätestens 1 Monat vor dem Congress findet der vom L.-C. einberufene Parteitag statt. § 16. Zur genauen Vorberathung des Parteitages tritt spätestens 2 Monate vor dessen Abhaltung das L.-C. mit den Delegierten der D.-C. zur Vorconferenz zusammen. Die Einberufung des Parteitages selbst muss spätestens 6 Wochen vor dessen Abhaltung durch die Parteipresse Oesterreichs mit Angabe der vorläufigen Tagesordnung erfolgen. Die Vereine und Vertrauensmänner müssen spätestens 1 Monat vor dem Parteitage über ihre Thätigkeit und Erfolge seit dem letzten Parteitage schriftlich an ihr D.-C. berichten. Ebenso müssen die D.-C. spätestens 2 Wochen vor dem Parteitage mit Zusammenfassung dieser Berichte über ihre eigene Thätigkeit und Erfolge an das L.-C. berichten. Diese Berichte der D.-C, sowie die eingelaufenen Anträge an den Parteitag sind dem Rechenschaftsberichte des L.-C. und den Referaten zugrunde zu legen und in geeigneter Weise zu veröffentlichen. Spätestens 1 Woche vor dem Parteitage sind die Thesen der Referate in der Parteipresse Oesterreichs zu veröffentlichen. §17. An dem Parteitage nehmen nur Personen im Alter von mindestens 20 Jahren theil, und zwar: A. Mit Sitz und Stimme: 1. die Mitglieder des L.-C, sowie zwei Mitglieder von jedem D.-C. 2. Die Delegierten der Vereine, und zwar entsenden Vereine mit einer steuernden Mitgliederzahl bis 50 einen, über 50—100 zwei, über 100—200 drei und über 200 vier Delegierte beziehungsweise deren Ersatzmänner. Die Wahlen müssen spätestens zwei Wochen vor dem Parteitage vollzogen und dem L.-C, beglaubigt sein. Jeder Delegierte führt nur eine Stimme, kein Mandat ist übertragbar. B. Mit bloss berathender Stimme 1. Die Mitglieder des engeren A.-C., die österreichischen Mitglieder des grossen A.-C. und die restlichen Mitglieder der D.-C. 2. Die Districts-Vertrauensmänner. §18. Zu den Aufgaben des Parteitages gehören : a) Entgegennahme und Prüfung des Berichtes über die Thätigkeit des L.-C. und den Stand der Bewegung; Bericht der Revisoren. b) Ausgestaltung des Programmes für Oesterreich und Feststellung der nächsten Aufgaben. c) Beschlussfassung über Organisation, Taktik, Agitation und Parteipresse. d) Feststellung des Budgets für das L.-C. und D.-C, sohin der Höhe und Vertheilung der Part eisten er. e) Stellungnahme zum Congress und A.-C. und Berathung von Anträgen an dieselben. f) Wahl des Obmannes und der übrigen Mitglieder des L.-C, sowie dreier Cassa-Revisoren für ein Jahr. g) Bestimmung des Ortes für den nächsten Parteitag. §19. In dringenden Fällen kann das L.-C. nach Befragung der D.-C. mit Zweidrittel-Mehrheit die Einberufung eines ausserordentlichen Parteitages beschliessen. S c h 1 u s s. §20. Eine Aenderung dieses Organisations-Statutes kann bloss ein Parteitag mit Zweidrittel-Mehrheit beschliessen. Im übrigen gilt das Organisations-Statut des Congresses. Thesen zum Referate „Die praktischen Aufgaben und Ziele der Organisationen" Von Alfred Weissberger, Wien. Die Hindernisse, die einer gedeihlichen Entwicklung des Zionismus schon seit langem im Wege stehen sind : 1. Die zerfahrene, systemlose Agitation;b) der Mangel einer genügenden wissenschaftlichen Basis für unsere Anschauun gen, so wohl was unsere alte Cultur, als auch was die derzeitigen Lebensverhältnisse und Culturäusserungen der Juden in ihrer Gesammtheü betrifft, desgleichen in Bezug auf die Kenntnis Palästinas und aller die Colonisation betreffenden Factoren; c) der Mangel an praktischen wirtschaftlichen Erfolgen; d) dass wir noch nicht die wichtigen, inneren Zusammenhänge mit den bestehenden jüdischen Institutionen haben. Das Arbeitsfeld der Organisationen wird sich deshalb dahin zu erweitern haben, dass sie den Gesichtskreis ihrer bisherigen nur localen Interessennahme und Mitarbeit auf alle jene Gebiete erstrecken, die der Gesammtorganisation und der unterdrückten Gesammtjudenheit nothwendig oder dienlich sind. Den D.-C. wird hierbei die Function zufallen, den einzelnen Organisationen bestimmte, womöglich zeitlich umschriebene Aufgaben zuzuweisen und deren Vollführung zu überwachen, respective dieselbe durch Rath und Hüfe zu fördern. A. Die wissenschaftliche Vertiefung des Zionismus soll uns vorerst zur wissenschaftlichen Erforschung des Judenthums führen. Auf diesem Gebiete wird es nothwendig sein, eine Anzahl von bestimmten Themen zu wählen, über welche in diesem Jahre Monographien auszuarbeiten wären. Es seien zum Beispiel angeführt: 1. Die mosaische Gesetzgebung vom Standpunkte des Sociologen, des Hygienikers, des Juristen etc. 2. Die rein nationalen Elemente in unserer Religion. 3. Die bisherigen freiwilligen und unfreiwilligen Wanderungen der Juden. 4. Die Bedeutung der Synhedrien. 5. Die Wechselwirkung zwischen jüdischer und Fremdcultur zur Zeit der Selbständigkeit Judas und in der Diaspora. 6. Die Bodenbearbeitung im alten Juda. Diesen Arbeiten müssten sich die Studien und Forschungsergebnissemoderner Nationalökonomen anreihen, die uns die Resultate der verschiedenen Colonisationsversuche in allgemein verständlicher Form übermitteln würden. Einige Arbeiten hierüber wären: 1. Die Verwendung der Maschinen beim Ackerbau. % Die verschiedenen Systeme der Entsumpfung und Bewässerung wasserarmer Gegenden. 3. Ueber Productions- und Consumtionsformen in französischen und englischen Colonien. 4. Ueber die Entwicklung der Absatztechnik. 5. Ueber die inneren Rechtsformen einzelner Mustercolonien.