Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 19 (9.5.1902)
- Article
- Die Eröffnung des neuen jüdischen Theaters in London
- Date
- 1902-05-09
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 10 (Dle # weit mussten unverrichteter Dinge, weggehen. Gegeben "wurae „Blümele0, ein StüctfWatt^ Latin er. Die Scene fuhrt nacfi folen zur Zeit der Regierung König A ü gu s t III., dessen jüdischer Leibarzt die Tochter Blümele* des Schächters Lippe geheiratet hat. Unter den Zuschauern befand sich auch Israel Zaugwill, der sich lebhaft an dem dem Autor und den Darstellern verdientermassen gespendeten Beifall betheiligte. Das Theater beabsichtigt, einen lebhaften Repertoirewechsel durchzuführen. So wurde denn am Dienstag „Der Held von Jerusalem" gegeben, das zur Zeit des ersten Tempels spielt; am Mittwoch kam „Das goldene Land" (Amerika) von Weichkawish zur Auftufkrung. Das letzte Stück dürfte das Saisonstück werden. Es gibt ein prächtiges Bild aus dem Leben d^r jüdischen Einwanderer aus Russland, das nicht nur bei den russischen Juden, sondern auch bei den englischen grosses Interesse finden dürfte. -x- Biicher- und Zeitschriften-Rundschau. Der neue Geist, das rege. Leben, welches in den aus der Lethargie erwachten Körper des Judenthums gekommen ist, zeigt sich am deutlichsten in der Zahl von jüdischen Zeitschriften, die gleich Blumen im Frühling aus der Erde spriessen. zur Freude aller Freunde des Frühlings. Wieder haben wir die angenehme Pflicht, das Erscheinen mehrerer neuer Zeitschriften anzukündigen. Hinzuzufügen, dass diese Zeitschriften für die zionistischen Ideen eintreten wollen, ist eigentlich überflüssig, denn das neue Leben im Judenthum ist ja der Zionismus — der alte Geist bewirkte den todesähnlichen Schlaf . . . In Berlin erschien soeben die erste Nummer eines Blattes, das den Titel führt: „Der jüdische Student" und das Organ der national-jüdischen Studentenschaft sein will. Die Redaction liegt in den bewährten Händen unseres nestbekannten Gesinnungsgenossen Dr. Heinrich L o e w e. Neben den vom Verlage „Achiasaf" herausgegebenen Zeitschriften „Der Juda und „Die jüdische Familie* erscheinen zwei andere Jargon-Wochenschriften des Verlages „ Tusch ijahß in Krakau :„Die jüdische Volkszeitungfl und „Die jüdische Frauenwelt", beide gleichfalls zionistisch, doch weniger literarisch und mehr volksthümlich gehalten. Die Redacteure der neuen Blätter sind die Schriftsteller S p e c t o r und Gurewits ch. Unsere besten Wünsche den neuen Genossen! Israel B e 1 k i n d : Kirjat Sepher oder Eine Nationalschule für Palästina. Ein Project zur culturellen und wirtschaftlichen Hebung der palästinensichen Juden. Wien 1902. Selbstverlag. 8°, 43 S. Der Verfasser, ein Mitglied der unter den Namen „Bilu" bekannten Gesellschaft der ersten Pionniere unsererpalästinensischen Colonisation, Mitbegründer des Beth-Hasepher in Jaffa uud langjähriger Lehrer in den CoJonien Palästinas, entwirft in dieser Schrift einen Plan zur Begründung einer nationalen Schulanstalt für die palästinensischen Juden, in der alle Zweige der Landwirtschaft, sowie alle Arten von Fertigkeiten gelehrt, zugleich aber auch Lehrer, Agronomen und sonstige inteilectuelle Arbeiter, die eine landwirtschaftliche Absiedlung braucht, herangebildet werden Folien, ßplcanntlich hat das zionistische Landes-Comite" Oesterreichs die Angelegenheit der Begründung dieser Anstalt zu seiner eigenen gemacht und in die Tagesordnung des bevorstehenden Bielitzer Zionistentages „Eine nationale Ackerbauschuie in Palästina" als 7. Punkt aufgenommen. In der That, das Belkind'sche Project verdientes, als eminent zionistische Parteiangelegenheit angesehen zu werden und alle Zionisten — einzelne und Körperschaften —sollten es als Ehrenpflicht erachten, das Zustandekommen dieser Anstalt nach Kräften zu fördern. Es ist unmöglich, in dieser engen Rubrik den Inhalt der vorliegenden Schrift, die eine eingehende Begründung der unabweislichen Notwendigkeit dieser Stiftung gibt und ein de:ailliertes Programm für dieselbe aufstellt, vollständig wiederzugeben. Immerhin wollen wir das Allerwesentlichste sowohl des Motivenberichtes, wie des eigentlichen Projectes kurz skizzieren. Herr Beikind geht davon aus, dass die eingeborenen Juden Palästinas den Grundstock des nationalen Gesellschaftsbaues bilden müssen, den wir Zionisten in Erez Israel errichten wollen. „Die 60.0u0 Juden Palästinas, beziehungsweise die 120.000 ganz Syriens, dürfen nicht als „quantite negligeable'; behandelt werden; für sie kann unser Erlösungswerk schon heute einsetzen, für sie kommt ja das Einwanderungsverbot nicht in Betracht, da sie schon im Lande sitzen. Sie haben auch das Recht, Grund und Boden zu erwerben ~u^itf Ilsicll¥,'in Colöhien ^anzusiedeln. Für sie ist . .". „der Charter schon Vorhand heisst, wenn auch nicht der Charter in seinem ganzen, vo;n ^ns;^besehrten Umfange, so doch ein gut Theil des Charters ~* Die palästinensische Judenschaft Wird „der Kern sein, um den sich die späteren Aufschichtungen jüdischer Zuwanderung gruppieren werden'% sie wird „unserer Gesellschaft in Palästina Ton und Richtung geben4'. Daher „ist es nothwendig, dass jener Kern auch ein kerngesunder sei, dass er in sich sämmtliche Elemente unserer künftigen Idealgesellschaft, schon enthalte0. Eines der Haupthindernisse für einen gesunden nationalen Zusammenschluss der Juden in Palästina wie das jüdischen Volkes überhaupt ist die Verschiedensprachigkeit. Allein, „wenn die palästinensischen Juden allesammt die hebräische Sprache benützten, wäre der Unterschied zwischen den Juden verschiedener Herkunftsländer endgiltig beseitigt, es gäbe dann keine deutschen, spanischen oder arabischen Juden mehr, sondern schlechthin Juden oder sozusagen jüdische Juden. Jeder jüdische Einwanderer, aus welchem Sprachgebiete immer er herkommen möge, würde das Hebräische als die Landes-, beziehungsweise Umgangssprache, die ihm der Verkehr mit der altansässigen Bevölkerung aufzwänge, unbedingt und in kürzester Zeit erlernen, ebensogut wie jeder Fretadländer in Frankreich alsbald Französisch, in Deutschland Deutsch und in England Englisch erlernt.' Der Wiedergeburt des jüdischen Volkes müsse die Wiedergeburt der jüdischen Nationalsprache vorausgehen, und diese sei mit der Wiedergeburt der palästinensischen Judenschaft eng verknüpft. Diese Wiedergeburt Ist aber nur durch eine systematische natiönale Erziehung zu erzielen, und dieser Erziehungsaufgabe soll sich eben die projectierte nationale Schulanstalt widmen. Sie ist — aus zwingenden Gründen, die man in der vorliegenden Schrift selbst nachlesen mag — als ein I n t ern a t gedacht. Aufnahme sollen jüdische Kinder aus Palästina und Syrien im Alter von 10 bis 12 Jahren finden. Die Schule soll in erster Reihe Colonisten heranbilden, u:.d darum soll das Hauptgewicht auf die praktische Landwirtschaft gelegt werden. In theoretischer Beziehung wird die Schule ihren Zöglingen eine allgemeine Elementarbildung beibringen müssen. Es soll ihnen Gelegenheit geboten werden, die Natur und ihre Erscheinungen kennen zu lernen. *£)a$ Unterrichtsprogramm für die theoretischen Fächer soll die folgenden Disciplinen umfassen: Hebräische Sprache und Literatur (Bibel, einige Capitel aus Mischnah und Talmud, neuere Literatur), jüdische Geschichte, jüdische Volkskunde, Palästinakunde, Arithmetik, Geometrie, Physik und Chemie", Weltgeschichte und Geographie. Dieser Unterrichtsstoff soll in einem dreijährigen Lehrcurse bei vierstündigem täglichen Unterricht durchgenommen werden. Die übrigen Stunden des Tages sollen der Arbeit, das heisst, der praktischen landwirtschaftlichen und gewerblichen Ausbildung, gewidmet sein. Nach Absolvierung der ersten drei Jahrgänge werden die Zöglinge Arbeiter auf der Schulfarm, Sie sollen den ganzen Tag arbeiten und für ihre Arbeit täglichen Lohn bekommen. An den Abenden, Samstag und an Feiertagen etc. werden für sie Curse abgehalten, die den Zweck haben, die Lücken in ihrer Elementarbildung zu ergänzen und ihnen theoretische Erklärungen der Erscheinungen zu bieten, auf die sie bei ihrer praktischen Arbeit stossen werden. In der „todten Saison" der Landwirtschaft soll irgend eine bäuerliche Hausindustrie, vorerst Korbflechterei, betrieben werden, ferner sollen die Zöglinge eine gewisse Zeit in den Werkstätten eines Tischlers, eines Schmiedes, dann auch als Maurer und Steinmetze arbeiten, um so viel zu erlernen, als für die Landwirtschaft nöthig ist. Die Gründungskosten dieser Anstalt veranschlagt Herr Belkin d auf 60.000 Francs, die laufenden Ausgaben für die erste'n 2 -3 Jahre auf 40.000 Francs, insgesammt 100.000 Francs, die er durch 10.000 rückzahlbare Anteilscheine zu j* 10 Francs aufzubringen hofft. Die Summe der Äntheile soll binnen 30 Jahren nach Gründung der Anstalt zurückbfzahlt werden, und zwar aus den laufenden Einnahmen, die in Schulgeldern, in dem Ertrage der Farm, in Spenden und Subventionen bestehen. Für die begabteren Zöglinge, die auf einem anderen als dem rein landwirtschaftlichen Gebiete nützlich sein könnten, soll eine eigene höhere Abtheilung eingerichtet werden, deren Lehrcurs ein fünf- bis sechsjähriger wäie und deren Unterrichtsstoff etwa dem einer europäischen sechsclassigen Realschule entspräche. Aus dieser Abtheilung sollen die Lehrer, Agronomen, Apotheker und sonstigen „Intelleckullen" der Colonien hervorgehen. Dies ist in aller Kürze das Programm der von:. Herrn B e 1 k i n d projectierten nationalen Schulanstalt Die näheren^