Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 19 (9.5.1902)
- Article
- Thesen zum Referate: "Unsere Stellung zu den nichtzionistischen Gruppen"
- Date
- 1902-05-09
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 19 „Die W«Hri Seite 7 N o r m al w i r t s.ch af t n a tio/n a 1 e r S:e 1 bj&t<äi»d;i-g- ■ke.it_w.id ersta n.d s f ä^hi g e r h alte n soll. ' ' , c) S,o c i a 1 jftth^'fiie a t-&t uns das Judenthum nicht eine Institution, in welcher Bettelwohl t h ä t £ g k e i t u>m öffentliche Anerkennung ausgetauscht wird; es ist uns nicht die Domäne einer capitalistischen Minderheit, in welcher der Classenlcampf bei Strafe der Wohl t. ha tenent Ziehung verboten ist; es erscheint, uns vielmehr als sociale Vielheit innerhalb der nationalen Einheit — eine Vielheit, deren Kräfte spiel nur durch die Notwendigkeiten des jüdischen Ausnahm szustandes eingeschränkt wird, nicht aber durch brutale Ausnutzung einer momentanen Uebermacht. 4. Diese Auffassung vom Judenthum und seinen Lebensformen lässt keinen Zweifel über unsere Stellung zu den mchtzionistischen Gruppen innerhalb unseres Volkes zu. Darnach erklärt der zweite österreichische Zionistentag in Bielitz: I. Die österreichischen Zionisten bekämpfen jedejüdische Organisation, welche Wohlthätigkeit, wirtschaftliche Organisation,Politik in ausschliesslich jüdisch-co ii~ fessionellem, jüdisch-staatsbürgerlichem, nicht ab er jüdisc h-n ationalem, das ist zionistischem G e i s t e b e t r e i b e n. IL Unbeschadet dieser gegen die nichtzionistischen Principien sich richtenden scharfen und compromisslosen Opposition unterstützen die Zionisten mit gleicher Energie: a) Alle jüdischen Wohlthätigkeitsinstitutionen, soweit dieselben nicht in ihrer Form zur nationalen oder social-freiheitlichen Auffassung des zionistischen Judenthums in Widerspruch stehen; b) a 11 e wirtschaftlichen Hilfsactionen, welche die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit, die Organisierung von Classen und Berufen zum Gegenstande haben, doch abermals mit dem Vorbehalte, dass diese Bestrebungen sowohl national als auch social würdig sind und vor allem nicht dazu dienen, aus jüdischen Arbeitslosen jüdische Lohnsclaven und Ausbeutungsobjecte zu machen; c) jede Politik, welche weder auf fremdnationaler noch auf wässeriger kosmopolitischer, sondern auf jüdischer Grundlage beruht und dort einsetzt, wo nach Massgabe der. localen Verhältnisse die Möglichkeit besteht, auf dem Wege der Politik eine wirksame Vertretung der moralischen oder wirtschaftlichen Interessen des österreichischen Judenthums zu erreichen; d) alle jüdischen culturellen Arbeiten, welche geeignet sind, Kenntnis und Verständnis des Judenthums im modernen Sinne zu verbreiten und die schlummernden Keime jüdischer Nationalcultur zu entwickeln. * Nr. 7 : Thesen zum Referate über : „Eine jüdisch-nationale Ackerbauschule in Palästina/' Von Cultusrath Isidor Gewitsch. I. In Anlehnung an Resolution II des Referates „Lage der jüdischen Colonisten und Arbeiter" am Olmützer Parteitage 1901, welche mit den Worten schliesst: „Dass die Pionniere der zionistischen Bewegung in Palästina bodenfest und sesshaft gemacht werden," nimmt der Bielitzer Parteitag die obligatorische Verpflichtung der österreichischen organisierten Zionisten, für die in Palästina zu errichtende nationale Ackerbauschule zur Heranziehung"deines tüchtigen und bodenständigen Nachwuchses an Colonisten mit allen Kräften zu arbeiten, in Aussicht II'."Diese! Mitarbeit ist zu lösten: A) durch ideelle, B) durch materielle Förderung, ad A) : 1. Durch Besprechung des Gegenstandes in zionistischen Blättern oder auch anderen jüdischen Blattern, die neuträle Haltung zeigen, % Durch Behandlung und Agitation in Versammlungen. ad B) : 1. Verpflichtung jedes in der Organisation stehenden Vereines, für je 50 ordentliche Mitglieder einen Anteilschein per 10 Francs zu erwerben. 2. Durch eine zu bestimmende Zeit hindurch 10% der aus Oesterreich einfliessenden Schekel und Parteisteuer etc. zur Anschaffung von Antheilscheinen zu bestimmen. 3. Durch Bildung eines speciellen, mit Rücksicht auf den Zweck zusammenzusetzenden Schulfbnds-Comites, dem die ganze Action unterstehe und das für sonstige Einnahmequellen Vorsorge zu treffen habe. * Thesen zum Referate : „Budget und Parteisteuer." Von Samuel Mohr. 1. Das Incasso und die Verrechnung von Schekel, Parteisteuer, Verschleissartikeln und dergleichen soll durch einen besoldeten Beamten unter Aufsicht des Cassiers des L.-C. geschehen. % Ueber Aufnahme, Besoldung und Entlassung dieses Beamten entscheidet das L.-C. 3. Von den Schekeln bleiben den D.-C. als Incasso 5%, dem L.-C. 20°/0; 75°/0 werden an das engere A.-C. halbjährig abgeführt. 4. Die Schekel und Parteisteuer werden durch die D.-C,, beziehungsweise deren Cassabeamten eingehoben und vierteljährig, vom Tage des Parteitages au gerechnet, dem L.-C. verrechnet. 5. Von der Parteisteuer bleibt dem D.-C. lj3; 2/3 werden dem L.-C. abgeführt, doch kann es dem D.-C. ein Mehr bis höchstens 2/3 bewilligen. 6. Jeder Parteigenosse hat jährlich 1 Kr. Parteisteuer zu zahlen. 7. Die Vereine sollen Schekel und Parteisteuer, womöglich zugleich mit den Vereinsbeiträgen der Mitglieder, ein heben. 8. Den Vertrauensmännern obliegt in ihren Rayons die Eintreibung der Schekel und Parteisteuer. 9. Bis zum 1. März jedes Jahres soll die ganze Parteisteuer abgeführt und verrechn'et sein. 10. Die Vereine berechnen die Parteisteuer nach der Zahl ihrer Mitglieder zur Zeit des eben verlaufenen Parteitages. Correspondenzen und Telegramme. Alliance israelite universelle in Paris. Die Wahlen in den Vorstand finden am 11. Mai statt. Jedes auswärtige Mitglied hat das Wahlrecht und ist seine Stimme auch dann noch giltig, wenn das Postcouvert des Stimmzettels das Aufgabsdatum des II. Mai hat. Wir empfehlen folgende Candidatenliste: Zadoc Kahn, grand-rabbin, Paris Jules Oppert, membre de l'institut „ H. Derenbourg, membre de l'institut N. Pohl, rue de Techiquier „ S. D. C o h e n, rue de Provence E. Cohen, rue de Provence „ M. Schornstei n, rue des Petites-Ecuries 55 „ Emile Levy, Avenue d'Eylau 4 „