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Die Welt · 1902-05-09 · 19 (9.5.1902) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
19 (9.5.1902)
Article
Sehr geehrter Herr Redacteur!
Date
1902-05-09
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 jmr^L w®it^ •frr. 19 wir bitten sie ferner, uns mitzutheiien, ob sie einen Vortrag halten wollen, und wir bitten sie last not least,,— auch um materielle Unterstützung * jrJi U'J° x''; " Ist die Betheiligung eine entsprechende, so werden wir vielleicht über Ansuchen ein geeignetes Local in dem neuerrichteten jüdischen Hospiz in Karlsbad bekommen. Mit bestem Dank und Zionsgruss Für das Comite: jur. Otto Teinowitz, Karlsbad, Haus „Tuseulum,". .* SehrgeehrterHerrRedacteur! In Nr. 18 von Dr. B l o c h's „Wochenschrift" findet sich eine mit meinem Namen gezeichnete Corret-poiidenz aus Lemberg über die Hebräisch-Lehrer an den Hirschschen Schulen in Galizien. Ich sehe mich daher veranlasst, meinen Gesinnungsgenossen gegenüber die Erklärung abzugeben, dass ich diese Correspondenz an die „Wochenschrift" nicht geschrieben habe. Die Correspondenz ist ein Auszug aus einem von mir vor m^hr als einem Jahre in der „Drohobyczer Zeitung41 veröffentlichten Artikel. Ich vertnuthe zwar, wer die Correspondenz an die „Wochenschrift" abgehen Hess, erkläre aber, dass es gegen meinen Willen geschahen ist, da ich nicht als Mitarbeiter der ßloch'schen „Wochenschrift* gelten möchte. Mit Zionsgruss Gustav 3 a$d e r. Thesen zum Bielitzer Zionistentage. Thesen zum Referate : „Ueber Agitation". Von Karl Rezek, Frag. 1. Neu grün dun gen von Organisationen auf Grund des Gegenwart« - Programmes sind nicht zu empfehlen, wenn nicht genügend Arbeitskräfte vorhanden sind. 2. Werden neue Corporationen gegründet, so muss dies nur auf rein zionischer Basis geschehen. 3. Ein Theil des Reinerträgnisses gewinnbringender Unternehmungen, wie Vorschusscassen, soll statutarisch zur zionistischen Propaganda verwendet werden. 4. Ganz besonderen Wert hat die nationale Erziehung a)im allgemeinen, b) rücksichtlich der Jugend. Für a) wirken: I. Verbreitung der Kenntnis jüdischer Geschichte und Palästina-Kenntnis in Wort und Bild (Skioptikon-Vorführungen und Ansichtskarten), II. Einführung populärer hebräischer Spracheurs«*. Zu b) tragen bei: I. Erziehung in Schule und Haus, II. Schaffung von jüdischen Märchen- und Sagenbüchern. 5. Es sind centrale, volksthümliche National - Bibliotheken mit besonderer Berücksichtigung der Zionistica zu schaffen. 6. Es sind bezahlte Wanderredner zu entsenden. 7. Wahrend der Sommermonate sind in den bedeutenden Curorten gross angelegte Wanderversammlungen zu veranstalten. 8. So lange nicht die Möglichkeit vorhanden ist, eine zionistische Tagespresse zu begründen, soll ein zionistisches Wochenblatt die zionistische Agitation unterstützen. 9. Die studentischen Corporationen sollen zur intensiven Agitationsarbeit auf allen Gebieten zionistischer Thätigktfit herangezogen werden. 10. Als wichtiges und nicht zu unterschätzendes Agitationsmittel ist die Einwirkung auf die nichtjüdische Presse und öffentliche Meinung zu empfehlen. * Thesen zum Referste: „Unsere Stellung zu den nichtzio istischen Gruppen". Von Egon Lederer. 1. Der zionistische Parteitag Oesterreichs hält an den 1897 zu Basel und 1901 in Olmütz festgelegten programmatischen Grundbestimmungen fest, betont jedoch, dass dieses Festhalten nicht aus Scheu vor Programmdebatten geschieht, .sondern nur infolge der Erkenntnis, dass unsere ideellenund realpölitischen "Anschauungen sich noch nicht bis zur Notwendigkeit einet** Neiiforhaulierung entwickelt haben, ■ ' 2. Das Bestreben, die Grundbegriffe unserer Theorie und Praxis vor Dogmatisierung zu schützen, darf jedoch nicht mit Indüferentismus gegenüber unseren als wahr erkannten Prineipien verwechselt werden. Die Existenz der zionistischen Partei als Individuum unter den nationalen Organisationen ist an die scharfe Betonung und au die Betätigung ihrer Wesenseigenheiten gebunden. Nachlässigkeit und Lauheit wären hier gleichbedeutend mit dem Versuche, die eigenen Entwicklungsmöglichkeiten zu unterbinden, gleichwie jede aus dem Existenzkampfe ausgeschiedene Art zur Ausbildung des höheren Typus nicht mehr gelangen kann. Nicht für unsere Formeln, für unsere Wahrheiten müssen wir kämpfen, aber dies mit der ganzen Kraft und Energie, die nothwendig sind, um bis zur Aufnahme des Kampfes durch die nächste Generation, ja bis zur Erreichung des Zieles durch die Enkel zu reichen. Der Parteitag gibt daher seiner Ueberzeugung dahin Ausdruck, dass zionistische Arbeit nur geleistet werden kann, wenn sie aus der ungetrübten Reinheit wahrhaft zionistischer Gesinnung erwächst. Jedes Pactieren mit Gegensätzen führt zur Kampfunfähigkeit individueller Kraft, und eine Compromisstaktik, welche nur einePricipientreue mit Vorbehalt kennt, zerstäubt in Atome.vor derRiesenaufgabe eines modernen Exodus. Lavieren kann man in der Brise, aber nicht im Sturme, und einen kampflosen Siegesweg fürneue Ideengibt es nur über zerbrochene Charaktere. 3. Nicht nur diese Anschauung sondert uns von allen nichtzionistischen Gruppen im Judenthume. sondern in erster Linie die Erkenntnis, dass jede zionistische Betätigung von den Bestrebungen anderer Organisationen, auch wenn sie sich in derselben Richtung bewegen, durch die ewig weiteKluft des zionistischen Zweckbewusstseins getrennt ist, keine der vielen Gemeinsamkeiten, die sich aus dem jüdischen Nothstand ergeben, füllt diese Kluft aus, selbst durch realpolitische Acticnen des Gesammtjudenthums geht die deutliche Scheidelinie zwischen diesseits und jenseits des Zionsgedankens. Dieses Zweckbewusstsein ist aber auch die Ursache und Quelle einer ganz bestimmten Auffassung des Judenthums von den verschiedensten Gesichtspunkten aus, sowohl in cultureller als in wirtschafticher und socialer Beziehung. a) Nicht als eine Religionsgenossenschaft wenig oder gar nicht religiöser Juden gilt uns das Judenthum, nicht als Gemeinschaft von Staatsbürgern zweiter Kategorie, deren einziges und letztes Ziel es ist, in die erste Kategorie vorzurücken, sondern wir empfinden das Judenthum als eine ethnische Einheit, deren culturschaffende Kraft, einmal freigemacht auf freiem Boden, der Menseheit Wege weisen wird. b) Wirtschaftlich ist uns das Judenthum nicht ein Gefängnis, aus dem jede wie immer geartete Fluc ht gebilligt wird, nicht ein Ballast, der den Aufschwung des ökonomischenlndividuums unterdrückt, sondern der Rahmen um ein vielartiges System von Coalitionen un d G e n o s s e n s c h a f t e n, das de n Goluthjuden bis zur üeberführung in d

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