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Die Welt · 1902-05-09 · 19 (9.5.1902) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
19 (9.5.1902)
Article
Könnte man die Bundeslade wiederfinden?
Date
1902-05-09
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr* 19 „Die £ Welt" Seite 5 Grube werfen Hess", so ist dies die allgemeine und bis auf den heutigen Tag von allen Bibelcommentaren wiederholte Sage, dass Unrein lichkeit und Abfälle auf diese Weise in Topheth hinaufgeworfen wurden. Ja, die von Armius erwähnte Grube, wo das Gesetz diese siebzig Jahre verborgen wurde, muss augenscheinlich das Topheth sein, worin die Bundeslade und das israelitische Archiv, meiner oben angeführten, vollkommen selbständigen Beweisführung nach, verborgen wurden. Dies ist so klar wie möglich, und da unser Bericht, von der schon erwähnten Namensverwechsiung abgesehen, in allen Stücken der biblischen Darstellung entspricht, so wird dadurch gewiss die Ansicht bekräftigt, dass in Topheth die Bundeslade und das Gesetz verborgen sind. Auch die Aussage, dass das Gesetz hinuntergeworfen worden sei. harmoniert mit den Worten der Bibel. Wie Jeremias das irdene Gefäss, welches das Volk Israel bedeutete, in die Grube Topheth hinunterwarf (Jerem. 19, 10), so kann Josias auch wirklich ein Gesetzbuch in das mit Feuer gefüllte Topheth geworfen haben, um sinnbildlich darzustellen, wie der sinaitische Gesetzesbund ungiltig geworden durch die vom Volke Gottes besonders im Topheth begangenen Sünden. Auch Moses verfuhr ja auf gleiche Weise, als er beim Anblicke des Götzendienstes der Kinder Israels die zuerst gemachten Gesetztafeln zerschlug. Höchst bemerkenswert sind auch in diesem Zusammenhange die Worte im IV. Buch Esra 14, 21: „Dein Gesetz ist verbrannt." Das ins Topheth hineingeworfene Gesetzbuch verbrannte dagegen nicht. Eine Abschrift kann möglicherweise zum Verbrennen hineingeworfen worden sein, gleichzeitig verbarg aber der Prophet Jeremias das ursprüngliche Gesetz sowie die Bundeslade; denn dass die Bundeslade wirklich weggesetzt^wurde und zwar zu der Zeit, die von uns für das Verbergen desselben angegeben ist. nämlich im 18. oder 19. Regierungsjahre des Königs, das lesen wir 2 Chron. 35, 3. Sie wurde weggesetzt, um nicht mehr „ge tragen zu werden"!: Sie wurde jedoch nicht ins Allerheiligste gesetzt, denn daraus hatte man sie herausgetragen, sondern sie wurde in einen anderen, vom Könige Salomon erbauten Raum gestellt. So sagt Maimonides, und seine Aussage wird ausserdem noch dadurch bestätigt, dass der Prophet Jeremias zur selben Zeit (Jer. 3, 6) verkündigte, dass k e i n e neue Lade gemacht werden sollte. Man würde nicht mehr von der Bundeslade sprechen? sagt er, sich nicht mehr wie früher mit deren Besitz brüsten; denn als Zeichen des Bundes war sie in Topheth vernichtet worden, in gewisser Hinsicht indessen nur: denn sie wurde ja nicht zerstört, sondern ebenso wie das Gesetzbuch nur verborgen. Schliesslich lautet der Bericht dahin, dass das Verborgene nach Ablauf der 70 Jahre in dem unreinen Grabe wiedergefunden werden solle; was jedoch hinter dieser Aussage liegen kann, ist mir nicht ganz Mar. Die allgemeine jüdische Ueberlieferung weiss nichts von einer Auffindung, weder des Gesetzbuches noch der Bundeslade. Die vorliegende Aussage hat jedoch augenscheinlich Zusammenhang mit dem Wiederaufsuchen des heiligen Feuers und braucht deshalb noch nicht unrichtig zu sein. Esra und die Eingeweihten, welche aus Babylon zurückkehrten, haben möglicherweise Kenntnis von dem Verstecke der Bundeslade gehabt. Als Esra die — wie man glaubte — verlorenen Schriften wiederherstellte, geschah dies auf eine für das Volk wunderbare Weise, während er sich eine längere Zeit verborgen hielt. Es war verboten, ihn während eines Zeitraumes von 40 Tagen aufzusuchen (IV Esra 14, 23). Man glaubte, dass er den Inhalt der verschwundenen Schriften aus dem Gedächtnis oder durch Inspiration wiedergäbe; vielleicht hielt er sich aber in der geheimen Tophethkammer verborgen, wo er die nöthigen Abschriften und Ergänzungen machte. Ja, das Gesetzbuch wurde vielleicht wirklich wieder von Esra aufgefunden, aber wed^f das Gesetzbuch noch die Bundeslade kamen ans Tageslicht; denn es war eine unruhige Zeit, und man fürchtete, dass diese bis zur Ankunft des Friedensfürsten dauern würde. Dass das Gesetzbuch nicht hervorgeholt wurde, wird dadurch bestätigt, dass es im IV. Buch Esra (14, 45) heisst, dass gewisse Schriften geheim gehalten werden sollten, sowie dass die allgemeine Ueberlieferung, wie schon oben angemerkt, nichts von einer „Wiederauffindung des Gesetzbuches weiss. Wäre das ursprüngliche Gesetzbuch und die Bundeslade nach dem Exile hervorgeholt worden, so wäre dies allgemein bekannt geworden, und man hätte die ßundeslade wieder in den Tempel gestellt, aber von einer solchen Wiederauffindung hatte, wie gesagt, das jüdische Volk im allgemeinen keine Kenntnis, und der Tempel, der nach dem Exile errichtet wurde, enthielt keine Bun ieslade, sondern die Stelle, wo dieselbe gestanden hatte, wurde nur durch einen Stein bezeichnet, worauf das Räucherfass am Versöhnungstage gestellt wurde. (Josephus Bell. Jud. 5, 5: Tacitus 5, 9; Civ. Bell. % 592; Hekateus von Abdera.) Die Bundeslade und das Archiv wurden nie aus der geheimen Tophethkammer hervorgeholt,unddieEingeweihten nahmen das Geheimnis mit ins Grab. Nur die biblischen Andeutungen, die ich angeführt, im Verein mit der mündlichen Ueberlieferung und besonders der von unserem unbekannten Armius wiedergegebene Bericht hätten das Verborgene verrathen können. Zur Unzeit ist jedoch nichts verrathen worden. Die Cherubim der Erkenntnis haben Wache gestanden, und deshalb liegen diese Schätze noch heutigen Tages da, wo sie von Jeremias auf Befehl des Josias verborgen wurden. Ja, das Gesetzbuch liegt noch heute wohlverwahrt und bewahrt in der Bundeslade. In den Felsen von Topheth eingemauert, harren die verborgenen Tempelschätze mit Ungeduld der Zeit, wo das Interesse für die göttlichen Dinge so gross sein wird, dass man es der Kosten wert erachtet, die nöthigen Nachforschungen ins Werk zu setzen. ^Hbüije. An die studentischen Delegi er t e n des ßielitzer Parteitages! Sonntag den 18. Mai findet nach der Sitzung des Parteitages eine Conferenz der studentischen Delegierten statt. Tagesordnung: Schiedsgericht, Palästina-Excursion, Ferialagitation, österreichischer Studententag. Für die Einberufer: Eudolf Nassau. * Sehr geehrter Herr Redacteur! In der letzten Nummer Ihres sehr geschätzten Blattes wurde die Frage der zionistischen Agitation in den Curorten von einem Lemberger Gesinnungsgenossen ventiliert Was nun den hierbei in erster Linie in Betracht kommenden Weltcurort Karlsbad anbelangt, so haben die dortigen Zionisten, obwohl sie nur gering an Zahl sind, in Anbetracht der eminenten Wichtigkeit und Tragweite dieser Agitation, beschlossen, vom heurigen Sommer ab wöchentlich Versammlungen, Discussionsabende und andere Veranstaltungen abzuhalten, und zwar speciell für Curgäste. Wir richten daher an die zionistischen Karlsbader Curgäste aller Länder, die sich an diesen Abenden irgendwie betheiligen wollen, die dringende Bitte, uns ehebaldigst ihre Namen und eventuelle Aufenthaltszeit bekanntzugeben :

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