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Die Welt · 1902-05-02 · 18 (2.5.1902) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
18 (2.5.1902)
Article
Jüdische Colonien
Date
1902-05-02
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 18 „Die & Welt" Seite 9 und nur 289 Christen. Die Arbeit in den Tabaksplantagen ist eine überaus anstrengende, erfordert grosse Umsicht und Sorg/alt und. gibt dem Besitzer fast das ganze Jahr hindurch vollauf zu thun. Sämmtliche Fnmilienixiitglieder, einschliesslich der achtjährigen Knaben,, werden zur Mitarbeit herangezogen. Die Erträgnisse sind relativ sehr günstig, obgleich die Preise gegen früher erheblich zurückgegangen sind. Dieselben betragen pro Hectar 6 Centner Tabak bei einem Durchschnittspreise von 44 Rubel pro Centner. Davon gehen 35 Rubel Pacht und l'O Rubel Arbeitslöhne ab, so dass der Unternehmer 167 Rubel pro Hectar reinen Ueberschuss zurückbehält. Leider sind die den Juden zur Verfügung stehenden in unmittelbarer Nähe der Städte belegenen Ländereien ganz geringfügig, und da ihnen der Erwerb, ja sogar die Pachtung von Grund und Boden ausserhalb der Städte verboten ist, so übersteigt der Umfang einer jüdischen Tabakplantage selten anderthalb Hectar. Aus Petach Tikwah schreiet man uns: Es freut mich, der zionistischen Welt die erfreuliche Thatsache mittheilen zu können, dass in jüngster Zeit auch in den Colonien ein reges zionistisches Leben, herrscht und bloss wenige Bewohner der Colonien ausserhalb der Bewegung bleiben. Es regnet seit einigen Tagen, und das Jahr berechtigt mit Gottes Hilfe zu den schönsten Hoffnungen. Noch eine sehr bemerkenswerte Thatsache will ich notieren, nämlich dass die deutschen Weinbauern in Sarona alle ihre Weingärten den unserigen nachbilden, und schon die ganze Saison hindurch werden nur hiesige junge Leute als Weingärtner mit einem Gehalte von 5-7 Francs per Tag beschäftigt. XX Auf der letzten Kunstausstellung in Bombay hat der Maler R. Samuel, einer vom Stamme Beni Israel, den ersten Preis erhalten. Die Beni Israel sind zur jüdischen Keligion bekehrte Hindu. Hebräischer Curs. Die Leitung der wohlbekannten „Berlitz School" in Budapest wird — vorausgesetzt, dass sich eine entsprechende Anzahl Schüler meldet — demnächst einen hebräischen Spracheurs eröffnen. Anmeldungen werden bei der Direction dieser Anstalt (VII, Erzsebet-körut 15, IL St.) entgegengenommen. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Preiszuerkennung. Die „Choveve Zion" in Wilna haben vor einiger Zeit einen Preis von 300 Rubeln für eine gute zionistische Broschüre ausgesetzt. Das Preisgericht hat nun diesen Preis der Arbeit des Schriftstellers Dr. J. Safir in Odessa zuerkannt, und die preisausschreibende Gesellschaft hat beschlossen, die Broschüre in drei Sprachen (hebräisch, russisch und Jargon) herauszugeben und durch äussert billigen Preis für eine Massenverbreitung zu sorgen. * Die „English Zionist Federation" gibt seit dem 15. April eine Monats-Correspondenz unter dem Titel „Zionistische Correspondenz" heraus — und zwar zur Hälfte englisch, zur Hälfte im Jargon — welche wir hiermit herzlicht begrüssen. Die Correspondenz zeichnet sich durch ihren lebhaften und anregenden Ton und die Fülle ihrer Nachrichten aus. m Unter der Redaction unseres Gesinnungsgenossen Herrn Schuldireetors Adolf Reichenth al in Ty rn au erscheint binnen kurzem ein ungarischer Zion stenkalender („Magyar czionista naptär«) für das Jahr 5663 (1902/3). Der Kalender, dessen Herausgabe im Auftrage des ungarländiscben zionistischen Landes-Comites erfolgt, wird literarische Beiträge in ungarischer und deutscher Sprache enthalten. Hervorragende Gesinnungsgenossen haben bereits ihre Mitarbeit zugesagt. Sämmiliche Zuschriften, Inseratenaufträge etc. sind an Herrn Schuldirector Adolf Reichenthal in Nagyszombat (Tyrnau), Ungarn, zu richten. * „Das Pessach-Blatt* in Warschau ist die neueste Erscheinung der periodischen Jargonliteratur. Es ist ein 50 Seiten starkes, überaus reich und stilvoll ausgestattetes Heft in Folio-Format. Der Inhalt ist sehr mannigfaltig und gediegen. Von den vielen Beiträgen heben wir hervor die Skizze „Tischadesch" und ein Gedicht „Am Meere" von David Frischmann, eine Culturgeschichte Aegyptens aus der Feder des Herausgebers H. E p p e lberg, zwei prächtige Gedichte von Morris Rosenfeld, die Novellette „Die Mazza des Reichen" und das Gedicht „In der Gasse" von Abraham Reisen. „Man Nischtauoh* vonM.J. Freud und „Der Prophet Elias" von ß. Feigenbaum. * Der Verlag „Aschiasaf" gibt neuerdings ausser der vortrefflich redigierten Wochenschrift „Der Jude" noch eine zweite Jargonzeitschrift: „Die Jüdische Familie44 heraus, die einmal monatlich erschent und sowohl belletristische wie populärwissenschaftliche Aufsätze bringt. Das 3. Heft, welches uns vorliegt, bringt ausser Novelletten und Gedichten von den besten jüdischen Schriftstellern auch eine Erzählung aus dem Leben der Juden Marokkos von dem bekannten englischen philozionistischen Dichter Hall C a in e, ferner eine Biographie des R. Jomtow Lippmann Heller, Verfassers der „Tossaphoth-Jomtow", von J. Ch. Zagorodsky, eine Revue des jüdischen Lebensund Leidens unter dem Titel „Der Monat", einen populär-wissenschaftlichen Aufsatz über „Die Kraft eines Regentropfens" und manches andere. * Von der vortrefflich geleiteten, im Verlage „Tuschijah" (Warschau) erscheinenden Jugendschrift „Olam Katan* liegt uns die überaus reichhaltige und hübsch illustrierte Pessach- Nummer vor. Hervorzuheben ist das herrliche Gedicht „^fc'S rTO&Ji" (»Für den Messias") von David Frischmann, entschieden das Beste, was Frisch mann, der Dichter — von Frischmann, dem Kritiker, sehen wir diesmal ab — bisher geschrieben hat. Vielleicht bietet sich uns einmal Gelegenheit, diese echte Meisterschöpfung in deutscher Bearbeitung vorzuführen. Von den sonstigen Beiträgen seien hier erwähnt „Das Fest der Freiheit" von S. L. Gordon, worin den jugendlichen Lesern in schlichter, kindlicher Art die nationale Bedeutung des Pessach-Festes auseinandergesetzt wird, und die Erzählung „Der Giboniter* von M. Ben - Elieser. * Mit der Jubiläumsfeier zum Andenken an den russischen Dichter Gogol und mit dem Verhalten einzelner russischer Assimilationsjuden zu dieser Feier beschäftigt sich ein bemerkenswerter Artikel im „Hameliz". Es sei selbstverständlich — wird in dem Artikel ausgeführt — dass die Juden in den nicht jüdischen Schulen und Lehranstalten sich von ihrer Umgebung nicht abgesondert haben und in Gemeinschaft mit ihren christlichen Collegen das Andenken Gogols als eines der hervorragendsten Dichter russischer Zunge mitfeiern mussten, indem sie für einen Augenblick der Beziehungen Gogols zum jüdischen Volke nicht gedachten. Ganz anders aber ist es zu beurtheilen, wenn speeifisch-jüdische Schulanstalten das Andenken Gogols feierten, und manche dies in einer so knechtisch überschwenglichen Art thaten, dass selbst die nationalistische „Nowoje Wremja" sich darüber moquierte. Während die Polen — über die sich Gogol an einzelnen Stellen seiner Schriften ebenfalls in ungünstiger Weise wenn auch lange nicht mit so massloser Gehässigkeit wie über die Juden äussert — das Gogol-Jubiläum ignorierten, während auch die Deutschen in den baltischen Provinzen, sowie die Finnen und Esthländer in ihren Anstalten bloss ganz nüchterne, geräuschlose Schulfeiern veranstalteten, thaten es einzelne jüdische Schulen selbst den russischorthodoxen zuvor und waren bestrebt, „päpstlicher als der Papst" zu erscheinen. So wollte ein Bezirkshauptmanh in einem westlichen Kreise kein grosses Festgepränge bei der Gogol-Feier der Elementarschulen dulden, weil„dieserSchriflsteller viel zu sehr der Negation gehuldigt habe". Dieses Verbot liess den Leitern einer dortigen jüdischen Schule keine Ruhe, und sie gaben sich nicht eher zufrieden, als bis sie vom Bezirkshauptmann ausnahmsweise die Bewilligung erhielten, ihre Schulfeier mit dem grössten Prunk abzuhalten ... In B j al aj a - Z er k o f, der Geburtsstadt Gogols, beschränkten sich die Elementarschulen der rechtgläubigen Russen darauf, in Gegenwart der Schüler eine Frühmesse für G o g o 1 lesen zu lassen, in der dortigen jüdischen Schule jedoch wurden mehrere pomphafte Feiern veranstaltet: zuerst eine religiöse Gedenkfeier, sodann eine Schulfeier grössten Stils und schliesslich die eigentliche Gogol- Feier für Erwachsene in den Räumen der Schule, verbunden mit einem Festmahle, Schüleraufführungen und einem Tanzkränzchen. Die gesammte jüdische Intelligenz der Stadt hatte sich zur Feier eingefunden. Diese verlief aufs glänzendste, und nur eine kleine Enttäuschung mussa* das Fest-Comite erleben. Es hatte auch eine Anzahl christlicher

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