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Die Welt · 1902-05-02 · 18 (2.5.1902) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
18 (2.5.1902)
Article
Die Generalversammlung der "Israelitischen Allianz"
Date
1902-05-02
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 18 „Die £ Welt" Seite 5 forderte den Vorstand nochmals auf, sich dieses klarzumachen und; sich den JJesti-ebungen der Zionisten anzüsehliessen. # Wenn vorher im Laufe der Dehatte von den Herren Dr. A. Stern, Dv. Guttmann und Bernhard P o 11 a k gesagt worden sei, dass die gewöhnlichen Mitglieder der „Allianz* zwar sehr viel wünschen, aber nur drei Gulden jährlichen Beitrag leisten, so sei darauf zu erwidern, dass nur von den Dreiguldenmännern, also von der Masse, eine ausgiebige Unterstützung der „Allianz* zu erhoffen sei. Die Hilfsactionen der Reichen ergeben nicht viel. Dr. Herzl erapahl daher dem Vorstande, nicht so exclusiv zu sein, weil die Resultate wahrlich nicht glänzende seien. Im Uebrigen erklärte Dr. Herzl, dass er von der heutigen Versammlung nur so wenig erwartet habe, als sie thatsächlich leistete. Der Vorstand selbst habe zugegeben, dass die Nothstände, denen er Abhilfe bringen soll, ihm übe/ den Kopf gewachsen seien. Wie man dies erklären wolle, ob durch die Unzulänglichkeit der Mittel oder durch die Unzulänglichkeit der Personen oder durch die Grösse der Hiifsausgaben . . . fest stehe jedenfalls das eine, dass die „Allianz" nicht das leiste, was man von ihr früher erwartet hat, und es sei infolge dessen eine dringende Nothwendigkeit, dies den abwesenden Allianzmitgliedern deutlich mitzutheilen. Es möge sich kein Allianzmitglied dabei beruhigen, dass etwas geschehe. Denn es geschehe wirklich nicht genug, und infolge dessen bleibt die Frage, die von der „Allianz" zu lösen ist, erst recht offen. Jeder, der es mit den nothleidenden Juden gut meint, soll daher selbst nach einer Lösung suchen, wenn ihm die der Zionisten nicht gut genug erscheint. Nach diesen Erklärungen Dr. Herzls hielten es die Zionisten nicht nothwendig, an der Abstimmung über den Rechenschaftsbericht und die Neuwahlen theilzunehmen. Sie Hessen den bisherigen Vorstand wieder wählen und ihm auch das Absolutorium geben, ohne irgend welche Gegendemonstration zu machen. Könnte man die Bundeslade wiederfinden? Von Henning Mietender (Stockholm). Im Jahre 1898 veröffentlichte ich in der „Welt" einen längeren Aufsatz, die Möglichkeit betreffend, dass die Bundeslade wieder aufgefunden werden könne. Ich sprach die Ansicht aus, dass dieselbe in Topheth, südlich von Jerusalem, verborgen worden sei, und gründete diese meine Ueberzeugung vorzüglich darauf, dass Jeremias, welcher der Ueberlieferung und allen historischen Andeutungen nach die Bundeslade verborgen hat;, Topheth nicht ein-, sondern zweimal mit denselben Worten und mit ganz besonderer Betonung als einen Ort bezeichnet, der im Gegensatze zu anderen Stellen vor Schatzgräbern geschützt sei. Man würde nämlich in Topheth begraben, sagt er (Cap. 7, 32 und 19, 11), aber aus allen anderen Grüften sollten gleichzeitig die Gebeine herausgeworfen werden (8, 1—2), und zwar von den Schatzgräbern. Diese würden überall eindringen (so Hieronymus, Kail, Reuss u. a.), Topheth jedoch war unrein« Dort würde niemand Schätze vermuthen, da würde man seine Todten begraben können, ohne fürchten zu müssen, dass die Begrabenen in ihrer Ruhe gestört würden; da sollten die Gebeine nicht herausgeworfen werden. Die Worte dessen, der die Bundeslade verbarg, geben deutlich zu verstehen, dass er Topheth wirklich als den einzigen, vor Schatzgräbern geschützten Ort erachtete, und daraus habe ich den Schluss gezogen, dass an dieser Stelle die Bundeslade verborgen sein müsse. Andere Bibelausleger erklären, dass die Leichen in solcher Menge begraben werden sollen, dass alle die unzähligen Grüfte gefüllt würden und dass man aus Mangel an Raum ebenfalls in dem unreinen Topheth begra-ben würde, aber es ist klar, dass die Grüfte nicht gleichzeitig gefüllt und geleert werden konnten, und Jeremias betont wiederholt, dass keine Massenbeerdigung stattfinde.: würde. Die Leichen sollten unbestattet bleiben. Es würde niemand geben, der zur angedeuteten Zeit die Todten begraben könnte. Topheth war die e i n z i g e Stelle, wo diese beerdigt werden könnten (Jeremias 8:2: 14:16-18; 16 4—6; Pa. 79). Ausserdem lag Topheth auch gerade südlich vom Tempelplatze und im Buche Enoch lesen wir, dass man die alte StifUhütte (das heisst das die Bundeslande enthaltende alte Tabernakel) „einwickelte" (andere Lesart „eintauchte"). Man schaffte alle Säulen hinaus; alle Balken und Verzierungen jenes Hauses wurden mit ihm eingewickelt. Man schaffte es hinaus und legte es an einen Ort im Süden (90, 28). Irn Thale Topheth hat man auch auf Grund mündlicher Ueberlieferung den Brunnen gesucht, in welchem die Priester, dem 2. Buche der Makkabäer nach, beim Beginne der babylonischen Gefangenschaft „das heilige Feuer" verbargen. Aeltere Ueberlieferungen, das Verbergen der Bundeslade in eben diesem Thale betreffend, dürften auch den Grund zu der allgemeinen Anschauung gelegt haben, dass an diesem Orte Gott, der Prophezeiung Joels zufolge, zum Gericht kommen würde; denn die Bundeslade war „der Thron der Herrlichkeit Gottes", der Richterstuhl, vor dem die Kinder Israels versammelt worden waren, und es gieng die Sage, dass dieser selbe Richterstuhl noch einmal am jüngsten Tage ans Licht gebracht werden sollte. Da würden die Gerechten zur Bundeslade fliehen und ihren Verfolgern entkommen. Auch rein topographische Verhältnisse bekräftigen die Ansicht, dass die Bundeslade in der Gegend von Topheth verborgen sei: der Hauptgrund jedoch ist, wie gesagt, der, dass derjenige, der die Bundeslade verbarg, von derUeberzeugung beseelt war, dass Topheth eine Stelle sei, die nicht gestört werden würde, der absolut einzige Ort, aus welchem die Gebeine oder das, was daselbst begraben war, von den Schatzgräbern nicht hinausgeworfen werden würde, sowie dass er davon mit so ganz besonderer Betonung spricht. Verhältnismässig sind es jedoch nur wenige, die den Gründen, welche ich angeführt habe, Beachtung geschenkt haben. Im allgemeinen scheint man es für unglaublich gehalten zu haben, dass ein Heiligthum, wie die Bundeslade, an einem so über alle Massen unreinen Orte wie Topheth verborgen worden sei, wo alle Unreinlichkeit und aller Schmutz der Stadt sich anhäufte. Nichts war jedoch vernünftiger, als die Bundeslade gerade an einer solchen Stelle zu verbergen, wo die Unreinlichkeit allen Verdacht ableitete, wie eben angedeutet. Jeremias, der die Bundeslade verbarg, sagt ja auch ausdrücklich zweimal und mit besonderer Betonung, dass es keine andere Stätte geben würde (griechischer Text), und die Prophezeiung derselben Zeit lautet ebenfalls dahin, dass das Heiligthum entheiligt werden sollte (Hez. 24, 21). Vor kurzem ist mir auch eine Mittheilung aus älteren Zeiten aufgefallen, welche meine Ansicht, dass nämlich die Bundeslade in dem unreinen Topheth verborgen sei, in so hohem Grade bekräftigt, dass ich nicht unterlassen kann, meine in der obenerwähnten Abhandlung dargelegte Beweisführung zu vervollständigen. Beim ersten Blick scheint es freilich, als ob die betreffende Mittheilung in keiner Beziehung zu dem Verbergen der Bundeslade stünde; denn beim Abschreiben in späteren Zeiten hat man dieselbe

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