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Die Welt · 1902-05-02 · 18 (2.5.1902) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
18 (2.5.1902)
Article
Eine seltsame rumänische Drohung
Date
1902-05-02
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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' Seite 4 „Die # Welt" Nr. 18 wegen der frechen Heuchelei, als auch wegen der frechen Drohungen, die man noch wie zum Hohn an die armen Opfer rumänischer Gesetzgebung zu richten sich erdreistet. Der eine Gedanke aber hat ungeheures Befremden und Verblüffung unter den Juden hervorgerufen: Woher kennt die rumänische Regierung die Ideen und Absichten der „Alliance israelite"? Es wäre unerhört, wenn die rumänische Regierungdas zu erdichten sich erlaubte; noch unerhörter aber, wenn es auf Wahrheit beruhen sollte! Die Wahrheit aber wird hoffentlich bald ans Tageslicht kommen. — t- Die Generalversammlung der „Israelitischen Allianz-'. Sonntag den 27. April d. J. fand die diesjährige Generalversammlung der „Israelitischen Allianz" statt. Eine zionistische Mit gliederzahl, die etwa die Hälfte der Anwesenden ausmachte, war gekommen, um einen Bericht über die vergangene und Andeutungen über die zukünftige Thätigkeit der „Allianz" zu hören, da es leider zu vermuthen ist, dass wieder grössere Actionen der „Allianz" nothwendig werden dürften, und sich diese Vereinigung bisher ihren Aufgaben durchaus nicht gewachsen gezeigt hat. Nach der Verlesung des Rechenschaftsberichtes wurde von zionistischer Seite zunächst der Antrag gestellt, dass von dieser Generalversammlung ein sachlicher und wahrheitsgemässer Bericht an sämmtliche Mitglieder der „Allianz" versendet werde, weil diese bisher noch nie von den Vor gangen in der Generalversammlung verständigt wurden. Der Vorsitzende Herr D. v. Gutmann sagte dies sofort zu. Hierauf stellte Herr Dr. Herzl einige Anfragen an den Vorstand, namentlich in der Richtung, ob die von ihm in einer Vorconferenz mit dem Vor stände der „Allianz" angeregte Berathung sämmtlieher „Allianzen" stattgefunden habe, und wenn ja, ob der Vorstand geneigt sei, über die gefassten Beschlüsse Mittheilung zu machen, ferner ob der Vorstand der „Allianz* bei irgend einer Regierung zu dem Zwecke interveniert habe, dass die Auswanderung der nothleidenden rumänischen Juden verhindert werde. Bevor sich der Vorsitzende äusserte, brachten einige Redner andere Gegenstände zur Discussion. Von zionistischer Seite sprachen Herr Dr. L. Werne rund Herr Max Bernhard. Herr Dr. L Werner als Präsident des „Ersten jüdischen Turnvereines" bemängelte es, dass der Vorstand der Allianz eine jüdische Vereinigung, die eine Volkserziehung im höheren Sinne zum Zwecke habe, wie es der jüdische Turnverein ist, nicht unterstützte. Herr M. Bernhard führte an, dass die jüdischen Studentenverbindungen von der Allbinz nicht subventioniert werden während Studentenverein«', in denen >ogar antisemitische Tendenzen zum Vo srh. in g« kon.inei sind, < ine Unterstützung erhalten. L id^r benutzten die folgenden Redner die (ielegenheit, um die Debatte vollständig in andere Bahnen zu lenken. Etnil Herr Dr. Marcel! H o f f m;i n n auf und brnchte vor, dass die Jüdische Coloni.tlbank 65 Millionen Kronen (!) hübe und damit Pfandleihgesehc'ifte niH'-he, statt für die rumänischen Juden Ge d herzugeben. Diese offenb r gehnssige Entstellung der allen Zionisien wohlbekannten Thatsaehen führte zu einem wahren Entrstuugssturme, der nur sehr schwer zu beschwichtigen war. Die Ruhe trat erst ein, als Dr. Hoff mann.darauf verzichtete, weiter zu reden. Dann erzählte Herr Dr. Bloch von der Einsperrung von i fünf Familien in Galizien, die unter der Beschuldigung stehen, dass sie einen zum Christenthum übergetretenen jüdischen Knaben ermordet hätten, während sich dieser Knabe thatsächlich wohlbehalten in Amerika befunden hat. Herr Dr. Bloch forderte den Allianz-Vorstand auf, beim Justizminister zu intervenieren. Herr Dr. Minz ermahnte den Vorstand, sich auf den Berliner Vertrag zu stützen und die Einhaltung der Gleichberechtigungs-Paragraphen von der rumänischen Regierung zu verlangen. Auf alle diese Frage und Anregungen antwortete zunächst Herr Dr. Alfred Stern, der Vicepräsident der Allianz. Er stellte sich auf den gewiss originellen Standpunkt, dass man in einer Generalversammlung der Allianz Resolutionen nicht einbringen dürfte, weil diese Resolutionen einen verkappten Antrag enthielten. Es waren dies die Resolutionen der Herren Dr. Werner und Bernhard, dahingehend, die Versammlung solle den Vorstand auffordern, in würdiger Weise etwass für die Unterstützung der genannten jüdischen Vereinigungen zu thun. Herr Dr. Stern, der so lange in verschiedenen Vertretungskörpern gewirkt hat, leugnet also die Berechtigungeiner Versammlung, Resolutionen zu fassen. Das ist recht charakteristisch. Dr. Stern bestritt, dass im Unterstützungsverein für dürftige und würdige Hörer der Rechte an der k. k. Universität in Wien antisemitische Bestrebungen beständen, und warf den zionistischen Verbindungen vor, dass sie Zwietracht unter den Juden stiften. Die Frage des Herrn Dr. Herzl beantwortete. der Präsident Herr D. v. Guttmann damiti dass er den Fragesteller bat, auf eine Antwort zu verzichten, weil man aus Opportunitätsgründen nicht alles in dieser Discussion vorbringen könne. Herr Dr. Herzl, der hierauf das Schlusswort nahm, erklärte, er wolle dem Vorstande keine Verlegenheit bereiten, wenn er überzeugt sein könne, dass wirklich etwas gesehen sei zur Abhilfe des rumänischen Nothstandes, jedoch bestehe er nur auf einer einzigen Frage, auf die er nur eine kurze Antwort verlange, „ja44 oder „nein"; diese Frage sei, ob von der „Allianz" bei irgend einer Regierung zu dem Zwecke interveniert worden sei, um die rumänischen Juden aus Rumänien nicht auswandern zu lassen. Hierauf antwortete Herr Dr. Kur an da, Vicepräsident der „Allianz", mit einem lauten und deutlichen „Nein". Herr Dr. Herzl nahm diese Erklärung mit Dank zur Kenntnis und resümierte den Standpunkt der Zionisten in der folgenden Weise: Die Zionisten hätten zwar im Verlaufe der Jahre schon die Ueberzeugung gewinnen müssen, dass sie in der „Allianz" kein Gehör und kein Verständnis finden. Man wolle einfach nicht verstehen, dass die zionistische Lösung die einzige sei, die eine wirkliche Abhilfe verspreche. Zwar enthalte der heurige Jahresbericht der „Allianz" schon all das, was die Zionisten über den gej^enn ärtigen Zustand der bediückten Juden denken, indem zugegeben wird, dass der jüdische Stamm vielfach als solcher vet folgt werde, indem auch die Situation der rumänischen Juden damit erklärt wird, dass die sogenannten „Fremden" nicht auf die Reciprocität in ihrer Heimat hinweisen können, weil sie keine Heimat haben u. s. w. Obwohl di.ich diese und andere Bemerkungen die Voraussetzungen d< s Zionismus ausdrücklich zugegeben erscheinen, wolle die „Allianz* doch nicht die zwingenden Schlüsse daraus ziehen. Dr. Herzl

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