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Die Welt · 1902-04-25 · 17 (25.4.1902) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
17 (25.4.1902)
Article
Botosani [Nachricht]
Date
1902-04-25
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 17 Die # Welt" Seite 13 H>rrn Sch. Diamant eröffnet. Demnächst folgten Chor- >lieder X;iEf;ez,:erez^awösejnu* und ,Am Olom*) und Solo- <ge6£tigs,-/ b**i; d^nen ^di^ider .Herren S. J? f 1 a u m e n b a u m und A. Schu lz Beifall ernteten. D>er~ übrige Theil des PrOijrammes wurde durch das wacker gespielte Lustspiel Zamoscins „Nor a Dokter" und M. Wirths Bild „Gepojlt" ausgefällt, wobei sich die Herren D.Rad omski, S. Siraussmann, O. R o s e n f e 1 d, FrJ. A. F r ä n k e 1 und Geschwister Goldberg auszeichneten. Erwähnenswert sind noch die Declamationen der Herren Brylant (K. Gl inskis „Juden") und L. Zuckermann (Grünaus „Umkehr"). Den Schluss der grossangelegten Feier bildete ein langwährendes Tanzkränzchen. Der Reinertrag vom Abend (gegen 400 Rubel) ist zum Ankauf von Mazzes für die Aermsten der Stadt bestimmt. Den Amateuren, dem Comire' und vor allem den Damen Fräulein Eugenie Fiedler, M. Gierstein, Frauen Kankus, Gelbblum und K o 1 o d n e r, unter deren Verwaltung der wirtschaftliche Theil des Festes stand, gebürt bester Dank. N o t u s. Botosani. (Section „Basel-Zio nÄ.) Der Ausschuss besteht aus den Herren: Dr. B. Volberg, Präsident; M. L ö b e 1, I. Vice-Präsident; S. Friedrnann, II. Vice- Präsident; B. Schonfeld, Depositeur; M. Spinner, Cassier; B. Engelsberg, Cont» olor; J. Abramovici, J. W e i s e r, J. M. Wechsler, Beisitzer; J. A l b r e c h t, I. Secretär; S. Segall, II. Secretär. Am 15. JV.ärz veranstalteten wir eine zionistische Soiree, die uns einen Reinertrag von 558 15 Lei abwarf. Hie? von sandten wir 10 Pf. St. an die Jüdische Colonialbank in London zum Zwecke der Eintragung unserer Section ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds, während wir das restliche Geld zur Beschaffung eines Vereinslocales und der nöthigen EL richtung verwenden. Wir agitieren eifrig und erfolgreich für die Colonialbank, den Nationalfonds und den Schekei. Braila. Im Namen des hiesigen Vereines „Bn.ei Zion" gestatte ich mir, Ihnen die ferner gefassten Beschlüsse mitzutheilen. Infolge meines Antrages wurden 150 Stück Sammelbüchsen für den Nationalfonds besteilt, die man in kurzem in jedem jüdischen Hause, Geschäfte und Bureaux vertheilen wird. Ferner ist beschlnssen worden, den Verein „Bnei Zion" ins Goldene Buch eintragen zu lassen. Zur Erreichung dieses Beschlusses wurden die Herren H. Krakauer, N. R o s e n b e r g, R. Grünberg und A. Falick gewählt, die gelegentlich des Purim-Festes 172 Francs für den Nationalfonds gegammelt haben. R. Grünberg. Niederlande Infolge einer von den Herren A. J. Mendes da Costa und Dr. jur. Isidore Hen abgehaltenen Versammlung ist ein Section Utrecht des „Nederlandischen Zionistenbond" gegründet worden (Präsident cand. med. J. Hertzberger, Schriftführer : A. B1 a a u w, G u d e G r a c h t 26 Utrecht.) Ferner wurde in. Haar lern nach einer unter Vorsitz des Herrn G. C. Polak stattgehabten Versammlung, bei welcher Herr Dr. Hen das Referat erstattete, nach sehr lebhafter Dabatt« eine Section Haarlem gegründet. (Präsident Dr. M. Wo 1 f i, Gymnasiallehrer in Haarlem.) Sonntag den 13. April hielt in der Section Amsterdam Dr. E. Hildesheim a u s E n s ch e d e einen sehr interessanten Vortrag über „Assimilation und Zionismus/ New-York. Am 1. März haben zugereiste Rumänen einen zionistischen Verein „R o u m a n i a n Zion Association Dr. Max Nord au" gegründet und Herrn Dr. Nordau zum Ehrenpräsidenten gewählt. Im Laufe des April werden Volksversammlungen veranstaltet werden. Max Zuckermann, 118 Chrystie Str. Zionistische Flugschriften. Das Actions-Comite* hat beschlossen, eine Serie zionistischer Flugschriften 'herauszugeben, welche allen Vereinen für ihre Versammlungspropaganda unentgeltlich zur Verfügung stehen werden. Als erste Flugschrift erscheint der in Nummer 16 der Welt veröffentlichte Artikel von Leo Rafaels »Wie andere uns sehen". Die Vereine werden aufgefordert, im Bedarfsfalle, d. i. nur bei Ausschreibung von Agitationsversammlungen, sich um die entsprechende Anzahl an das Secretariat des Actions-Comites zu wenden. B'dikas Chamez. (Ein Gleichnis.) Herrn Dr. Theodor Herzl. Die, Nacht kam eben heran, als die Hausfrau das Werk der Zerstr^i^g vollendet hatte. — Glücklich diejenigen, die auf Fensterbretter zu liegen kamen, sie sahen noch das letzte Aufleuchten der untergehenden Sonne. Ihre Brüder auf Schränken und Kästen schmachteten indes in Finsternis und überdachten ihren Fall. War es denn wirklich so lange her, da sie ein einziges Stück bildeten? War es denn wirklich so lange her, da sie seharfgeschliflener Stahl unbarmherzig voneinander trennte? Noch einmal stieg in ihrer Erinnerung der schreckliche Schmerz auf, als ob ihre Schnittwunden von heute wären. Sie empfanden, dass nach der Zerstreuung ein vollständiges Zusammenwachsen fast unmöglich sei und hätten den als Erlöser angesehen, der sie zusammengeführt, ihnen zumindest ein einträchtiges Nebeneinander ermöglicht hätte. Aber auch das schien ihnen aussichtslos . . . Doch während sie so vor sich hinbrüteten, erschien ihnen plötzlich ein kleiner Lichtstrahl, wie von einer Wachskerze. Jetzt konnten sie sich ansehen und ihre gegenseitigen Leiden erkennen. Und es währte nicht lange, da kam ein Mann mit wallendem Barte und hoffendem Auge. In der einen Hand hielt er eine Feder, in der anderen Löffel und Faden. Von Fensterbrettern, Schränken und Kästen las er sie alle mit der Feder in den Löffel auf und schlang um sie einen festen Faden . . , War das ein freudiges Wiedersehen! „Ist es zuletzt vielleicht möglich, dass wir wir wieder Eins werden, wie wir es einstmals waren?;< — So fragten sie — und sie glaubten — und sie hofften . . . Ais ob er ihre Sprache verstünde, murmelte der Mann leise vor sich hin, indem er die beiden Enden des Fadens zu einem Knoten schürzte : Wenn die Nacht vorbei ist, werden sie der letzte Sauerteig im ganzen Hause sein. Dann werden sie aber eine Feuerprobe bestehen müssen! Und der Mann schüttelte nachdenklich sein Haupt, während sein Auge hell aufleuchtete. Er dachte an Asche und Phönix. Ephraim Fischel Wraschitz. Die jüdische Seele. Es ist zweifellos — und man mag über Rassenreinheit und Rassenmischung denken, wie man w,ll— dass es einen ausgesprochen jüdischen Typus gibt. Ich denke dabei weniger an die traditionellen Merkmale, an Haarfarbe und Bartform und an die sogenannte Judennase, als an den Ausdruck des Gesichts, den kein Ethnologe in Worten darstellen kann. Der echte jüdische T}^pus liegt weniger im Schnitt der Züge, gewiss nicht im Körperbau — „Die Anatom e", sagte der Renan-Biograph S e a i 11 e s, „weiss nichts von Antisemitismus" — er spricht aus den Augen, er liegt kennzeichnend in der Sprache und in der Denkweise. Was die Juden zusammenhält, ist kein ethnisches, sondern ein psychologisches Band. Man könnte fast das Wort gebrauchen : Die Juden sind eine Rasse im Geiste. So ist es denn gewiss eine dankenswerte Aufgabe, das Wesen der jüdischen Seele zu studieren, die Merkmale des Judenthums, wie sie sich in der Geschichte entwickelt haben, kennzeichnend, nachzuweisen, wie diese geistigen Anlagen durch Druck und Wandluogen der Geschichte so werden mussten, wie sie sind. Um ein solches Buch zu schreiben, müsste man nicht nur classische Vertreter des Judenthums psychologisch analysieren, man müsste auch die Denk- und Fühlweise des Mannes aus dem Volke zum Vergleiche heranziehen, und man müsste constatieren, was

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