Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 17 (25.4.1902)
- Article
- Die amerikanische Harward-Universität und der Zionismus
- Date
- 1902-04-25
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 10 „Die # Welt" Nr. 17 theilhaft von ihren europäischen Colleginnen, dass sie sich nicht bloss für die Vorgänge und Zustände der Vergangenheit interessiert, sondern auch aufmerksamen Blickes alle Geistesströmungen der Gegenwart verfolgt und sich darüber durch Berufene und Eingeweihte informieren lässt. Es gilt als eine nicht geringe Auszeichnung, zu solch einem Informations-Vortrage eingeladen zu werden, denn es ist damit die Anerkennung einer hohen Gelehrsamkeit verbunden, aber andererseits ist es eine Ankennung der grossen Bedeutung des Zionismus durch Kreise, deren Würdigung uns gewiss nicht gleichgiltig sein kann. Politische Schildbürger. Die im Reichsrathe gefallene Aeusserung des Kriegsministers v. Gossler, dass in die Stadtvertretung vonWreschen eine gleiche Anzahl Deutscher, Polen und Juden gewählt worden sei, hat dem Central verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu einem Schreiben an den Minister Veranlassung gegeben. In diesem wird gegen die von dem Minister gemachte Unterscheidung zwischen Deutschen und Judenprotestiert und darauf hingewiesen, dass gerade das Zusammengehen der Evangelischen und Juden bei den Wreschener Gemeindewahlen das erwähnte, angesichts der regen polnischen Agitation recht günstige Stimmenverhältnis zur Folge hatte und ein weiteres Vordringen des Polonthuras verhinderte. Schliesslich wird die Erwartung ausgesprochen, der Minister werde an der gleichen Stelle, an der er die Unterscheidung zwischen Deutschen und Juden getroffen habe, Gelegenheit nehmen, seine auf irrthümlichen Voraussetzungen beruhende Bemerkung über die Wreschener Gemeindewahlen richtigzustellen. So treibt man Wasser auf die Mühle polnischer Antisemiten! Es ist übrigens eine ganz unberechtigte Wichtigthuerei des Centraivereins, sich als Anwalt des Judenthums aufzuspielen. Er möge für seine Wreschener Mitglieder eintreten, Sprecher für das Judenthum ist er nur von eigenen Gnaden, und er kann für sein Vorgehen weit mehr Proteste einheimsen, als die Gesammtzahl seiner Mitglieder beträgt. Die bedeutend gesteigerte Auswanderung aus Russisch - Polen und 6alizien, die ihren Weg durch deutsches Gebiet nimmt, hat die preussische Regierung zu einer Verschärfung der Msssregeln veranlasst, die verhüten sollen, dass gänzlich mittellose Durchwanderer in Deutschland haften bleiben. Die Verordnung besagt, dass aus dem Weichselgebiete stammende Auswanderer nicht durch deutsches Gebiet zu lassen sind, wofern sie nicht einen ordnungsmässig^n Pass und 400 Mark in barem Gelde oder das Billet zur Ueberfahrt auf einem deutschen Dampfer vorweisen können. Kinder unter zehn Jahren, Krüppel und Kranke werden überhaupt nicht durch deutsches Gebiet gelassen. Diese Anordnung wurde dadurch hervorgerufen, dass ein grosser Theil der polnischen Emigranten bisher im Geheimen über die Grenze gieng, und zwar mit Hilfe österreichischer Auswanderer-Agenten, welche die Auswanderer dann ohne alle Mittel zur Weiterreise in Deutschland ihrem Schicksale überliessen. Zola in Jerusalem. Seit mehreren Wochen weilt Emile Zola in unsererStadt und ist häufig mit unserem Gesinnungsgenossen Ben Jehuda beisammen. Es heisst, dass Zola Material für einen Roman sammelt, in dem er die im heiligen Lande gewonnenen Eindrücke niederlegen will. Nach den bisherigen sympathischen Aeusserungen Zolas über den Zionismus dürften wir mit freudiger Erwartung dem Erscheinen des neuen Romans entgegensehen. Ueber Bienenzucht und ihre Beziehungen zur Colonisation Palästinas hielt Sonntag den 6. April d. J. Reverend V. H. M o y 1 e, M. A. (Magister Artium) vom Pembrok-College in Oxford, einen sehr lehrreichen und populären Vortrag im Saale der „East London Zionist Association". , Der Vortragende, welcher seine Bemerkungen durch die ver^ schiedenen aus Honig und Wachs gemachten Gegenstände illustrierte, beschrieb mit Liebe und feiner Beobachtungsgabe die verschiedenen Stadien un&;flie Lebensgewohnheiten dieser merkwürdigen Thiere, die Art der Anlegung und Durchführung der Bienenzucht, das Sammeln des Honigs, die Vertheilung der Waben und legte dar, dass die Bienencultur eine sehr interessante und anregende und dabei sehr . erträgnisreiche und lohnende Passion sei. Je reicher der Boden, desto grösser der Ueberfluss an jenen Blumen, aus denen die Bienen Süssigkeit saugen. Palästina wird von der Bibel als Land gerühmt, „in welchem Milch und Honig fliesst", was ein Beweis dafür ist, dass die Bienenzucht bei den Juden in hohen Ehren stand. — Der Vorsitzende Mr. Lennox Loewe führte darauf aus, dass die Entwicklung der Colonisation in Palästina vom Kleinen ins Grosse gehen müsse. Es ist eine Thatsache, dass Klee zu gleicher Zeit ein ausgezeichnetes Futter für Bienen und Vieh abgebe und dabei das beste Material, um den Boden der Bahndämme fest zusammenzuhalten. Die Ausstreuung des Kleesamens weit und breit im Lande Palästina wird Anlass sein zur Ausbildung der Viehzucht und zum Entstehen einer Bienencultur. Auf die Viehzucht folgt Landwirtschaft, Gartencultur und Hausindustrie, und die Vision eines prächtigen jüdischen Bauernstandes ist hoffentlich kein Ghetto-Traum, sondern wird in nicht zu ferner Zukunft zur That werden. Um die Liebe zur Natur und zur Gartenpflege bei den Juden zu fördern, bat der Vorsitzende, ihm zu gestatten, einen Preis zu stiften für den bestgehaltenen Fenster garten bei den Wohnungen oder Werkstätten der Juden imEast End von London. Der Preis soll am Krönungstage des Königs zur Vertheilung gelangen. — Reverend Moyle begrüsste diesen Gedanken aufs wärmste und versprach die Stiftung eines zweiten Preises, sowie seine hilfreiche Mitwirkung; er stellte insbesonders in Aussicht, die Sämereien und Werkzeuge entweder ganz umsonst oder zu sehr billigen Preisen zu beschaffen. Der lebhafte Beifall, sowie die vielen Fragen, welche aus dem Kreise des Auditoriums, in dem sich auch viele Frauen und Mädchen befanden, an den Vortragenden bezüglich des Gegenstandes seines Vort. ages gerichtet wurden, bezeugten das lebhafte Interesse, welches derselbe geweckt hat. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Büchereinlauf. Das Jndenthum in seinen Grandzügen und nach seinen geschichtlichen Grundlagen dargestellt von Dr. M. Güd emann, Oberrabbiner in Wien. Wien 1902. Verlag von R. Löwit, L, Rothenthurmstrasse 22. 8°, 105 S. Der Kampf des Rabbiners gegen den Talmud im XVII. Jahrhundert. Vorhergeht: Religion des Individuums und Religion des Volkes. Von Dr. Simon Stern, Rabbiner in Saaz. Breslau. Schlesische Verlagsanstalt von S. S c h o ttlaender. 1902. 8°, 344 S. Zur Sittenlehre des Judenthums. Von Dr. M. Joseph. Verlag von M. Poppelauer. Berlin 1902. 8°, 56 S., Preis Mk. —.80. Die Hauptpersonen des Richterbuches in Talmud und Midrasch. I. Simson. Von Dr. J. S. R e n z e r. Berlin, S. Calvary & Co., 1902. 8°, 43 S., Preis Mk. 150. Aufruf (Hymne) aus der Dichtung: „Der Messias des Volkes Israel" von Oskar Grünfeld. In Musik gesetzt von Wilhelm Ganz. ZionWine Song (Zionwein-Hymne). Dichtung (hebräisch) von Leon Z o 1 ö t k o f f, Grossmeister des Ordens „Knights of Zion\ Componiert von D. P. P o 11 o c k. Im Verlage von N. Gonsior & Co., $98 Dearborn Street, Chicago.