Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 17 (25.4.1902)
- Article
- Ist von unseren Gegnern Loyalität zu erwarten?
- Date
- 1902-04-25
- Page
- 5 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 17 jMev$'.' Welt00 Seile -> wegung zur Absperrung Amerikas und Englands gegen jüdische Emwänäpni'ng7 'nimr 'aücfi lauf die verstocktesten Chauvinisten in Ungarn tiefen Eindruck hervorgerufen hab&n mussten. Aber siehe, anstatt uns die Bruderhand zu reichen, wiederholt „Eyyenlös^g" in seiner Nummer vom 6. April d. J. seine hämischen Invectiven, auf die ausführlich einzugehen es kaum die Mühe lohnt. Von seinen Machinationen sollen nur einige Punkte hervorgehoben werden. Der Egyenlös^ga frägt jetzt: „ W as ist Zionismus" und spricht von „künstlich erzeugter Verwirrung*! Aber wer hat denn.diese künstlich erzeugt? Kein anderer, als das Sprachrohr der Geldoptimaten und Blutverleugnei mit seiner würdigen Cohorte. Un s liess er nicht zu Worte kommen, auch wenn er dreiste Lügen als angebliche Thatsachen gegen uns auffahren liess, nachdem das ungarische Pressgesetz — nur für ritterlich gesinnte Leute berechnet — eine bedauerliche Lücke enthält. Jüngst sendete ich ihm eine kurze Thatsachen- Berichtigung in ruhigem und höflichem Tone. Stat dieselbe in seinem Blatte abzudrucken, sendete er mir einen impertinenten Privatbrief. Als ich hierauf meine erwähnte Berichtigung in der „Ungarischen Wochenschrift" veröffentlichte, replieierte „Egyenlösög" mit der Veiöffentlichung — seines an mich gerichteten (aber nach seinem Belieben abgekürzten) Privatbriefes (!!) mit dem Vorwurfstitel : „Was Herr Dr. Rönai verschwiegen (!!) hat" —- und höhnte, ich wäre „dadurch genügend charakterisiert, dass ich bei der „Ungarischen Wochenschrift* Zuflucht suchte"! . Auch unsere Pressburger Thesen vertuscht er heimtückisch, womit er wieder bekundet, dass es ihm vor der endlich aufdämmernde ja Urtheils f ähigk eit seiner eigenenLeser bange wird. Uns vermist er sich, „Agenten" und „obscüre* Leute zu nennen, was nach seinem bekannten Jargon besagen will, wir wären für unsere zionistische Thätigkeit besoldete und sonst geringwertige Leute. Nun," jeder von uns hat seine ganze Lebenszeit mit rastloser Arbeit ausgefüllt, durch ehrliche Leistungen es im Geschäfts¬ oder Amtsleben zu achtbarer Stellungen gebracht, in derselben ohne schmarotzende Kriecherei die Wertschätzung und Achtung von Juden und Christen erworben; mancher von uns hat sich in der betreffenden Fachliteratur einen Namen erworben, und alle haben wir viele Zeit, Kränkungen, Mühe und Geld auf dem Altäre der Zions-Llee und Volks hilf e geopfert, ohne den geringsten persönlichen Vortheil gesucht zu haben. Aber „Egyenlösäg" behauptet, dass auch in allen übrigen Ländern sich die Zionisten aus Narren und obscuren Leuten recrutieren. Dabei wagt er es noch, uns „Mischehen" vorzuwerfen und sien als Hort der Stammesreinheit zu gerieren! Seine Intentionen sind verworren und ist er nur darüber im klaren, dass jener Rabbiner der eloquenteste Redner ist, dessen Gemeinde die meisten Abonnenten liefert. Dass die Methode der Assimilanten von Budapest, Arad und als neueste Uebergipfelung Szabadkazu Massentaufen und wahnwitzigen Ausschreitungen führt, wird verschwiegen. Nachdem die öffentliche Meinung sich immer mehr für uns erwärmt, beginnt „Egyenlöseg" uns Concurrenz zu machen, declariert sich — nach einer gewissenlosen Verdächtigung derColonialbank — als Philanthropen Zionisten und behauptet, der politische Zionismus halte sich bei vorkommenden Katastrophen ferne von jeder Hilfsaction und verspreche im günstigsten Falle n ur d en U renkeln zu helfen. Das Korteschmittel der uns anged i c h t e t'en Abstinenz von Hilfsact ionen habe ich vor einigen Wochen in der „Ungarischen Wochenschrift" zur Genüge entlarvt. Was die Zeit d^r einschlagenden Wirksamkeit des politischen Zionismus betrifft, wiederholen wir die Worte Dr. Herzls: „Wir sind fertig, Seid aber Ihr fertig?!"1' Man biete uns genügende Mittel, uud die Erlösung (oder Lösung) — ist schon morgen da, o Dem „Egyenlöseg" genügt es nicht, dass wir uns in Ungarn vor einer Nationalitätenpolitik verschliessen und uns ganz als Ungarn bekennen, sondern er verwahrt sich auchdagegen, dass dieinPalästin a(!) anzusiedelnden Juden einen lebensfähigen Organismus, also eine Nation, ein Volk bilden sollen. Unter einem Athem wirft er die scheinheilig-bange Frage auf: Ob es kein ,neues Unglück sein werde, aus von verschiedenen Gegenden zusammengesparten, aieinanier nicht gewöhnten, einander nicht verstehenden Juden ein Gemeinwesen herzustellen?" So sehen unsere Widersacher aus! „Gebete für Zion — eine Gotteslästerung." In einer der letzten Repräsentanten-Sitzungen der jüdischen Gemeinde von Berlin hat der Kep i äsentant Professor Dr. Ludwig Geier er sich herausgenommen (unter Bezugnahme auf eine Aeusserung seinesVaters, des bekannten Refurmrabbiiiei s), das Gebet für Zion eine (3 o 11 e s 1 ä s t erung zu nennen. Diese Worte haben in allen jenen Kreisen der Berliner Judenschaft, welche noch einen Funken jüdischen Gefühles sich bewahrt haben, lebhafte Erregung hervorgerufen; insbesondere fühlten sich die Orthodoxen in ihren heiligsten Gefühlen verletzt. Die „Berliner zionistische Vereinigung" hat zur Besprechung des Vorfalles eine Volksversammlung einberufen, über deren Verlauf der Bericht des nicht-zionistischen Posener Wochenblattes „J e s c h u r u n* in der Nummer vom 18. d. M. ein Bild geben möge: „Wie fast immer, war es auch diesmal der Zionismus, der zuerst auf dem Kampfplatze erschien und die Plattform schuf, von welcher aus man gegen diese Ausführungen Protest erhob. Herr Rabbiner Dr. Nobel (Marburg) hatte das Referat übernommen zu einer auf Donnerstag den 10. d.M. im Saale des Berliner Handwerker-Vereines einberufenen VersMnmlung mit dem Thema: „Gebete für Zion — eine Gotteslästerung.'4 Genannter Herr war jedoch plötzlich verhindert, und statt seiner übernahm das Referat sein Vater, Herr Rabbiner Nobel aus Halberstadt. Man denke, der Zionismus, welchen ein Blatt, wie der ,j Israelit", als eine andere Art der Ju'ienmission glaubt d^nuncieren zu dürfen, derselbe Zionismus bedient sich zu einem Referate eines Nicht-Zionisten, eines alten ehrwürdigen Rabbuers streng traditioneller Gesinnung, der ausdrücklich erklärt, nicht Zionist zu sein, und doch gerne in einer von Zionisten einberufenen Versammlung spreche. Herr Rechtsanwalt Dr. Han dtke eröffnete die Versammlung und erklärte, dass es nicht die Absicht der Zionisten sei, an dem betreffenden Abend eine Agitationsversammiungfür den politischen Zionismus einzuberufen, die Zionisten wollten nur ihr Versprechen einlösen, Antheil zu nehmen an dem öffentlichen Leben der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Der Anlass sei jetzt gegeben, und sie ständen auf ihrem P»atze. Herr Rabbiner Nobel erhielt nunmehr das Wort. Ein Bericht über eine solche Rede ist ein sehr schweres Ding, denn jpdes Wort dieser mit ausserordentlicher Begeisterung und tiefinnerer Ueberzeugung vorgetragenen geistreichen Ausführungen verdient erwähnt zu werden. Der jngendfrische Geist des schon im hohen Alter stehenden Redners war wirklich vorbildlich für uns Jü« gere. Der Redner führt« ans, dass er al<? orthoiox'r Rabbiner sich für verpflichtet hielt, auf den Ruf zu hören; denn es gelte, dem jüdischen Gebete seine ideale Seele zu erhalten. Der Redner skizzierte dann die Worte des Herrn Professors Gei ger und wies hin auf das Wort, dass in Zion Israels Gott throne, und in Israel throne Zion, und nun kärwe ein Mann, wie Professor Geiger, und nenne das, was wir jahrtausendelang beteten und noch heute beten, „Gottesläste-