Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1902-04-11 · 15 (11.4.1902) · p. 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
15 (11.4.1902)
Article
Wien
Date
1902-04-11
Page
10 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3315959-3315975--31576-3320192
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 10 „Die # Welt06 Nr. 15 Eine reiche Frucht versprechende Blüte hatte der Märzsturm geknickt. Aber aus dem Grabe der Hoffnung entspringt die Liebe. Ein Werk der VVohlthätigkeit soll den Namen Rosa Kollmann dauernd erhalten und der Welt verkünden. Nun recitierte wieder der treffliche Obercantor Schleifer: „Mnucho nchauno'\ Zum Schlüsse ergriff Fräulein B. H e r m a n n, jetzige Präsidentin der „Moria", das Wort, um ihre verstorbene Vorgängerin als Ideal eines jüdischen Mädchens zu preisen und namens der Vereinigung zu geloben, dass die „Moria" in den Bahnen, die Rosa Kollmann gewiesen, weiter wandeln werde. Der Schmerz der Freundinnen fand edlen Ausdruck durch die Worte der Sprecherin. Damit endete in weihevollster Weise die Ehrung, die die Wiener Zionisten einem verdienten Mitgliede erwiesen. Chicago. (Ein zi onistisches Massenmeeting) fand am 26. Februar d. J. in Chicago statt. Es sprachen L. Zolotkoff. Dr. Hirsch, A. Levinsohn und N. D. Kaplan. Die Versammlung fasste den Beschluss. einen speciellen Schekejfond zu gründen und ein Siebener-Comite zu schaffen, das der nächsten grösseren Versammlung an der Hand von genaueren Zahlen und Daten geeignete Vorschläge für eine Propaganda des Zionismus in den Vereinigten Staaten unterbreiten soll, Szagorsn (Gouv. Kowno). Der hiesige zionistische Verein ist bestrebt, neue Actien der jüdischen Colonialbank abzusetzen, wobei in kurzer Zeit 92 neue Actien subscribiert worden sind. Am Purim-Feste wurde der Schekel eingehoben. An jedem Sabbath wird Jüdische Geschichte und zionistische Literatur vorgetragen, woran sich Juden aller Klassen und Stände betheiligen. Horodack (Gouv. Grodno). Der zionistische Verein „Chowewe Zion" hielt vor kurzem seine General-Versammlung ab. S. Ch. R o b i n s k y referierte über die Fortschritte der Bewegung während des abgelaufenen Vierteljahres. M. Sch. Slutzky berichtete über die Thätigkeit des Comites während derselben Zeit. Aron Nawinsky gab den Cassabericht. A. N a w i n s k y berichtete über den Bestand der Share-Ciubs. Einige Mitglieder trugen zur Vergrösserung des Bibliotheks-Fonds bei. Es wurde beschlossen, einen Share-Clubfonds zu gründen. Der Delegierte auf dem fünften Congresse Herr M. Uriassohn hatte diesen Verein besucht und hielt in der Haupt-Synagoge eine Rede über die Beschlüsse und Verhandlungen des Congresses. Er erklärte die Wichtigkeit des Jüdischen Nationalfonds und forderte seine Zuhörer auf, diese wichtige Institution zu unterstützen. Berfin, den 5. März 1902. (Verein Jüdischer Studenten.) Im „Verein jüdischer Studenten" hielt am Dienstag d. 25. Februar Hut Prof. Dr. O. Warburg einen Vortrag über „Colonisatilion in Anatolien". Der Vortragende berichtete, dass im Gegensätze zu der Colonisation von Palästina und Argentinien, die 1878 resp. 1890 begonnen wurde, die von Anatolien .erst seit zwei Jahren betrieben werde. Er schilderte dann eingehend Land und Leute; Anatolien, das alte Klein-Asien, hat8.000.000 Einwohner und ist um die Hälfte grösser als Spanie*:. Seine Bevölkerung besteht aus eingeborenen Mohammedanern. Christen (Griechen und Armeniern) und den sogenannten Muhadjirs, Flüchtlingen aus den Balkanländern, den Tscherkessen vom Kaukasus, Kurden, Turkmenen und Tartaren. Die Bevölkerung vermehrt sich in sehr geringem Grade, da die Willkür der Beamten bei den Aushebungen die Bewohner oft veranlasst, ledig zubleiben und ausserdem die Malaria und ansteckende Krankheiten sehr verbreitet sind. Dabei vermöge das Land, in seiner Fruchtbarkeit mitSpanien vergleichbar, mindestens 30,000.000 Menschen zu ernähren, überall könnte zum Beispiel Weizen gebaut werden. Indem der Referent dann auf die bisherigen Colonisationsversucbe einging, berichtete er, dass Chaskel Schwarz fS99 gelegentlich der Judennoth in Rumänien 140 Familien, denen vom Sultan 18000 Mark zu den notwendigsten Anschaffungen vorgeschossen wurden, nach Anatolien führte. Die Golder genügten natürlich nicht, und so suchte der Vortragende, der selber mehrmals in Anatolien weilte, die „Jewieh Coloniai Association" für die Sache zu gewinnen. Diese schickte einen Sachverständigen nach den Ansiedlungen, der günstige Berichte gab. Doch das Fieber raffte viele Colonisten hinweg, so dass man die Coionien bis auf drei eingehen lassen musste. In diesen arbeiten 500 Menschen, und es herrscht dort reges Leben. Der Vortragende legte dann einen Plan und die Möglichkeit einer zukünftigen systematischen Colonisation Anatoliens dar: Es sollen junge Leute, welche die nöthigen Aufwendungen aus eigener Tasche bestreiten können, die Landwirtschaft dort erlprnen und sich dann aus ihrer Heimat Frauen holen. Die Terrains werden von der türkischen Regierung gerne abgegeben. Die Kosten der Colonisation sind geringer als irgendwo; während diese für Palästina 12.000 Mark, für Cypern 8—10.000 Mark betragen, stellen sie sich in Anatolien für eine Familie von 5 Köpfen auf 2500 Mark. Wenn man tüchtige Leute hinsendet, könne man hier eine Colonisation grossen Stils betreiben." Banjaluka (Bosnien), Anlässlich des Purim-^Festes fand hier eine gesellige Zusammenkunft statt, und zwar am 22. März in der Restauration der k. und k. Militärbahn. Redner : Herr Bankbeamter N. Rosenzweig. Im unterhaltenden Theile: Recitation: „Beruria" von Berthold Feiwel, durch Herrn M. Herzog. Gesang: Die Damen Herzler, Herzog, Salzberge r, deutsche, ungarische und spanische Lieder; Herr Rosenzweig und Fräulein Mandel sangen zwei hübsche Lieder im Jargon. Der Abend schloss mit einem sehr animierten Kränzchen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch des Nationalfonds gedacht und eine beträchtliche Summe gesammelt. W. N. R. Troppau. Am 29. März hielt der zionistische Verein „Jeschurun'-,. seine Generalversammlung ab. Der Obmann Herr Weinreb erstatteie Bericht über die Thätigkeit des Vereines im verflossenen Jahre, aus dem der Schekel und Actienverkauf, sowie die eifrige Sammlung für den Nationalfonds besonders hervorzuheben ist. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Obmann : Herr Weinreb, Obmannstellvertreter Herr Fritz Ekstein, Schriftführer Herr Ernst Ekstein, Cassier Herr G r ü n h u t, in den Ausschluss die Herren Spiegel, Friedetzki, Sehneeweiss, Schwarz, Guttmann und Cierer. Der monatliche Beitrag wurde um 10 Heller erhöht und es wird dieser Ueberschuss als Parteisteuer betrachtet. Mit ^er Abhaltung eines Sederabends wurde der Ausschuss beitragt Genf. (P u r i m f e i e r.) Am 25. März feierte die zionistische Ortsgruppe G en f in den Räumen des „CircleIsraelite" ihre Purim-Feier. Der festlich geschmückte Saal war von einem zahlreichen Publicum gefüllt, als der Präsident, Herr Dr. D. Pasmanik, die Versammlung begrüsste und dem Festredner des Abends Herrn Dr. phil. Zemach Rabbiner das Wort ertheilte zu seinem Vortrage über „die Uneinigkeit im jüdischen Volke in ihren mannigfachenErscheinunge n". In schöner Begeisterung, die sich dem gespannt lauschenden Publicum mittheilte, s-chloss der Redner: „Der Zionismus hat die Zerstreuten gesammelt, die Wankelmüthigen gefestigt, die Verzagten aufgerüttelt, den an ihrem Volke Verzweifelnden neuen Muth eingeflösst und alle Juden vor Aufgaben gestellt, durch deren Erfüllung sie sich und ihr ganzes Volk gross und glücklich machen werden." Rauschender Beifall lohnte den Redner. Nun trat die heitere Purim-Stimmung in ihre Rechte. Musikalische Vorträge wechselten ab mit declamatorisehen, um deren schönes Gelingen sich besonders Frau Dr. Pasmanik, Frl. Pewsiner und einige Herren der Berner „Kadimah", stud. Blumberg und stud.Kraus, Verdienste erwarben. Erst in früher Morgenstunde endete das Fest, das ein reiches Ergebnis für den Nationalfonds hatte. J. F. G. Linkowo (Gouv. Kowno). Am Purim-Abende, nach Vorlesung der Megillah, haben sich hier 60 zionistische Damen zu einem Commers im Hause des Kaufmannes Herrn Jacob Lifschitz versammelt. Der Secretär des zionistischen Vereines HerrM olk verlas ein Referat, worauf zionistische Lieder im Chor vorgetragen wurden. Zuletzt wurde eine Ansprache über die Bedeutung des Purim-Festes und über den Zionismus gehalten. Die nächste General-Versammlung des zionistischen Mädchen- und Frauenvereines wird am Chol Hamoed Pessach stattfinden. Berlin. Wir werden gebeten, noch einmal darauf hinzuweisen, dass Herr Dr. E. Lescynsky, Berlin, Bayreutherstrasse 36, bereit ist, jede gewünschte Auskunft über die neue zionistische Studentenvereinigung „H a sm o n a e a" zu geben. — Die Berliner Zionistische Vereinigung macht bekannt, dass an jedem Abend sich Mitglieder im „Cafe Monopo 1", Friedrichstrasse, befinden. Auswärtige, sich auf der Durchreise in Berlin befindende Gesinnungsgenossen werden ersucht, hiervon Kenntnis zu nehmen. Bielitz. (Vortragsabend.) Dank dem. liebenswürdigen Entgegenkommen von Seiten Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Thon aus Krakau, haben wir hier wieder einen Sieg zu verzeichnen, und zwar weil es ein Rabbiner war, der unsere Volkssache mit überzeugenden und zündenden Worten vertrat, nachdem wir bisnun gewohnt waren, unseren hiesigen Seelsorger gegen den Zionismus sprechen zu hören. Mit einer sehr belehrenden Einleitung über den Zionismus, behandelte Herr Dr.Th o n

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.