Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 15 (11.4.1902)
- Article
- Jüdische Familienbibliothek [Rezension]
- Date
- 1902-04-11
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Jfr. 15 *Die 2** Welt66 Seite 9 Wir glauben, dass auch solche Werke zahlreiche und dankbare Leser unter den russischen Juden finden würden. „Die neujüdische Literatur des XIX. Jahrhunderts". Von J. ~K l au sD e r, St. Petersburg 1900. Dieses kleine Buch (100 Seiten stark) wird denjenigen Lesern einen sehr schätzbaren Dienst leisten, aenen die Möglichkeit nicht geboten ist, sich mit der hebräischen Literatur in der Urschrift vertraut zu machen. Diesen bietet das Buch eine zwar kurzgefasste, aber doch genaue Schilderung der hebräischen Literatur des XIX. Jahrhunderts. Herr Klausner spricht übrigens in diesem Werke von seiner Absicht, eine ausführlichere Schrift über dasselbe Thema in hebräischer Sprache herauszugeben. Wir wollen noch einige Worte über das 4. und 5. Heft der „Berichte über den fünften Congress" (früher „Nachrichten vom fünften Congress'*), herausgegeben von Dr. Schlaposchnikow (Verlag „ Ulej" in Charkow), sagen. Wie wir schon einmal bemerkten, zeichnen sich diese Congressberichte durch ihre besondere Genauigkeit und Ausführlichkeit aus, wofür dem geehrten Gessinnungsgenossen alle diejenigen Zionisten Dank wissen werden, die keine Gelegenheit hatten, dem Congresse beizuwohnen. Sie werden aus diesen Berichten vieles erfahren, was in den Gongressberichten der russischen Presse nicht enthalten war. Wie wir erfahren, hat der Verlag mit sehr ungünstigen Verhältnissen zu kämpfen, wodurch einige formale Mängel sich erklären Hessen. Uebrigens sind in den letzten zwei Lieferungen diese Mängel fast gänzlich beseitigt J. Seh orr. Der Verlag „Ulej" in Charkow unternimmt die Herausgabe von „Skizzen aus der zionistischen BewegungDio„Skizzen" werden unter der Redaction des Gesinnungsgenossen Dr. Schljaposchnikow in einzeln en Lieferungen erscheinen. Preis jeder Lieferung 10 Kopeken. Die Oster-Nummer des Londoner „Pall Mall Magazine" bringt eine prächtige zionistische Novelle von Israel Zangwill, betitelt „Das Modell des Kummers". Hus dei) \)ereit)ei). Die zionistischen Studenten in Rumänien, Die zionistische Bewegung, welche in letzter Zeit in fast allen Ländern Europas eine grosse Ausdehnung genommen, hat auch die jüdischen Studenten in Rumänien ergriffen, und das Interesse, welches dieselben dem Zionismus entgegenbringen, wird viel zur Ausbreitung desselben in Rumänien beitragen. Von dem Wunsche beseelt, dass die jüdische Geschichte und Literatur nicht ganz in Vergessenheit gerathe, haben die jüdischen Studenten in Bukarest eine Vereinigung unter dem Namen „Studentische Associatio n" gebildet, deren Zweck in erster Reihe die Abhaltung von Versammlungen behufs Discussionen über die jüdische Geschichte und Literatur ist. Diese Zusammenkünfte finden regelmässig jeden Samstag-Abend im Locale der „Jacob und Caroline Löbel'schen Schule" statt, welche grösstentheils von den Studenten, aber auch von vielen Nicht-Studenten besucht werden. Gelegentlich der Anwesenheit des Herrn H. Rosenbaum, ehemaligen Directors der Colonialbank, wurde nach genommener Rücksprache mit demselben beschlossen, vom 23. April d. J. angefangen ein eigenes Local zu mieten, und hat derselbe in liebenswürdiger Weise die Mittel hierzu zur Verfügung gestellt. Um der zionistischen Bewegung noch weiter dienen zu können, haben circa zehn Studenten aus dem Kreise der Association beschlossen direct an der Bewegung theilzunehmen, wiewohl ihnen dies von anderer Seite Unannehmlichkeiten zuziehen könnte, und haben eine Zweigvereinigung unter dem Namen „Kreis der zionistischen Studenten Kadimah" gebildet. Neben den zionistischen Zusammenkünften, welche diese Zweigvereinigung aus eigener Initiative organisiert, verfolgt dieselbe den Zweck, sämmtlichen zionistischen Sectionen sowohl in B u k a r e s t als auch in der Provinz, auf deren Verlangen aus ihrem Kreise zu jeder Zeit Redner zur Verfügung zu stellen. Anlässlich des Purimfestes hat von Seiten der Vereinigung „KadimahB am 2./15. März im Theatersaale Jignitza eine zionistische Versammlung stattgefunden, der circa 500 Personen aus allen Ständen beiwohnten. Es sprachen die Herren: J. Kann er, Grünberg Galian, Solomon Baruch und Leon Grill. Dann folgte eine sehr animierte Discussion. Aus Anlassdes Purim wurde von der „Kadimah" auch eine reichhaltige, sehr hübsch ausgestattete Festzeitung herausgegeben. T. G. Voranzeigen. Wien. (E i n j u n g j ü d i s c h e r A b e n d.) Samstag den 19. April findet im Bösendorfer-Saale, I., Herrengasse, ein Jungjüdischer Abend statt. Aus dem Programme heben wir hervor: I. Morris Rosenfeld, der Dichter des Ghetto. Conference : Herr Martin B u b e r. Recitation : Herr Hofschauspieler Conrad Loewe. II. Die neuhebräische Dichtung. Recitation: * # * Syrisch-palästinensische Weisen: Hofopernsängerin Fräulein Selma Kurz. III. Das jüdische Volkslied. Gesang: Herr Opernsänger Josef Scnwarz. Musik: Herr Lucian Horwitz, Mitglied der Berliner Philharmoniker (Cello), Herr Leo Fiedler (Geige).— Beginn 8 Uhr. — Karten ä 10, 6, 4 und 2 Kronen sind an der Abendcassa zu haben. — Der Reinertägnis de,s Abends ist jüdisch-culturellen Zwecken gewidmet. Wien. (Jüdischer Verein jugendlicher Arbeiter.) Sonntag den 13. April 4 Uhr nachmittags in Ullmanns Restauration, IL, Malzgasse 2, grosse Versammlung der jüdischen jugendlichen Arbeiter. Tagesordnung: Warum organisiert sich die jüdische Jugend? Wien. Im literarischen GeselHgkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" wird Sonntag den 13. d. M. Herr Doctor J. S a d g e r einen Vortrag über das Thema „Der Vortragende und sein Publicum" halten. Beginn präcise 3V2 Uhr nachmittags im Religionssaale der israelitischen Cuitusgemeinde, L, Seitenstettengasse 2, IL Stock. Gäste, Damen, herzlich willkommen. Köln. Laut Beschluss des Central-Comites findet der diesjährige Delegiertentag der deutschen Zionisten am 19. und 20. Mai in Mannheim statt. Tagesordnung: 1. Neuorganisatioo, Referent Herr Dr. Gronemann; Correferent Herr Dr. Ad. Friedemann. 2. Fractionsfrage, Referent Herr Dr. Klee; Correferent Herr Doctor Bodenheime r. 3. Gegenwartsfrage, Referent Herr Dr. Alfr. Elias; Correferent Herr Dr. Jul. Moses, Mannheim. 4, Cassenbericht, Referent Herr Gustav Wolff. Berlin. (Berliner Zionistische Vereinigung.) Am 12. April wird Dr. Friedemann-Wiesbaden in Köln, am 13. April Dr. Klee-Berlin in Prenzlau, am 14. April Dr. Moses-Mannheim in Berlin über unsere Bewegung sprechen. Berichte. Wien. (Grabsteinsetzung für Rosa Kollmann.) Ein Jahr ist vorüber, dass den österreichischen Zionisten Rosa K o 11 m a n n, die gewesene Vicepräsidentin des Mädchen Vereines „Moria" durch einen plötzlichen Tod entrissen wurde. Am 6. April wurde der Stein gesetzt, der die Stätte bezeichnet, wo die irdischen Ueberreste der Verstorbenen ruhen. Neben den trauernden Verwandten fanden sich zur Feier des Tages ein: Herr Architekt Mar- _ morek für das Actions-Comite, die Leitung des österreichischen Landes-Comites, die Mitglieder der „Moria", Frau Dr. Kahn, Dr. J. W. Marmorek und Delegierte vieler zionistischer Vereine Wiens. Herr Obercantor Jacob Schleifer executierte in seiner glänzenden Weise, begleitet von einem Männerc[uartett, das „Schiwisi". Dann ergriff der Obmann des österreichischen L.-C, Doctor Krenberger das Wort. Erinnernd an die beiden griechischen Jünglinge, die, nachdem sie ihre Mutter in den Tempel gezogen, dort nach dem Gebete der Mutter, dass ihren Söhnen das Beste zutheil werde, entschliefen, pries er auch das Ende unserer Rosa Kollmann, die nach den schönen Olmützer Tagen ohne Kampf entschlummert war. Uns Zionisten ergriff aber jäher, gewaltiger Schmerz, denn eine grosse Hoffnung war uns mit Rosa Kollmann genommen.