Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 15 (11.4.1902)
- Article
- Die ersten Zugvögel
- Date
- 1902-04-11
- Page
- 7 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 15 „Die # Welt98 Seite 7 ftMt-SbroQiH. Die ersten Zugvögel. Nicht von den ersten Schwalben wollen wir reden, die um diese Jahreszeit aus südlicheren Gegenden zu uns zurückkehren, sondern von den ersten jüdischen Auswanderern aus Rumänien. Vorige Woche traf eine Gruppe von 60 Emigranten aus der Moldau — Männer, Frauen und Kinder — in Wien ein — die erste in dieser Saison. Leider wird sie aller Voraussicht nach nicht die einzige bleiben. Selbstverständlich stehen die grossen jüdischen Wohlthätigkeits-Corporationen der zu erwartenden Massenemigration ebenso unvorbereitet und kopilos gegenüber, wie vor zwei Jahren. Eine tnteressante Reminiscenz. (Auszug aus einer Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" aus dem Jahre 1839). Leipzig, den 7. September 1839. Unser Correspondent in Alexandrien schreibt: „Sir Moses Montefiore (jüdischer Banquier in London) ist am 12. Juli aus Syrien hier eingetroffen. Er hat Mehemed Ali Vorschläge zur Errichtung einer hiesigen Bank mit einer Million Pfd. St. gemacht, vorausg es etzt, dass er dasLos der Juden er leichte rn wolle. Sir Moses Montefiore hat bereits eine grosse Strecke Landes in Palästina auf fünfzig Jahre gemietet und muntert seine Stamm- und Glanbensverwandten auf, Ägriculturisten im Lande ihrer Voreltern zu werden, wenn sein Bankproject zustande komme. Ich fürchte, sein Plan ist voreilig, doch mag er der Keim werden zu einem grossen und lange vorhergesagten Ereignis, das seinerzeit eintreten wird. Eine Million Capital würde nirgends von grösserer Bedeutung sein als in diesem Lande. Sir Moses trug bei seiner ersten Audienz bei Mehemed Ali seine volle Qalatracht als Sheriff von London." Ein Versuch. In Chicago wird gegenwärtig folgender Versuch gemacht: Im jüdischen Viertel dieser Stadt ist ein Haus gemietet und eingerichtet worden, zu dem Zwecke, den Wert der Reinlichkeit und der guten Haushaltung in einem lebenden Beispiele anzuführen. Mädchen aus den ärmsten Judenfamilien werden in dieses Haus aufgenommen und unterwiesen, wie sie auf den Markt zu gehen haben, wie sie ökonomisch und praktisch einkaufen sollen und die kärglichsten Mahlzeiten doch rein und schmackhaft zubereiten können. Im Zusammenhange damit lernen die Kinder alle Arbeiten des Haushaltes, alle Verpflichtungen einer Hausmutter kennen. Das Geld für dieses Experiment, dessen Idee von Mr. Bamburger, dem Director der jüdischen Erziehungs-Schule in Chicago herrührt, ist von Mrs. Levy Mayer zur Verfügung gestellt worden. Es wäre mit dem Gelingen dieses Versuches ein neues Feld für die jüdische Settlement-Arbeit eröffnet. Ein ständiges Jargon-Theater in London. Das Manor-Theater in Amhurst Road, Hackney, im East End von London ist von einem Syndicate zu dem Zwecke erworben worden, um ein ständiges Jargon-Theater darin einzurichten. Ende dieses Monates wird es eröffnet werden unter der Leitung von Mr. N. Rackow, bekannt als Autor des vielgespielten Jargon-Dramas „Dreyfus und Zola". Eine neue Ackerbauschule in Warschau. Demnächst wird in der Nähe von Warschau (im Dorfe Czenstonewo, Bezirk Grajezk, das einGrundbesitz des H. J.B e r n s o h n ist) eine jüdische Elementar-Ackerbauschule gegründet werden. Die Schule stellt sich zur Aufgabe, jüdischen Jünglingen elemen-* taren Unterricht in allen Zweigen des Ackerbaues, Gemüsebaues, der Bienenzucht und der Milchwirtschaft zu ertheilen. Im Unterrichte wird hauptsächlich auf das Pr akti s che Gewicht gelegt werden. Gleichzeitig werden sich die Schüler auch mit manchen in der Landwirtschaft anwendbaren Handwerken, wie Tischlerei, Schlosser-und Schmiedearbeiten zu befassen haben. Die Schule ist dem russischen Ackerbauministerium unterordnet. Ins Programm der Schule sind aufgenommen: Jüdische Religion, die russische und die polnische Sprache, Arithmetik, Schönschreiben, Naturgeschichte (Botanik, Zoologie), die Lehre über theoretische Landwirtschaft, Viehzucht und Gartenbau, specieller Unterricht in Bienenzucht, Gemüsebau und Milchwirtschaft Eine Preisausschreibung. Der Verein „I w r i a" in Grodno (Russland) schreibt eine Prämie von 25 Rubeln für eine kurz gefasste Skizzierung der Vorzüge der Berlitz- Methode im hebräischen Unterrichte (mnm rr^np) aus* Die Broschüre muss in der Form eines Aufrufes an die Lehrer verfasst sein. Der Schlusstermin für Einsendungen ist der 1. (14.) Juni 1902. Adresse: B. Jaffe in Grodno. Lord Beaconsfields letzte Augenblicke. Die Wiederkehr des Primelntages, an welchem das conservative England allerorten die Erinnerung an den grossen und erfolgreichen englischen Staatsmann Lord Beaconsfield feiert, gibt der angesehenen Zeitung „Manchester Guardian" Veranlassung, auf das Verhalten desselben auf dem Todtenbette zurückzukommen. Lord Beaconsfield war bekanntlich jüdischer Abstammung — er hiess vor seiner Nobilitierung Benjamin D i s r a eli — und zeitlebens stolz auf dieselbe. Berühmt ist die Gloriflcierung des Judenthums in seiner Beschreibung des Lebens des Lörd George Bentinck. Der „Manchester Guardian" behauptet nun, Lord Beaconsfield habe sich frei und decidiert zum jüdischen Glauben bekannt, und habe zum Zwecke der Ablegung dieses Bekenntnisses den damaligen Sir Nathaniel, jetzigen Lord Rothschild, seinen intimen Freund, herbeirufen lassen. Das „Schema Isroel" seien Lord Beaconsfields letzte Worte gewesen. Bücher und Zeitschriften-Rundschau. Büchereinlauf, ♦nKb$p$D o thp »win rwbrc .d» ♦nr#n ^öd ♦s-D-in rw iranan (Sefer Haschanah. Literarisches Jahrbuch. III, Jahrgang. Herausgegeben von N. S o k o l o w. Warschau, 1902.) ♦ pn ,tik D^n ,wn «psan man« mabso tbisb ♦Ktnn iranan Lesbaseilles : Die Wunder der nordischen Länder. Hebräisch von Ch. A. Chasan. Warschau, 1901.) pnr ntopin mann *ni^yüb}pr\ msvatn ma^ir bv ♦ rrtnn iranKTi ♦nr-iön rvnapb rronb npnpa ♦a^va sjdv p (Ueber die culturellen Bestrebungen des Zionismus. Eeferat des Dr. J. Tu bim, erstattet in der Versammlung der Zionisten des St. Petersburger Rayons. Aus dem Russischen ins Hebräische übersetzt vom Referenten. Warschau, 1902.) ♦rrtnn aip-itare ♦d^P'td?pv b*nw n*ö -iisd ♦rutHn nn (Ein neuer Geist. Roman von Israel Josef Sirkis. Petrikau, 1901) nmi ♦jns&m bww* n«b ♦•»on-nap d^ö nsc ♦renn ««nan /'Spam, ri (Hebräisch-russisches Taschenwörterbuch. Von Israel H o mberg. Verlag „Achiasaf", Warschau, 1902.) ♦ptwn pbn ♦oyn-ina nKön^öWb paip ♦D,ahn nttna bv ♦wsnKTo "siDtrna,, mann ♦isnarr ^ts rüpinöi nnaiö nw mni-iö ♦ ä"D^n yb^ (Am Scheidewege. Gesammelte Schriften von Achad- Haam. Zweite Auflage, Band I. Verlag „Achiasaf, Warschau. Berlin, 1902.)