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Die Welt · 1902-04-11 · 15 (11.4.1902) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
15 (11.4.1902)
Article
Deutsche Unternehmungen in Palästina
Date
1902-04-11
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 Pte s£ Weltp Nr. 15 bloss für Deutschland,^als den Förderer und Durchführer desselben und für das türkische Reich, sondern für die ganze Weit. Es ist der grösste Handels- und Civilisationsfactor. der in diesen Gegenden eingeführt werden kann und wird die reichen Territorien erschliessen, welche das alte Mesopotamien gebildet haben. Ausser für den Handel wird aber auch für Forseher und Touristen ein Land erschlossen, das wegen der grossen Kosten und der Unsicherheit desReisens für sie bisher factisch unerreichbar war. Die grosse Ebene des Hauran — die Kornkammer Syriens — bildet das Hinterland von Palästina. Es wird -behauptet, dass die Bahn von Beyrut nach Damaskus sich in finanziellen Nöthen befindet. Ein Jahr früher hat der deutsche Consul in Damaskus in einem Berichte an seine Regierang seine Landsleute aufgefordert, nicht nur diese Bahn,sondern auch die unvollendeteStreckeHaiffa—Damaskus zu kaufen. Würde Deutschland diese Linie erwerben und sie mit der Bahn von Damaskus aus mit einigen Punkten der projectierten Bagdad-Route verbinden, so würde es den Handel von Palästina und Kleinasien damit quasi monopolisieren. Der Handel von Palästina ist heute schon nicht unbedeutend. Die Landesprodncte sind Weizen, Gerste, Orangen, Oel, Wein, Feigen, Aepfel, Pfirsiche, Birnen, Granatäpfel, Aprikosen, Citronen, Mandeln, Gurken, Salat, Zwiebel, wilde Artischoken und Spargeln, Trüffeln, Tabak, Sesam und Seide, während Paradeisäpfel und Vegetabilien von deutschen und französischen Colonisten eingeführt werden." f>i*ibcii)e. Stellenvermittlung. Eine Anregung von Dr. Alois Fischer. Es ist eine allgemein bekannte Thatsache, dass wir Juden ein ungemein starkes Geistesproletariat besitzen. Viele jüdische Aerzte, Juristen, Ingenieure, Chemiker sind genöthigt, trotz vorzüglicher theoretischer Ausbildung, trotz anerkannter Tüchtigkeit, infolge Mangels an jedweder Verbindung jahrelang ohne Beschäftigung oder in Stellungen, die ihren Kenntnissen und berechtigten Anforderungen absolut nicht entsprechen, zu leben. Die meisten politischen Parteien sind in der Lage, Anhängern, die sich Verdienste um. die Partei erworben haben oder nur als verlässliche Parteigänger bekannt sind, oft mit fetten Pfründen, jedenfalls aber mit den ihren Kenntnissen und Fähigkeiten entsprechenden Stellungen auszustatten. In deutschen Couleurs genügt gewöhnlich die blosse Zugehörigkeit zur Verbindung, dass der absolvierte Hochschüler unter Zuhilfenahme der weitgehenden Verbindungen der zahlreichen alten Herren mit Leichtigkeit den Weg in die Praxis findet und so eines furchtbar schweren und aufreibenden Kampfes enthoben wird. Ist dem jungen deutschnationalen oder clericalen Studenten seine Zugehörigkeit zur Partei ein Hebel für sein weiteres Fortkommen, so wird dem jüdischen Studenten sein unerschrockenes Hervorkehren des jüdischen Elementes oft ein Ballast, der ihm sein Unterkommen in der Praxis sehr erschwert, oft unmöglich macht. Es kann uns daher nicht wundernehmen, wenn egoistisch denkende junge Leute sich einer Partei fernhalten, deren Zugehörigkeit unter Umständen zu einem Hemmschuh für ihre künftige Entwicklung werden könnte. Streber gibt es überall, doch sind Streber nicht die schlechtesten Parteigänger. Mit geringer Mühe und ohne Geldaufwand Hessen sich diese misslichen Verhältnisse, wenn auch nicht vollständig aus dem Wege räumen, so doch in gewissem Masse mildern. Der Zionismus hat Anhänger in aller Herren Ländern. Hier ist das Augenmerk weniger auf unsere numerische Stärke, als auf die örtliche Ausbreitung zu richten. Unter den momentanen Verhältnissen könnte uns in diesem einen Punkte die Diaspora zum Segen werden. Wir zählen Männer von Namen und Bedeutung mit weitgehenden Verbindungen zu unseren Anhängern, Männer, die ihr Herz dem jüdischen Volke im allgemeinen, den Zionisten im besonderen gewiss nicht verschliessen. Wenn nun der Ingenieur, der Chemiker, der Arzt in England, Amerika, Australien u. s. w. in gewissen Zeiträumen einen kurzen Bericht an die Centralstellen in Wien, in Russland etc. senden würde, in welchem er mit dem Verständnisse des Fachmannes und der Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe des Zionisten über,■ die .Verhältnisse und Bedürfnisse seiner Branche referiert, wenn zum Beispiel der Elektrotechniker in Manchester schriebe: „Bei uns grosser industrieller Aufschwung, tüchtige Elektrotechniker gesucht, glaube in der Lage zu sein, mehrere junge Leute unterbringen zu können", und so mutatis mutandis, welch unbezahlbarer Dienst würde hierdurch dem absolvierten Hochschüler geleistet? Mit Leichtigkeit könnte der unternehmungslustige junge Mann den Fleck der Erde ausfindig machen, wo er seine Kenntnisse am vortheilhaftesten verwerten kann. Noch mehr! Die Centralstellen, respective die ihr nahestehenden Männer werden oft in der Lage sein, ein Gutachten über die jungen Leute abzugeben, und falls sie von der Integrität des Charakters und der Brauchbarkeit der Petenten überzeugt sind, dieselben mit Empfehlungen versehen, welche ihnen im Auslande bei eben diesen Parteigenossen eine freundliche Aufnahme und eine thatkräftige Hilfe bei der Schaffung einer Position verbürgen. Man schicke eine diesbezügliche Aufforderung an Parteigenossen, die in dieser Hinsicht in Betracht kommen, gebe einen Fragebogen bei, in dessen Rubriken alles Wissenswerte eingezeichnet werden soll, und lege dann die retournierten Referate an einzelnen Centralstellen zur Einsichtnahme für Parteigenossen nieder. * „Achtung, jüdische Arbeiter und Angestellte.0 Samstag den VI. c. t. um 8 Uhr findet im Saale des Restaurant Herlinger, XIV., Schwendergasse 1, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung. I. Lage des jüdischen Proletariats. Referent: Gesinnungsgenosse Nathan Gross. IL Conditionslosen - Versicherung. Referent: Gesinnungsgenosse Alfred Weissberger. III. Discussion. Gesinnungsgenossen, seid rechtzeitig und vollzählig am Platze. Gäste aller Parteien herzlich willkommen. * An die ungarischen Zionisten! Der„Ahawath Zion"-Verein in Pressburg gibt hiermit bekannt, dass durch ihn Actien der Jüdischen Colonialbank in 2, 3, 4, 6 oder 12 Raten ohne irgendwelche Aufzahlung bezogen werden können. Anmeldungen, welchen 1 Krone als Angabe in Briefmarken beizulegen ist, wollen gefälligst an Herrn Max H a u s e r, Pressburg, Kapuzinerstrasse, gerichtet werden. * Die „Vereinigung zionistischer Hochschüler" veranstaltet Dienstag den 22. April in Löbls Restaurant, Schmalzhofgasse, einen Seder. Wir fordern alle Freunde und Bekannten auf, sich recht zahlreich bei dieser Veranstaltung, die durch Ansprachen, Vorträge altsynagogaler Gesänge und Recitationen besonders weihevoll gestaltet werden soll, einfinden zu wollen. Karten ä 3 Kronen sind zu haben im „Cafe Börse", „Cafe Jägerhof" und „Cafe Arcaden", sowie bei den einzelnen Ausschussmitgliedern. Anregung für den Nationalfond. Strassburg 21. März. Noch auf dem Congresse hat einer der Herren Delegierten darauf hingewiesen, dass die Jahrzeiten passende Momente sind, dem Nationalfonds Beiträge zu überweisen. Noch mehr aber eignen sich für diesen Zweck die Tage, an denen mötttt main stattfinden. Dieser Gebrauch, sich am Ausgange unserer echt nationalen Feiertage der Dahingeschiedenen zu erinnern, könnte eine reiche Quelle für unseren Nationalfonds werden. Die Reicheren können sogar durch Einzahlung von 10 Pfund Sterling das Andenken der verstorbenen Mitglieder ihrer Familie vereinigen. J. Junowitsch. Das goldene Buch. Section Basel-Zion in Botosani 10 Pfd. St. West Central Zionist Society in London 10 Pfd. St. Junimea Meseriasiton Sectia Dr. Th. Herzl in Bukarest 10 Pfd. St. * * Das Actions-Comite hat beschlossen, sämmtliche Briefe mit einer Marke des Nationalfonds zu versehen, und empfiehlt allen zionistischen Vereinen den gleichen Vorgang.

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