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Die Welt · 1902-04-04 · 14 (4.4.1902) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
14 (4.4.1902)
Article
Krakau
Date
1902-04-04
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 14 JMe s> Welt'* Seite 11 wissenschaftlicher Grundlage aufbauten, kam dann auf die Wohlfahrtseinrichtungen der Juden, wie auf die moderne Krankenpflege zu sprechen, an die heutzutage viel höhere Ansprüche gestellt würden und die durch die Heranziehung intelligenter Kräfte eine ungeahnte Vertiefung erfahren würde. Aus eigener praktischer Erfahrung schilderte sie den echt weiblichen vornehmen Beruf der Krankenschwester, mit dem überzeugenden Tone der Wahrheit erzählte sie Erlebtes und überliess es den Zuhörern, sich selbst ein Urtheil zu bilden, wie wichtig die Errichtung einer Pflegerinnenschule für jüdische Mädchen wäre, denen bei der heutigen Strömung so wenige Berufe offen stehen. Frau Dr. Weiss wies nach, dass die Errichtung der ersten jüdischen Pflegerinnen schule in Oesterreich nicht nur für Wien, sondern für das ganze Land, insbesondere aber für Galizien von Bedeutung wäre, denn hunderte von Mädchen, deren Kräfte jetzt brach liegen, könnten in der Krankenpflege Verwendung finden, die Gesundheitsverhältnisse durch die Entsendung von Armenpflegerinnen verbessert, überdies Filialen wie in Deutschland gegründet werden. Mit warmen Worten suchte die Vortragende das Vorurtheil, als ob Jüdinnen sich zur Krankenpflege nicht eignen, sich dieser Art praktischer Thätigkeit nicht gerne widmen würden, zu entkräften, indem sie darauf hinwies, dass sich bereits eine Anzahl achtbarer jüdischer Mädchen gemeldet habe, die mit Begeisterung an die Sache gehen und sich glücklich fühlen, einen so schönen, ihren Fähigkeiten und ihrem Bildungsgrade angemessenen Wirkungskreis finden zu können. Mit einem warmen Appell an die Anwesenden, ihren Worten aufopfernde Thaten folgen zu lassen und die erste jüdische Pflegerinnenschule in Oesterreich nach Kräften unterstützen zu wollen, schloss Frau Dr. Weiss ihren interessanten Vortrag, dem ein distinguiertes Auditorium anwohnte. Wien. (Einzelverein „Zio n-P rate rs t r a s s e") Am 5. März referierte Herr Alfred Weissberger über den jüdischen Nationalfonds. Die Zuhörer waren nach den ausführlichen Berichten des Referenten und nach den trefflichen Zusatzbemerkungen des Herrn Cultusvorstand Gewitsch sehr befriedigt und gaben durch lebhafte Betheiligung an der Sammlung ihrer Befriedigung Ausdruck. — Am 27. März fand abermals ein überaus gut besuchter Discussionsabend statt, an welchem Herr J. Beikind aus Palästina über „Palästina und dessen Colonien" in überaus treffender Weise sprach. Als zweiter Redner referierte Herr Dr. Egon Zweig: „Zur Kritik der Jüdischen Volkspartei". Redner warf der Partei ihr kleinliches, planloses, für die wahren Bedürfnisse und für die Zukunft des jüdischen Volkes ganz verständnisloses Wirken vor. Im Gegensatze hierzu arbeiten die Zionisten planmässig für Gegenwart und Zukunft. An der Jüdischen Volkspartei sei nur das Wort „Partei" berechtigt, denn sie sei weder jüdisch, noch wirke sie fürs Volk. An der darauf folgenden Discussion betheiligten sich die Herren Dr. P. Weisengrün, Hickl aus Brünn, Martin B u b er , Nathan Gross und Plaschkes. Auf die glänzendste Weise wurde Dr. Weisen grün von den Herren Martin B u b e r, Hickl und Gross widerlegt. Prag. (AkademischerVerein „B ar-K o chb a".) Der Verein veranstaltete einen jungjüdischen Abend mit sehr gutem Erfolge. Zuerst hielt stud. phil. Hugo Bergmann einen kurzen Vortrag über die Entwicklung und denTriumphzug der neuhebräischen und jung-jüdischen Poesie. Hierauf recitierte MUC. A.Löwy zwei Rosenfeld'sche Gedichte in der czechischen Uebertragung von Vrchlicky, nämlich ,Am Busen von Jam"und „Hamischpot". Ferner kam zum Vortrag durch stud. med. Georg Fischer „Der jüdische Maiu von M. Rosenfeld in der Uebertragung von Feiwel; „Aber die Sterne" von Frug, deutsch von Zlocisti; „Schatten" von Zlocisti und endlich „Tartarisches Liedvon Tschernichowsky, aus dem Hebräischen übertragen von stud. jur. Hugo Low. Nachdem noch jur. A. Weigl die Gedichte „Leih* mir Makkabis Arm" von O. Abeles und „Die Auswanderer" von H.Grünau vorgetragen, erhielt der Abend einen würdigen Abschluss durch die Vorlesung von Smolenskys „Urtheil der Leute" durch Georg Fischer. Eine Sammlung zugunsten des Nationalfondes hatte ein günstiges Resultat. L. Bukarest. Herr M. Schwarzfeld erstattete unlängst in der Synagoge seinen Bericht über den V. Baseler Congress. Die Versammlung war imposant. Zwei Stunden lang Hess Herr Schwarzfeld die hervorragenden Gestalten des Congresses, die Vorschläge und gefassten Beschlüsse Revue passieren. Es wurde dann für den Nationalfonds gesammelt. Todesfälle. A. S. Friedberg. Donnerstag den 20. März verschied in Warschau der bekannte hebräische Schriftsteller Abraham Salom Friedberg im Alter von 63 Jahren. Er war einer der bedeutendsten Vertreter des „älteren Courses^ in der hebräischen Literatur. Seine Schriften zeichnen sich durch biblische Reinheit des Stils und grosse Sprachgewandtheit aus. AlsPublicist — Friedberg war eine ZeitlangMitredacteurdes„Hameliz", später Mitarbeiter der „Hazefirah" und verschiedener Monats¬ und Jahresschriften — war er einer der ältesten und begeistertsten Wortführer des Zionismus und der Colonisation Palästinas und blieb diesen seinen Idealen bis an sein Lebensende treu. Als sein Hauptwerk gelten die „Denkwürdigkeiten des Hauses David*4 («rn rrnb mmrji)* Auch als Uebersetzer jüdisch-wissenschaftlicher Schriften aus dem Deutschen und Russischen hat Friedberg verdienstvoll gewirkt. Er schrieb ferner im Jargon eine ausgezeichnete Novelle „Familienpapiere" und zahlreiche kleinere Arbeiten. * Dr. S. Mandelkern. In Wien entschlief Ende der vorigen Woche ein zweiter Grosser der hebräischen Literatur, der Verfasser der biblischen Concordanz Dr. Salomon Mandelkern. Dieses grossaftige Werk inuss man studiert und mit den früheren Concordantien verglichen haben, um die imposanten philologischen Kenntnisse und den gewaltigen Sammelfleiss Mandelkerns würdigen zu können. „Wenn die hebräische Sprache vereinzelte Günstlinge hat" — sagt N. Sokolow von dem Verstorbenen —„denen sie ihre ganze verborgene Schönheit, ihre bestrickendsten Reize enthüllt hat, so war Mandelkern einer der Bevorzugtesten unter ihnen."Auch als Uebersetzer aus europäischen Sprachen, als Lyriker, Linguist und Kritiker war der Verstorbene von Bedeutung. * In Strassnitz in Mähren starb am 27. v. M. im Patriarchenalter von 83 Jahren Frau Marie Siebenschein, geb. Spitzer, die Mutter unseres Gesinnungsgenossen Herrn Max Siebenschein in Gaya. Däumerle und Bäumerle oder Die Zukunft. - Von Theodor Ilevzl. Tor der Stadt, wo jetzt Tillen wie lauter Schlösschen in grünen Gärten liegen, giong eines schönen Tages Däumerle mit Bäumerle spazieren. Damals, es sind an die dreissig Jahre her, waren dort Aeeker, welche nur das wechselnde Kleid der Jahreszeiten trugen. Däumerle und Bäiimerle — sie hiesscn eigentlich anders, aber für unsere Erzählung wird es genügen, wenn wir sie mit den Spitznamen benennen, die sie einst als Knaben erhielten. Nach einiger Zeit ist es ohnehin, gleichgiltig, wie sie oder auch wie wir geheissen haben. Die Jimgen in der Schule sehen oft schon den ganzen Alensehcn voraus, wenn sie einen Genossen mit seinen Eigenschaften hänseln. Es gehört im Grunde nicht viel dazu, in einem Kalbe den Ochsen zu errathen. Die Spottnamen Däumerle und Bäumerle hatten übrigens keine tiefere Bedeutung. Däumerle war kurz, ein richtiger daumenlanger Hans, und Bäumerle war mager, hochaufgeschossen, ein Stecken, der ein Baum werden will. Aus dieser Jugendzeit der beiden Bursche hat sieh die Geschichte erhalten, wie sie den damals noch ganz dunklen Erdtheil Afrika durchqueren wollten. Sie besassen zusammen zehn Gulden. Diesen Reisesehatz schieden sie in zwei gleiche Theile. Für die eine Hälfte wurden Glas-

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