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Die Welt · 1902-04-04 · 14 (4.4.1902) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
14 (4.4.1902)
Article
Hiob und Faust
Date
1902-04-04
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die Welt" Nr. 14 „Und Stürme brausen um die Wette, Vom Meer aufs Land, vom Land aufs Meer/ u. s, w., was auf die Beschreibung der göttlichen Kundgebung zu Elijah, dem Propheten, zurückzuführen ist: „. . . Und nach dem Erdbeben ein Feuer; aber Gott war nicht im Feuer; und nach dem Feuer eine ruhige, schwache Stimme." Die Frage, die der Herr dem Satan stellt: „Hast Du achtgegeben auf meinen Knecht Job?Ä wird von Goethe fast wiederholt: „Kennst Du den Faust, meinen Knecht?" Mephisto insbesondere citiert die Heilige Schrift gleich einem Theologie-Doctor. Freilich, die Lebensanschauungen und die Welten, die die beiden poetischen Meisterwerke darstellen, sind so fern voneinander wie die Pole. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Endlich die populäre Broschüre über den Zionismus! Der Zionismus. Von Dr. Max N o r d a u. Herausgegeben im Auftrage des österreichischen zionistischen Landescomites. Jüdischer Buch- und Kunstverlag. (Adresse: „Jüdische Volksstimme", Brünn, Krautmarkt 11.) Preis 20 Heller, exclusive Porto. Der Mangel einer Agitationsbroschüre, die in leichtfasslicher und dabei erschöpfender Darstellung das Wesen und die Bestrebungen des Zionismus behandeln würde, macht sich schon seit langer Zeit fühlbar und hat, wie den Lesern unseres Blattes erinnerlich sein dürfte, zur Ausschreibung eines Preises von Seiten der Redaction der ,,Welt" geführt Diese Preisausschreibung hat jedoch zu keinem Ergebnisse geführt. Mittlerweile erschien in einer von russischen Gelehrten und Künstlern zugunsten der hungersnothleidenden südrussischen Juden herausgebenen Sammelschrift eine Abhandlung Max Nord aus über den Zionismus, die den höchsten Ansprüchen, welche an eine volksthümliche zionistische Propagandaschrift gestellt werden können, Genüge leistet. Das österreichische Landescomite hat nun von Dr. N o r d a u die Autorisation erhalten, dass deutsche Original, welches der russischen Uebersetzung zugrunde lag, herauszugeben, und hat den neugegründeten „Jüdischen Buch- und Kunstverlag" in Brünn damit betraut. Dieser hat sich mit der N o r d a u'schen Broschüre, seiner ersten Verlagsschrift, recht vortheilhaft eingetührt. Das Heftchen präsentiert sich sehr hübsch, Druck und Papier sind gefällig und von guter Qualität. Die Uebersicht wird durch Marginalien erleichtert, die den Inhalt der einzelnen Absätze in kurzen Schlagworten angeben. Der geringe Preis der Flugschrift wird ihrer Verbreitung in den weitesten Kreisen förderlich sein. Möge ihr diese zutheii werden. * Die Vertrauensmänner von Elisabethgrad, Russland, haben beschlossen, eine „Zionistische Rundschau" in russischer Sprache unter der Redaction von W. J. Temkin und Dr. J. A. Stein herauszugeben. Die „Rundschau" soll zweimal monatlich zwei Bogen stark erscheinen. Programm : I. Artikel zur theoretischen Begründung des Zionismus (Originale und Uebersetzungen); IL Zionistische Chronik (russische und ausländische, und zwar: a) politische, b) culturelle, c) wirtschaftliche und d) gesellschaftliche); III. Jüdische Colonialbank; IV. National-Fonds; V. Palästinensische Chronik; VI. Berichte; VIL Bibliographie und Recensionen; VIII. Pro und contra; IX. Auszüge aus den Circulären der Vertrauensmänner; X. Briefkasten: Fragen und Antworten; XI. Verschiedenes. Preis jeder Lieferung 10 Kopeken. * Die „Riforma Sociale" in Turin, eine der vornehmsten socialpolitischen Revuen Italiens, bringt in ihrer letzten Nummer eine aus der Feder Angelo S u 11 a m's stammende umfangreiche Studie, betitelt „Die Rückker zum Mittelalter", welche sich :mit der Lage der rumänischen Juden und mit der neuesten rumänischen Gesetzgebungsthat befasst. Die Frage wird vom Standpunkte des Staats- und Völkerrechtes rein sachlich untersucht und das demselben und allen internationalen Verträgen, insbesondere dem Berliner Vertrage, ins Gesicht schlagende Verhalten der rumänischen Regierung beleuchtet. Ein schreckliches Bild rollt sich vor den Augen des Lesers auf. Der Artikel schliesst mit folgenden Worten: „Ich fürchte, dass die Rumänen die Wahrheit sagen, wenn sie versichern, dass Europa zu antisemitisch geworden ist, um zugunsten der rumänischen Juden zu intervenieren; und selbst wenn das nicht wahr wäre, werden die rumänischen Gesetzgeber Mittel und Wege finden, um die neuerlichen Verfolgungen der Juden vor Europa züU beschönigen. Es ist nicht leicht vorauszusagen, was sich dann ereignen wird, aber jedenfalls werden die Ereignisse schrecklich und furchtbar traurig sein. Zur Zeit der Emigration im Jahre. 1900 haben die Zionisten den israelitischen Wolthätigs vereinen den Vorwurf gemacht, dass sie keinen zweckmässigen und verlässlichen Auswanderungsplan für die unglücklichen Emigranten ausgearbeitet, und insbesondere, dass sie keinen Ort ausfindig gemacht hätten,in welchem die Flüchtlinge gut aufgenommen, wo sie sich sicher fühlen und ihre Arbeitswilligkeit bethätigen könnten. Das erstrebt der Zionismus. Ob das in naher oder fernerer Zukunft zu erreichen sein wird, werde ich ein andermal untersuchen. Vorläufig verfugt die zionistische Partei noch nicht über die Mittel und Wege zur Erreichung ihres Zieles, und fällt daher die Action zu Guusten der rumänischen Emigranten den Wohlthätigkeitsvereinen zu. Wir haben gesehen, wie dieselben im Jahre 1900 sich verhalten haben, indem sie nur eine beschränkte Zahl der Auswanderer weiterbeförderten, einen anderen Theil der Unglücklichen aber „repatriierten". Um die Lebensbedingungen der Hungerleider zu mildern, dachten sowohl die Zionisten wie auch die Wohlthätigkeitsvereine daran, einen Modus aufindig zu machen, um die furchtbare Concurrenz zu beseitigen, welche sich die Arbeiter selbst machen, und wollten Werks- und Arbeitsstätten gründen, in welchen exportfähige Industrien betrieben werden sollten. Aber das eben beschlossene Gewerbegesetz macht sogar diesen Ausweg unmöglich und zwingt, mit der Thatsache der Auswanderung dieser aufs Pflaster gesetzten Arbeiter zu rechnen. Aber wohin mit ihnen? Schon seit längerer Zeit befinden sich in London, Paris und Nord-Amerika hunderttausende jüdischer Proletarier, die aus Russland und Rumänien dorthin ausgewandert sind. Wie Solo weitschik nachgewiesen hat, gibt es in London keine anderen Arbeiter, welche unter ärgeren Bedingungen und um geringeren Lohn arbeiten, als die Juden. Paul Pottier erklärt das gleiche bezüglich der Pariser jüdischen Arbeiter, und endlich findet man die gleichen Zustände in New-York, wie die officiellen Berichte besagen. Aber selbst diese zweifelhaften Eldoradi können die neuen Auswanderer nicht mehr erpeichen. Die Vereinigten Staaten verschliessen sich immer mehr den Einwanderern; in England ist eine Bewegung zu gleichem Zwecke im Zuge. So befinden sich die rumänischen Juden in Verhältnissen, welche gleich oder schlimmer sind, als die ihrer Ahnen, als sie aus Spanien flohen und niemand sie aufnehmen wollte. Europa wird bald auf allen seinen Landstrassen des schrecklichen Anblickes dieser Unglücklichen, Männer und Greise, Frauen und Kinder, theilhaftig werden, die kein Ziel haben, nach dem sie wandern, und vergebens einen Ort suchen, wo sie ausruhen könnten. Niemand will sie sich nähern lassen; die Regierungen und Völker verjagen sie, und sie finden keine Ruhe als im Tode, während der alle diese Schrecknisse überlebende Theil immer tiefer und tiefer in den Abgrund der turbulenten socialen Schichten gerathen muss. Inzwischen wird Rumänien fortfahren, die Hungernden, Maltraitierfcen, Ausgestossenen zu verfolgen, so dass, wenn nicht eine sociale Veränderung und Besserung eintritt, woran ich nicht glaube — alle Juden in Rumänien bald verloren und vernichtet sein werden . . . . $V<is <ki) ^ereii)«>* Voranzeigen. Wien. (Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein, IL, Rembrandtstrasse 3.) Samstag den 5. April, 8 Uhr abends findet im Vereinslocal ein Vortrag über den II. österreichischen Zionistentag in Bielitz statt. Hierauf Wahl der Delegierten. — Die Mitglieder werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. Gäste willkommen. Wien. (Im Jüdischen Verein jugendlicher Arbeiter-) findet Sonntag den 6. April, 7a7 Uhr abends im Vereinslocale, IL, Rembrandtstrasse 3, ein Vortrag des Herrn Dr. Egon Zweig über den „II, österreichischen Parteitag in Bielitz" statt. Gäste willkommen. Berichte. Krakau. (Pfleger innens chule.) Am 12. d. hielt Frau Dr. S. A. Weiss in Krakau einen Vortrag, um auch ausserhalb Wiens stehende Kreise der Frage der Errichtung einer jüdischen Pflegerinnenschule in Wien zugänglich zu machen. Sie begann mit einem Rückblick auf die Socialhygiene der Juden, die zum Unterschiede von den heidnischen Naturvölkern die Socialhygiene auf streng

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