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Die Welt · 1902-04-04 · 14 (4.4.1902) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
14 (4.4.1902)
Article
Aufruf des Comités zur Errichtung eines Bureaus für Statistik des jüdischen Volkes
Date
1902-04-04
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 14 .Die s£ Welt4* Seite 9 Zuschriften sind zu richten an die Adresse : A. J. Kastelianski, Berlin, N.W., Klo pstock Strasse Nr. 24; Für Oesterreich-Ungarn : Egon Lederer, Wien, L, Wipplingerstrasse Nr. 33. Geldsendungen für den zu bildenden Fonds: An die Redaction der Zeitschrift: „Palästina", Berlin-Halensee, Ringbahnstrasse Nr. 125. Berlin-Wien, 2. April 1902. * Aufruf! Alle Vereine und Vertrauensmänner in den Ortsgruppen der Kreisgeri chts- Sprengel Wadowice, Krakau, Neu-Sandec u n d J a s 1 o werden hiermit ersucht, dem gefertigten Comite behufs Ermöglichung der Einberufung einer Kreisconferenz ihre genauen Adressen, sowie die Adressen der benachbarten Vereine ehemöglichst einzusenden. Wir beabsichtigen — gemäss den Beschlüssen des Olmützer und des Lemberger Zionisten-Tages, auf welchen eine gleichmässige Arbeitstheiiung unter die einzelnen galizischen Organisationskreise beschlossen wurde — in unserem Kreise, welcher alle obgenannten Gerichtssprengel umfasst, diese Beschlüsse durchzuführen, d. h. wir bezwecken die endgiltige Organisation des Vereinsverbandes in unserem Kreise, wir räumen den Weg zum wirklichen engen Zusammen schluss, wir wollen die Arbeit vereinfachen und doch zugleich Ordnung und Leben bringen in die bis nun fast ausschliesslich auf sich selbst angewiesenen Vereine. Es soll dadurch unsere und der ganzen Partei Organisation gefestigt und auf eine sichere Basis gebracht und die so noththuende Agiitation in die richtige Bahn geleitet werden. Während derPessach-Feiertage soll eine Kreisconferenz nach Krakau einberufen werden, vorher müssen wir jedoch alle nöthigen Adressen haben, und deshalb ersuchen wir nochmals unbedingt um sofortige Erledigung, da wir ohne Adressen auch keine Einladungen ausschicken können. Für das vorbereitende Comite: Dr. Ludwig Goldwasser, Advocaturs-Candidat, Krakau, Allerheiligenplatz 12. * Am 6« April wird ein Jahr verstrichen sein seit dem traurigen Tage, der uns die niederschmetternte Nachricht von dem jähen Ableben Rosa K o 11 m a n s brachte. Der literarische Geselligkeits-Verein jüdischer Mädchen „Moria" veranstaltet an diesem Tage um 11 Uhr vormittags gemeinsam mit dem zionistischen Landes-Comife anlässlich der Grabsteinsetzung eine würdige Trauerfeier auf dem Centralfriedhofe. Auf zahlreiches Erscheinen unserer Gesinnungsgenossen hoffen wir bestimmt, denn es gilt, das Andenken dieser edlen Vorkämpferin in würdiger Weise zu ehren. Zusammenkunft um 10V2 Uhr vormittags auf dem Gentralfriedhofe vor der Ceremonienhalle. W^^SSbi^oik' Assimilationsblüten. Wie aus der „Neutraer Zeitung" vom 20. März d. J. zu ersehen ist, spielte sich bei der am Tage vorher stattgehabten Sitzung der Stadtrepräsentanz folgende Scene ab: Dr. K ä 11 a i (ein „confessionsloser" Jude) beantragt, es möge die Stadtrepräsentanz dahin wirken, dass sich die in Neutra bestehenden zwei Frauen-Wohlthätigkeitsvereine — nämlich der christliche und jüdische — fusionieren mögen. Repräsentant Boxhorn (ein „wirklicher" Jude, Repräsentant der dortigen ort'hodoxen Gemeinde, Vice-Präsident des israelitischen Schulstuhles, Präses des Kinderbekleidungs-Vereines,,Malbisch Arumim"), den die Lorbeern des Dr. K ä 11 a i nicht ruhen lassen, beantragt, dass auch die anderen fünf israeliti sehen Wohlthätigkeits- Vereinemitden entsprechenden ch r i s tl ichen fusioniert werden mögen! Diese israelitischen Wohlthätigkeits-Vereine sind: „Maskil el Dol", „Malbisch Arumim", „PoelZedek", „MarpeLanefesch" und — „C Ii e w r a Kadiseha"! O saneta simplicitas! Die russische Regierung gegen die Judentaufen. Die Ausnahmsgesetze der letzten Zeit gegen die Juden in Russland haben in den grossen russischen Städten Massentaufen von Juden zur Folge gehabt. Vom Ministerium des Innern wurde nun ein Ukas erlassen, der anordnet, dass jeder einzelne Fall von Judentaufe vorher dem Ministerium des Innern zur Kenntnis zu bringen sei. Bemerkenswert ist, dass in dem Erlasse die Massentaufen von Juden als „Uebeistand" bezeichnet werden. „Hiob und Faust" Reverend D.Wasserzug (auf dem letzten Baseler Congresse Vertreter von Südafrika) hielt kürzlich in der „North London Jewish Literary and Social Union" einen Vortrag über das obgenannte Thema, der auch die Leser der „Welt" interessieren dürfte. Beide Werke, das war der Ausgangspunkt des Vortrages, beschäftigen sich mit dem grossen Räthsel des Lebens, dem Kampfe, welchen die menschliche Seele, die des Adels und Glückes einer gerechten Lebensführung bewusst ist, gegen unsichtbare Mächte zu führen hat, welche in Gutem oder Bösem seiner Ueberzeugung zu widersprechen scheinen und seine höchsten Bestrebungen Lügen strafen, Goethe, so heidnisch er auch war, war doch von der biblischen Weisheit erfüllt und seine Schriften geben durc* gehends Zeugnis davon, wie vielfach die Anregungen waren, die die Thora ihm bot, Dass die Conception und die Construction des „Faust" in grossem^Masse vom Buche „Hiob" beeinüusst worden war, lehrt schon eine oberflächliche Nebeneinander- Betrachtung der beiden Bücher, aber ein tieferes Eingehen zeigt sogar, dass Goethe beim älteren Dichterwerke directe Entlehnungen machte. „Faust" wird durch einen Prolog im Himmel eingeleitet, welchem der Dialog zwischen dem Herrn und Mephistopheles folgt. Derselbe ist augenscheinlich durch das Buch „Hiob" inspiriert. Gott im Buche „Hiob" correspondiert mit dem Herrn in Goethes Drama, und die Stellung Fausts zum Geiste ist bei allem wesentlichen Unterschiede doch zu vergleichen mit der Hiobs zu Gott. Während im „Hiob" Gott den Satan aussendet, um Hiobs Glauben durch Leid und Unglück zu prüfen, sendet im „Faust" der Herr den Mephisto aus, um Faust durch Vergnügungen und physischen Lohn zu versuchen. Hiob streitet mit Gott, wie ein Beklagter mit seinem Richter kämpft; er beansprucht eine Art Gleichheitsbasis mit seinem Schöpfer. In „Faust* herrscht die gleiche titanische Aspiration. Der Geist willigt in Fausts Bitte und erscheint ihm in Flammen, gerade so wie Gott dem Hiob aus dem Wirbelwinde antwortet. Gott erniedrigt den Hiob und bringt ihm das Gefühl menschlichen Unvermögens bei, indem er vor ihm ein prächtiges Panorama der Schöpfung als Offenbarung der Mannigfaltigkeit und Grösse des göttlichen Geistes aufrollt. Auf gleichem Wege erfüllt der Geist Faust mit dem Gefühle der Demuth, indem er ihm die Grösse der Natur zeigt Faust erkennt augenscheinlich nicht den Zweck dieser Glorifieation der Natur. Demgemäss muss sein Geisteshochmuth stärker, sinnfälliger gebeugt werden. Hiob dagegen war weiser als Faust. Er erkannte in dem Donner die Stimme Gottes und in dem Blitze seine Leuchte; und er sank zurück, zermalmt und gedemüthigt, sich selbst verabscheuend wegen seines Murrens, und in Sack und Asche bereuend. Dafür, dass „Faust* nicht bloss in seinem Gefüge und seiner Disposition, sondern auch in manchen Wendungen und Phrasen fortgesetzt Reminiscenzen an Hiob und die Bibel überhaupt weckt, gab der Vortragende viele Belege. So beginnt den „Prolog im Himmel" Raphael mit den Worten: „Die Sonne tönt nach alter Weise In Brudersphären Wettgesang." Es, ist dies offenbar entlehnt aus Hiob 38. 7: „. . . Unter dem einstimmigen Jubel der Morgensterne und dem Jauchzen aller Söhne Gottes." Der Erzengel Michael sagt im „Faust" :

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