Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1902-04-04 · 14 (4.4.1902) · p. 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
14 (4.4.1902)
Article
Vierteljahres-Versammlung der English Zionist Federation in London
Date
1902-04-04
Page
6 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315959-3315974-3319848--31370-3319930
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 JGM»jfr.W«Itt» Nr. 14 „Jewish Express*, der seine Annoncenspalten gratis für Spenden zum Nationalfonds geöffnet hat, und obgleich die englisch - jüdische Presse, wie der „Jewish Chroniclea, und der „Jewish World", Berichte über das zionistische Leben bringen, obgleich es ferner ein speciell zionistisches Blatt „Israel" gibt, der Mangel einer localen zionistischen Zeitung sehr lebhaft und auf Schritt und Tritt empfunden wird» Der Vorsitzende berührte auch ganz kurz die Sprachenfrage und gab der Meinung Ausdruck, dass, so lange wir keine einheitliche Sprache besitzen, jede Sprache, sei es Englisch oder Jargon, nur vom Standpunkt der Nothwendigkeit behandelt werden müsse und gleichberechtigt sei; man solle ein Beispiel an den englischen Regierungs- und Stadtbehörden nehmen, die, wenn sie an die Bevölkerung des East End appellieren, diejüdische Sprache inöffentlichen Anschlägen etc. gebrauchen. Eine Toynbee-Halle sei jetzt in Bildung begriffen zur Hebung der Massen im East End Londons, und er hofft, dass sie als Brücke zwischen dem Osten und Westen Londons dienen und die Nicht - Zionisten mit den Zionisten zusammenbringen wird.* Die sachgemässe und treffliche Rede des Vorsitzenden wurde mit Beifall aufgenommen, und Dr. Max Bernstein beantragte ein Dankesvotum an Herrn Rosenbaum für seine aufopfernde Arbeit als Vicepräsident, die er bezeugen könne. Er erwähnte zu gleicher Zeit den lobenswerten Eifer und die arbeitsfrohe Hingebung der Herren aus der Executive, deren Arbeitsfeld im Eastend Londons läge. Hierauf verlas der Schatzmeister den Finanzbericht, in dem das Interesse sich besonders auf zwei Punkte concentrierte, nämlich auf die höchst ungenügende und mangelhafte Art, in der viele Vereine der Hauptstadt und der Provinz ihre Beiträge zur Erhaltung der Federation entrichten, und zweitens auf den grossen Reingewinn, den eine einzige öffentliche Versammlung mit Z an g will als Redner ergeben habe. Eine lange und wichtige Debatte knüpfte sich an die Finanzfrage und wurde mit Lebhaftigkeit bei den weiteren Punkten der Tagesordnung: Federationsbeiträge, Organisation, Presse — fortgeführt. Im allgemeinen machte sich die Meinung geltend, dass bei stetiger und methodischer Arbeit seitens der Executive und wachsendem Interesse an dieser Arbeit seitens der Vereine auch die Geldquellen reichlicher und lebhafter fliessen werden. Weder drakonische Gesetze in der Gestalt von Ausschliessungen der Nichtzahler, noch schriftliche und amtliche Circuläre; weder parlamentarisierende Conferenzen, noch beständiges Ausbrüten von Plänen und Statutenparagraphen können dem Uebel abhelfen, sondern das Interesse der einzelnen Verbände. In diesem Geiste wurde ein Vorschlag des Herrn J. de Haas, eine öffentliche Conferenz aller Zionisten Englands behufs Abänderung der Statuten undReorganisation der Federation einzuberufen, abgelehnt, und an dessen Stelle auf Vorschlag des Herrn S h a i e r die Ausarbeitung der infolge der jüngsten Congressbeschlüsse nöthig gewordenen Aenderungen — behufs Aufnahme der nichtaffiliierten Vereine — einer Commission überantwortet. Diese Commission wird ihre Beschlüsse dem jährlichen Meeting, das Ende Mai stattfinden soll, unterbreiten und wahrscheinlich mehrere wichtige Vorschläge berücksichtigen, die jetzt gemacht werden. Unter letzteren sind erwähnenswert der Vorschlag des Herrn J. de Haas, ein jährliches Budget auszuarbeiten und den constituierenden Vereinen bestimmte Quoten vorzuschreiben; ferner ein Vorschlag des Herrn Dr. Max Bernstein, dass jede Provinzialstadt sich einen in London ansässigen Herrn als ihren dortigen Vertreter an der Executive bestelle, der das lebende und thätige Band zwischen ihnen und der letzteren darstellen soll. Solchem Vertreter soll seiner Wählerschaft regelmässig zu berichten haben, soll sie in regelmässigen Zeiträumen (3—4mal jährlich) besuchen und der Executive gegenüber für Gelder und Beiträge der durch ihn vertretenen Vereine oder Städte verantwortlich sein. Mr. E. M. Cohen, Mr. Lozinsky und andere sprachen sich ebenfalls für diese Idee aus. Die Herren A. Engländer und Rosenberg brachten einen anderen wichtigen Gegenstand zur Sprache, nämlich den der zionistischen Hilfsvereine und Krankencassen. Der erstere hat seit einer langen Reihe von Jahren regen Antheil im Leben der ^Friendly Societies" genommen und hat unlängst neue Vereine mit zionistischer Grundlage geschaffen. Es gibt in London allein 70—80 jüdische „Friendly Societies" mit circa 15.000 zahlenden Mitgliedern, und es war von jeher das Bestreben der Zionisten, diese grossen organisierten Kräfte für unsere Organisation zu gewinnen. Das Meeting beschloss, diese Bemühungen beharrlich fortzusetzen und weitere Conferenzen mit den Vertretern der „Friendly Societies" zu veranstalten. Eine für unsere Bestrebungen sehr wichtige und sehr günstige Thatsache wurde zur Kenntnis gebracht, nämlich, dass die Regierung in der Person des Rigistrar-General die Statuten der neuen zionistischen „Friendly Societies" inclusive deren Schekelbeitrag bestätigt hat. Ein praktischer Schritt ist auch in der schwierigen Frage betreffs eines Pressorganes beschlossen worden. Es wurde von der Herausgabe einer grösseren Zeitung abgesehen, jedoch beschlossen, eine monatliche „Zionistische Correspondenz" in englischer und jüdischer Sprache zu publicieren, die in erster Reihe die gesammten Rapporte bringen und ihre Lebensfähigkeit erweisen solle. Eine Press-Commission aus acht Mitgliedern wurde gewählt und ihr die verfügbaren Summen überwiesen. Herr L ei s er o vit z schlug vor, dass eine Liste der verfügbaren- Redner von der Executive geführt und die Vertheilung derselben an die verschiedenen Meetings geregelt werde. Dieser Vorschlag sowohl wie der von Mr. J. de Haas, Themen an die Redner auszugeben, wurde angenommen. Von anderen verhandelten Gegenständen ist noch erwähnenswert die Anregung des Herrn J. d e H a a s, dass Nationalfonds-Marken auf allen Eintrittskarten zu zionistischen Concerten, Vorlesungen etc. aufgeklebt sein sollen. Auch wurde das bevorstehende grosse nationale Ereignis und Fest in England, nämlich die Krönung des Königspaares, nicht unberücksichtigt gelassen. Der Vorsitzende legte seinen Plan dar, eine goldene zionistische Medaille zu prägen und Schritte zu ergreifen, um sie dem König zu überreichen und einen Abdruck derselben Medaille zu verbreiten. Ein anderer Vorsehlag gieng dahin, eine Adresse mit Unterschriften der Zionisten aus Grossbritannien, Canada, Südafrika, Australien, Indien und Birma in der Form eines Sefers, auf Pergament, mit jerusaiemitischen Schnitzereien und künstlerischen Illustrationen im Texte, dem Königspaare zu unterbreiten und eine Medaille zum Andenken an diese Adresse prägen zu lassen. Der erstere Vorschlag wurde angenommen. Herr Dr. Max Bernstein wurde zum stellvertretenden Vice-Präsidenten gewählt. Nach Schluss der Verhandlungen, die mit einem Dankesvotum für den Vorsitzenden endeten, fand ein gemeinsames Mahl statt, bei dem ernste und fröhliche Worte und zahlreiche Toaste in sehr später Stunde die Arbeit eines langen und schönen Frühlingstages beschlossen. M. B.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.