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Die Welt · 1902-03-28 · 13 (28.3.1902) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
13 (28.3.1902)
Article
Bottuschani
Date
1902-03-28
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seit* Ii Die # Welt66 Nr. 13 200 Mitglieder brachte. Ebenso bildete sich .eine zweite Section unter dem Namen „Dorsche Zion" die schon 80 Mitglieder zählt, eine dritte aus lauter jüdischen Schankwirten, 60 Mitglieder stark, unter dem Namen „ J u w e Zion" folgte, dieser eine vierte aus lauter Schustern bestehende, 40 Mitglieder stark, unter dem Namen „Nogah Zion",. eine fünfte aus lauter ganz jungen Leuten, von denen der Aelteste Jcaum das Alter von 18 Jahren erreicht hat, die eine ausserordentliche Thätigkeit entwickelt. Eine Damensection wurde ebenfalls gebildet, die aber noch nicht vollständig constituiert ist. Einige Sectionen sind ferner in Bildung begriifen, und seinerzeit werde ich über dieselben des Näheren berichten. Der Herr Agitationsleiter des hiesigen Zionismus veranstaltete unter der Leitung seines ungemein regen, aus obgenannten Herren bestehenden Comites für den 15. März einen Ball, der ein sehr befriedigendes Resultat ergab. 250 Francs vom Reinertrage sind für den Nationalfonds bestimmt. Ferner wurde für den Purim-Abend ein zionistisches Fest verabredet. Josef Sussmann. Moskau. Hier wurde ein Verein „Esra* gegründet, in dem alle Mitglieder und Gäste hebräisch reden, hebräische Referate gehalten werden und hebräische Zeitungen aufliegen, Brest-Litowsk, Gouv.Grodno. (G ener al-Versammlun g des Vereins „Agudath Hazionim*.)IndasComite wurden gewählt Herr N. Finkelstein, Präses; Herr Dr. L. Scheresch^ wskj, Vice-Präses; Herr Leon Horodischz Cassier, die Herren Ben-Zion Neumark, M. Scheinermann und Josef Scher eschewsky, Secretäre. Das Comite besteht aus 18 Personen und ist in drei Commissionen getheilt: 1. Geld-Commission, welche die Schekel-Sammlung, den Actien-Verkauf und -Incassierung, National-Fonds-Sammlung und Spenden-Sammlung für das Odessaer Comite besorgt. 2. Agitations-Ausschuss, welcher Volksredner bestellt, Commers-Abende, Vertheilung und Verkauf von zionistischen Broschüren und Büchern veranstaltet 3. Local-Ausschuss, welcher an sämmtlichen Wohlthätigkeits-Institutionen der Stadttheünimmt, mit der Hoffnung, dadurch in allen städtischen Angelegenheiten nach zionistischen Idealen zu handeln. Im vorigen Jahre hat der Verein genug leisten können, da die Feuersbrunst grossen Schaden und Leid selbst den Vorstehern des Vereins verursacht hat, so dass mancher ruiniert worden ist. Bukarest. Aus dem von dem Vereine „Chowewe Zion David" in seiner jüngst abgehaltenen Generalversammlung vorgelegten Berichte ist ersichtlich, welche Rolle diese zionistische Gruppe in der zionistischen Bewegung spielt. Der Verein entwickelte eine grosse Thätigkeit für die Colonialbank. Der Vereinscassier Herr David Einhorn widmete sich ganz den Interessen der Colonialbank und ist einer ihrer eifrigsten Vertreter. Mehrere der Vereinsmitglieder, mit dem Präsidenten Herrn M. Schwarzfeld an der Spitze, haben mehr als 2000 Actien gesammelt, von denen ein grosser Theil vollständig gedeckt, andere noch theilweise einzuzahlen sind. Der Verein hielt imposante Öffentliche Versammlungen, von den besten gesellschaftlichen Kreisen besucht, und ist entschlossen, für den Nationalfonds zu wirken. Feuilleton. Cecil Rhodes als Colonialpolitiker. „Weit unten" in Süd-Afrika ringt ein Mann in des Wortes vollster Bedeutung mit dem Tode, der doch unumschränkter Herr alles Lebens ist Es ist der alte, ewige, vergebliche Kampf, welchen das Leben gegen den Allvernichter führt. Der Tod, [der stetig verneinende Geist, ist stärker als das Leben, das ewig bejahende. Cecil Rhodes mag noch unter denen, die sich des rosigen Lichtes freuen, weilen, er mag schon zu den Vätern versammelt sein, sein Werk, sein grosses colonialpolitisches Werk, die Idee, der er mit Aufopferung seiner selbst Leben eingehaucht, besteht und wird bestehen. Was ist ein Menschenleben? Ein eitler Schatten, ein leeres Nichts, das kommt und geht. In dem Wechsel des ewig Veränderlichen ist nur des Menschen Werk und Wirken das ewig Bestehende, nicht eines jeden Menschen, sondern nur desjenigen, der mit eiserner Willenskraft die lebensfähigen Keime einer ganzen Zeitepoche zum Wurzelfassen und Blühen brachte. Cecil Rhodes, dieser vielbewunderte und vielgescholtene Mann, dessen Name auf den Blättern der Geschichte Süd-Afrikas im letzten Decennium am meisten verzeichnet sein wird, ist kein idealer Menschentypus, keiner jener Männer ohne Makel und ohne Fehler, in deren ewig glänzendem Panzer der reinen Humanität sich die bessere Mit-und Nachwelt wiederspiegelt. Ganz im Gegentheil, er gilt vielen als die fleisch gewordene Verkörperung des leibhaftigen, Gottseibeiuns < als ein rücksichtsloser Draufgänger, der für den Zweck jedes Mittel für gut findet, wenn es nur zu seinem Ziele führt; und sein Ziel ist nicht ein rein ideales, nicht das Emporklimmen zum Parnassus, der über den Ossa titanenhaft gestülpt wird, sondern ein reales, beinahe engherziges. Und doch ist sein Ziel, das, für sich allein genommen, nicht erhaben ist, gewaltig gross, wenn man es mit den Zielen der führenden Geister unserer Zeit in Vergleich bringt. Es ist das weite Ziel des bewusst handelnden, auf die Zukunft bedachten Menschen, der nicht Kirchthurmpolitik, sondern Weltpolitik betreibt. Cecil Rhodes hatte kein Auge und keinen Sinn für die kleinen und kleinlichen Fragen des Tages, nicht, was mit den Arbeitslosen des Londoner East, was mit den Invaliden oder alten Arbeitern anzufangen sei, kümmerte ihn; er richtete sein Augenmerk darauf, was für die gesunden, kräftigen, jugendlichen und unternehmungslustigen Engländer, denen die eigene Heimat zu enge geworden, zu schaffen sei. Sein staatsmännischer Blick gieng ins Weite, ins unendlich Ferne. Er sah Jahrzehnte, ja Jahrhunderte voraus. Ihm spiegelte sich nicht das Weltall in der Themse ab, der Aermelcanal beschränkte nicht seinen Horizont, er blickte auf den grossen Ocean, er blickte auf die ganze Weltrunde, blickte und forschte und fand: einen Erdtheil, der noch nicht aufgetheilt war. „Das ist mein Wirkungsfeld," dachte Rhodes, „das alles muss englisch werden." So begann er, von der grossen Idee ausgehend, was mit den überflüssigen neugeborenen Engländern, die keine Arbeit in der Heimat fänden, anzufangen sei, sein grosses colonialpolitisches Wirken. Der Lebensgang des Cecil Rhodes liest sich wie eine mittelalterliche Epopöe. Aus glänzender Armut hervorgegangen, wurde Rhodes einer der reichsten Männer der Welt, ein wahrer Krösus, ein Souverän der haute finance, ein König der Börse. Jung-Cecil verlebte seine Kindheit in dem Hause seines Vaters, eines englischen Landgeistlichen in Hertfordshire. Niemand hätte es dem schwachen Knaben ansehen können, dass er zu so grossen Dingen berufen sei und einstens ein ungeheures Land nach ihm den Namen führen werde. Im Gegentheile, seine schwächliche Constitution gab zu grossen Befürchtungen Anlass, und ein berühmter Arzt erklärte, die einzige Möglichkeit, das zarte Kind am Leben zu erhalten, bestehe darin, dass es sofort eine Reise übers Meer mache. So kam Rhodes nach Südafrika. Die Reise und die Veränderung des Klimas hatten den erhofften Erfolg und Rhodes gesundete vollkommen. Als er bei seiner Heimkehr dem Arzte für seinen guten Rath danken wollte, traf er ihn nicht mehr am Leben, und dessen Sohn erklärte, als er die Bücher seines Vaters nachschlug: „Ich finde hier eine Eintragung meines Vaters unter dem Namen Cecil John Rhodes, die sich aber unmöglich auf Sie beziehen kann, denn mein Vater bemerkt bei diesem Falle ausdrücklich: „Hat nur noch 6 Monate zu leben."

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