Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 13 (28.3.1902)
- Article
- Jüdische Ausstellung [Nachricht]
- Date
- 1902-03-28
- Page
- 10 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Die # Welt56 Nr. 13 Jüdische Ausstellung. Die „Amerikanisch-jüdische Gesellschaft" hat die von ihr geplante jüdische Ausstellung auf das Jahr 1903 verschoben. Verschiedene Ereignisse und Projecte, welche zu gleicher Zeit statthaben sollen, wie das jüngst angegebene Datum (Herbst 1902), haben das Ausstellungs-Comite zu dieser Verschiebung veranlasst. Die „Federation der amerikanischen Zionisten" ist im leitenden Comite der Ausstellung vertreten. Arbeitseifer in der Wiener Cuitusgemeinde. Herr Dr. F. Weisl stellt uns folgenden Brief zur Verfügung, den er an das Präsidium der Wiener Cuitusgemeinde gerichtet hat, weil er nicht länger zum Schein die Function eines Bezirksvertrauensmannesbekleiden wollte.Man ersieht daraus, welcher Arbeitseifer in der Wiener Cuitusgemeinde herrscht. Wien, den 6. März 1902. Löbliches Präsidium! Am 25. November bin ich zum Vertrauensmann mit 2jähriger Mandatsdauer im Bezirke Mariahilf - Neubau gewählt worden. Ich war der einzige, welcher bei der damaligen Wahl gleich am ersten Wahltage die erforderliche Majorität der Stimmen erhielt. Dieser Umstand war massgebend für die Beurtheilung der Thatsache, dass ich offensichtlich von den Wählern aus einem anderen Grunde gewählt worden bin. als zum Zwecke der blossen Einschätzung der Steuerträger. Denn von mir ist bekannt, dass ich mich von jeder blossen Bezirks-Vereinsthätigkeit fernhalte, so dass ich so geringe Kenntnis der Personen im Bezirke und ihrer Verhältnisse habe, dass ich zu einem Urtheil in Schätzungsangelegenheiten ganz incompetent bin. Die Absicht der Wähler war eben die, dass ich an culturpolitischen Fragen, die äusserst wichtig und dringend sind, mitarbeite. Dass dies aber auch Aufgabe des Vertrauensmann er-Collegiums sein sollte, geht aus der anfangs v. J. vom Herrn Präsidenten selbst gehaltenen Rede, womit das Bezirks-Collegium constituiert wurde, ausdrücklich hervor. Im vollsten Widerspruche zu der damaligen Rede des Herrn Präsidenten ist aber das schon damals „in Bälde" in Aussicht gestellte Statut nicht ausgearbeitet worden und ist nicht eine einzige Frage culturelJer Natur dem Bezirks- Collegium vorgelegt worden. Da aber auch der Vorsitzende des Bezirks-Collegiums k. Rath Ruzicka es unterlassen hat, aus eigener Initiative culturelle Fragen an das Collegium zu bringen, und es sich genügen liess, in fast l1/» Jahren 2 (!!) Sitzungen zu reinen Schätzungscommissions-Zwecken ein zu berufen und die Einladung zur Sitzung am 5. März d. J. sogar mit der bezeichnenden Beifügung „kurze Sitzung" (als wie wenn wir nach einer einjährigen Pause nicht Zeit hätten auch zu einer längeren und arbeitsvolien Sitzung) versehen war, so habe ich gestern in der Sitzung des Bezirks-Collegiums die Mittheilung gemacht, dass ich mein Mandat niederlege, wovon ich, den Statuten entsprechend, das löbliche Präsidium hiermit verständige. Hochachtungsvoll Dr. E. F. W e i s 1 m. p. Väter und Söhne. Der kleine Max Konn fragt seinen Papa: „Sag' einmal, Papa, wenn die Christen alt werden, werden sie alle Juden?" „Aber was fällt Dir ein, mein Kind, wie kommst Du auf diese Frage?" „Ja, weisst Du, Papa, ich und Du sind noch Christen, aber der Grosspapa ist doch schon Jude \u Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Seit Anfang Februar d. J. erscheint in Capetown, Süd-Afrika, eine Halbmonatsschrift unter dem Titel: „South- African Jewish Chronicle", welche den Zionismus in ihrem Programm hat. Die erste Nummer des hübsch ausgestatteten Bruderblattes, welches in 5000 Exemplaren gedruckt worden war, war so rasch vergriffen, dass der Verlag in der zweiten uns zugekommenen Nummer vom 21. Februar eine Neuauflage der ersten verspricht. Unter den grösseren Artikeln sind besonders hervorzuheben; „Das zionistische Ziel und die Voraussicht seiner Erreichung", sowie „Der Verfall des modernen Judenthums". Endlich bringt das Blatt eine Menge interessanter Local-Nachrichten. Wir wünschen ihm ein gutes Gedeihen! Das Februarheft der Revue „Ost und West" ist wieder sehr reichhaltig. An der Spitze steht eine Abhandlung von dem 1895 verstorbenen Elim Henry d'Avigdor über „Die Entwicklung der nationalen Idee unter der Juden". D'Avigdor war in Südfrankreich als Sohn des Grafen Salomon!-Henry d'Avigdor geboren, kam mit 17 Jahren nach London, wo er als Ingeneur thätig war. Er stand mit Colonel Goldsmith und Sir Samuel Montagu an der Spitze der kräftig einsetzenden Choveve-Zion-Bewegung, deren Programm er im Jahre 1894 auf der Conferenz in Paris in die Worte zusammenfasste: „Ich wünsche, dass sich meine Glaubensgenossen in der einstigen Heimat Israels niederlassen, wo ein Bruder neben dem andern arbeiten könnte, wo der Sabbath ein Sabbath aller, und der Versöhnungstag im ganzen Lande gleich beachtet wäre". Wenige Monate nach dieser Conferenz starb d'Avigdor infolge eines Jagdunfalles erst einige fünfzig Jahre alt. Der Artikel in „Ost und West" war von ihm 1891 verfasst worden. Vieles was man den politischen Zionisten heute beanständet und zum Vorwurf macht, stehtin diesem Artikel, den das grösste Antizionistenblatt, der „Jewish Chronicle" in der Festbeilage zum fünfzigjährigen Jubiläum dieser Zeitung publiciert hat.... Von den anderen Artikeln seien hervorgehoben „Der neue Messias" von Rudolf Lothar und ein Appell E. M. L i 1 i e n s an die jüdischen Mäcene zugunsten eines fünfzehnjährigen Mädchens Regina Mundlok aus Koleskasch im russischen Gouvernement Lomria, ein — wie die reproducierten Skizzen dieses Kindes zeigen — ausserordentliches Talent, dass nie Unterricht genossen hat und in Berlin, wohin sie gekommen ist, von einem Künstler wie Liebermann gewürdigt wurde. L iebermann erbot sich zur Bestreitung der Kosten der Ausbildung. Wer aber wird die bescheidenen Kosten des Lebensunterhaltes bestreiten? Es wäre schade, dieses Talent verkommen zu lassen! Resolution gegen die „Ica". Folgende Resolution wurde von Herbert Bentw i c h, LLB. aus London, am Sonntag den 16. März 1902 in Glasgow (Music Hall) bei einer Versammlung der Glasgower Juden eingebracht und einstimmig angenommen : „Dieses Meeting von Glasgower Juden protestiert gegen die Operationen der „Ica" mit dem Trustfond, der von Baron Hirsch zum Wohle der russischen Juden geschaffen wurde; besonders aber gegen ihre Handlungsweise bezüglich der ColonisationPalästinas,und ersucht das A,-C., sich mit dem Administrationsrathe der „Ica" wegen dieser Angelegenheit in Verbindung zu setzen/ $t<is dei) ^ereii)«)* Voranzeigen. Köln. Im Laufe dieses Monats werden Dr. Bodenheimer noch in Hannover und Berlin, Dr. Klee in Königsberg i. Pr. Agitationsvorträge halten. Berlin. (Die „Berliner Zionistische Verein i g un gw, A b t h e i 1 u n g : „Ahawath Zionß) veranstaltet am Sonnabend den 29. März eine grossangelegte Purim-Feier. (Aufführung des Stückes „Ahasveros* (Esther), Declamationen, Tanz) im Englischen Garten, Alexanderstrasse 27 c. Für das Fest-Comite: Ingenieur M. J. L i e bmann. Wien. Der 1. zionistische Frauen-Verein in Wien hält Mittwoch den 2. April 1902 präcise xlß Uhr abends seine erste Versammlung im grossen Saale des Congress-Bureaus mit folgender Tagesordnung: 1. Jüdisch-nationale Frage und deren Lösung. Referent: Herr Architekt Marmorek. 2. Discussion über das Referat. 3. Eventualia. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Wien. Im literarischen Geselligkeits-Verein jüdischer Mädchen „Moria* wird Sonntag den 30. d. M. Herr Doctor CarlLifczis einen Vortrag, betitelt BDie Frau in der jüdischen Cultur", halten. Beginn 3V2 Uhr nachmittags im Religionssaale der israelitischen Cuitusgemeinde, L, Seitenste ttengasse 2, II. Stock. Gäste, Damen, herzlich willkommen. Hollescfiau. Der hiesige jüdische Mädchen - Verein „Sulamith" veranstaltet am 31. März 1. J. ©inen Theater-