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Die Welt · 1902-03-28 · 13 (28.3.1902) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
13 (28.3.1902)
Article
Ein Vorwort zum zweiten österreichischen Zionisten-Tage
Date
1902-03-28
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 13 „Die jQl Welt*' Seite 7 grosse Vertiefung in andere Zwecke. Alle diese Momente raachen die Ursache aus, durch die noch micht jener ideale Wunsch nach Parteigesinnung entstanden ist. Wir werden also nach Orten, Ständen und Lagen zu unterscheiden haben, wollen wir mit den Ursachen die Hebemittel angeben. Damit sind wir aber auch schon dem Probleme der inneren Nothwendigkeit näher gerückt, denn von inneren, "psychischen Erscheinungen war eben die Rede und in Bezug auf die Objecte haben wir sie betrachtet. Aber der Inhalt ist noch nicht genannt; Dieser deduciert sich aus dem Zwecke der genannten Organisationen für die Gesammtheit, der wieder aus ihrer inneren Wesenheit folgt. Aus der Analyse der That — und unser oberstes Ziel ist doch die zionistische That — folgt, dass die Vereine den Wunsch des Judenstaates erwecken sollen, weil sie das Volk, die Menge, die Oeffentlichkeit, den Stoff also repräsentieren, den wir zu bearbeiten haben, aus dem wir die Werkzeuge unserer Ideen gewinnen wollen. Die Zuführung der Menge selbst: das scheint Aufgabe der Distficts-Comites. Zwei Handlungen sind also vorerst gesondert : Zuführung der Menge, Erweckung des Wunsches. Die erste ist ganz concret und wird durch die Agitations- Referenten in bestimmte Formen und Methoden zu kleiden sein. Schwieriger ist die zweite. Ein Wunsch wird erweckt, wo Lustgefühle nach einem geliebten Objecte sich richten. Das Object kennen wir. Lehrt es lieben, entfachet darnach Lustgefühle! Ist dies nicht auch schwierig? Es heisst losreissen von alten, sehr alten Meinungen, Ansichten und Gewohnheiten und an neue, ganz neue Bedingungen gewöhnen und diese als wert und liebevoll hinstellen. Dabei aber gilt es, Vorsicht walten zu lassen, denn die Urteilsfähigkeit der Menge muss gestählt, gehärtet und so gebildet werden, dass sie weiss, die Handlung folge erst nach Erreichung allerbester Bedingungen. Die Eliminierung der alten Ansichten und Substituierung neuer kann nur auf dem Boden der verschiedenen nothwendigen Lebensbedingungen erfolgen. Das ist klar. Das ist also eine wirtschaftliche Angelegenheit und somit Sorge für die beste wirtschaftliche Lage durch uns einerseits, wie Bildung des nationalen Gefühles und politischen Denkens andererseits, sind also die concreten Aufgaben, die wir für dieses Jahr aufzustellen haben. Das Bilden des nationalen Gefühles und politischen Denkens obliegt vor allem unserer Presse, die eine specifisch österreichische sein muss, weil sie unsere speciüschen Eigenheiten berücksichtigen muss. Daneben müssen andere Bildungseinflüsse einhergehen, und diese werden auch in unserer Berathung zutage kommen. Insbesondere aber sollen jene wirtschaftlichen Institute aufgezeigt werden, die jeder Schichte, jedem Stande die besten Lebensbedingungen verschaffen, die aber gleich erfüllt werden können. Dann haben wir gearbeitet. Dann gewinnen wir Anhänger und Freunde, dann die opferbereiten Genossen, welche die von den Gongressen durch das A.-C. geforderten Pflichten auf sich nehmen können. Wie diese auf jede einzelne Gruppe zu vertheilen und mit möglichster Sicherheit erfüllt werden können, wird der Gongressreferent erläutern: Er wird aus der Idee des politischen Zionismus die Gerechtigkeit und Billigkeit aller Forderungen ableiten und die concreten Vorschläge erstatten, dass ihnen allseits nachgekommen wird. Dann haben wir insgesammt die Wege angegeben, unsere Scharen zu vergrössern, in ihnen den zionistischen Wunsch zu erwecken. Das Landes-Comite wird dann den Wunsch zum Willen gestalten, indem es dieyom A.-C. planvoll ausgearbeiteten vorzubereitenden Handlungen übernimmt und für deren Propagierung und Durchführung sorgt. Aus diesen drei Stadien entsteht in der Seele des Menschen die That. Wir haben also der inneren Nothwendigkeit Rechnung getragen. Aber übrig ist noch der Beweis der Nothwendigkeit der zionistischen Idee. Der Logiker sagt uns: Ein Begriff ist klar, wenn er sich von ähnlichen unterscheiden lässt. Er ist deutlich, wenn alle seine wesentlichen Merkmale sichtbar sind. Dasselbe gilt von den Ideen. Und wie die Klarheit des Denkens die geistige Entwicklung fördert, so wird die Klarheit der Ideen auch die Entwicklung der Idee in jeder Art fördern. Darum ist es unerlässlich, gegen alle Gruppen im Judenthum, die Rettung predigen, Sicherung prophezeien, uns genau abzugrenzen, unsere wesentlichen Merkmale anzugeben und sie von ähnlichen zu klären. Wir werden also die Theorien und Praktiken nichtzionistischer Gruppen prüfen und bewerten. Wir bestimmen so unsere eigene Stellung im Judenthum, gewinnen Richtlinien für unser Verhalten im öffentlichen Leben und Handhaben für eventuelles Eingreifen. Wir werden über die Verhältnisse im Judenthum klar und geben unseren Anhängern die Grundsätze für ihr Verhalten gegen Anfeindungen und Anbiederungen. Es ist sicher, dass die „Stellungnahme zu den nichtzionistischen Gruppen" sehr objectiv erörtert werden wird, dass der Inhalt und der Umfang unserer und der fremden Grundsätze genauest abgewogen und erschöpft werden wird. Dadurch wird Verschwommenheit und Waschlappigkeit einerseits verhütet, gesunde und stramme Gesinnungstreue andererseits erzeugt. Und djes: ist unser Wunsch für den Bielitzer Zionistentag, dass er die zionistische Parteigesinnung in Oesterreich schaffe. Dann hat er viel gethan. Staatliche Incorporation der „Federation of American Zionists". Ein Gesetzentwurf (Bill) ist vom amerikanischen Senat angenommen worden, durch welchen die „Federation44 gesetzlich anerkannt wird. Die bemerkenswertesten Stellen dieses Gesetzes sind die folgenden: „Dem Richard Gotth e i 1 aus New - York, H. Pereira-Mendes aus New- York, Marius Jastrow aus Pennsylvanien, Moses S. Margolies aus Massachussets, Sabatai Schaffer aus Maryland, Leon Zolotkoff aus Illinois und Isidor D. Morrison aus New - York, und allen jenen Personen, welche gegenwärtig Mitglieder der Vereinigung, geheissen „Federation of American Zionists", sind., und allen jenen Personen, welche später Mitglieder der genannten Vereinigung werden, wird hiermit zugestanden, als politische Körperschaft unter dem Namen und Titel „Federation of American Zionists" anerkannt und einverleibt (incorporate) zu werden und eine folgendermassen zusammengesetzte Behörde an ihrer Spitze zu haben: Einen Präsidenten, zehn Vice- Präsidenten, einen Ehren-Secretär und einen Schatzmeister, sowie zwölf Beiräthe, welche zu jener Zeit und in jener Weise gewählt werden sollen, wie die anerkannte Constitution und Geschäftsordnung dieser Körperschaft es vorsehen. Der Zweck der genannten Körperschaft soll nach Absatz IV ihrer Constitution sein wie folgt: Erstens die nationale Idee in Israel zu fördern: zweitens mit anderen zionistischen Vereinigungen an dem Bestreben mitzuarbeiten, für die jüdische Nation eine öffentliche-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu erlangen : drittens alle zionistischen Vereine in den Vereinigten Staaten zu vereinigen:

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