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Die Welt · 1902-03-21 · 12 (21.3.1902) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
12 (21.3.1902)
Article
Czecho - jüdische Antizionisten
Date
1902-03-21
Page
9 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 12 »Die 3*1 Welt66 Seife 9 Czecho - judische Antizionisten. Wir lesen in unserem Brünner Brüder blatte, der „Jüdischen Volksstimme" : Im Närodni. dum (Nationalhaus) war für Samstag den 8. d. M. eine grosse Versammlung der czechischen Juden angesagt, um daselbst den Zionismus kaltzulegen. Anwesend waren 35 Herren und 8 Damen, welche andächtig den Ausführungen des Redners, eines Juris-Studenten, lauschten. Selbstverständlich von A bis Z wieder die alte Leier! Lang und breit wird bewiesen, dass die Juden kein Volk seien; die Juden wären nie ein „staatenbauendes" Element gewesen; Palästina sei unfruchtbar und unfähig, die Juden zu ernähren; den Juden werde Palästina, dieser Brennpunkt der künftigen Colonisationspolitik, niemals überlassen werden; Palästina werde „unstreitbar" in Zukunft der Schauplatz ganz anderer Begebenheiten werden. Der Redner führt sodann — um des Erfolges gewiss zu sein — noch einige unbarmherzige Stösse gegen den „Präger" Zionismus und schliesst mit den äusserst charakteristischen Worten: „...Und übrigens, wozu uns die Theorien, wozudie Argumente! Wir sind Czechen und bleiben Czechen, und lassen uns nicht einmal vomAntisemi tismus uns erCzechenthum ausprügeln!" Mitleiderregend waren die Worte einiger Theilnehmer, die in herzzerbrechender Weise den bösen Zionisten vorwarfen, wie sehr sie den czechischen Juden geschadet haben, kein Mensch könne nunmehr ihren aufrichtigen Assimilations-Betheuerungen Glauben schenken. Nachdem man sich noch gegenseitig versichert hatte, dass sich alle Zionisten, die einst Mitglieder czechisch-jüdischer Vereine waren, ausschliesslich nur aus Egoismus, gekränktem Ehrgefühl, Feigheit und ähnlichen Motiven dem Neubelebungswerke des Judenthums angeschlossen haben, gieng man mit dem Bewusstsein auseinander, dass sich der Zionismus von dem ihm diesmal versetzten Schlage nicht mehr erholen werjie. Ein Brief Aon einem chinesischen Juden. Wie seinerzeit mitgetheilt wnrde, ist es dem in Shanghai begründeten „Verein zur Errettung der Juden Chinas" im vorigen Jahre gelungen, einen Glaubensgenossen aus Kaifeng-fu namens Li-King-Cheng und seinen kleinen Sohn Li-King-Mai nach Shanghai zu bringen, wo sie das Passah- F_est zugebracht haben, um dann wieder nach ihrer fernen Heimat am gelben Strom zurückzukehren. Vor einigen Wochen hat nun der Secretär des genannten Vereines, Herr S. J. Salomon, von Li-King-Cheng ein Schreiben erhalten, das folgendermassen lautete: „Mein Bruder Salomon! Ich reiste am 5. Tage des 4. Mondes von Shanghai nach Kai-feng-fu und bin in wenigen Tagen glücklich in meine Heimat gelangt Ich denke stets an Sie und empfinde lebhaften Dank für die mir zutheil gewordene gute Behandlung. Ich war in letzter Zeit sehr beschäftigt, gedachte aber doch,, nachdem der Hof Kai-feng-fu wieder verlassen haben wird, nochmals nach Shanghai zu kommen, allein' Mr. . . . den ich jüngst getroffen habe, rieth mir, es nicht vor dem Frühling zu thun. Inzwischen erführ ich, dass in unserem Tung-Dah-Ze (Synagoge») nur noch zehn Abschriften der heiligen Schrift verblieben sind. Ich werde Ihnen darüber noch persönlich Mittheilung machen. Ich traf noch vier unserer Glaubensgenossen, nämlich Za, King, Tsan und Ngan, die zum nächsten Frühling mich nach Shanghai begleiten wollen. Ich werde weitere Nachforschungen über die Bibelabschriften anstellen und Ihnen deren Ergebnisse mittheilen. Mit den besten Wünschen für Bruder Salomon und die anderen Glaubensgenossen Ihr ergebener Li-King-Cheng." Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Martin Schreiner: Die jüngsten Urtheile über das Judenthum. Berlin 1902. Verlag Siegfried Cronbach. . Als der Khalif Omar Alexandrien erobert hatte, entschied er — so besagt die Ueberlieferung — betreffs der weltberühmten alexandrinischen Bibliothek: „Enthält sie dasselbe wie der Koran, dann ist sie nicht nothwendig; enthält sie anderes, dann ist sie schädlich. In jedem Falle ist sie überflüssig." Und so wurde die Bibliothek verbrannt. Auf das vorliegende Büchlein passt die Sentenz Omars vortrefflich. In seinem ersten Theile enthält es wieder einmal den Beweis, das die jüdische Religion eine hoch-ethische sei und von den Christen leider nicht gewürdigt werde. Wenn es bisher nicht geschehen ist — durch dieses Buch wird es nicht erreicht werden. Dieser Theil ist also überflüssig. Im zweiten Theile wird gegen P. de Lagarde, Ed. Meyer und Eduard von Hartmann der Nachweis versucht, das Judenthum sei eine Religion und keine Nation. Da ist also die Broschüre als Wiederverbreiterin einer Irrlehre direct schädlich. Den dritten Theil, der gegen Houston Stewart Chamberlain polemisiert, haben wir überhaupt nicht mehr gelesen, da wir schon früher das Omar'sche Urtheil daran gerne vollzogen gesehen hätten. —k Inhalt des Februar-Heftes der Jüdischen Turn-Zeitung, herausgegeben vom Jüdischen Turnverein „Bar Kochba" (Berlin). Professor Dr. O. Warburg: Jüdische Ackerbau- Colonien in Anatolien. — Richard Blum: Antike und moderne Gymnastik. — Georg Otto: Psychologische Betrachtungen über das Wettturnen. (Eine Entgegnung.) — Aus der jüdischen Turnerwelt. — Turnerische Rundschau. — Zeitschriften-Rundschau. — Literarisches. — Mittheilung der Redaction. In englischen Zeitschriften erschienen in letzter Zeit oft Aufsätze jüdischen Inhaltes, so zum Beispiel im „Pall Mall Magazine" eine Novelle „Ugly Solomon" von Mr. Alfred Sidgwick und ein Gedicht von Zangwill „Blinde Kinder"; im „Gentleman Magazine" eine Novelle „Der Prediger" von Enoch S <? r i b e. Die Purim-Nummer der bekannten hebräischen Jugendzeitschrift „Olam Katari" (Verlag „Tuschija") enthält folgende bemerkenswerte Aafsätze: „Purim-Abend" (Lustspiel) von M. Monassowifcsch, ,.Purim Winz" (historische Legende), übersetzt von J. Lifschitz, „Aus dem Cheder" (Gedicht) von JacobKah n,„Mischloach Manoth" (Erzählung) von A. L. J a c u b o w i t s c h, eine humoristische Skizze von Ben-Zion u. a. Daneben ein reizendes Bild von G. Tschorny, zwei Illustrationen zur „Megillath Esther" von Dore, Porträt und Biographie des Prof. J a d a ssohn. Dann Schul-Anekdoten, Aphorismen und Briefe der kleinen Leser (aus Palästina). Das Heft ist interessant, sowohl inhaltlich, wie auch äusserlich. Diese erste hebräische Jugendzeitschrift können wir als grossen Fortschritt der hebräischen Literatur bezeichnen. „The Maccabaeans" in London. Dieser den Namen der Makkabäer tragende Club, der vornehmste Club Londons, hat mit dem heurigen Jahre die erste Decade seines Bestandes beendigt. Seine Aufgabe sieht der Club darin, alle auf das Judenthum bezüglichen oder dasselbe berührenden Fragen in freier Discussion zu erörtern. Im letzten Jahre bildete darum auch der Zionismus den Gegenstand der Discussion. Israel Zangwill leitete dieselbe ein durch den Vortrag: „Zurück nach Palästina". Aniässlich der Anwesenheit Dr. Herzls in London ward ihm zu Ehren ein Diner gegeben. Der seit der Gründung als Präsident fungierende Mr. Solomon J. Solomon, Mitglied der kön. Akademie der Künste, tritt jetzt von dieser Würde zurück, und an seinerstatt wurde Colonel A. Goldsmid zum Präsidenten gewählt, der bei der am 23. März stattfindenden General-Versammlung bereits als solcher fungieren wird. Eine Schöpfung der „Maccabaeans" ist die „Jüdische Kinder-Brigade". (Vergl. die Weltchronik dieser Nr.) |\üs det> \^ereiiKi)* Voranzeigen. Köin. Mehrere Ortsgruppen veranstalten in diesem Monate noch grössere Agitationsversammlungen. Doctor Boden heimer wird in Hannover und Berlin sprechen. Dr. Klee in Königsberg i. P.; weiter wird Dr. Edelstein im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" zu Düsseldorf über den Zionismus einen Vortrag halten. Im Mai spricht Dr. Moses- Mannheim in Berlin.

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