Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 12 (21.3.1902)
- Article
- Geehrter Herr Redacteur!
- Date
- 1902-03-21
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 Die j£ Welt*5 &i. 12 2. Auch in den Werkstätten der Herren- und Damenschneider bringen wir Sammelbüchsen an und veranlassen die Inhaber, dafür Propaganda zu machen, dass jeder, der ein neues Kleidungsstück von seinem Schneider empfängt, eine Münze in die Sammelbüchse werfe» Hochachtungsvoll und mit Zionsgruss S. J. Schmulowitz Secretär des hiesigen zionistischen Vereines. VtfelNgbFOijil^. Eine philozionistische Spende. Der „Hazefirah" schreibt man aus London : Nach der letzten Rede Zangwills gegen die „Ica" giengen demselben von einer englischen Christin 50 Pfund Sterling für zionistische Zwecke zu. Zangwill übergab hievon 20 Pfund für die Colonialbank, 20 Pfund für den Nationalfonds und 10 Pfund für die Agitation. Zum Diner der Presse in New-York. Bei dem Festmahle, das die amerikanische Presse dem Prinzen Heinrich zu Ehren am 26. Februar d. J. veranstaltete, befand sich unter den Ehrengästen auch unser Gesinnungsgenosse Rev. Dr. Gustav Gottheil, der an der Tafel neben dem Erzbischof Corrigan und dem Bischof P o 11 e r Platz nahm. Jüdische Preisausschreibungen. Die Israelitische Ungarische Literaturgesellschaft in Budapest hat folgende zwei Preise ausgeschrieben: Verlangt wird eine Geschichte der jüdischen Literatur vom Beginne der griechischen Periode bis zur Gegenwart in ungarischer Sprache. Das Werk muss auf wissenschaftlicher Basis in volkstümlicher Weise geschrieben werden. Der ausführliche Plan des ganzen Werkes hat sich auf ungefähr fünf Druckbogen zu erstrecken und ist in Begleitung von auf verschiedene Perioden sich beziehenden ausgearbeiteten Theilen bis zum 15. September 1902 einzusenden. Der Preis wird auf Grund dieses Pianes und der Probearbeiten zuerkannt, der Termin für die gänzliche Fertigstellung des Werkes in Übereinstimmung mit dem Verfasser festgesetzt. Der Preis von 2500 Kronen wird nur einem absoluten Wert besitzenden Werke zuerkannt und bloss für die fertiggestellte Arbeit ausgefolgt. Das preisgekrönte Werk geht in das Eigenthum der Gesellschaft über. Verlangt wird ferner eine Geschichte der Juden von der Zerstörung des zweiten Tempels bis zur Gegenwart in ungarischer Sprache auf Grund der neuesten Forschungen. Darzustellen ist die Geschichte der Schicksalsentwicklung, der Rechtsverhältnisse, der socialen Stellung und der Culturverhältnisse der Juden in den einzelnen Ländern und Perioden mit Hin weglassung der Literaturgeschichte. Der ausführliche Plan des Werkes hat sich auf ungefähr fünf Druckbogen zu erstrecken und ist in Begleitung von zwei auf verschiedene Perioden sich beziehenden ausgearbeiteten Theilen bis zum 15. September 1902 einzusenden. Der Preis wird auf Grund dieses Planes zuerkannt, der Termin für die gänzliche Fertigstellung des Werkes in UebereinStimmung mit dem Verfasser festgesetzt. Die Preissumme beträgt 2500 Kronen, welche nur einem absoluten Wert besitzenden Werke zuerkannt und bloss für die fertiggestellte Arbeit ausgefolgt werden. Das Eigen thumsrecht des preisgekrönten Werkes gehört der Gesellschaft. — Die Jüdisch-literarische Gesellschaft in Frankfurt a. M. setzt einen Preis von 1000 Mark aus für eine populär gehaltene, in den dargestellten Resultaten streng wissenschaftliche Arbeit über die Geschichte des jüdischen Volkes während der Epoche der Amoräer und Saboräer. Der Umfang des Werkes muss mindestens 20 Bogen Text betragen, in den Noten muss Quellenangabe enthalten sein, die neuesten Forschungen müssen berücksichtigt werden. Das mit dem Preise gekrönte Werk bleibt Eigenthum des Autors, welcher es binnen Jahresfrist nach Zuertennung des Preises der Gesellschaft zum Drucke übergeben muss. Eine judischo Kinderbrigade in London. Im Jahre 1895 wurde in London von dem bekannten Chovev-Zion Oberst G o 1 dsmid eine jüdische „Kinderbrigade" gegründet, in welcher die Kinder zu soldatischer Strammheit erzogen und zu tüchtigen Tarnern herangebildet werden. In der jüngsten Zeit gehörten der Brigade 19 Kinder an, gegenwärtig beträgt deren Zahl 4000. Die Erhaltung dieser .Institution kostet 4000 Pfund jährlich. Jüngst würde in London ein grosser Ball veranstaltet, dessen Reinerträgnis — 3532 Pfund — .der genannten Institution zugeführt wurde. Die Juden als Soldaten. Von dem amerikanischen Geistlichen Dr. Madison C. Peter s, dem bekannten Verfasser der Schrift „Justice to the Jews" (Gerechtigkeit den Juden), ist soeben unter dem Titel „The Jew as a Patriot" (Der Jude als Patriot) ein neues Buch erschienen, das die in vielen nichtjüdischen Kreisenverbreitete Meinung, der Jude hätte eine natürliche Abneigung gegen den Soldatenstand, auf Grund umfassenden statistischen Materials widerlegt. Dr. Peters weist auf historisch beglaubigte Beispiele jüdischer Tapferkeit namentlich aus der Geschichte Amerikas hin. So kämpften im amerikanischen Bürgerkriege zwischen den Nord- und Südstaaten nicht weniger als 8000 Juden für die Union (die Zahl der Juden in den Vereinigten Staaten betrug damals im ganzen 150.000 Seelen). Im letzten spanisch-amerikanischen Kriege kämpften 4000 Juden, und in Südafrika stehen 1000 jüdische Soldaten im Felde. Die bedeutendsten Marschälle Napoleons waren Juden, und von den 8 Millionen Juden Europas gehören 400.000 dem activen Militärstande an. Die Juden der Wüste. „Archives Israelites" bringen einen interessanten Artikel über dieses Thema. Im Südwesten von Biskra (Departement Constantine) gibt es einen jüdischen Stamm, genannt Oued Souf, der in mehreren Gemeinden 80 bis 100 Familien zählt. Der Oberrabbiner Hagenauer hatte bei einer Amtsreise nach Biskra, welches am Rande der Sahara liegt, Gelegenheit zn einer Unterhaltung mit dem Delegierten einer dieser Gemeinden, von dem er manche interessante Information über diese Juden vom Stamme Souf, welche man gewöhnlich die Soufi nennt, erhielt. — Die Soufi tragen vollständig arabische Kleidung und sind deshalb von den Arabern nicht zu unterscheiden. Sie wohnen in den Oasen El Oued, Görnar, Tarzout und Touggourt. Mit den Arabern, die in denselben Plätzen wohnen, befinden sie sich im besten Einvernehmen, haben ganz und gar deren Lebensweise angenommen und leben wie diese ausschliesslich von dem Anbau von Körnerfrüchten und Datteln. Mit Datteln wird in dieser Gegend ein ziemlich einträglicher Handel getrieben, und die Soufi können umso leichter zum Wohlstand kommen, als sie überaus bescheiden in ihren Ansprüchen sind und geistige Getränke verschmähen. Mais ist ihre, wenn nicht einzige, aber hauptsächliche Nahrung. Ihre Gemeinden sind sehr gut eingerichtet, sie haben Rabbiner, Mohelira und Schochtim, denn die Soufi sind fromme Leute und zum Theil sogar in Talmud und Thora bewandert. Ihre Rabbiner machen ihre Studien in Tunis und sollen das Examen dort mit sehr gutem Erfolge bestehen. Die Soufi bewohnen die Oasen seit zwei Jahrhunderten. Sie kommen aus Touat in Marokko, und daher findet man sehr häufig den Namen Touitou bei ihnen, der an ihre Herkunft erinnert; sonst sind die Namen Attiasch, Bithan und Kalfar verbreitet. Die Soufi sind französische Bürger und hängen sehr an Frankreich. Sie nomadisieren nicht mehr wie früher, sondern reisen nur bis Biskra, wo einige von ihnen sich während des Winters aufhalten und einen kleinen Handel treiben. Diejenigen Gemeinden, welche in der Nähe von Biskra liegen, bringen ihre Todten dorthin zur Beerdigung. Dabei müssen die Leichen auf Mauleseln oder Kameelen oft auf recht schwierigen Wegen transportiert werden.