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Die Welt · 1902-03-21 · 12 (21.3.1902) · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
12 (21.3.1902)
Article
Der Zionismus in London
Date
1902-03-21
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 12 Die & Welt46 Seite 5 London gut bestellt, fast das ganze Eastend ist zionistisch. 'Was ihm noch mangelt, sind tüchtige Localführer, die den Geist und die Triebfeder der Eastend er genau kennen, und in denen politische Klugheit, energische Thätigkeit und Geschäftspraktik vereinigt sind. Gäbe es in London mehr solcher Leute, als wir vorläufig zur Verfügung haben, so hätte der Zionismus in London erstaunliche Erfolge aufzuweisen. Leider ist Herr Heinrich Rosenbaum, Vice- Präsident der „English Zionist Federation", nicht ständig in London sesshaffc. So lange er da ist, wird tüchtig gearbeitet. Nach langer Abwesenheit ist er vor zwei Monaten zurückgekehrt. In dieser kurzen Zeit schon ist viel geleistet worden. Herr Rosenbaum arbeitet unermüdlich für Gründung einer jüdischen Toyabee-Halle. Und seine Arbeit ist von Erfolg gekrönt worden. Am 22. d. M. hielt er einen Vortrag über Toynbee-Halien im Tereine „B'ne-Zion". Der Saal war überfüllt. Zunächst erklärte der Redner das Wesen einer Toynbee-Halle. Dann sprach er über die Nothwendigkeit einer speciell jüdischen. Denn die eingewanderten Eastend-Juden verstehen nicht die englische Sprache, man muss sie in der Sprache unterrichten, die sie verstehen. In der englischen Toynbee - Halle wir d nur allgemein Wissenswertes gelehrt, wir wollen aber auch jüdische Wissenschaft lernen. Redner widerlegte die Bemerkungen von Sir Samuel Montagu im „Jewish Chronicle", dass die Gründung einer jüdischen Toynbee-Halle den Beweis der Undankbarkeit der Juden liefern und uns bei den Engländern schaden würde. Durch Gründung eines Bildungs- Institutes wird kein Hass erregt, keine Undankbarkeit gezeigt. In kleinem Massstabe wollen wir die Sache beginnen und langsam auf die Höhe bringen. Die Toynbee-Halle soll enthalten: einen Vortrags-Saal, in dem neben allgemeinem auch jüdisches Wissen geboten werden soll; eine Bibliothek sammt Lesezimmer, ferner Abendclassen und eine Turnhalle. Auch Gesang und Musik sollen dort gepflegt werden, Geist und Körper entwickelt und gebildet werden. Wenn wir nun auch in kleinem Massstabe beginne«! wollen, so müssen wir doch dazu Geld in grossem Massstabe haben. Die Mittel, die uns die Unkosten decken sollen, müssen die Londoner Juden aufbringen. Redner gibt sich der Hoffnung hin, dass, obgleich diese Idee von den Zionisten herrührt, auch Nichzionisten ihr Scherflein dazu beisteuern werden, da die Toynbee-Halle ein Ort der Verständigung aller Juden miteinander sein soll. Dort soll eine Classe die andere kennen lernen, dort sollen die Gegensätze ausgeglichen werden und nur ein Ziel vorschweben : Das Wohl und der Fortschritt unseres theuren Volkes. Dementsprechend soll ein Comite von Männern verschiedener Anschauungen gewählt und die Presse aller Schattierungen um ihre Unterstützung gebeten werden. Nach einer lebhaften Debatte ist das Project einstimmig angenommen worden. Das anwesende Publicum ward für die Idee so begeistert,' dass eine in diesem verhältnissmäsig kleinen und armen Kreise veranstaltete Sammlung die Summe von £ 20 ergab. In der „English Zionist Federation" ist ein Subcomite gebildet worden, das den Namen führt „Hebrew Cultur Committee." Dem unter Vorsitz des Herrn H. Rosenbaum stehenden Comite gehören folgende Herren an : S Su-walsky, Redacteur des „Hajehudi", J.Leisero witz Redacteur des „Jewish Express", Reverend J. G o 1 dbloom, Cohen-Lask, Chait, gewesener Bibliothekar in der Frankfurter Stadtbiblothek, und andere. Das Comite arbeitet unter anderem an der Herausgabe eines Conversations - Handbuches in Englisch und Hebräisch, sowie eines Liederbuches in Yiddisch und Hebräisch. Die „Federation" gibt von Zeit zu Zeit verschiedene Broschüren Flugschriften in Englisch, Yiddisch undHebräisch heraus, um den Zionismus in allen Classen zu verbreiten. Bei verschiedenen Gelegenheiten werden Versammlungen abgehalten, an denen berühmte Redner, wie Zangwill, Gaster und andere Vorträge halten. Redner werden auch in die Provinz ausgesendet. Diese Agitation ist von grossem Erfolge begleitet, indem überall in England, wo Juden wohnen, auch Zionistenvereine bestehen, und der Zionismus begeisterte und grosse Anhängerschaft zählt. Da die Krönungsfeier uns bevorsteht und alle Vereine sich dazu rüsten, ist folgendes Project dem Executiv-Comite der „English ZionistFederation" vorgelegt worden: Die Federation solle eine Medaille^anfertigen lassen. Auf der einen Seite soll diese das Bild des Königs und der Königin zeigen, mit der Inschrift oben: ^a^on rrn*?:»1?*! TSim TiKHp und unten: ♦ j-ni.T UlPin irtt'Oi "Pürr -Auf der anderen Seite zwei Frauengestalten, von denen die eine aufrechte der betrübt dasitzenden Trost bieten will. Oben die Inschrift: E. Z. F. und irnni ^strn ma-ny nnrann patb- Unten: •(.töt») ^nnnxb mpn w Das Comite hat beschlossen, dieses Project dem am 16. d. M. stattfindenden Centrai-Meeting der Delegierten der zionistischen Vereine Englands vorzulegen. Auch für den Nationalfonds wird viel gethan. Diesbezüglich ist Folgendes beschlossen worden: a) Circulare sind an alle Synagogen zu versenden, die die Wichtigkeit des Nationalfonds erklären, die Gaboim auffordern, Nationalfonds-Marken auf Lager zu halten, und die zurThora, Aufgerufenen" für denNationalfondsschnodern. Zu diesem Behufe sollen auch den Synagogen Tafeln zur Anbringung an sichtbarer Stelle zugeschickt werden, auf weichen zur Widmung für den Nationalfonds aufgefordert wird. b) Flugblätter über den Nationalfonds drucken zu lassen und dieselben unter das Publicum zu vertheilen. cj An alle Vereine die Aufforderung zu richten, Strafboxes einzuführen. Das Strafgeld soll für den Nationalfonds verwendet werden. Leon Straschun. Der Schekeimonat. Mit dem Beginn des Monates Adar ergieng zur Zeit des zweiten Tempels allerorten in Israel der öffentliche Aufruf zur Abgabe des Schekels. Jedermann, der das zwanzigste Lebensjahr erreicht hatte, ob reich oder arm, wurde zu dieser nationalen Steuer herangezogen, die, für alle gleichmässig, auch dem Aermsten erschwinglich war und aus deren Ertrag die „Opfer der Gemeinschaft" bestritten und das Tempelgebäude im Stand erhalten, oder wie die biblische Terminus lautet, der „Schaden des Hauses" ausgebessert wurde. Bis auf den heutigen Tag hat sich als Andenken an die alte Institution der Brauch erhalten, am Purimfeste in der Synagoge einen „Machazith Haschekel" in einen hiefür bestimmten Sammelbehälter abzugeben — zur Steuer für die Armen. Aus der Nationalsteuer von ehedem ist im Golus ein Almosen geworden. Immerhin zeugt auch dies von der zähen Unerschütterlichkeit, mit der das jüdische Volk die Erinnerung an seine ruhmreiche Vergangenheit bewahrt und die Hoffnung auf nationale Wiederaufrichtung festhält. Ein Ausdruck dieser zuversichtlichen Hoffnung ist auch die Bezeichnung des ersten Sabbath im Monat Adar als „Schekelsabbath" — Sabbath Sch'kalim. Da wird aus der Thora der Abschnitt vorgelesen, der die Bestimmung der Schekelabgabe enthält, und im Mussaphgebete wird ein Pijut eingeschaltet, welcher der Zions- Sehnsücht des jüdischen Volkes innbrunsWolle Worte leiht: „Wende, o Herr, Dein Antlitz wieder leuchtend uns zu, und den Schekel will ich erheben im festgefügten, hochragenden Tempelhause".

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