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Die Welt · 1902-03-14 · 11 (14.3.1902) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
11 (14.3.1902)
Article
Cöthen [Nachricht]
Date
1902-03-14
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 .Die & Welt00 Nt. 11 leider konnte man sich überzeugen, wie die „Bundisten" dieser Frage ferne stehen. Das Präsidium führte Herr cand. ing. Gurland. Rzeszow. Hier constituierte sich unter den zionistischen Handelsangestellten ein Theater-Dilettanten-Cotnite\ Am 1. und 2. d. M. gelangte die Operette „Bostenoi" von Orb ach zur Aufführung. Am zweiten Tage wurde nach Schluss der Vorstellung vom Chor und der Musik die Zionshymne angestimmt. Ein Reingewinn von K 100 wurde zu Wohlthätigkeitszwecken verwendet. Das Co mite" trifft Vorbereitungen zu „Jehuda Halevi" und „Rabbi Joselmann Lemberg. Anlässlich der Feier des Andenkens des in der Blüte seiner Jahre und seines edlen Wirkens Heimgegangenen hebräischen Dichters Mordechai Zewi Mane betraten die zionistischen Mittelschüler die Bühne (die Feier spielte sich im Locaie des jüdischen Theaters ab) um „Dr. Moses Blum", das vom Advocaten Dr. Malz verfasste nationale Tendenzstück aufzuführen. Beiden zur Auffiihrun g gelangten Scenen wi rkten als Darsteller dieHr. Hirsch, Alt, Fräulein E 1 s k a und E i b 1 u m, sowie Herr Schlott in der Titelrolle unter grossem Beifalie des zahlreichen Publicums mit. Pbg. Craiova. (Verein B n e i Z i o n.) Herr M.Schwarzfeld, unser Delegierter auf dem Baseler Congresse, berichtete über denselben. Nach einigen einleitenden Worten des Herrn Löbel, in denen er die Bedeutung des Congresses speciell für die rumänischen Juden schilderte, gab der Redner nach einer klaren, lichtvollen Darstellung der Verhandlung des Congresses ein Resurne der Beschlüsse auf culturellem, nationalem, politischem und ökonomischem Gebiete. Von den Damen Sarnitca und Feingold wurde eine Sammlung zugunsten des Nationalfonds veranstaltet, die den Betrag von 150 Francs ergab. Podhajce. Vierte ordentliche General-Versammlung des Zion-Vereines in Podhajce. in den Ausschuss wurden gewählt die Herren : Benj amin K i 11 n e r als Präsi dent; Dr. A braham Glasberg und Bernhard Margu lies als Vicepräsidenten; Tobias Rattner als Secretär der Landessprachen; Josef Blutreich als Secretär der hebräischen Sprache; Hersch Grünberg als Cassier; Moritz Lieblich als Bibliothekar; Markus Jeci es und Leon Gross cand. jur. als Ausschuss-Mitglieder ohne Function; Meier Wolf N ad ler und Efraim Buchwaid als Controlore. Der Zionverein in Podhajce besteht seit 4 Jahren and zählt circa 70 Mitglieder. Bucarest. 1. Februar. (Bildung s verein jüdischer.Hochschüler aus Rumänien. Sectio n Bucarest. Calea V acaresci 142.) Jeden Samstag abends wird von einem Mügliede des Verbandes eine Con-, ference abgehalten, die ein nationales Thema behandelt. Diese Conferenzen werden auch von vielen Nichtstudenten besucht. Bis heute sind folgende Conferenzen abgehalten worden: 1. Ueber die Studentenverbände in Europa. 2. Der Zionismus, vorn Cultur-Standpunkte betrachtet. 3. Baruch Spinoza. 4. Moses Mendelssohn und seine Philosophie. 5. Müssen wir, indem wir unser Nationalgefühl wecken, zur Religion zurückkehren oder nicht? Der Verband ist auch auf dem Wege, eine Lesehalle zu gründen. Ehrenmitglieder unseres Verbandes sind die Herren: Chief-Rabbi Dr.: Mose3 Gast er und Heinrich Rosen bäum in London. Vorsitzender: Emil Tauber. Secretär: Moses Maedler. Wien. (Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mäd chen „M oria") hat Donnerstag den 20. Februar im Restaurant Guth einen Familien-Abend veranstaltet. Programm : Herr Professor Morini sorgte in' liebenswürdigster Weise mit seinen begabten Schülern, den Herren Nussbaum undBardach, für den musikalischen Theil. Ferner ernteten die Fräulein Elsa Katz und Olga Welt für ihre Declamationen reichen Beifall. Das Duett „Heimliche Liebe" wurde mit Beifall von den Fräulein Frieda Wagner und Lotte Rand aufgeführt Ein Tanzkränzchen beschloss den Abend. Frumusica (Rumänien). „VereinZion". Am 15. Februar Generalversammlung. Ergebnis der Neuwahlen :A.Zaharia, Präs., M. Schönfei d, Vicepräs., M. D a w i d s o h n, Ch. Itzkowitz, Secretäre, J. Lachs, Cassier, D. Zaharia, Controlor, Laser Segermann, S. Blum, J. Schmilowitz, Josef Lewinsohn, S. Herschkowitz, Auss chuss. Prag. („Fr at erni t as% Tafelrun de jüdischer Studenten.) Das am 27. Jänner veranstaltete Kränzchen der „Fraternitas" in Prag hatte einen so befriedigenden pecuniären Erfolg, dass das ComitS, wie im Vorjahre, K. 100 der jüdischen Toynbee-Halle in Prag zugewendet hat Crajova (Rumänien). Hier wurde ein zionistischer Verein „B'nei Zion Jehuda Hanasi" gegründet, in dessen Ausschuss folgende Herren entsandt wurden : A. B* Nathansohn, Präsident; S. Cerbaum, Cassier; L. M, Ro senzweig, Secretär; D. Schaff er und S. Petrianu, Ausschussmitglieder. _ Brünn, (Jüdisch-akademische Verhindu ng „Veritas". Bei der am 3. d. M. stattgefundenen Generalversammlung wurden in die Vereinsleitung gewählt: cand. ing. Heinrich Baumgarten zum Präses, stud. ing. Albert Hof mann zum Vice-Präses, stud. ing. Hermann Z e i s e 1 zum Schriftführer. — Gesinnungsgenosse Ingenieur Robert Stricker wurde in Würdigung seiner Verdienste um den Zionismus und insbesondere um die Verbinduug, zu ihrem Alten Herrn und Ehrenburschen ernannt. Berlin. Einen schönen Verlauf nahm eine am 24. Februar 1902 im grossen Saale des Handwerker-Vereins stattgehabte, ausserordentlich zahlreich besuchte Volksversammlung der „Zionistischen Vereinigung". Herr Dr. Klee, welcher vor kurzem von Bonn sein Domicil nach Berlin zurückverlegt hat, hatte nach seiner Rückkehr sein erstes Debüt vor der Oeffentlichkeit Berlins, in welchem er sich wieder als der bekannt glänzende Redner erwies. Er behandelte das Thema „Der Zionismus und seine Gegner", in welchem er die Entstehung der zionistischen Partei in ihrer jetzigen Gestalt, deren Notwendigkeit und deren Programm beleuchtete. Ebenso wusste er die Einwände der Gegner vom religiösen, politischen und allgemein menschlichen Standpunkte aus in sachlich hervorragender Weise treffend zu wiederlegen. Dem Vortragenden wurde stürmischer Beifall zutheil. Zahlreiche Anmeldungen zu der Vereinigung waren das Resultat des Vortrages, wie dies der Vorsitzende Herr Dr. Katz constatieren konnte. An der Discussion betheiligten sich die Herren Pastor Faber, Dr. L o e w e, Herr Engelbrecht und Michaelsohn. Wir heben aus den Ausführungen des Herrn Pastor Faber hervor, dass sich derselbe geg^n den Vorwurf, in die zionistischen Versammlungen im Interesse der Judenmission zu kommen, vertheidigte und erklärte, dass kein Jude schwerer zu bekehren wäre, als ein den zionistischen Principien huldigender. Herr Dr. Heinrich Loewe wandte sich scharf gegen die Anfeindungen von verschiedenen Seiten gegen den Zionismus, vor allem gegen Herrn Rabbiner Dr. May bäum, dem er als geburtigen Ungarn das Recht absprach, sich als deutschnationalen Patrioten aufzuspielen, un<l nachwies, dass er nicht in der Lage war, zwischen Staatsbürgerthum und Nationalität zu unterscheiden. Er forderte die Herren auf, muthig genug zu seiu, um in die Yersammlungen zu kommen und dort Rede zu stehen, wo man ihnen antworten könne, aber nicht auf der Kanzel anzugreifen, derrn Tribüne nur ihnen zur Verfügung stehe. Es sprach noch unter Beifall Herr Michael söhn. Der Verlauf der Versammlung war für unsere Sache äusserst günstig. (Schluss halb 1 Uhr.) L. B. München. Die hiesige russisch-zionistische Studenten- Verbindung „K a d i m a h" hatte diese Woche das Vergnügen, Herrn Dr. W e i t z rn a n n-Genf in ihrer Mitte zu sehen. Alle Colonien der jüdischen studierenden Jugend aus Russland machen im Laufe der Zeit gewisse Stadien durch in ihrer ötellungzum Judenthum. Alle diese Etappen treten besonders markant an der hiesigen Colonie hervor. Noch vor zwei Jahren, als unser Gesinnungsgenosse Buchmil hier für den Zionismus agitierte, war die grosse Mehrheit auf dem Boden der Assimilation. Ausser uns Zionisten waren es immer nur ganz wenigp, vor allem Anhänger des „Jüdischen Arbeiterbundes", die gegen die Unterdrückung der jüdischen Nationalität protestierten. Und erst allmählich ist es so weit gekommen, dass die Mehrheit zwar nicht dem Zionismus, aber doch wenigstens dem Judenthum gehört. Diese Sachlage kam in prägnanter Weise zum Ausdrucke in denDiscussions-Abenden der letzten Woche, die Dr. Weitzmann mit grossem Geschick geführt hat. Seine Einleitungsrede schilderte in glänzender Weise die zionistischen Strömungen in der Geschichte des Judenthums; er sprach von der Spaltung des jüdischen Volkesin Intelligenz und Masse, vom Exodus der Intelligenz aus dem Volke und ihrer allmählichen Entfremdung. Seine Schilderung des Zwiespaltes in der Seele des jüdischen Intelligenten war schlechthin ein Meisterstück feiner Psychologie. Zum Schlüsse besprach er die zionistische Taktik. Die Rede machte den besten Eindruck und auch die Gegner konnten mit ihrer Anerkennung nicht zurückhalten. In der drei Abende dauernden Discussion lag dem Referenten vor allem daran, den „Bund", seine Theorie und Praxis zu widerlegen, und dies ist ihm voll gelungen.

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