Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 11 (14.3.1902)
- Article
- Efraim Frisch: "Verlöbnis" [Rezension]
- Date
- 1902-03-14
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 11 Die Welt66 Seile 9 den früheren Sittenschilderern (Kompert, Kohn, Franzos) Seelenmaler sind. Sie alle, Zangwill, Perez, Ziocisti, Jaffe, Wassermann, stehen bewusst oder unbewusst unter cUm Einflüsse des Zionismus. Ihnen gesellen sich immer neue Träumer und Streiter hinzu. Ringende und Schaffende, Denker und Künstler scharen sich langsam um das einigende, leuchtende Banner, das über die niedrigen Dächer des Ghetto hin ins hohe Reich des Lebens und der Freiheit flattert. .. „Ein Hauch weht durch die Lande , . .* M. Scher^a g. Hcis dei) \^ereii)*i). Eine zionistische Kundgebung aus Buenos-Ayres. Eine Huldigung besonderer Art haben die Zionisten in Buenos-Ayres dem fünften Congresse zugedacht, doch ist die Sendling leider mit bedeutender Verspätung eingelangt. Die „Liga Dr. Theodor Herzl" in genannter Stadt hat die Resolution ihres Zionistentages nicht in einem blossen Schriftstücke, sondern mit anderen Kundgebungen in einem innen und aussen prächtig ausgestatteten Album niedergelegt. Dieses stellt einen mächtigen Band vor (45 cm lang, 35 cm breit, 20 cm hoch), dessen weisse Lederdeckel in deutscher Sprache die Widmung tragen : Herrn Dr. Th. HerzJ, dem Actions-Comite und den Delegierten des V. Congresses gewidmet von den Zionisten in Buenos-Ayres. Darunter und am Rande befinden sich Allegorien des Zionismus und Zukunftsbilder aus den Colonien gemalt. Das erste Blatt des Innern trägt ein hebräisches Akrostichon von S. F. Dlugatsch; es folgt ein hebräisches Begrüssungsgedicht an den Congress, weiters ein Huldigungslied auf die Führer von Rüben Fink, ebenfalls hebräisch. Das nächste ist eine Vertrauenskundgebung, dann Anträge an den Congress. Die interessante Geschichte der Juden in Buenos-Ayres folgt vor der Entwicklungsgeschichte der Gemeinde. Nun kommen in der Reihe Einzelbilder von Ligamitgliedern mit je einer kurzen Lebensbeschreibung auf der Rückseite des Cartons. Es folgen die Unterschriften aller dortigen Zionisten. Auf eine Darstellung der jüdischen Institute der Stadt folgt die Entwicklungsgeschichte des örtlichen zionistischen Organisation. Weiter Kommt nach einem Gruppenbild der Kinderschule der Liga der Ernnerungsact der Weihung einer Tempellade. „El Sionista", die dortige Zeitung der Zionisten im Jargon, füllt die letzten Blätter mit aufgeklebten Ausschnitten. Das Album ruht in einem mit weisser Seide ausgeschlagenen mit Glasdeckel gedeckten Kasten auf einem Postamente aus grünem Sammt. Bis auf Weiteres ist es im Congress-Bureau deponiert. Chewra-Sude des Einzelnvereins „Zion" in Wien- Fünfhaus. Samstag den 8. März fand in Herlingers Saal in Fünfhaus die erste Chewra-Sude des Fünfhauser Zion- Vereines statt. Es war ein glücklicher nachahmenswerter Gedanke des ausgezeichneten Präsidenten dieses Vereines, unseres lieben Dr. Kren berger, die Gesinnungsgenossen, die mit ihm so rührig an der nationalen Arbeit thatig sind, zu einem Liebesmahle zu vereinigen, und über hundert Personen, Damen und Herren, waren der Einladung gefolgt. Nachdem Cantor Schleiffer mit mächtiger Stimme die „Mozi" gemacht und Dr. Krenberger die Gäste in einer gedankenvollen, die Arbeitsaufgabe und die Erfolge des Zionismus resümierenden Rede begrüsst hatte, begann das Mahl, Im Verlaufe desselben ergriffen nacheinander das Wort die Herren Fuchs, Mohr, Dr. Martin Englaender, Kolisch, Ing. Kremenezky, Ing. Steinherz, Stern, Aren. Marmorek. Prof. Graubart und Dr. S c h a 1 i t. Frau Dr. Kahn antwortete auf den Damentoast ungemein wirksam und ernst durch eine Schilderung der Pflichten der jüdischen Frau, und schloss mit einem Appell zugunsten unseres Nationalfonds, dem auch eine schöne Summe zufloss. Nachdem der stimmgewaltige Cantor „geben seht* hatte, beschloss Dr. Kahn die Reihe der Redner mit der Aufforderung, diese Liebesmahle recht oft und überall nachzuahmen. Es ist thatsächlich eine schöne alte jüdische Sitte, die damit wieder aufgenommen ist, bei fröhlichem Mahle ernsten Gedankenaustausch zu pflpgen. Als verdienstvolle Arrangeure sind zu nennen die Herren Mohr und Fuchs. XXX London. Die „English Zionist Feder a t i o n" arbeitet äusserst rührig. Jede Woehe finden mehrere Massenversammlungen statt. Die aligemeine Presse des Landes nimmt an der Bewegung lebhaften Antheil, und oft werden in ihren Spalten Discussionen pro und contra veröffentlicht. Die Sammlungen für den Natioalfonds werden eifrig betrieben und haben einen Hauptantheil an den guten Ergebnissen derselben namentlich die Herausgeber des „Jewish Express" und ihr verdienter Redacteur Eliezer Leizerowitsch. * Kolomea. (Verein ,Zion".) Bei der am S.März 1. J. hierorts stattgefundenen Cultuswahl ist Herr Dr. Salomon Rosenheck im Gompromisswege in den Cultusrath gewählt worden. M. Sehr. * Voranzeigen. Wien. (Der jüdische Verein jugendlicher Arbeiter. Wien iL, Rembrandtstrasse 3), v eranstaltet Sonntag den 16. März 1904 im Restaurant Kühn, IL, Rembrandtstrasse 18, eine /zemüthliche Purimfeier mit Festrede, ernsten und heiteren Recitationen, Gesangs- und Musikvorträgen. Beginn halb 4 Uhr nachmittags, ♦ Eintritt frei. Gäste willkommen. Der Verein eröffnete am 9. März eine Turn-Section. Turnstunden jeden Sonntag von 4 — 6 Uhr nachmittags im Turnsaale, iL, Malzgasse 16, ferner unentgeltliche Curse für Gabelsberger-Stenographie jeden Sonntag von 2—3 Uhr. Kunstzeichnen jeden Mittwoch von 8—9 Uhr abends. Anmeldungen im Privatiocale jeden Sonntag von. 6—8 Uhr abends. Bibliotheksstunden jeden Sonntag von 8—9 Uhr abends. Einschreibgebür 20 Heller, Monatsbeitrag 20 Heller. Wien. („Jüdisch-natio n al er Arbeiterverein.") Einladung zu dem am Samstag den 22. März 1902 in Eduard Herlingers Restauration, XIV., Schwendergasse 1, stattfindenden grossen Purim-Feste, verbunden mit heiteren Vorträgen, Gesang, Musik, Possen-Aufführungen. Juxpost, Juxbazar, Serpentinenwerfen etc. mit anschliessendem Tanzkränzchen. Der Verein rechnet deshalb auf das Erscheinen aller Gesinnungsgenossen. Karten ä 60 Heller sind bei allen Verbindungen, im Cafe Rudolfsheim, XV., Denglergasse % bei Herlinger, sowie bei S. Hasterlik, VI., Windmühlgasse 39, und im Vereinslocale, VI., Schmalzhofgasse 3, zu haben. Wien. („Vereinigung zionistischer Hochschüler.") Samstag den 15. März um 8 Uhr abends findet im Cafe Nestroy (Praterstrasse) ein Vortrags-Abend statt, an welchem Herr ß e 1 k i n d, ein Mitglied der sßiluu,aus der C o 1 o n i e „Riachon 1 e Zion" über die palästinensischen Colonien sprechen wird. Gäste willkommen. Wien. („Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler/4) Samstag den 15. März findet im Hörsaale 33 der k. k. Universität der Vortrag des Herrn Schriftstellers Martin B u b er über „Kunst und Gesellschaft" statt. Kolin. (Der Verein „Zion") veranstaltet am 23. März ein Purim-Kränzchen in der Schloss-Restauration. Wien. Im lit. Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria" wird Sonntag den 16. d. Herr Dr. Sigmund Werner einen Vortrag über „Esther" halten. Beginn präcise 3 Uhr nachmittags im Religionssaale der isr. Cultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2,1. Stock. Gäste, Damen, willkommen. Berichte. Omaha, Nebraska (Ver. Staaten), 20. Februar. Herr B. F. Brau nstein hat hier einen Z weigverein „Dr. H e r z 1 Gate Nr. 24" des zionistischen Ordens „Kuights of Zion" gegründet. 60 Mitglieder haben sich innerhalb einiger Tage angemeldet. Bis zum Tage der Gründung hatte man in der Stadt noch keine Idee vom Zionismus. 40 Shares wurden verkauft. Der junge Verein hat bereits eine Kinder-Sonntagsschule für jüdische Geschichte gegründet, die äusserst zahlreich besucht wird. Der Verein unterhält Nachrichtendienst mit der Ordenscentrale Chicago. Cöthen. (Student. Zionisten -Verein.) In unserem Vereine wurde ein Referat von Herrn Leo Mozkin aus Berlin gehalten, in dem er hauptsächlich über den V. Zionisten - Congresses und über die jüngst ins Leben gerufene „Fraction" sprach. Dazu waren auch eine grössere Anzahl Studenten und Studentinnen aus Berlin, Leipzig und Halle gekommen. Nachdem die Vorlesung beendet war, wurde bis 5 Uhr morgens über die jetzt verschärften Verhältnisse der soeialdemokratischen Bewegung gegenüber der Zionisten-Frage debattiert. Hier