Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 10 (7.3.1902)
- Article
- Leipzig [Nachricht] / Hotz, J.
- Date
- 1902-03-07
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 ,Die fr WeIt6C Seite 11 büchsen anzubringen, wurde mit grossem Enthusiasmus angenommen. Dank den Bemühungen des Herrn cand. phil. L. Burstein beschloss die Lesehalle „Die Welt" und die „Hazefirah* sowie ein hebräisches Wörterbuch anzuschaffen, J. H o t z. Bukarest. (S o c i e t a t e a „S e h P e z u r a h8.) Der Verein wurde jetzt neu gegründet. Vorstand : Horia C ar p, Präsident; Carl Wechsler und B. Levy, Vizepräsidenten; M. Z o 11 e r, Cassier; Frl. Henriette Z o 11 e r, General- Secretärin; Marcus Finkelsohn, Schriftführer; Hermann Wechsler, Ad. Moscovici, Hermann Bernstein, Ch. Schwarz, Arthur Spitzer Gontrolore. Der Verein hat als Hauptzweck den Einkauf von Actien der Colonialbank, Agitation und Sammlung für den Nationalfonds und hat beschlossen, eine Delegierten-Conferenz sämmtlicher zionistischer Vereine Bukarests einzuberufen, um bei den Mazzothbäckern eine Abgabe für den Nationalfonds zu erwirken. Im Organe des Präsidiums „Mevasereth Zion" ist eine diesbezügliche Aufforderung an alle zionistischen Vereine bereits ergangen. Herr Horia Carp, Herausgeber des oben erwähnten zionistischen Organes hat mit B. Levy und Henriette Z oller eine Agitationsreise nach folgenden Städten unternommen : Buzeu, Focsani, Berlad, Vaslui, Jassy, Tg. Frumos, Harlau, Frumusica, Dorohoi, Botoschoni, Falticeni und Roman. Er propagierte den Nationalfonds, leitete dauernde Sammlungen ein und gründete mehrere Vereine. Diesen Sonntag fand in der grossen Bukarester Synagoge ein Meeting mit tausenden Besuchern statt. Herr Carp sprach unter grossem Beifalle über Zionismus und Nationalfonds. Prag. („B ar - K o c h b a\ Verein jüdischer Hoch schüler in Prag.) Neuwahlen am 16. Februar: Obmann J.-U.-C. Ernst Gütig; Obmann-Stellvertreter: stud. phil. Arthur Hahn; Schriftführer M.-U.-C. Jacob Koralek und jur. Hugo L ö w; Cassier jur. Alfred Weigl; Bibliothekar stud. phil. Hugo Bergmann; Oekonom med. Georg Fischer. Pressburg. Am 16. Febr. referierte im hiesigen Zionistenverein „Ahavath Ziontf das Mitglied des Actionscomites Herr Dr. ßela 0 ester reicher aus Neusiedl a. S. vur einem zahlreichen Auditorium über den V. Zionistencongress. Hiernach versammelte sich der Vereinsausschuss zu Ehren des Gastes zu einem geselligen Festabend, welcher mit einer Sammlung für den Jüdischen Nationalfonds seinen Abschluss fand. Wien. (Literarischer G eselligkei tsver ein jüdischer Mädchen „M o r i a".) Im literarischen Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" fand Samstag den 2. d. M. eine Vorlesung von Frl. Josefine Frankel statt. Referentin brachte die Erzählungen „Das Höchste" von M. A. G o 1 d s c h m i e d (aus dem Dänischen übersetzt von Josefine Frankel) und „Der Muff" von Marie von bn er-Eschenbach zur Vorlesung und erntete Beifall. Wian. (E i n z e 1 v e r e i n „L e opol dstadt-Prat erstrasse" des „Zion".) Die Herren N. Gross, Obmann des „Allg. jüd. Arbeitervereines", und unser Vereinsmitglied S. 1). Albachary hielten am 20. Februar bei uns einen Vortragsabend ab. Herr Gross schilderte die Lage des galizischen Proletariats und deducierte daraus die Notwendigkeit des Zionismus. Herr Albachary besprach an der Hand der palästinensischen Karten die commerzielle Entwicklung des Landes und brachte Daten über den Handel dieses Landes. Eine Drucklegung dieser statistischen Daten wäre im Interresse unserer Sache sehr erwünscht. An der Discussion betheiligte sich Herr Schuldirector H, Weber, welcher praktische Vorschläge für die Gegenwartspolitik der Zionisten machte, ferner Herr Obercontrolor Engel, der, obgleich Arier, seine Sympathie für den Zionismus und unsere Führer beredten Ausdruckten. In den Zwischenpausen wurde für den „Nationalfonds" gesammelt. Der letzte Punkt der Tagesordnung war die Gründung eines zionistischen Losvereins. Diese wurde beschlossen, und sind bereits eine grössere Anzahl Anmeldungen hierzu erfolgt. Unser Verein hat mit dem gestrigen Abend einen grossen Erfolg zu verzeichnen. Der nächste Vereinsabend findet Mittwoch den 5. März statt. Dem Abend präsidierten abwechselnd die Herren Obmann Anton Low und med. Dr. Jos. G r ü n w a 1 d. Als Gäste waren Herr P o 11 a k vom Verein „Montefiore" und Herr Dr. Weiss, Obmann des Vereines „Nächstenliebe", anwesend. Wien. (L e s eu n d R e d e h a 11 e j ü d i s c h e r H o c lisch ü ler) Am 22. Februar fand in Wendlingers Restaurant, IX., Seegasse, die XV. ordentliche Plenarversammlung, deren Vorsitz med. Ig. Zollschan führte, statt. Die Einleitung bildete die Verlesung des Jahresberichtes, aus dem hervorgeht, dass die Lesehalle auch im heurigen Jahre von Seiten der jüdischen Bevölkerung vielfache Unterstützung genoss. Der Verein zählt 293 Mitglieder und bot eine Reihe von Verträgen erster Wiener Autoren. Das Ballfest wies einen guten Erfolg auf. Wahl des neuen Ausschusses : Präses med. Otto G log au, I. Vicepräses jur. Marco, IL Vicepräs. phil. J a m p o 11 e r, Ausschussmitglieder die Herren, jur. K atz, med. A m b o s, techn. G o 1 d b e r g, jur. P o r d e s, jur. Schmidt, jur. Schwarz und phil. Weiss. Der Präses betonte in seiner Antrittsrede, dass der Verein ein neutraler Sammelpunkt aller jüdischen Hochschüler sei, wo neben jüdischer Kunst und Wissenschaft auch die Moderne wie bisher Gegenstand der eifrigsten Pflege sein werden. Wien. (Vereinigung jüdischer Handlungs- Angestellten u n d B e a m t e n „J ordania4.) Samstag den 15. Februar recitierte Gg. Benno Posenzweig einige Kleinigkeiten von der begabten, noch unbekannten Schriftstellerin Fräulein Riza Dux-Jassy. Reicher Beifall lohnte die schönen poetischen Gaben. Feuilleton. Die Soldaten-Synagoge. Von N. Pruschansky. Deutsch von Julie Goldbaum. . . . Sie fragen, warum wir bei Öffentlichen Feiertagsgebeten den Namen eines gewissen Andrej, Sohnes eines gewissen Terentji, erwähnen, der doch wahrscheinlich kein Jude gewesen ist? —Das ist eine lange Geschichte. Wollen Sie sie hören? Sie ist zwar nicht sehr interessant, dafür aber ebenso wahr, wie das Leben selbst. Ich weiss nicht, ob es Ihnen bekannt ist, dass der grösste Theil der jüdischen Einwohner unserer Stadt von ehemaligen „Cantonisten" abstammen, die nur durch irgend ein Wunder Juden geblieben sind» Ich sage durch irgend ein Wunder, weil es für einen Cantonisten eine wahre Heldenthat war, Jude zu bleiben. JNicht, dass die Vernichtung des Judenthums einen Theil des Programm es an den Cantonisten-Schulen gebildet hätte, oder dass man uns direct zur Taufe gezwungen hätte — aber die Lebensverhältnisse waren damals derart, dass es den Juden fast unmöglich gemacht wurde, Juden zu bleiben. Sie wissen vielleicht auch gar nicht, wer diese jüdischen „Cantonisten" waren? — Das ist ganz natürlich. — Woher sollten Sie das wissen? Das sind ja, Goit sei Dank, längstvergangene Zeiten. Jetzt sind wir alle gewesenen Cantonisten &chon Greise, und auf derselben Stelle, wo einst unsere Cantonisten- Schule stand und das Jammern des mit Ruthen gezüchtigten Cantonisten-Kindes erscholl, erhebt sich heute unser Gotteshaus. Ich weiss nicht, ob es Ihnen bekannt ist, dass einst, infolge ich weiss nicht welcher tiefsinnigen Begründung, die Judenkinder schon im zartesten Alter, als 7—8jährige Knaben, zu Soldaten gepresst wurden. Ich will dieses düstere Capitel aus der Leidensgeschichte der russischen Juden nicht weiter berühren, es würde mich zu weit führen. Eines nur möchte ich Ihnen sagen. Es hat kaum je eine Periode gegeben, in welcher mehr Thränen von Juden vergossen worden waren, als während jener schaurigen Zeit, da förmliche Hetzjagden auf Judenkinder veranstaltet wurden. Freilich wurden die Kinder bei diesen Jagden nicht wie Hasen getödtet — sie wurden halbtodt vor Schrecken aus ihren Betten und aus den Armen ihrer Eltern gerissen und auf das Amt geschleppt. Dort wurden ihnen die Haare rasiert und ihnen gesagt, sie seien nicht mehr Kinder, sie seien nun Soldaten. Da solche „Soldaten" aber in ein Regiment nicht eingereiht werden konnten, so musste mit ihnen „etwas anderes" unternommen werden. Zuerst wurden sie in grossen Partien, wie eine Herde Schafe in die inneren Gouvernements geschickt. Damals gab es noch keine Eisenbahnen, und so mussten diese unglücklichen Kinder zu Fuss marschieren, unter dem Commando alter Soldaten, die mit ihnen nicht sonderlieh sanft unigiengen. Inden inneren Gouvernements wurden sie derart vertheilt, dass manche von ihnen zu Handwerkern in die Lehre gegeben wurden, andere wieder bei Bauern als Schäferknaben aufwuchsen und der Rest in den Cantonisten- Schulen untergebracht wurde. Es war damals eine noch rohere Zeit als gegenwärtig. Die Menschen waren grausam gegeneinander, und derjenige,