Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 10 (7.3.1902)
- Article
- Die "Jewish Encyclopedia" wird fortgesetzt"
- Date
- 1902-03-07
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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Säte 10 „Die i$ Welt*6 Nr. t© Nun ist diese Krisis glücklich überwunden; die „Encyklopädie* wird hoffentlich kein Torso bleiben, sondern fortgesetzt werden. Der zweite Band soll schon im April erscheinen, und der dritte noch im Laufe dieses Jahres folgen. Die Fertigstellung des ganzen Werkes soll binnen 4—5 Jahren durchgeführt werden. Unser Gesinnungsgenosse, Professor R. Gottheil in New-York, bekanntlich Präsident der „Zionist Federation" von Amerika, zugleich einer der Herausgeber und Hauptredacteureder„Encvklopädiea, hat sich über dieselbe zu einem Redacteur des „Jewish Comment" in Baltimore folgendermassen geäussert: „Als der Plan des Werkes entworfen worden war, dachte man nicht an annähernd so grosse Kosten, als sie sich thatsächlich für Band I ergeben haben. Mit Rücksicht auf den Pionnier-Charakter des Werkes waren die Schwierigkeiten, das geeignete Material zu erhalten, oft enorm. Eine andere Schwierigkeit und Kostspieligkeit besteht darin, dass die Mitarbeiter der „Encyklopädie" meist fern vom Redactionsorte, in der ganzen Welt zerstreut, wohnen. Die Ausstattung des Werkes — die denkbar prächtigste — verschlang ebenfalls viel Geld. Andererseits haben die wirklich eingezahlten Subscriptionen leider nicht jene Höhe erreicht, die erhofft und erwünscht worden war. Es ist begreiflich, dass die Verleger natürlich nicht gewillt waren, in das Unternehmen fortgesetzt Geld hineinzustecken, bis nicht eine gesunde geschäftliche Basis gefunden sein würde. Es ist ja nicht das erstemal, dass gerade derartige encyklopädische Unternehmungen in diese Situation gerathen. Ich erinnere nur an die französische „Grande Encyclopedie* und das amerikanische Sammelwerk „The World's Best Literature". Diese Frage ist nun dadurch glücklich gelöst worden, dass eine Anzahl grossgesinnter Bürger sich zusammengefunden und einen Garantiefonds geschaffen hat, welcher die Vollendung des Werkes nach dem ursprünglichen Plane sichert. Ebenso wurde in Bezug auf die Redaction * eine Reorganisation beschlossen, welche die frühere Umständlichkeit einschränken soll. So soll denn am 1. April 1906 das Werk vollendet dastehen, welches ein Monument nicht bloss der amerikanischen Judenheit, sondern der Judenheit der ganzen Welt bilden soll und in gewissem Sinne mit beitragen soll, das ewige Judenproblem zu lösen." Unsere besten Wünsche begleiten das Werk auf seinen weiteren Wegen. Hoffentlich wird die Reorganisation des Unternehmens seinem Charakter keinen Abbruch thun und werden die folgenden Bände dem ersten in keiner Beziehung nachstehen. Wir wünschten nur, dass auch in den nicht englisch sprechenden Ländern die Encyklopädie weite" Verbreitung finden möge. — Jeder gebildete Jude sollte es als seine Ehrenpflicht ansehen, das Werk zu besitzen. —k Nach Schluss des Blattes eingelangt. Jüdischer Nationalfonds. Es wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht, dass die neuen Marken des Jüdischen Nationalfonds innerhalb der nächsten acht Tage bei der Colonialbank, London E. C, Wallbrook, Brook House, zum Verkaufe gelangen. Aufträge werden jetzt schon von der Jüdischen Colonialbank entgegengenommen. $fas det) \)ereii)*t). Voranzeigen. Köln. (Zionistische Vereinigung.) Dr. Klee hält in der nächsten Woche Propagandavorträge über „Ursachen, Wesen und Bedeutung des Zionismus": am Samstag den 8. d. M. in der Zionistischen Vereinigung zu München (Kreuzbräu-Saal) und voraussichtlich Donnerstag den 13. d. M. in Bremen. Gäste, Damen und Herren, sind stets willkommen. Berlin. An der Universität wurde eine zionistische Studentenverbindung „Hasmonaeatt, gegründet. Zuschriften sind zu richten an Herrn Dr. Ed. Lescynsky, Berlin W., Bayreutherstrasse 36, der zu jeder näheren Auskunft gern bereit ist. Mitglieder österreichischer zionistischer Verbindungen, die im Sommer in Berlin studieren wollen, werden gebeten, ihre Ankunft und Wohnung der „Hasmonaea* anzuzeigen. Prag. („Fr atern i t&s", Ver e i nabsolvierter Handelsakademiker), Die Tafelrunde „Fraternitas" in Prag wird sich zu einem Vereine unter obigem Namen constituieren, welcher es sich zur Aufgabe machen wird, die Interessen der absolvierten jüdischem Handdsakademiker durch modern-sociapolitische Massnahmen zu wahren und den Zionismus in diesen Kreisen zu propagieren. Die ehemaligen Mitglieder der Tafelrunde ,Fraternitas" werden ersucht, ihre Anmeldung an den Verein, Prag, Heinrichsgasse 9, zu richten. Die constituierende Versammlung findet am 9. März d. J. statt. Wien. Der Jüdisch-nationale Arbeiterverein gibt hiermit bekannt, dass jeden Samstag 8 Uhr abends in seinem Vereinsiocale, VI, Schmalzhofgasse Nr. 3, Vorträge stattfinden, und ladet die Gesinnungsgenossen höflichst ein. Wien. (Kranken - Unter s tützung sverein ,LiwiasCheng.) Die XV. Generalversammlung findet am 9. März, 4 Uhr nachmittags im Vereinsiocale, IL, Obere Donaustrasse 89, statt. Schriftführer: Isidor Kerner. Obmann : Leop. Gold. Ungarisch-Hradisch. Die jüdisch-akademische Ferialverbindung „Achiwah" in Ungarisch-Hradisch veranstaltet am 23. März 1. J. in Göding anlässlich des Purimfestes eine Feier. Ort: Localitäten im Hotel Kopp er. Beginn präcise 71/, Uhr abends. Um zahlreiche Betheiligung seitens der Gesinnungsgenossen wird ersucht. Berichte. Lodz. Der hiesige Verein „Agudas Zion" veranstaltete am 8. v. M. einen Agitationsabend. Die Attraction desselben bildete die Anwesenheit des Redacteurs N. Soko 1 ow aus Warschau, dem die Aufgabe zufiel, den Zionismus eingehend und erschöpfend zu begründen. Dieser Aufgabe kam Herr S o k o 1 o w in glänzender Weise nach. Seins stundenlange Rede rief sowohl unter den Zionisten als auch unter den zahlreich erschienenen Nicht- und Antizionisten Beifallsstürme hervor. Dann wurden zwei Briefe über den Zionismus (die in dieser Nummer veröffentlicht sind — Anm. d. Red.) vom berühmten modernen Schriftsteller Maxim Gorkij und vom bedeutenden National -Oekonomen Tugan-Baranowsky, vorgelesen. Beide Briefe dieser hervorragenden Männer waren eine herzliche Beistimmung zum Zionismus, die in den innigen Wunsch ausklingt, es möge dem unglücklichen jüdischen Volke gegönnt sein, sein Ideal der Freiheit zu verwirklichen. Es sollte nun die Discussion folgen. Leider sahen sich die Zionisten in der Erwartung eines ernsten Austausches und hitzigen Gefechtes der Meinungen ganz enttäuscht. Trotzdem die nichtzionistische Intelligenz zahlreich erschienen war, ergriffen aus deren Lager nur einige Herren das Wort, um die abgedroschenen Vor-und Einwürfe aufs neue aufzutischen. Die Opponenten bewiesen leider volle Unkenntnis der jüdischen Fragen und der jüdischen Strömungen. Es stellte sich die Nothwendigkeit heraus, den Gegnern in dieser Hinsicht die elementarsten Belehrungen zu ertheilen. Auch diese Aufgabe löste Herr S o k o 1 o w in seiner Verteidigung des Zionismus, die den zweiten Theil des Abends ausfüllte. Indem Redner den Ausführungen der Opponenten absichtlich einen ernsten Anstrich verlieh, widerlegte er dieselben Punkt für Punkt durch einen, imposanten Aufwand von Beweisgründen. Die Versammlung, die circa acht Stunden dauerte, gestaltete sich zu einem grossartigen Erfolge für unsere Sache. Den Vorsitz führte unser ausgezeichneter Gesinnungsgenosse Herr Dr. M. Silberstrom. Um das Arrangement des Abends machte sich besonders Herr P. S t ü c k g o 1 d verdient. M. Jahrblum. Leipzig. (Zionistische Ortsgruppe.) Am Montag den 27. Jänner erstattete unser Congress-Delegierter Herr cand. phil. L. Burstein im grossen Saale des Rosenthäl- Casino Bericht über den V. Baseler Congress. Da auf der Tagesordnung Bericht des Vorstandes und Vorstandsneuwahi stand, konnte" dem Wunsche einiger Anwesender, in eine Discussion einzugehen, nieht Folge geleistet werden, jedoch wurde eine spätere Versammlung zur Discussion vom Vorstande Herrn F. Wiener in Aussicht gestellt. Nach Erledigung der Tagesordnung wurden viele Anträge gestellt. Folgende sind hervorzuheben: der Antrag Glikin- Raskin, eine zionistische Volksbibliothek und Lesehalle zu gründen, wurde, nachdem auf verschiedene Einwendungen des Vorstandes der Ortsgruppe betreffs Mangels an Mitteln der Verein „Zionah14 (Studenten aus Russland) sich bereit erklärt hat, seine aus circa 300 Exemplaren bestehende Büchersammlung, wie auch den Barbestand von 450 Mark zur Gründung der Bibliothek zu übermitteln, angenommen. Ein Antrag des Herrn L. Bur st ein, zur Unterstützung des Nationalfonds in jedem zionistischen Hause Sammel-