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Die Welt · 1902-03-07 · 10 (7.3.1902) · p. 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
10 (7.3.1902)
Article
Das neue Rural- und Handwerker-Gesetz in Rumänien
Date
1902-03-07
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 nE>ie # Welt* ttr. 10 „Fremde Unternehmer werden nur dann zu Licitationen zugelassen, wenn sie den Beweis erbringen, dass in ihrem Lande ein gleiches Reciprocitätsgesetz für Rumänen besteht." „In den Bedingnisheften für öffentliche Arbeiten oder Lieferungen ist eine Clausel vorzusehen, die dem Unternehmer fremde Handwerker nur in der von der öffentlichen Administration festgesetzten Proportion gestattet, die nach der Natur der Arbeiten und der Region, in welcher dieselben auszuführen sind, zu bemessen sei.* Wer die Verhältnisse und den Begriff des Wortes „Rumäne" in Rumänien kennt, wird nun die Tragweite dieses Gesetzes für unsere unglücklichen rumänischen Brüder ermessen können. Mit dem Artikel 95 überträgt man nur das bekannte Sprichwort »Den Sack schlägt man, den Esel meint man" in die Praxis. Gegen die Fremden ist dieser Artikel dem Wortlaute nach gerichtet, den eingeborenen Juden soll er aber treffen. In Wahrheit werden die wirklich Fremden; insoferne sie nicht schon ohnehin auf ein etwa vorhandenes-ausgleichendes Reciprocitäts-Gesetz in der Gesetzgebung ihrer respectiven Heimat hinweisen können, ein solches leicht in ihrer Heimat veranlassen können. Die überaus vielen italienischen und auch deutschen Unternehmer in Rumänien werden umso leichter ein etwa fehlendes Reciprocitäts-Gesetz in ihrer Heimat durchsetzen können, als für die betreffenden Länder für absehbare Zeit absolut keine Gefahr besteht, von den in ihrer Heimat wenig unternehmungslustigen Rumänen überrumpelt zu werden» Im ausser sten Falle klopfen sie an die Thore.des Parlamentes, die ihnen angelweit geöffnet werden, und mit dem Staatsbürger-Diplom nunmehr ausgerüstet, kann der nun nicht mehr * Fremde44 christlichen Bekenntnisses die Wohlthaten, die ihm der Staat spendet, gemessen. Woher soll aber der sogenannte „fremde" autochthone Untere nehmer jüdischen Bekenntnisses, dessen Vorfahren schon in entschwundenen Jahrhunderten in diesem Lande gewohnt haben, ein Reciprocitäts-Gesetz oder gar ein Staatsbürger- Diplom hernehmen? Vergeblich wird er auf seinen Geburtsschein, auf seine Blutsteuer, auf alle Lasten, die ihm der fürsorgliche Staat gleich jedem rumänischen Vollbürger auferlegt, hinweisen; der Vorsitzende wird ihn abweisen, und wenn er höflich ist, wird er ihn bedauern und lächelnd den Rath ertheilen, sich an die gesetzgebenden Körperschaften behufs Erlangung der Staatsbürgerschaft zu wenden. Von dem Barrierestocke mit den 5 Percent und der halben Garantie in dem angezogenen Gesetzentwurfe gar nicht zu reden, da der Jude schon sicher den Hals gebrochen hat, bevor er noch dazu angelangt ist, auch dieses Hindernis nehmen zu müssen. Was die Bestimmung bezüglich der Proportion zwischen den rumänischen und zulässigen „fremden" Handwerkern betrifft, wird sie der aufmerksame Leser, der auch den Geist kennt, der das rumänische Volk und seine Lenker gegen ihre jüdischen „fremden* Mitbürger erfüllt, nach ihrer Tragweite vollkommen würdigen können, wenn er dazu noch bedenkt, dass die grosse Masse des jüdischen Volkes in Rumänien aus Handwerkern besteht. Ungezählte Familien werden brotloswerden, die abgehärmten, hilflosen Ernährer werden den Hunger ihrer unschuldigen Kinder mitansehen und tausendfach mitfühlen müssen . . . Das europäische Gewissen aber, das sich empört und entsetzt, wenn ein Volk im fernen Südafrika in seinem Ringen nicht um Brot, sondern um die Vorherrschaft niedergekämpft wird, wendet sich von einem Volke ab, das mit seinen Mitmenschen nichts weiter als das Stückchen Brot theilen will. Der Zionismus in Sibirien. Aus einem Briefe an das Actions-Comite. Omsk, 7. Februar 1902. » .; . . Die zionistische, Bewegung zählt heute dank unserer Propaganda-Thätigkeit die Juden des ganzen östlichen Asien bis zur Insel Sachalin hin zu ihren Anhängern. Ich selbst bin ein alter Chowew- Zion und seit Jahren ein eifriger Leser der Zeitschriften „Hameliz", „Hazefirah" und „Woschod". Den „Judenstaat" las ich zugleich mit denv Verhandlungs-Protokolle des ersten Zionisten-Congresses in russischer Sprache und bin seither ein überzeugter politischer Zionist. Durch meine Freunde und mich sind tausende von zionistischen Flugschriften in russischer und jüdischer Sprache nach den entlegensten Ortschaften Sibiriens und der Mandschurei verschickt worden. Im Jahre nach dem ersten Baseler Congresse, um die Zeit des Purimfestes, bekamen wir von Herrn Prof. Mandelstamm Sehekelblocks, und vom Postbureau in Kischineff die für die Vereine bestimmten Circulare, und nun gieng die Arbeit flott vonstatten. Die- Circulare wurden vervielfältigt und in alle Städte und Ortschaften versendet, wo wir Gesinnungsgenossen wussten. Alsbald erwiesen sich die Schekelblocks als unzureichend für die grosse Zahl derer, die sich drängten, die nationale Abgabe zu entrichten. Am ersten Tage des Pessach-Festes erhielten wir aus Kischineff das Circular Nr. 9, in dem mitgetheilt wurde, dass die Vorsubscription für die Shares der Jüdischen Colonialbank eröffnet sei und hierfür Instructionen ausgegeben wurden. Es gelang uns nun, innerhalb der sechs Halbfeiertage in Tschit a und Umgebung Subscriptionen auf einige hundert Shares zu sammeln und weitere 200 Rubel an Schekelgeldern einzuheben. Bis zum Schabuothfeste waren nicht weniger als 950 Shares gezeichnet. Nach dem Schabuothfeste bereiste ich die Gegend von Ner ts chinsk und Stretensk, um für unsere Idee Propaganda zu machen und neue Subscribenten für die Jüdische Colonialbank zu gewinnen. Die Reise dauerte neun Tage, denn es gab zu jener Zeit noch keine Eisenbahn in dieser Gegend. Unterwegs warb ich 89 Shareszeichner an, in Nertschinsk selbst aber war die Begeisterung so gross, dass im Verlaufe eines einzigen Tages 1000 Shares gezeichnet wurden. - In Stretensk setzte ich 422 Shares ab. Die meisten A ctien zeichnete inNertschinsk Herr P.J.Riff (215), in Stretensk Herr S. An do w ero w (200). In Tschita gibt es 300 Actionäre der Jüdischen Colonialbank. Um jene Zeit forderte ich auch Herrn Isak Feinb e r g in Irkutsk brieflich auf, sich an der Subscription zu betheiligen. Ohne Zaudern erlegte der Genannte den Betrag für 600 Actien bar. Der Mann ist bis heute der grösste Actionär unserer Bank in Sibirien. ... Meine zionistischen Freunde, deren Zahl von Tag zu Tag wächst, und ich selbst arbeiten trotz vielfacher Hindernisse unverdrossen weiter und finden immer neue Arbeitsgebiete für unsere Sache. Wir haben schon ein Dutzend Vereine gegründet, über deren Thätigkeit ich in meinem nächsten Briefe Bericht erstatten werde.44 Aron Benzionowitsch Schapira, ^Fibül)C* Pressbarg, 3. März 1902. An die ungarischen Zionisten! Der „Ahawath Zion"-Verein in Pressburg beehrt sich hiermit bekanntzugeben, dass durch ihn Actien der Jüdischen Colonialbank auch in 2, 3, 4, 6 oder 12 Raten ohne irgendwelche Aufzahl ü n g bezogen werden können« Anmeldungen, welchen 1 Krone als Angabe in Briefmarken beizulegen ist, wollen gefälligst an Herrn Max H a u s er, Pressburg, Kapuzinerstrasse gerichtet werden. An die jüdische Studentenschaft Wiens! Der provisorische Ausschuss der „Vereinigung zionistischer Hochschüler" veranstaltet Samstag den 8. März um 8 Uhr abends im Restaurant K h u n e r einen Discussionsabend, an welchem Herr Martin B u b e r über „Die Ent-. wicklung des modernen Zionismus" referieren wird. Commilitonen, erscheinet zahlreich! Auch nichtstudentische Gäste sind willkommen. Anregungen für den Nationalfonds. W i e n, 2. März 1902. Geehrte Redaetion! Soeben erhalte ich die Nachricht, da^s der Verein „B'nei Zion"in Odessa in einer seiner letzten Versammlungen beschlossen hat, sich in das „Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds" eintragen zu lassen, und dass unter den Mitgliedern des Vereines .bereits der grösste Theil der hierzu erforderlichen Summe (circa 100 Rubel) aufgebracht worden ist. Diese Thatsaohe hat mich angeregt, den Gesinnungsgenossen im Wege Ihres geschätzten Blattes folgenden Vorschlag zu unterbreiten: Jeder zionistische Verein sollte es für seine Pflicht halten, sich in daSjGoldeneBuchdesJüdischenNational

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