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Die Welt · 1902-02-28 · 9 (28.2.1902) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
9 (28.2.1902)
Article
Tulcea [Nachricht]
Date
1902-02-28
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 ,Die & Welt«4 J. Schapura, F. Ornstein, H. Ornstein, N.Rosenberg, Abr. Abramovic, Beisitzer. Unser Verein hat Massregeiii getroffen, sich ehestens in das goldene Buch des Nationalfonds einschreiben zu lassen. Berlad. „Societatea„Zioii M e s er i a si r". Mitgliederzahl 150. Nach Statut inuss jeder Schekel zahlen und den Congressbeschlüssen streng gehorchen. Nebenzweck des Vereines: Gegenseitige Unterstützung. Ergebnis der Wahlen vom 28. Jänner: Dr. J. Braun, Präsident für Zionismus; Professor Isr. Kunowitz, Vicepräsident; Moritz Broder, Präsident für Unterstützung; D. Oskins o h n, Vicepräsident; M. Grinberg, Cassier; Beisitzer: Leon Laza.ro ff, J Land mann, A. Frühling, S. Abramovitz, S. Seidlinger, J.Braunstein, H. Singer. Paris. Herr Dr. Rabbiner, der jetzt an einem grossen Werk, darf dem Judenthum geweiht ist, arbeitet und dazu Material an der Bibliotheque Nationale zu Paris sammelt, hat vorigen Sonnabend, d**n 8. d. M., im Vereine „Mebassereth Sioi)" einei Vortrag über: „Die berühmten jüdischen Frauen in der jüdischen Geschichte, ihre Charaktergrösse und ihre Verdienste ums Volk* gehalten. Manchester. Am 2. Februar fand eine grosse Versammlung des „Manchester Töchter Zions-Verei»esft statt. Frau J. Angel präsidierte. Fräulein Rosa Krakow^ky, die Delegierte des Vereines (die einzige Dame aus England), erstattete ihren Bericht über den fünften Congress, welcher von den zahlreichen Zuhör^rinen mit grossem Beifall aufgenommen wurde. Frl.Krakowsky sprach auch über den „Jüdischen Nationalfonds".Neue Mitglieder wurden gewonnen. Glasgow. (Ver. „B'n e i Z i o na.) Grosse Versammlung Sonntag den 26. Jänner Percy P. Baker referierte über, den V. Congress. Schliesslich wurde folgende Resolution angenommen: Die Versammlung GlaKgower Zionisten drückt hiermit ihr uneischauerliches Vertrauen zu Dr. Herzl, Dr. Nordau, Dr. G a s t e r, Sir Francis Montefiore und den anderen Führern der zionistischen Bewegung aus und verpflichtet sich, ihr Möglichstes zu thun, das zionistische Programm, wie am V. Congress niedergelegt, auszuführen. P. P. B. Great Grimsby (England). Hier hat sich auf Initiative,, der Mrs. Wolfe ein zionistischer Frauenverein gebildet./, der bereits eine stattliche Mitgliederzahl aufweist und eine, rege Thätigkeit entwickelt. Bradford (England). Verein„Mon tefiore". 26. Jänner General-Versammlung. Rabbiner Dr. Strauss wurde zum Präsidenten wiedergewählt. Herr Friedensrichter Moser referiert am 9. Fpbruar über den Congress. Herr Rev. Stapel ton, christlicher Prediger, stellt die Localitäten seiner Schule dem Vereine jeweilig zur Verfügung. Cape Breton (Canada); Hier hat sich ein neuer Zionverein gegründet, dessen Mitglieder zum grossen Theile rumänische Juden sind, die nach ihrer Auswanderung in den hiesigen Bergwerken Arbeit gefunden haben. Berlin. („V erein jüdischer Studente n.") Am 14. und 21. Jänner sprach Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Esch elbacher über Professor Harnacks „ Wesen des Chri>tenthümstt. Der Vortrag, welcher von einem ebenso entschiedenen, wie vornehmen Stolze auf unser Judenthum getragen wurde, rief hohe Begeisterung hervor. . J. A. Basel. Neugründung: „M a k kab ä er- Clu b" Basel, Verein zionistischer Akademiker. Gegründet am Tage nach dem Congresse. Präsident M. S i 1 b e r b e r g, Schriftführer Dr. L. Weil. Wien. Im Restaurant Guth hielt am 22. d. M. der Einzelverein „Wien" des „Zion" einen Vortrags-Abend ab mit der Tagesordnung: Bericht über den V. Baseler Congress. Nachdem der Präsident Herr Moriz E h r 1 i c h die Mitglieder und Gäste begrüsst und ein Begrüssungs-Telegramm Herrn Dr. Herzls verlesen hatte, nahm der Referent Herr Architekt Oskar Marmorek das Wort In geistreicher Rede berichtete er über die Resultate des Congresses und gab der Versammlung Aufklärung über dieZiele der Congresse und des Zionismus. Es sprachen dann Herr S. Fischer und Herr Hartmann. In markigen Worten erwiderte ihnen der Referent und so schioss der offizielle Theil der Versammlung; im geselligen Theile führten die Töchter des Vicepräsidenten Herrn Mor. Cohen Clavier-Piecen vor. HerrT o r c zy n e r und Herr Salzberger sangen hebräische und deutsche Lieder. Herr Strauss, sowie Fräulein Kr och mal trugen zionistische Gedichte vor, ebenso H*rr M. Ehrl ich. z—h. Feuilleton. In Jerusalem sterben! Von Israel Zangwill. I. Je älter Isaak Lewinsky wurde, je mehr er, so weit es ihm seine Zeit erlaubte, die Welt kennen lernte, um^raehr schämte er sich des russischen Rabbiners, den ein unglücklicher Zufall zu seinem Vater ausersehen hatte. Im Anfang schien% ihm so natürlich, in der vollgefüllten kleinen Synagoge von Spitalfield die Gebete zu singen und vor der Thora zu tanzen; er hatte seinen Theil am Ruhme als Sohn und Erbe des berühmten Predigers, dessen vierstündige Bibelauslegung sogar die Frommen des Westend unter den Zauber der himmlischen Tüfteleien zwang. Bald darauf aber, als Israel in die englische Schule gekommen war — hatten doch die weisen Philanthropen die jüngere Generation stark anglisiert —- entdeckte er. dass andere Väter sich nicht durch die Beibehaltung des langen Kaftans, der Pelzmütze und der Ohrlocken Ost-Europas komisch bemerkbar machten, ja, dass andere — oh, Ihr beneidenswerten Söhne! — sich kaum durch etwas von den Lehrern unterschieden! Als die Schutzengel des Ghetto ihn, infolge seines Zeichentalentes zu einem Lithographen in die Lehre gaben, litt er wahre Höllenqualen bei dem Gedanken, dass die lächerliche Figur seines Vaters dort erscheinen werde, um den Vertrag zu unterzeichnen. „Sie könnten morgen anstatt des Kaftans einen langen Rock anziehen," bat er in „Jüdisch". Der lange weisse Bart des Rabbi hob sich langsam aus den vergilbten Blattern des babyionischen Talmud, in dem er soeben das Tractat, betreffend die Einbringung der Kopfsteuer in Palästina studiert hatte. „Wenn er das Geld von jedem zweiten Zehent, oder von der Sabbath-Jahresfrueht nahm," murmelte er in seinem Singsang, „so musste er den vollen Wert desselben in Jerusalem verzehren." Als er das betrübte Gesicht seines Jungen sah, da verschwand das Traumland, der prachtvolle salomonische Tempel zerfiel zu Staub, und er erinnerte sich, dass er im Exil war. „Einen Rock anziehen?" wiederholte er sanft. „Nein, Du weisst ja, dass das gegen unsere heiligen Gesetze verstösst, so zu erscheinen wie die Heiden. Ich wanderte nach England aus, um den Kaftan tragen zu können, und Gott hat mir seinen Segen verliehen!" Isaak unterdrückte ein „verdammt", das sieh ihm auf die Lippen drängte. Er hat oft die Geschichte gehört, wie der grausame Czar Nikolaus es versucht hatte, die Juden seines Reiches so gekleidet zu sehen, wie die Christen, um sie ganz zu assimilieren; wie die Polizei sogar die beinahe unsichtbaren Seidenseheitel von den kahl geschorenen Köpfen der verheirateten Frauen herunter - riss, zur geheimen Freude der Schönen, die ihre Haare nun ungehindert zu Sehmuck und Zierde wachsen lassen durften. In Verbindung mit dieser Geschichte erinnerte er sich an vage Legenden von unerfahrenen Recruten, die von ihren Corporälen gezwungen wurden, so lange auf spitzen Steinen zu knieen, bis sie die Uebermacht des Christenthums anerkannten! „Die blinden Narren!" dachte der Knabe in überquellender Bitterkeit, sie glauben, dass die Religion in den Kleidern liege, wie etwas, das sie in die Tasche stecken können! Das kommt daher, weil bei vielen die Religion — in der Tasche liegt. Ein Schauer überlief ihn, als sehe er die schmutzigen habgierigen Fanatiker. „Ich kann mir's denken, wie angenehm es mir gewesen wäre, wenn man meinem Liebchen das ganze Haar abgeschnitten hätte! Und die Recruten; ganz Recht geschah ihnen, warum wollten sie nicht Christen werdenf Als wenn das Judenthum wahrer wäre! Der Alte denkt nie daran, wie er mich martert — auch ich knie auf spitzen, kleinen Steinen! . . . ." Altklug und ehrgeizig wie er war, sah er seine Zukunft und sein Leben durch den Kaftan des Vaters gefährdet. II. An einem Freitag-Nachmittag — Isaak hatte seine Lehrjahre bereits beendet — da herrschte anstatt des sabbathlichen Friedens Unruhe im Hause des Rabbi. Isaaks Stuhl war leer. Die geflochtenen Brote waren ohne Salz, der Wein im Sabbathbecher ohne jegliches Aroma. Die Mutter steckte voll unheilvoller Erklärungen. „Entheilige den Sabbath nicht," sprach sanft der heilige Mann in seinem Chalat*); er citierte den Talmud: „Kein Mensch hat auch nur einen verstümmelten Finger, ohne dass es der Allmächtige gewollt hätte!" „Isaak ist anderswohin zum Speisen gegangen/' meinte die kleine Leah. „Kinder und Narren sprechen die Wahrheit," sagte der Rabbi und zwickte sie in die Wangen, *). Schlaf rock.

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